Montag, 3. September 2012

Fliege, grüß mir die Sonne! Warum Libertäre gern Fliege tragen.

Tomasz M. Froelich mit Querbinder
von Tomasz M. Froelich; ursprünglich erschienen in der 3. Ausgabe von ,,Blink'' (S.58-59)
Das Tragen der Fliege gilt heutzutage als unkonventioneller Akt, früher galt es als Provokation: Ursprünglich von Madame Pompadour - der Geliebten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. - erfunden, avancierte die Fliege schnell zu einem modischen Accessoire, welches sich vor allem bei exzentrischen und querdenkenden Herren großer Beliebtheit erfreute. Die symbolische Bedeutung dabei war eine gewisse Ablehnung und Provokation gesellschaftlicher, vor allem adeliger und bürgerlicher Konventionen und ein optisch zur Schau dargebotener Individualismus. Und so verwundert es kaum, dass auch die Bohemiens, die eine Affinität zum Anarchismus und Individualismus hatten und der herrschenden Klasse und dem durch sie unterwanderten System stets kritisch bis ablehnend gegenüberstanden, begeisterte Fliegenträger waren.

Zudem hat das Tragen der Fliege durchaus strategischen Sinn: In unserer Welt ist es schwierig, gegen die von herrschenden Eliten vorgegaukelten und oftmals falschen Konventionen, Werte, Ideale und Ideen vorzugehen. Kämpft man als Freiheitsfreund gegen diese Unterdrückung, Manipulation und Propaganda an, so wird man durch das Tragen einer Fliege, als unkonventionelles und oppositionelles Markenzeichen, besser wahrgenommen und damit auch die freiheitliche Idee, hinter der man steht.
Ein tagespolitisches Beispiel hierfür ist etwa der polnische Minarchist Janusz Korwin-Mikke, der einen Teil seiner Popularität seiner Fliege verdankt. Auch Murray Rothbard, einer der größten Austrians und Libertären überhaupt, war zu Lebzeiten ohne Fliege kaum vorstellbar. Bei konventionellen, zum Establishment gehörenden Politikern wie etwa Ralf Stegner und Karl Lauterbach (beide SPD) wirkt die Fliege hingegen unauthentisch.

Neben ihrer Symbolkraft überzeugt die Fliege auch mit praktischen Vorzügen. Zwar ist sie etwas schwerer zu binden als die Krawatte, stört ihren Träger aber sonst nirgends: weder den Chemiker, der gerade Untersuchungen am Mikroskop oder Reagenzglas anstellt, noch den Gourmet oder Cafetrinker, der beim Kleckern schlimmstenfalls sein Hemd zur Reinigung bringen muss, nicht aber seine Fliege. Ein Krawatte tragender Chemiker hätte hingegen so seine Schwierigkeiten mit der umherschweifenden Krawatte. Und der Krawatte tragende Gourmet müsste im Vergleich zum Fliegen tragenden Gourmet bei der Reinigung wahrscheinlich etwas mehr zahlen.

Symbolkraft, praktische Vorzüge, aber auch eine elegante, interessante und individuelle Optik - Fliege lässt sich tragen, man muss sich nur trauen!
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Galerie:
Murray Rothbard ohne ,,Mascherl''?
Unvorstellbar!
Die Fliege als Markenzeichen des
polnischen Minarcho-Monarchisten
Janusz Korwin-Mikke.
Immer stilsicher:
Jeffrey Tucker vom Mises Institute

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