Donnerstag, 20. September 2012

Die Prohibition bewirkt das Gegenteil von ihrem angeblichen Zweck!

von Philipp Braun
Die Propaganda:
Die Prohibition bekämpft den Drogenhandel, sorgt für Sicherheit, ist Jugend und Verbraucherschutz und schreckt allgemein vom Konsum ab.

Die Realität:
Der Drogenhandel blüht und wirft Gewinne ab wie nie zuvor. Nie mussten mehr Menschen für ihn ihr Leben lassen wie derzeit in Mexiko, wo ein Krieg zwischen Militär und den Drogenkartellen tobt und ganze Regionen de facto nicht mehr unter der Kontrolle des Staates stehen. 120000 Menschen fielen ihm laut Wikipedia bisher zum Opfer.
Im französischen Marseille hat die Polizei manche Stadtteile nicht mehr unter Kontrolle, die Kartelle morden mit Sturmgewehren, verzweifelte Lokalpolitiker trommeln für einen Einsatz der Armee.
„Viel mehr scheint derzeit nicht zu wirken. Rund alle drei Wochen zerschlage die Polizei einen Drogenring, zitierte der „Figaro“ einen Ermittler. Aber genauso schnell kämen neue nach. „Das ist ein ermüdender Kampf.“
Auch in Deutschland gibt es mitunter tödliche Zwischenfälle im Drogenmilieu, zum Beispiel im Juli in Osnabrück.

Das Verbot verteuert eigentlich günstige Substanzen massiv, denn für Schmuggel und illegalen Handel wird ein massiver Risikoaufschlag fällig. Dieser nimmt mit dem Grad der Prohibition zu – und mit ihm die Skrupellosigkeit gegenüber Konkurrenz und Polizei. Letztere mag den Kampf „ermüdend“ finden, er wird aber auch endlos sein und eher noch grausamer werden, wenn die Prohibition bestehen bleibt. Denn dass die Prohibition vom Drogengebrauch abschrecken würde, lässt sich für die wenigsten Menschen behaupten. Es macht eher neugierig.
Gerade bei Cannabis schrecken zudem die vielen Berichte, die den Rausch als angenehm und relativ harmlos beschreiben, nicht gerade ab. Hat man erst einmal Gefallen gefunden, ist als Patient gar sehr angetan von seiner medizinischen Wirkung, wachsen zudem die Zweifel an einer Organisation, die gegen diese Pflanze vorgeht. Immer wieder kommt das "Argument", dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei, wobei ausgeblendet wird, dass man eher Alkohol und Zigaretten als Einstiegsdrogen sehen sollte. Scherzhaft wird auch gerne die Muttermilch als erste Einstiegsdroge genannt.

Wenn, dann ist Cannabis eine „Einstiegsdroge“ für Dealer.
Der letzte Dealer vor dem Endverbraucher macht in der Regel keinen so guten Schnitt mehr, hat es aber oft mit zu allen Zeiten anfragenden Kunden zu tun, bei denen obendrein die Zahlungsmoral zu wünschen übrig lässt. Dass diese Situation irgendwann dazu verleiten kann, auch lukrativere Drogen anzubieten, um mehr für sich herausholen zu können, ist nicht ungewöhnlich. Schließlich wird man recht ungeniert noch krimineller, wenn man es bereits ist. Im Falle des Dealers ist das Schuldbewusstsein weit niedriger als zum Beispiel bei Einbrechern, die Leuten ungefragt etwas wegnehmen. Denn bei ihm lassen die Leute „freiwillig“ und oft „fordernd“ Handy und Türklingel läuten, kaufen gerne auf Pump, hoffen immer darauf, etwas abstauben zu können und der Kühlschrank leert sich auch gerne mal von alleine.
Aber auch bei den Konsumenten steigt die Beschaffungskriminalität nicht alleine mit dem Grad der Sucht an (wobei z. B. bei Cannabis keine physische Abhängigkeit entstehen kann). Es wird ebenfalls die Hemmschwelle für weitere Verbrechen gesenkt, da ohnehin jeglicher Besitz eine Straftat darstellt.

Bei der Bekämpfung des inländischen Anbaus spähen Hubschrauber in den Maisfeldern nach Cannabisinseln. Mit Infrarot-Kameras ausgestattet macht man Jagd auf Indoor-Plantagen in Wohn- und Gewerbegebieten. Dies führt zu der Ironie, dass deutsche Touristen in niederländischen Coffeeshops Hanfblüten aus Deutschland kaufen können. 
In den Niederlanden ist nur die auf 5g begrenzte Vergabe an Endverbraucher sowie eine begrenzte Vorhaltung (~500g) in Coffeeshops erlaubt. Beschafft werden muss die Ware weiterhin über kriminelle Strukturen, die teilweise vor der holländischen Polizei und ihren Hubschraubern (auch unbemannte Heli- Drohnen sind dabei) nach Deutschland geflohen sind.
Dennoch herrscht bei den niederländischen Nachbarn durch die Fachgeschäfte eine gewisse Qualitätskontrolle. Man hat einen Ruf aufzubauen und zu verlieren. Kunden können in Erfahrung bringen, welche Sorte - und welche Wirkung - sie einkaufen. Von Streckmitteln und anderen Betrügereien hört man selten. Oft hat man eine ansehnliche Auswahl.
Leider wurde in den südlichen Provinzen der Wietpas eingeführt, für den sich nur Einheimische registrieren können. Ab 2013 soll er in ganz Niederlanden gelten. Man erhofft sich einen Rückgang des Drogentourismus, hat aber in erster Linie wieder einem blühenden Schwarzmarkt die Bühne bereitet. Auf diesem Blog finden sich viele Infos zum unseligen “Wietpas”.

In Ländern ohne kontrollierte Abgabe ist in der Regel völlig unklar, was man von seiner Quelle bekommt. Auch die hat meistens schon „blind“ gekauft. Gras ist Gras, mit Glück wird zwischen Haze und Indica unterschieden; bei Haschisch gibt es Standard oder Pollen, hier und da schwarzer Afghane, ganz selten andere Exoten wie Roter oder Blonder.
Bevor die Ware beim Endverbraucher landet, geht sie unter vielen Umständen durch jede Menge Hände, die mit Gewinnabsichten selbst aufschlagen, die Ware strecken bzw. beides zusammen tun. Dies führte schon zu Bleivergiftungen bei Cannabiskonsumenten, wobei man hier eine Blei-Gabe bereits beim Anbau vermutete. Streckmittel wie Vogelsand, andere grüne Kräuter oder Brix sind ziemlich häufig, Haschischraucher haben oft mit Hennapaste zu kämpfen. Bei „härteren Drogen“ sind die Beigaben teils noch gefährlicher und tragen massiv zur sogenannten „Verwahrlosung“ mancher Konsumenten bei.

Prohibitionisten scheinen diese Entwicklung billigend in Kauf zu nehmen, sehen im Streckmittelgebrauch gar eine weitere gewünschte „Abschreckung“ vorm Konsum.
Es ist sehr zu begrüßen, dass Oma Dyckmans für den nächsten Bundestag nicht mehr kandidiert. Auf eine andere Meinung beim künftigen Drogenbeauftragten darf man aber kaum hoffen. Schon Dyckmans wollte das Glücksspiel regulieren und damit gegen die Automatenindustrie vorgehen, dabei neue Kompetenzen erringen und ihren Stab und ihre Macht ausbauen. Hier ist die Lobby aber wohl noch stark genug
Auch von ihren Nachfolgern ist eher zu erwarten, dass sie ein „Ministerium für Suchtfragen“ anstreben und damit auch Alkohol, Zigaretten und sonstige Laster attackieren wollen – als dass sie eine Erlaubnis für das Laster „Cannabis“ oder gar andere zur Zeit illegale Drogen erteilen möchten. Hauptsache, ihre Macht wächst, und damit das Prestige sowie die weiteren Aufstiegsmöglichkeiten. In allen untergeordneten Abteilungen freut man sich auch über höhere Budgets. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Der Jugend wird dabei freilich nicht geholfen. Auf dem Schwarzmarkt gibt es keine Altersbeschränkung - und während in den niederländischen Shops Ausweispflicht herrscht, zählt auf dem Schwarzmarkt nur der Profit. Da man in Deutschland zudem bis 14 Jahre nicht strafmündig ist, werden viele Kinder von älteren Verwandten oder Bekannten in das Drogengeschäft hineingezogen.
Auf Schulhöfen wird besonders gerne gedealt.

Nicht mal aus seinen eigenen Gefängnissen kann der Staat die Drogen raushalten. Vom Schmuggel über Besucher bis zu korrupten Wärtern hat man das volle Programm. Eine Drogenkarriere geht im Knast oft erst richtig los. George Jung fasst seinen Gefängnisaufenthalt im Film “Blow” jedenfalls so zusammen: „Ich ging mit einem Vordiplom in Marihuana rein und kam mit einem Doktor in Kokain wieder raus.”

Die Prohibition bewirkt das Gegenteil von ihrem angeblichen Zweck!
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Philipp Braun ist Landschaftsgärtner und studiert an der FH Osnabrück. 
Die Grünen und die Piraten wählte er 2002, 2005 und 2009 vor allem für das Versprechen einer anderen Drogenpolitik. Nun ist er im libertären Spektrum angekommen und will dort gegen die Prohibition kämpfen.

Kommentare:

  1. Die Prohibition bewirkt ihren Zweck:

    http://www.larsschall.com/2012/08/30/under-the-mask-of-the-war-on-drugs/

    http://www.larsschall.com/2010/09/03/das-system-verkommt-zum-junkie/

    http://www.larsschall.com/2010/08/29/behind-the-wheel/

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  2. Deswegen ist in der Überschrift auch von ihrem ,,angeblichen Zweck'' die Rede.

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  3. http://www.globalcommissionondrugs.org/wp-content/themes/gcdp_v1/pdf/Global_Commission_Report_German.pdf

    Der Bericht der Weltkommission für Drogenpolitik zeigt sehr schön, dass die Prohibition nichts bringt, er rät zu einer Liberalisierung.

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