Samstag, 22. September 2012

Das Selbsteigentum endet nicht, weil ich mich selbst zerstöre

von Tommy Casagrande
Immer wieder wenn es um das Thema Drogen geht werden sogar jene, die sich für liberal halten, zu Faschisten im Sinne wie Mussolini dieses Wort definiert hat. Nichts außerhalb des Staates! Jedenfalls nicht beim Thema Drogen. Denn da darf es kein Pardon geben. Mit radikaler Polizeigewalt, mit der Härte des Staates muss durchgegriffen und auf Drogendealer und Konsumenten eingeprügelt werden, bis ihnen Hören und Sehen vergeht. Wenn sie dabei um's Leben kommen wie beim Konflikt in Mexiko, an der Grenze zu den USA, dann ist das Gewissen darüber, jemanden ermordet zu haben, weil die staatlichen Gesetze im Krieg gegen Drogen alles erlauben, eine Fußnote. Viel wichtiger als ein nicht mehr existierendes Menschenleben ist die Chance, die Welt um eine Nuance mehr von einem Drogendealer befreit zu haben. 

Ich will mich gar nicht damit befassen, dass Staat und Drogendealer einander brauchen. Der Staat braucht die Drogen um seine Befugnisse gegenüber den Menschen auszuweiten. Also tut er gut daran, sie zu illegalisieren. Die Drogenbosse freuen sich, dass ihre Drogen nicht dem freien Markt unterworfen sind. Sonst würden sie womöglich weniger verdienen bzw. ganz sicher würden sie ihre Macht und ihren Einfluss verlieren, den sie zum Teil in den Regionen haben, in denen sie operieren.

Nun zu den Drogen selbst.

Selbst wenn es zu Lungenkrebs, zur Impotenz, zu aggressivem Verhalten führt, also angenommen, tatsächlich negative körperliche Auswirkungen hätte, noch nicht einmal dann wäre es in Ordnung, wenn man ein Verbot befürwortet. Es ist ethisch einwandfreier, wenn jemand freiwillig etwas sich selbst antut, das ihm schadet, als wenn jemand einem anderen Zwang und Gewalt androht, falls er Dinge tut, die diesem schaden. Ein Verbot zu befürworten bedeutet ein Gewaltmonopol zu akzeptieren, das mir (und dir und jedem) gegenüber Gewalt anwenden darf, wenn ich (du und jeder) nicht auf mich (und sich) selber aufpasse (aufpasst). Und das ist faschistoid. 
Ich poche auf das Recht, jedem zuzugestehen, alles mit sich selber tun zu dürfen. Vom Nasenbohren mit anschließender Blutung, weil man den ersten Gehirnlappen gekreuzt hat, bis zur Folterung mit heißem Wachs, das so mancher Fetischist auf seinen eigenen Bauchnabel gießt, nur um sich selbst Geständnisse zu entlocken. Mit sich selber darf man alles machen! Und das wichtigste ist, man muss sich selber schaden dürfen. Denn wenn man nur die Freiheit hat sich nicht zu schaden, ist das keine Freiheit, sondern lediglich eine Soldatenmentalität, bei der man aufhört selber zu denken, weil man selber keine Entscheidungen mehr trifft. 
Nachdenken und Entscheiden gehören eng zusammen und führen zu einer Entwicklung, die man Verantwortung nennen kann. Andernfalls, wenn diese Freiheit nicht existiert, selber zu entscheiden und auch nicht selber nachdenken zu dürfen, so befolgt man Befehle, die auf ein oberflächlich beruhendes Moralempfinden sich berufen - und bei genauerem Hinsehen nur die Moral des einen und nicht des anderen meint. 
Politik kann nicht zwei einander entgegenlaufende moralische Empfindungen mit Gewalt durchsetzen. Politik kann nur eine Empfindung auf Kosten einer anderen mit Gewalt durchsetzen. Lediglich die Freiheit würde es vermögen, einander entgegengesetzte moralische Empfindungen formell zu dulden, ohne jemanden zu bestrafen durch niedergeschriebene Gesetze. Menschen können auch ganz ohne Staat und Gesetz Werte entwickeln, an die sich Menschen in freiwilligen Gemeinschaften halten, weil es schlicht Sinn macht, wenn man wo leben will, nicht all zu sehr auf Konfrontation mit denen zu gehen, die bereits dort waren. Freiheit bedeutet aber eben auch, sich nicht mit diesen Menschen, die andere Grundsätze vertreten, vermengen zu müssen. Alternativen sind möglich. Eine Cola vermengt sich zwar auch mit Quecksilber, es schmeckt nur nicht so gut. 

Somit ist es auch egal wieviele Studien es gegen Drogen gibt. Alle sind sie irrelevant, da ihr einziger Sinn und Zweck darin liegt, dem Gewaltmonopol eine Gesetzesgrundlage zu geben, um Gewalt gegen Menschen anzuwenden, die jedoch die Freiheit haben wollen, sich selber zu gehören. Eine Studie macht nur insoweit Sinn, falls tatsächlich ihre Objektivität überprüfbar ist, eine Orientierung zu geben für das eigene Handeln. Dazu sollten aber jene, die solche Studien entwerfen, sich von den freiwillig zahlenden Kunden finanzieren lassen und bitte nicht vom Staat.

Das Phänomen, das jener Diskussion zugrunde liegt, wird selten abstrakt thematisiert. Durch die konkrete Diskussion geht das Verständnis dafür verloren, welche Grundprinzipien man mit einer konkreten Position vertritt oder leugnet. Das Grundphänomen lautet: Menschen sind Individuen und Individuen haben subjektive Wertmaßstäbe. Aufgrund solcher bewerten sie subjektiv die Handlungen anderer Menschen. 
Da die meisten Menschen philosophisch nicht aufgeklärt genug sind, um den Begriff der Freiheit als das zu verstehen, was sie meint, interpretieren sie ihre Abneigungen gegenüber anderer Menschen Handlungen mit der Möglichkeit, die es gibt: Jemanden zu beauftragen, der es ändert = die Politik. Dies führt zur dramatischen Situation, dass Menschen einander immer weniger Freiheit zugestehen. Menschen werten häufig mit zweierlei Maß. Das, woran sich Peter stört, ist aus Peters Sicht wichtiger, als das, woran sich Christoph stört. Dabei lässt sich objektiv nicht werten, welche Wertung wichtiger ist, da dieser Versuch es objektiv zu werten, wiederum nur der Versuch eines Subjektes ist. Und seit Mises wissen wir, jedenfalls jene die ihn gelesen haben, dass Wertungen subjektiv erfolgen. Das wissen aber auch jene, die schonmal mit anderen Menschen zu tun hatten. Man findet selten jemanden, der alles genauso bewertet wie man selber.

Objektiv, also unabhängig der Subjekte und ihrer Wahrnehmungen, muss man aber sagen, dass Menschen prinzipiell sich an allem stören können. Heute sind es die Drogen und das Rauchen. Morgen sind es die Prostituierten und Menschen, die sich ihre Haare färben. Übermorgen wird nur noch Kleidung geduldet, die aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Das ganze Ding nimmt kein Ende. Es ist eine Spiralle des Todes. Und es führt uns in die Irre. Heute denken wir, "mein Gott, Drogen sind unser Hauptproblem. Wenn wir das geschafft haben, geht die Sonne über der Erde auf." Dabei wird man feststellen, dass es nur ein medial aufgeheiztes und ewig wiedergekautes Thema ist, das einen Allgemeinplatz in unserem Bewusstsein bekommen hat. So, wie es das biologische Phänomen gibt, dass Menschen in ihren Träumen kulturübergreifend Motive von Mythen und Märchen erkennen, die sich um Grundaussagen bilden, so ist es bereits in ein kollektives Kulturbewusstsein übergegangen, den Krieg gegen die Drogen zu befürworten, weil man damit aufgewachsen ist. 
Nach den Drogen prophezeie ich, dass man sich das nächste Thema suchen wird, um es zu politisieren und um die alles interessante Frage zu stellen, bei der es darum geht: "Verbieten oder nicht Verbieten? Schalten sie jeden Tag bei uns ein, wir berichten live." In Wahrheit gibt es keine Probleme, wenn wir uns nicht einreden lassen würden, dass wir welche hätten, die ja nur diejenigen "haben", die es gerne tun. Man redet uns ständig ein, dass etwas, dass Menschen tun, falsch ist, und wir schauen zuerst darauf, ob es uns als falsch verkauft wird und ob wir dem dann glauben. Wir schauen aber nicht, ob diese Menschen das angeblich falsche tun, weil sie es gerne und freiwillig tun und wir schauen nicht darauf, ob sie damit anderen schaden. Wir bewerten die Situation anhand politischer Studien und treten auf wie die Anwälte des Staates, den wir eigentlich zu verklagen hätten. Menschen stören sich grundsätzlich an Handlungen anderer, aber dieses sich gestört fühlen, darf nicht Grundlage von Politik sein. Ist es heute aber, permanent. Und damit nimmt die Freiheit für alle ab. Jeder beklagt seinen eigenen empfundenen Freiheitsverlust, sieht aber nicht oder verdrängt es, dass er selber sich an dem ganzen Spiel mitbeteiligt, weil er durch seine Stimme geholfen hat, anderen das Empfinden von Freiheit ebenfalls zu reduzieren. Das sehen die Leute meistens nicht, weil sich ihre Wahrnehmung auf sich selbst beschränkt. 

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