Mittwoch, 5. September 2012

Das Finanzkartell. Eine notwendige allgemeinverständliche Erklärung der Weltwirtschaftskrise und ihrer Folgen

Ron Paul. konsequent gegen einen der
"Big Player" des Finanzkartells: die FED.
von Peter Mokwa
Definition
Die Sozialisten aller Parteien sagen, die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise sei die Krise des Kapitalismus. Einige drücken sich „differenzierter“ aus: Es sei der „Turbokapitalismus“ oder der „Finanzkapitalismus“. Daraus schließen sie, daß dieses Monster reguliert, gebändigt oder gar verstaatlicht werden müßte.
Jede Analyse hängt von der Korrektheit der Begriffe ab. Sind diese unklar, bekommt man auch keine klare Analyse, meistens eine falsche. Und aus einer falschen Analyse können keine richtigen Schlüsse folgen. Die Frage lautet also: Was ist Kapitalismus?
Die korrekte und auch einfachste Definition lautet: Kapitalismus ist Marktwirtschaft. Eine Wirtschaft, in der das Eigentum privat ist und die Konkurrenz unter den Unternehmern die Konsumenten schützt. Es ist eine Wirtschaft, in die kein Staat eingreift und wo niemand Monopole errichtet.
Im Gegensatz dazu ist Sozialismus Staatswirtschaft. Die höchste Stufe des Sozialismus ist die totale staatliche Planwirtschaft.
Die Light-Version des Sozialismus besteht aus diversen Eingriffen des Staates in das Marktgeschehen. Der Staat schafft für einige Marktteilnehmer Privilegien und schützt sie damit vor Konkurrenz. Oder er errichtet Monopole, die den Markt beherrschen, manipulieren und die Konkurrenz ausschalten.

Das Geldmonopol
Das wichtigste und lukrativste Monopol ist das Monopol auf Geld. Geld ist nichts Mysteriöses, es ist nichts anderes als eine Ware. Die „allgemeine Ware“ hat es Marx genannt. Eine Ware also, die man gegen alle anderen tauschen kann.
Seit Beginn der Zivilisation war es das Bestreben der Staaten, Monopole für diese Ware zu errichten: das Monopol auf Prägung von Münzen und das Drucken von Banknoten. Viele Staaten waren stark genug, um solche Monopole gegen die Gesellschaft durchzusetzen, manche aber auch nicht. Dort, wo jeder Münzen prägen oder Geld drucken konnte, war die „allgemeine Ware“ auch allgemein. Es blieb dem Markt - also
den Menschen - überlassen, welches Zahlungsmittel sich durchsetzte, welches akzeptiert und auf diese Weise allgemein wurde.

Warum streben Staaten nach dem Geldmonopol? Weil Staaten Geld brauchen, aber selber keines erwirtschaften können. Wenn Steuern, Zölle, Tribute und Plünderungen nicht ausreichen, dann wird Geld vom Staat neu geschaffen.
Bevor das Papiergeld eingeführt wurde, geschah dies auf eine etwas umständliche Weise. Im Römischen Imperium beispielsweise besaß der Staat das Geldmonopol und prägte Silbermünzen. Als der Geldbedarf der Kaiser stieg, ließen sie neue Münzen mit weniger Silbergehalt prägen. Das taten sie heimlich und die römischen Bürger merkten erst nach einiger Zeit, daß die neuen Münzen weniger Wert waren. Der Geldbedarf der nachfolgenden Kaiser stieg beständig … und das Spiel wiederholte sich. Fast permanent stieg die Menge des Geldes, das immer weniger Wert hatte. So wurden die Römer vom Staat über Jahrhunderte mittels Geldfälscherei schleichend enteignet. Die Geschichte des Römischen Imperiums ist eine Geschichte der Inflation, bis Kaiser Konstantin angesichts der völligen Zerrüttung der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse die Reißleine zog und eine neue Goldwährung einführte. Man kann aus der
Geschichte etwas lernen - wenn man will.

Die nächste Stufe der Geldfälscherei ist das staatliche Papiergeld. Papiergeld gibt es in zwei Varianten: edelmetallgedecktes und ungedecktes, d.h. Falschgeld.
Etwa ein halbes Jahrhundert lang, bis 1914, besaß die Welt Währungen, die durch Gold gedeckt waren. Jeder Bürger konnte in der Bank Banknoten in Gold umtauschen. Das war das Goldene Zeitalter der schon damals globalisierten Welt, einer Welt, in der Freihandel herrschte, der Wohlstand stieg und Kriege eher die Ausnahme waren.
Die goldgedeckten Währungen wurden 1914 abgeschafft, denn nur so konnten die Regierungen den beginnenden Weltkrieg finanzieren. Mit Golddeckung wäre diese Menschenschlachterei zu teuer und schon nach ein paar Monaten zu Ende gegangen.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde der alte Zustand nicht wieder hergestellt. Im Gegenteil, der amerikanische Präsident Roosevelt verbot sogar den Amerikanern den privaten Goldbesitz - und das in diesem angeblich so kapitalistischen Land.
Nach dem 2. Weltkrieg konstruierte man das System von Bretton Woods. Es gab eine Leitwährung, den US-Dollar, der goldgedeckt war. Die angeschlossenen Währungen waren reines Papiergeld. Um den Vietnamkrieg zu bezahlen, beseitigte der amerikanische Präsident Nixon 1971 auch dieses. Seitdem gibt es weltweit nur ungedecktes Geld, reines Papiergeld, reinstes Falschgeld, das sich noch schneller vermehrt als die römischen Silbermünzen.
Die heutige Krise ist eben durch diese ständig und rasant wachsende Geldmenge verursacht, sie ist das Werk der Politik und nicht des Marktes.

Die Notenbanken
Am effektivsten läßt sich das staatliche Geldmonopol mit einer zentralen staatlichen Institution verwalten, einer staatlichen Notenbank. In der goldenen Zeit des Kapitalismus besaßen einige Länder solche Notenbanken (z.B. Großbritannien) und andere nicht (z.B. die USA). Die FED, die amerikanische Notenbank, wurde erst 1913 gegründet.
Durch die Schaffung einer Notenbank werden alle anderen Banken vom Staat abhängig. Sie werden von der Notenbank mit dem versorgt, was sie brauchen, mit Münzen, Banknoten und vor allem mit Krediten, mit billigen Krediten. Mittels der Notenbank kann der Staat nun das Geschehen auf dem Markt lenken. Er kann die Konjunktur stimulieren, das Wachstum steigern oder auch drosseln, ganz nach Belieben. Und nachdem der Staat sich der „allgemeinen Ware“ bemächtigt hat, bringt er nicht nur die Banken in seine Abhängigkeit, sondern alle. Produzenten und Konsumenten werden so zu abhängigen Subjekten des Staates. Vor allem kann er seinen Geldbedarf besser stillen, indem er die Geldmenge erweitert und somit die Menschen durch die heimliche Steuer der Inflation enteignet.

Das Gaspedal
Die „Konjunkturmaschine“ Notenbank besitzt einen Mechanismus, mit dem sie die Konjunktur steuern kann. Sie verfügt sozusagen über ein „Gaspedal“, mit dem sich in der Wirtschaft „Gas geben“ läßt: den Leitzins.
Zinsen sind eigentlich etwas Sinnvolles und völlig Normales. Der Zins ist einfach der Preis des Geldes: Wer sein Erspartes jemand anderem leiht, statt es selbst auszugeben, tut dies in der Regel nicht umsonst, sondern möchte dafür eine faire Gegenleistung erhalten. Mit dem „Gaspedal“ kann der Staat den Geldpreis jedoch manipulieren. Zu seinem eigenen Vorteil, wenn er billige Kredite braucht, und zum angeblichen Vorteil der
Wirtschaft.
So beginnen die Notenbanken und die angeschlossenen Kreditinstitute Geld zu „produzieren“ - aus dem Nichts heraus: ungedecktes Geld, billige Kredite. Denn billige Kredite bewirken Wirtschaftswachstum, was zu mehr Arbeitsplätzen und zu mehr Wohlstand führt. Das sagen die meisten Politiker und die meisten Ökonomen. Diese Behauptungen sind falsch.
Das Wachstum, das mit billigem Geld „generiert“ wird, ist ein Wachstum auf Pump. Das eingesetzte Kapital ist nicht vorher erwirtschaftet worden. Billige Kredite führen zu verantwortungslosem Investieren und dieses wiederum zu Fehlinvestitionen. Nach kurzer Zeit gerät das Gleichgewicht zwischen Produktion und Konsum außer Tritt. Man hat mehr Maschinen und mehr Produkte als Abnehmer.
Verschärfend wirkt sich die ständig wachsende Geldmenge aus, indem aus billigen Krediten Vermögen werden, die sich nicht mehr auch nur halbwegs sinnvoll anlegen lassen. Das Geld beginnt zu vagabundieren. Es bilden sich auf dem Markt Sektoren heraus, in die dieses vagabundierende Geld zunehmend strömt. Dort erzielt es zunächst auch riesige Gewinne - bis die „Blase“ platzt. Ende des 20. Jahrhunderts waren es die
Aktien junger Internet-Firmen. Nach dem Platzen dieser „Dot-Com-Blase“ wanderte das billige Geld in Immobilien, was zur Finanzkrise von 2007/2008 führte. Diese „Blasen“ entstehen nicht durch die „Gier der Kapitalisten“, sondern durch die Manipulation des Leitzinses durch den Staat, durch die künstliche Schaffung von Unmengen billigen Geldes.
Das billige Geld verführt auch den Konsumenten, der sich zunehmend Dinge kauft, die er sich eigentlich nicht leisten kann. Er kauft auf Pump und gaukelt damit der Angebotsseite eine Nachfrage vor, die es nicht gibt. Nach einiger Zeit gerät die Wirtschaft völlig aus dem Gleichgewicht. Die „Blasen“ platzen; die Krise bricht aus; der Unternehmer kann nicht mehr wie bisher und der Konsument auch nicht. Die Banken, die bisher von diesem System profitierten, sind pleite und der Staat greift als „Feuerwehr“ ein. Nur war es die „Feuerwehr“, die den Brand selbst legte.

Die Teilreservebanken
Die Lage für die Gesellschaft verschärft sich außerdem durch die Privilegien, die die Staaten ihren Kumpanen, den Banken, gewähren. Diesen wird erlaubt, die Gelder und Vermögen, die ihnen ihre Kunden anvertrauten, nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach zu verleihen. Für jeden Euro, den eine deutsche Bank für ihre Kunden verwaltet, kann sie 50 Euro an Krediten aus dem Nichts heraus schaffen und dafür Zinsen verlangen. So entstehen Banken, die wenig Eigenkapital besitzen und somit nur über eine minimale Reserve für schlechte Zeiten verfügen. Dadurch kommen die Banken noch stärker in staatliche Abhängigkeit, weil der Staat sie jetzt gegen Zahlungsunfähigkeit schützen muß.
Den Verlust ihrer Unabhängigkeit verkraften die Banken zunächst sehr gut, denn die möglichen Profite sind riesig, während Verluste, die bei zu großen Risiken entstehen, in der Regel vom Staat, also von den Steuerzahlern, getragen werden. Diese haften letztlich in diesem System mit ihren Ersparnissen und Vermögen für die vom Staat bevorzugten Banken - wie für alle Privilegierten und den Staat selber.
Diese Art von Banken, privat oder in staatlicher Hand, nennt man Teilreservebanken. Das Phänomen ist keine moderne Erfindung. Den alten Römern und im Mittelalter waren solche Geschäfte durchaus bekannt. Nach Römischem Recht handelte es sich dabei um betrügerische Unternehmen.

Das Kartell
Die oben beschriebene Machtzusammenballung von Staat und Banken läßt sich am besten als Kartell, als Finanzkartell bezeichnen. Es besteht aus den Staaten, ihren Notenbanken und den gleichgeschalteten, privilegierten, privaten oder staatlichen Teilreservebanken. Es ist eine Interessengemeinschaft, für die die Steuerzahler und Sparer haften. Es ist ein Ausbeutungs- und Plünderungssystem, das mit Kapitalismus
überhaupt nichts zu tun hat, außer, daß es von Sozialisten und anderen Dummköpfen so genannt wird.
Solche Banken würden im wirklichen Kapitalismus keine zwei Tage existieren, weil kein Mensch sein Geld einer Bank anvertrauen würde, die kaum Eigenkapital besitzt, d.h. selbst dann pleite ist, wenn es ihr scheinbar „gut geht“. Im wirklichen Kapitalismus würde kein Mensch das heutige Papiergeld in die Hand nehmen, weil jeder wüßte, daß es ungedecktes Falschgeld ist. Im wirklichen Kapitalismus gibt es kein Wachstum auf Pump. Im wirklichen Kapitalismus, in einer wirklichen Marktwirtschaft also wird gespart -
immer!

Perspektiven
Dieses Kartell ist für die heutige Weltwirtschaftskrise verantwortlich, nicht irgendein ominöser Kapitalismus. Dieses System hat bereits die erste große Weltwirtschaftskrise herbeigeführt - einige Jahre nach der Gründung der amerikanischen Notenbank und der Abschaffung des Goldstandards. 1929 platzte eine riesige Aktienblase, die durch billiges Geld, durch billige Kredite entstanden war und genährt wurde. Dieses Kartell ist auch schuldig an der heutigen Weltwirtschaftskrise, die alles bisher aus der Geschichte Bekanntes bei weitem übertrifft.
Ausgerechnet dieses kriminelle Kartell gaukelt uns vor, daß es uns aus dieser Krise herausführen wird. Die Brände legende „Feuerwehr“ spielt sich als Retter Griechenlands und gleich der gesamten Menschheit auf. Mit denselben Mitteln, die zur Krise führten, mit billigem Geld und rasch wachsenden Staatsschulden soll die Welt gerettet werden.
Im vierten Jahr der Weltwirtschaftskrise hat sich jedoch die Situation dramatisch verschlimmert. Der „Feuerwehr“ geht das Wasser aus. Nicht nur texanische Häuslebauer und deutsche Banken sind pleite, die meisten Staaten sind es auch. Für diese wird es zunehmend schwieriger an billige Kredite zu kommen und bei einer weiteren Ausweitung der Geldmenge droht eine weltweite Hyperinflation. Das Kartell steckt in der Klemme. Nun stellt sich die Frage der Rettung neu: Wer rettet die „Retter“ bzw. wer schützt uns vor diesen „Rettern“?
Das Finanzkartell ist nicht unser Retter, es ist unser Totengräber. Die Weltwirtschaftskrise ist nicht zu Ende, sie nimmt gerade erst Fahrt auf, auch in Form der sogenannten Euro-Krise. Dieses internationale Kartell aus Staaten und Banken ist unser Untergang, er reißt mit seinen verhängnisvollen Methoden die gesamte Zivilisation in den Abgrund. Die Krise wird erst überwunden und die Gefahr für die ganze Welt gebannt sein, wenn dieses Kartell zerschlagen wird. Zur Erinnerung: Dieses ist nach Römischem Recht eine kriminelle Organisation.

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Literatur für Einsteiger und Eilige

Roland Baader, Geldsozialismus. Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression

Ron Paul, Befreit die Welt von der US-Notenbank. Warum die Federal Reserve abgeschafft werden muss

Ludwig von Mises, Vom Wert der besseren Ideen. Sechs Vorlesungen über Wirtschaft und Politik

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Peter Mokwa ist Politikwissenschaftler und Historiker. Er lebt in Ludwigsburg bei Stuttgart.

1 Kommentar:

  1. Absolut beeindruckende Zusammenfassung über das größte Übel welches von Menschen gegen die Menschheit erfunden und installiert wurde! Der Artikel ist ideal zum Weiterleiten für den Einstieg in die Materie!
    Danke dafür!
    Harry (Stuttgart)

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