Sonntag, 12. August 2012

Über den Schulzwang

von Tommy Casagrande
Wer dafür plädiert, dass Kindern der Schulzwang zuteil wird, der entscheidet über das Leben von Kindern die er nicht gezeugt hat. Mit welchem anmaßenden Verständnis von Recht, das in diesem Falle keines ist, bilden sich Menschen ein, sie könnten zum Wohle der Nation argumentieren, wenn sie mit Verweis auf die Zukunft der Nation den Schulzwang ausrufen? In dieser Anmaßung steckt die kollektivistische Teufelsidee, dass dem Staat die Menschen gehören und dass jeder Staatsbürger ein Mitspracherecht habe, seine Mitmenschen zum Wohle der Nation zu formen oder formen zu lassen. Niemand kommt auf die Idee, dass ein menschliches Lebewesen zufällig in eine grauenvolle Staatswelt wie dieser geboren wird und es sich nicht selber ausgesucht hat. Niemand kommt auf die Idee, dass sich ein Mensch selbst gehört und dieser Selbstbesitz, dieses Eigentumsrecht an sich selber, ein elementares Recht ist, auf das kein anderer Mensch Zugriff hat. 
Im Falle von Kindern, haben Menschen, die nicht den Status der Eltern erfüllen, noch viel weniger Rechte, diesen Kindern vorzugeben, wo sie an welchem Tag um welche Uhrzeit was zu lernen hätten. Diese fremden Menschen haben gar kein Recht dazu. Sie erdreisten sich die Anmaßung, Ansprüche mit Recht gleich zu setzen und ignorieren den Selbstbesitz der Menschen, weil ihnen die perverse Idee des Staates eine scheinbar kollektivistische Zwangsbeglückung beschert, die ihnen mehr hormonelle Glücksgefühle bescheren mag, als eine Tafel Schokolade. 
Jede Argumentation, die für das staatliche Monopol des Schulzwanges plädiert, ignoriert die Freiheit des Individuums und verlangt mit der größtmöglich innewohnenden Frechheit, dass sich jene argumentativ zu rechtfertigen hätten, die auf das Natürlichste verweisen, das es eigentlich gibt – auf sich selbst. Und in diesem Selbst steckt kein Wir. Dieses Wir ist lediglich die Ausgeburt von Kollektivismus in einem Zeitalter, in dem es untypisch geworden ist, von Individuen zu sprechen. Ein Wir, dass auf freiwilliger Kooperation basiert, böte hingegen die Möglichkeit, Individualismus und Kollektivismus zu entpolitisieren und beides miteinander zu befrieden. Zum Wohle von Kindern, wie auch zum Wohle des Menschengeschlechts.

Kommentare:

  1. Tommy,
    die Argumentation der Schulzwangbefürworter ist aber meist eine andere. Der Schulzwang diene primär dem Wohl der Kinder. Ohne Schulzwang gäb es zu viele Kinder, die nicht zur Schule gehen dürften, weil es zu viele schlecht Eltern gäbe. Und außerdem wären, bei einem völlig privatisierten Bildungssystem, die Chancen der Kinder vom dem Einkommen der Eltern abhängig.
    Diese Argumente sind sehr viel schwere zu entkräften. Und das die Schule die Kinder zu guten demokratischen Staatsbürgen machen soll, wird nicht als eines der größten Probleme freiheitlichen Denkens erkannt, sondern als Schutz der Freiheit.
    Harald Höppner

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  2. Hallo Harald,
    die Einwände, die gegen ein privatisiertes Bildungssystem eingebracht werden, wird ein etwas längerer Text über das Bildungssystem versuchen zu entkräften. Er ist nur noch nicht ganz fertig, ich arbeite noch dran. Aber keine Sorge, er wird kommen. ;)

    Liebe Grüße,

    Tomasz

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