Donnerstag, 30. August 2012

Staat vs Hanf: Über den Widerspruch von staatlichen Interessen und der Vernunft

Harry J. Anslinger: Karriere durch Prohibition.
von Philipp Braun
Sucht man nach den Gründen für die Hanfprohibition, kommt man an dem Namen Harry J. Anslinger nicht vorbei. Sein deutscher Wikipedia-Artikel  ist vielsagend, vor allem aber eine sehr gekürzte Version des englischen Artikels, der eine weit schärfere Anklage gegen diesen außerhalb der Kiffer-Szene recht unbekannten und nicht gehassten Mann erhebt. 

Er steht für eine der unvernünftigsten Maßnahmen, mit denen Staaten die Freiheit ihrer Bürger je einschränken konnten – und dies fast durchgehend mit unfassbarer Ignoranz bis heute tun können. Das Verbot einer der nützlichsten Pflanzen, die es auf der Welt gibt: Hanf. 

Wegen eines traumatischen Erlebnisses aus der Kindheit mit einem Morphinabhängigen (Morphin wird aus dem getrockneten Milchsaft (!) des Schlafmohns gewonnen) soll er sein Leben lang  Cannabis bekämpft haben.

Milchsaft war stets ein mit absoluter Vorsicht zu genießender Pflanzenbestandteil, die medizinische Anwendung selten. Erst durch die moderne Chemie konnten derart toxische  Stoffe verarbeitet und unfallfrei dosiert werden.

Cannabis ist die getrocknete Blüte der Hanfpflanze. Hanf kommt mit nur wenig bis gar keiner Chemie klar und ist im Freien eine robuste Pflanze, die den Boden nicht auslaugt und ihn sogar verbessert. Mit ihr kann man unglaublich viele nützliche Dinge tun. Dass eine so vielseitige Pflanze wegen ihrer Blüte verschwinden musste, kann man sich kaum vorstellen.


Selbst das Rauchen der Cannabisblüte ist für viele Menschen in vielen Zuständen nützlich, war es doch über Jahrtausende als Arznei und zum Entspannen ein geschätzter Begleiter des Menschen. Niemals starben Menschen durch eine toxische Wirkung von Cannabis. Man kann es - im Gegensatz zu Opiaten wie Morphin - nicht überdosieren.
Man muss es auch nicht einmal rauchen zum Konsum, sich also keinerlei Teer und anderen Verbrennungsgiften aussetzen. Bier mit Hanf brauen, Hanf in Fett lösen und oral konsumieren, vaporisieren – alles möglich.

Um das Verbot ranken sich viele Verschwörungstheorien über alle möglichen Interessen aus Papier-, Chemie- und Pharmaindustrie, mittlerweile auch Alkohol-Multis, die in der Hanfpflanze den großen Konkurrenten sehen und ihn aus der Welt schaffen wollen. Weitergeholfen haben die Theorien bisher wenig, wenn es darum ging, Leuten die Ungerechtigkeit des Verbotes zu erklären.
2008 erschienen auch Debunking-Artikel wie dieser hier,  in denen die Schuld für das Verbot dem Rassismus und dem Kulturkrieg in die Schuhe geschoben wird. Zweifellos waren Anslinger und viele seiner Freunde unverblümte Rassisten, die im Jazz und anderen bevorzugten Musikstilen der schwarzen und hispanischen Minderheiten den Teufel sahen, während Cannabis fast nur von besagten Minderheiten mit Genuss geraucht wurde. Zahlreiche Zitate im englischen Wikipedia-Artikel sprechen hier eine deutliche Sprache…

Es lohnt sich aber auch ein Blick auf die Organisation, die Leute wie Anslinger brauchen, um ihre verrückten Ideen durchzusetzen und damit ein Leben lang gut auszukommen: den Staat.
Henry L. Mencken, ein Zeitgenosse Anslingers, wird heute gerne mit diesem Ausspruch zitiert:
„Menschen, die von der Regierung wollen, dass ihre Ideen angewendet und durchgesetzt werden, sind immer die Menschen, deren Ideen idiotisch sind.“

Harry Anslinger begann seine Karriere als Detektiv bei der Eisenbahn, es folgten militärischer Geheimdienst und die Arbeit in Botschaften, alles vor allem in Drogenfragen: eine Spinne knüpft ihr Netz.
Endlich kam er dann 1929 beim Büro für Alkoholprohibition unter, welches damals von heftigen Korruptionsskandalen geschüttelt wurde. Da er als nicht korrupt galt und einflussreiche Freunde hatte, die ihm stets mit Rat und Tat - also vor allem Propaganda bis zum Abgrund an Rassismus in Zeitungen - zur Seite standen, konnte er in den letzten Monaten der Alkoholprohibition die Karriereleiter weit nach oben steigen und nach deren Ende in leitender Position beim „Nachfolger“, dem Federal Bureau of Narcotics, weich fallen. Geholfen hat ihm dabei wohl am meisten sein Verwandter Andrew Mellon, zu dieser Zeit Finanzminister.

Von da an nutzt ein machtgeiler Karrierist mit einer verrückten Idee das Amt beim Staat und später einen für ihn bei der UN geschaffenen Posten aus, um diese Idee, auch mit Gewalt und Erpressung (ohne Hanfverbot keine Entwicklungshilfe etc.), durchzusetzen. Er baut seine Macht aus, wo er kann, und er denkt gar nicht daran, welche abzugeben. Damit macht er sich viel mehr einflussreiche Freunde und schafft unzählige Jobs im Behördensumpf. Es beginnt ein Teufelskreis in allen betroffenen Staaten, bei dem die Vernunft besiegt wird.
Vielen Unternehmen war und ist es zu Gunsten des schnellen Profits mehr als recht, einzusteigen und in lukrative Symbiosen mit den Behörden zu gehen. Man denkt mit Schrecken an die private Gefängnisindustrie. Auch die Drogenkartelle scheinen sich irgendwann in eine Rolle eingefunden zu haben, denn letztendlich hat man es nie geschafft, den Drogenkonsum einzudämmen. Im Gegenteil. Milton Friedman sagte hierzu: 
„Wenn man den Krieg gegen die Drogen aus einem rein ökonomischen Standpunkt  heraus betrachtet, dann spielt die Regierung den Beschützer der Drogenkartelle.“ (siehe hier!

Der Preis illegaler Drogen und damit die mögliche Gewinnspanne für Kartelle steigt in der Prohibition in Höhen, bei denen im Angesicht der hohen Profite alle Skrupel fallen.
Die Mexikaner merken gerade aufs Übelste, wie mächtig und wie tödlich Drogenkartelle werden können, trotz – nein wegen - mächtiger Prohibition.

Ein Staat, der sich mit allen Mitteln rechtfertigen muss, die Ausstrahlung von Autorität liebt und gerne „Arbeit“ schafft, wie im Falle der ausufernden Drogenprohibition mittlerweile in einem wahnwitzigen Ausmaß, will und kann nicht wahrhaben, dass dadurch auf der anderen Seite viele Jobs vernichtet werden, vielen Patienten das Recht auf günstige Medikamente genommen wird, zig Millionen Menschen unberechtigt kriminalisiert werden und abertausende von Menschen im Krieg gegen und um die Drogen  gestorben sind.

Wie man beim mittlerweile abgebrochenen Zukunftsdialog der Kanzlerin und einer vorangegangen Internetaktion sah, bei der Fragen zu Cannabis stets oben in der Abstimmung landeten, interessieren sich die vielen Prohibitionisten im Staatsdienst kein Stück für die Flut an Pro-Cannabis-Argumenten. 

Wer lässt sich schon gerne beibringen, dass er einen unnötigen Job macht und bitte aufhören soll, wenn er dachte, er könne nach diesem Job in Rente gehen?!

Wer Cannabis und irgendwann auch andere illegale Drogen legalisieren will, muss Teile des Staates bekämpfen, obsolet machen.  Aber da der Staat dank allumgreifendem Nepotismus und der Angst vor jeder Schrumpfkur sehr gut zusammenhält, wird es schwierig mit den Teilen allein. Wer Drogen wirklich legalisieren will, sollte sich daher bei uns Libertären umsehen. In Parteien, die den Staat noch weiter wachsen lassen wollen, kann es nur kurzfristig und befristet besser werden, wenn überhaupt… 
___________________________ 
Philipp Braun ist Landschaftsgärtner und studiert an der FH Osnabrück. 
Die Grünen und die Piraten wählte er 2002, 2005 und 2009 vor allem für das Versprechen einer anderen Drogenpolitik. Nun ist er im libertären Spektrum angekommen und will dort gegen die Prohibition kämpfen.

Kommentare:

  1. Wem die Zeilen zu den Prohibitionisten im Staatsdienst zu reisserisch vorkommen, der möge sich solche Artikel zu Gemüte führen, um den Groll zu verstehen: http://hanfverband.de/index.php/nachrichten/blog/1796-die-top-10-der-cannabisstudien-welche-die-regierung-am-liebsten-niemals-finanziert-haette

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  2. http://www.canorml.org/background/ca1913.html

    In diesem Artikel sieht man, dass auch weit vor Anslinger schon Rassisten am Werk waren, die über Drogenpolitik Einwanderer gängeln wollten. Er kann also nicht für sich beanspruchen, hiermit angefangen zu haben...

    Weit vor Marihuana- Gesetzen wurden übrigens Opium- Gesetze erlassen, die gegen die chinesische Bevölkerung in Kalifornien zielten.

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  3. Alles Geschichte, hier kommt die Gegenwart:

    THE REPORT. CANNABIS: THE FACTS, HUMAN RIGHTS AND THE LAW
    ISBN 9781902848204.

    Denial of cannabis by Prohibition ‘law’ premeditatedly inflicts suffering, blindness, and, in many instances, death. Those who maintain any use of life-saving cannabis to be "illegal" should be regarded and treated as perpetrators of the gravest of crimes, and deemed unfit to hold any public office in a democratic society.


    Die Verweigerung von Cannabis durch das Prohibitions-Gesetz verursacht vorsätzlich Leiden, Blindheit und fuehrt in vielen Fällen zum Tod. Diejenigen, die das Verbot der Verwendung von lebensrettenden Cannabis als "illegal" zu halten betrachten, sollten behandelt werden wie ein Täter des schwersten Verbrechens und als ungeeignet angesehen werden ein öffentliches Amt in einer demokratischen Gesellschaft zu fuehren.

    Soviel zur Legalitaet !

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