Montag, 13. August 2012

Olympia & Co.: Ein Rückblick auf eine politische Instrumentalisierung

von Tomasz M. Froelich
Das Olympia-Theater ist nun zu Ende. Schade für die Politik, da Veranstaltungen solcher Art, obwohl sie scheinbar unpolitisch sind, einen doch nicht zu vernachlässigenden politischen Zweck erfüllen: durch pompös inszenierte Großveranstaltungen soll das stupide Volk von politischen und wirtschaftlichen Problemen abgelenkt werden. Dies wird schon seit der Antike so praktiziert und nennt sich Euergetismus (aus dem griechischen εὐεργετέω = ,,ich mache etwas Gutes'').

Panem et circenses, früher
Bereits Dion von Prusa - griechischer Redner, Schriftsteller und Philosoph - beklagte sich in seiner Rede an die Alexandriner, besorgt um deren Abstumpfen, dass sie nur noch auf Brot und Wagenrennen fixiert seien, was den Machthabern ein Schalten und Walten nach eigenem Gusto ermögliche. 
Einer der prominentesten Machthaber, der wusste, wie man das Volk bei Laune hält, war Trajan, dem die senatorische Geschichtsschreibung attestiert, der beste Princeps Roms gewesen zu sein. Marcus Cornelius Fronto erkannte Trajans Methode: Zähmung des Volkes durch Brot und Spiele. Panem et circenses! Simpel, aber effizient. Fraglich, ob man Trajans Leistungen ebenso würdigen würde, wenn er auf seine Ablenkungsmanöver verzichtet hätte. Hat er aber nicht, ebenso wie das politische Establishment von heute: 

Panem et circenses, heute
62.000 Zuschauer im Londoner Olympiastadion und vier Milliarden Menschen vor den Fernsehapparaten
verfolgten die Eröffnungszeremonie der olympischen Sommerspiele. Ein aufwendig inszeniertes Spektakel. Eine Show, die das Volk narkotisierte und Appetit auf mehr machte, nämlich auf olympischen Sport, über den die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten - ganz im Sinne der sie beherrschenden und dank Steuerdiebstahl subventionierenden und subventionierten Politik - zweieinhalb Wochen lang ununterbrochen berichten sollten. Die Politiker nutzten die Gunst der Stunde und zeigten sich auf der Eröffnungszeremonie Hände schüttelnd und breit grinsend der Weltöffentlichkeit, die sie plötzlich wieder lieb hatte. Dabei sein ist ja schließlich alles! Der Plan ging auf: politische und wirtschaftliche Probleme, in Krisenzeiten wie diesen omnipräsent, gerieten plötzlich völlig in den Hintergrund. Olympia als Opium des Volkes!
Schade nur, dass die Party nach zweieinhalb Wochen beendet ist. Olympische Sommerspiele lassen sich nun mal nicht unendlich in die Länge ziehen. Oder doch? Mit Hyperinflation und zig ,,Olympia-Rettungsschirmen'' könnte es vielleicht klappen. Jeden Tag Olympia, das wär's! Die Narkose würde dann nicht mehr nur zweieinhalb Wochen dauern, sondern wäre ein Dauerzustand. Problematisch wäre hierbei nur, dass man aus diesem Dauerzustand nicht mehr erwachen würde.

Die Causa Drygalla
Doch ganz so unpolitisch wie gewollt blieb es dann doch nicht. Die Ruderin Nadja Drygalla musste, nachdem sie sich für die olympischen Sommerspiele qualifiziert hatte, das olympische Dorf verlassen, so der Beschluss des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSP). Der Grund: eine Beziehung mit einem NPD-Funktionär.
Drygalla hat einen Großteil ihres Lebens dafür trainiert, um an den olympischen Spielen teilnehmen zu können. Über ihre politische Gesinnung ist nichts bekannt, außer dass sie sich vom ,,rechten Gedankengut'' distanziert hat. Die politische Gesinnung ihres Freundes wurde ihr jedoch zum Verhängnis. Der DOSP, der immer predigt, dass man die Politik aus dem Sport heraushalten sollte, schickte deshalb aufgrund politischer Motive und somit der eigenen Maxime widersprechend, Drygalla nach Hause. Der Mechanismus dieses Ausschlusses ist schnell erklärt:

Der Ausschlussmechanismus
Öffentliches, mediales Gehör zu politischen Fragen finden, neben ein paar Prominenten aus der Unterhaltungsbranche, in erster Linie ,,politische Vereinigungen, deren Existenz einen Machtfaktor oder ein nennenswertes Wählerpotential darstellt. Solche politischen Vereinigungen werden aber niemals öffentlich zugeben, daß es der Hauptzweck ihrer Politik ist, sich auf Kosten anderer besser zu stellen'', so der kürzlich verstorbene Freiheitsdenker Roland Baader. 
Medien, die auf direkte Weise parteipolitisch abhängig sind, drucken den Tobak, der ihnen aus den jeweiligen politischen Machtzentralen diktiert wird. Und der normale und unkritische Bürger, der das liest, nimmt es für bare Münze. 
Bei Medien, die parteipolitisch formal unabhängig sind, besteht auch eine gewisse politische Abhängigkeit, da sie von der parteipolitischen Zugehörigkeit und den politischen und weltanschaulichen Ansichten ihres Publikums abhängig sind. Und dieses soll natürlich so groß wie möglich sein. Daher müssen zum Beispiel die großen Gazetten in etwa das schreiben, was das Publikum lesen will. Hierbei ist Vorsicht angesagt. Dazu abermals Roland Baader: ,,Bei Zeitungen und Magazinen mit großen Auflagen liegt es natürlich nahe, daß sich fast alle wichtigen Schichtungen und Gruppierungen politischer, weltanschaulicher und beruflicher Art in ihrer Mitgliedschaft finden - und entsprechend vorsichtig müssen sie agieren.'' 
Zu dieser ,,Vorsicht'' gehört natürlich auch ein vehementes Vorgehen gegen politische Randgruppen, mit denen das politische, die Medien direkt oder indirekt regierende Establishment, der Mainstream und die Leserschaft/das Publikum nicht sympathisieren können, wie etwa die NPD. Auf diese Weise wird, egal ob direkt oder indirekt, ob aktiv oder passiv, ein enormer Druck aufgebaut, wie in der Causa Drygalla etwa auf den DOSP, der hier nie hätte nachgeben dürfen. Selbst wenn Drygalla tatsächlich rechtsradikal, oder linksradikal, oder libertär, oder konservativ sein sollte: Eine Gesinnung ist noch lange kein Verbrechen und in sportlichen Wettkämpfen ohnehin irrelevant. Anstatt Drygalla vor dem medialen Donnerwetter zu schützen, schickte der DOSP sie nach Hause. Ein junger Mensch ohne Verteidigungsmöglichkeit wurde in Sippenhaft genommen.
Doch das ist den Mächtigen freilich egal, denn am Ende erreichen sie sowieso das, was sie erreichen wollten. In diesem Fall den Ausschluss von einer politisch vermeintlich Andersdenkenden. Diskriminierung par excellence!
Mit Meinungsfreiheit hat das ganze nichts mehr zu tun. Und mit Rechtsstaat auch nicht. Denn das eine bedingt das andere. In einem Rechtsstaat werden bestimmte Taten bestraft, nicht aber Gesinnungen. Sobald Gesinnungen bestraft werden, kann von einem Rechtsstaat nicht mehr die Rede sein. Und dann sind der Meinungsdiktatur alle Türen geöffnet. Der DOSP hat mit seinem Handeln einen Schritt in die falsche Richtung gemacht.

Die antifaschistischen Faschisten
In Deutschland hat diese Meinungsdiktatur mittlerweile ein fortgeschrittenes Stadium erreicht: das staatliche Erziehungs- und Bildungssystem und die staatlichen bzw. an staatliche Vorschriften gebundenen Medien haben eine manipulierte, dem eigenen und kritischen Denken abkömmliche Menschenmasse hervorgebracht, die aus der Geschichte scheinbar viel, aber doch so wenig gelernt hat. So reagieren die Deutschen allergisch auf sämtliche Faschismen, ohne dabei den eigenen Faschismus abzulegen. Im Moment glauben sie zum Beispiel, dass Antifaschismus bedeute, als kolonialer Zwingherr in Griechenland aufzutreten (frei nach dem Motto: ihr kriegt ,,unser'' Papiergeld und wir kriegen dafür ,,eure'' Macht) und zuhause und in ganz Europa sowohl Markt- als auch Meinungsfreiheit bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln. Der linke Schriftsteller Ignazio Silone prophezeihte - mit einer für einen Linken beachtlichen Weitsicht - treffend: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».“

Warum nicht gleich NPD?
Daher wird auch die Frage berechtigt sein, was die antifaschistischen Faschisten, faschistischen Antifaschisten, oder wie man sie auch nennen mag, gegen die NPD haben. Wissen sie überhaupt, wofür die NPD steht? Wie lässt sich die NPD programmatisch charakterisieren?
Sie ist eine nationalsozialistische Partei, die für das Allgemeinwohl und für einen starken Staat ist: ,,Der Staat nimmt die Gesamtverantwortung für das Volksganze wahr und steht daher über Gruppeninteressen.''
Als sozialistische Partei lehnt sie den Freihandel und die Globalisierung ab: ,,Die NPD lehnt die durch den globalen Freihandel systematisch hervorgerufene weltweite Konkurrenzsituation entschieden ab und stellt ihr als Alternativentwurf die raumorientierte Volkswirtschaft entgegen.''
Wer die freie Marktwirtschaft ablehnt, schreit nach Regulierung, so auch die NPD: ,,Die Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern dienender Teil des Ganzen. Der Staat muß daher der Wirtschaft einen ordnungspolitischen Rahmen setzen.''
Die Pharmaindustrie verdächtigt sie der Ausbeutung und Geschäftemacherei: ,,Wesentlicher Bestandteil einer nationalen Gesundheitspolitik ist die Erziehung zu einer gesunden Lebensführung. Der Gesundheitsschutz steht heute nicht mehr im Vordergrund der Gesundheitspolitik, da Krankheiten vielfach der Profitmaximierung von Pharmakonzernen und privaten Gesundheitsdienstleistern dienen.''
Wachstum habe Grenzen und die Energieträger seien endlich: ,,Der kriegerische Griff der Weltmächte nach den Öl- und Gasvorkommen der Erde und die Endlichkeit der Energieträger und die mit ihr verbundenen Grenzen des Wachstums zeigen die Wichtigkeit einer vorausschauenden Energiepolitik für die Zukunft des Staates.''
Dem Großkapital wirft sie Ausbeutung und Korruption vor.
Wenn man das so liest, so kommt man nicht drumrum festzustellen, dass es sich hierbei auch um programmatische Grundsätze der nordkoreanischen Arbeiterpartei handeln könnte.
Im ,,rechteren'' und wesentlich kürzeren Teil des Programms steht dann etwas von einem Stopp der ungebremsten Einwanderung und von Sozialleistungen, die nur für deutsche Familien bestimmt sein sollen, was aber ohnehin eintreten würde, sobald etwa die Grünen oder die Linken regieren würden, da bei deren Wirtschaftspolitik ohnehin nahezu jeder Ausländer die Flucht ergreifen würde (was im übrigen auch jetzt schon schleichend passiert). 
Die Autarkie-Politik, die die NPD auf nationaler Ebene fordert, setzt derweil das EU-Außenhandelsregime auf Imperiumsebene um, darin sich einig wissend mit Occupy, attac und allem Gesindel, welches in Old Europe als "gesellschaftlich relevant" und ach so geläutert gilt.
Ein Vorteil der NPD gegenüber anderen Parteien ist, dass sie historisch nicht vorbelastet ist: Sie war in keiner Regierung beteiligt, die einen Kriegseinsatz im Ausland - und damit: Massensterben - beschlossen hat.
Fazit: Die NPD ist eine Partei, die programmatisch mit den anderen sozialistischen Parteien des politischen Establishments konform geht. Sie bedient sich dabei einer vielleicht etwas vulgäreren Rhetorik. Da sie auch noch legal ist, wäre sie womöglich die ideale politische Heimat von so manchem selbsternannten Antifaschisten. Für freiheitlich Gesinnte hingegen ist sie eher unattraktiv. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

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