Freitag, 24. August 2012

Kinderarbeit: Notwendiges Übel?

Kinderarbeit im Jahre 1820.
von Tomasz M. Froelich
Wir kennen sie alle aus dem Fernsehen: traurig ausschauende, in Steinbrüchen arbeitende Kinder aus Indien. Bilder, die eine emotionalisierende Wirkung haben und suggerieren sollen, dass Kinderarbeit etwas schlechtes ist und abgeschafft gehört. Und der Laie, der diese emotionalisierenden Bilder auf sich wirken lässt, wird dem subversiven Plädoyer solcher Filme zustimmen: Kinderarbeit abschaffen!
Doch ist Kinderarbeit wirklich so verwerflich? Oder ist sie notwendig? Ein notwendiges Übel? Ein Blick in die Vergangenheit hilft.

Kinderarbeit - immer schon da gewesen
Kinderarbeit hat es faktisch schon immer gegeben, was jedoch vielen nicht bewusst ist, da die Kinderarbeit als optische Erscheinung erst zu Zeiten der industriellen Revolution in England wirklich wahrgenommen wurde: 
Vor der industriellen Revolution arbeiteten Kinder latent und umso härter, überwiegend auf weiten Äckern. Kaum jemand nahm sie wahr. Mit Beginn der Industrialisierung änderten sich die Art der Arbeit und der Arbeitsplatz der meisten Kinder:
Nun arbeiteten sie, weniger hart, aber zusammengepfercht, in den großen Betrieben der Fabrikstädte (als Paradebeispiel dient hierfür die englische Stadt Manchester). Kaum jemand übersah sie. Fakt ist: die Arbeiter und Kinder wären nie in die großen Fabrikstädte gezogen, wenn das Leben auf dem Land besser gewesen wäre.
R. Cobden: ,,Champion of the Poor''
Die sozialistischen Vordenker ignorierten wohl wissend diesen Fakt und nutzten die optische Wahrnehmung der Kinderarbeit zu Zeiten der industriellen Revolution dazu, um gegen ihren ideologischen Hauptrivalen, das damals dominierende und sogenannte Manchestertum, zu hetzen. Das Manchestertum sei verantwortlich für das Elend der Kinder und die Armut der Bevölkerung, so die Genossen. Eine Mär, die sich bis heute in den meisten Köpfen gehalten hat. In Wirklichkeit setzten die freimarktwirtschaftlichen, anti-staatsinterventionistischen, antikolonialistischen und pazifistischen Reformen der Manchesterliberalen einen Entwicklungsprozess in Gang, der allmählich die großen Bevölkerungsmassen aus der Armut führte, Wohlstand erzeugte und letztlich auch das Verschwinden der Kinderarmut zur Folge hatte. Nicht umsonst galt Richard Cobden - führende Figur des Manchesterliberalismus - als ,,Champion of the Poor''.

Kinder als wichtige Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung
Der neu einsetzende Wohlstand war hart erarbeitet und fußte eben auch auf Kinderarbeit. Kinder nahmen damals eine gewichtige(re) Rolle ein. Ihr Anteil war, bei einer im Vergleich zu heute niedrigen Lebenserwartung und hohen Geburtenrate, weitaus größer. Sie zu versorgen, eben aufgrund dieser Konstellation, umso schwieriger. Die Kinderarbeit gehörte zu den Überlebensvoraussetzungen vieler Familien.  Es war daher im Interesse dieser Familien, auch ihre Kinder zur Arbeit zu schicken, anstatt sie ohne häusliche Erziehung einem Leben als Wilde auszusetzen, das mit dem Hungertod enden würde. In den Fabriken wurden sie in der Regel nicht, wie häufig vermutet, ausgebeutet, sondern von den Unternehmern verantwortungsvoll und gut (meist sogar besser als im Elternhaus) behandelt, wie die meisten glaubwürdigen Zeugnisse der Epoche berichten. Eine schlechte Behandlung von Seiten der Unternehmer wäre ja auch nicht sinnvoll gewesen, hätte sie doch die sensiblen Kinder nur demoralisiert, was sich negativ auf die Arbeitsleistung ausgewirkt hätte. Die Unternehmer wussten, was sie taten, arbeiteten doch viele von ihnen selbst während ihrer Kindheit.

Jeder Mensch gehört sich selbst, nicht dem Staat
Und außerdem: Jeder Mensch gehört sich selbst, nicht dem Staat. Das ist eine der fundamentalen Bedingungen der Freiheit. Es ist im Grunde genommen eine unverfrorene Frechheit, dass der Staat über das Leben von Kindern entscheidet, die er nicht gezeugt hat und die ihm nicht gehören. Trotzdem stoßt die kollektivistische Idee, nach der der Staat die Kinder und Menschen nach eigenen Maßstäben erziehen und formen sollte, auf kaum Widerstand. Kaum jemand kommt auf die Idee, dass sich ein Mensch selbst gehört und dieser Selbstbesitz, dieses Eigentumsrecht an sich selber ein elementares Recht ist, auf das kein anderer Mensch, und schon gar nicht ein Staat, Zugriff haben sollte und dass daher jeder Mensch selbst darüber entscheiden sollte, ob und wie er arbeitet, selbst wenn er dabei noch ein Kind ist. Wichtig ist hierbei nur, dass die Arbeit nicht per Zwang erfolgt.

Verbot der Kinderarbeit macht die Kinder unfrei
Kinderarbeit ist nicht verwerflich, sondern in weniger entwickelten Gesellschaften gar notwendig. Notwendig für den Entwicklungsprozess, der, sobald er freimarktwirtschaftlich durchgeführt wird, in Wohlstand und einem Verschwinden der Kinderarbeit endet. Kinderarbeit per Zwang zu verbieten macht die Menschen unfreier, als Kinderarbeit ohne Zwang zu erlauben.

Kommentare:

  1. Ich habe als Kind auch arbeiten müssen. Das war in den 60ger Jahren als ich im Weisenhaus bei Oldenburg war, musste ich und die anderen auf dem Feld und Hof arbeiten. Geschadet hat es nicht, nur die Schläge der Erzieher wovor wir Angst hatten und die Strfen wenn wir was falsches machten. Naja es prägt heute einiges nachhaltig.
    Gruss P.

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  2. ERGO:

    Kinderarbeit ist OK.

    Und da den Menschen wegen Sachzängen kein Alternative bleibt, hat es sich mit der Freiheit ausgeträumt.

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  3. Es gibt immer Sachzwänge, die nicht veränderbar sind. So ist man gezwungen zu atmen, zu essen etc., um überhaupt leben zu können. Und da das Essen nicht vom Himmel fällt, muss man die bestehenden Ressourcen mit Arbeit vermengen, um etwa ein Nahrungsprodukt herstellen zu können, es sei denn es handelt sich Nahrung, die sich in ihrem natürlichen Zustand verspeisen lässt.

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  4. ...und die FREIHEIT frisst ihre eigenen Kinder.

    Mit einem unglaublichen Zynismus werden hier Kinder im Namen der Freiheit der (de facto) Sklaverei preisgegeben.
    Ja, jeder Mensch gehört sich selbst, nicht dem Staat und auch nicht einem Arbeitgeber. Wie schön euphemistisch sich Sachzwänge (notwendige Zwänge im Namen der Freiheit???) anhören, anstatt das Kind beim Namen zu nennen: Armut, Hunger, Unterdrückung und Gewalt. Ob der Autor in seiner Kindheit aus freiheitlichen Sachzwängen heraus auch lieber an der Maschine gearbeitet hätte als seine Schulausbildung abzuschließen? Ob der Autor auch seine eigenen Kinder aufgrund von Sachzwängen in die Fabrik schicken (um das notwendige Kleingeld für das tägliche Brot zu erwirtschaften) und dies im Namen der Freiheit ohne mit der Wimper zu zucken aktzeptiere würde?
    R. Paulik, Stuttgart

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  5. Der Autor schreibt lediglich, dass in einigen Gesellschaften Kinderarbeit notwendig ist, um dem Hungertod zu entkommen und eine Phase der wirtschaftlichen Entwicklung einleitet, in der sie eines Tages - zum Glück - der Vergangenheit angehört.

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  6. „Und der Laie, der diese emotionalisierenden Bilder auf sich wirken lässt, wird dem subversiven Plädoyer solcher Filme zustimmen: Kinderarbeit abschaffen!“

    Es ist die Bequemlichkeit von Menschen die es, am besten auch noch leistungslos, „geschafft“ haben und aus diesem Zustand heraus nachdenkensfreie Urteile zu Sachverhalten abgeben, von denen sie schlicht keine Ahnung haben.
    Menschen die sich der Macht der Bilder und Emotionen ausliefern, kommen so schön und bequem zu Urteilen die scheinbar einen wohlwollenden, liebevollen und edlen Menschen zeigen.
    In der Sekunde, in der aber die Verantwortung losgeht, wenn es darum geht, dass anpacken muß wer anpacken kann, sind all die schlauen, edlen Worte Schall und Rauch. Das Urteil des wohlwollenden, liebevollen und edlen Menschen war dann das Urteil eines Dummkopfes.

    Ein Kind das die Wahl hat zwischen Verhungern und arbeitsamem Überleben wird seine Freiheit nutzen und arbeiten. Es wird ein Leben lang dankbar für diese Freiheit sein.
    Die Dummköpfe dürfen sich währenddessen weiterhin eine Welt wünschen, in der Essen und Reichtum einfach so vom Himmel fällt.

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  7. Wer hier der ware "Laie" ist, steht wohl außer Frage. Ich schlage vor mal folgendes Buch zu sichten: Ruth Hoppe, Dokumente zur Geschichte des arbeitenden Kindes in Deutschland von 1700 bis zur Gegenwart (das ist eine Quellensammlung).
    Und von einer WAHL zwischen Verhungern und "arbeitsamem Überleben" zu schwadronieren ist natürlich Unsinn. Wer WÄHLT denn da erstere Option?
    Die Frage muss lauten: Weshalb sind Kinder vom Verhungern bedroht? Muss nicht daran etwas geändert werden?
    R. Paulik

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  8. „Und von einer WAHL zwischen Verhungern und "arbeitsamem Überleben" zu schwadronieren ist natürlich Unsinn.“

    Ich denke, dem ist nicht so. Die Notwendigkeit sich am Leben zu erhalten war schwierig genug für die Erwachsenen. Nichts anderes steht in obigem Artikel:
    „Es war daher im Interesse dieser Familien, auch ihre Kinder zur Arbeit zu schicken, anstatt sie ohne häusliche Erziehung einem Leben als Wilde auszusetzen, das mit dem Hungertod enden würde.“

    Wir sollten die historische Notwendigkeit des Überlebenskampfes von der Ausbeutung der Kinder aus reiner Gewinnsucht und Hemmungslosigkeit schon trennen. Dass es diese Fälle der Ausbeutung gab oder auch heute noch gibt und man damit Bücher füllen kann, möchte ich mit keinem Wort bestreiten.
    In der DDR hat das Bücher füllen besonders gut geklappt. Die Quellensammlung von Ruth Hoppe ist ein Werk in schönster sozialistischer Machart der DDR. Damit sind wir aber beim Thema sozialistische Propaganda angekommen. Man darf aber auch zum Beispiel „Geschichtswissenschaften in der DDR“ lesen und Ruth Hoppe entsprechend einordnen.

    „Die Frage muß lauten: Weshalb sind Kinder vom Verhungern bedroht? Muss nicht daran etwas geändert werden?“
    Natürlich, gar kein Widerspruch dazu. In Freiheit Arbeiten und Wohlstand schaffen ist meine bevorzugte Lösung dazu.
    Liebe Grüße
    Hermann

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  9. "Und außerdem: Jeder Mensch gehört sich selbst, nicht dem Staat. Das ist eine der fundamentalen Bedingungen der Freiheit. Es ist im Grunde genommen eine unverfrorene Frechheit, dass der Staat über das Leben von Kindern entscheidet, die er nicht gezeugt hat und die ihm nicht gehören. Trotzdem stoßt die kollektivistische Idee, nach der der Staat die Kinder und Menschen nach eigenen Maßstäben erziehen und formen sollte, auf kaum Widerstand. Kaum jemand kommt auf die Idee, dass sich ein Mensch selbst gehört und dieser Selbstbesitz, dieses Eigentumsrecht an sich selber ein elementares Recht ist, auf das kein anderer Mensch, und schon gar nicht ein Staat, Zugriff haben sollte und dass daher jeder Mensch selbst darüber entscheiden sollte, ob und wie er arbeitet, selbst wenn er dabei noch ein Kind ist. Wichtig ist hierbei nur, dass die Arbeit nicht per Zwang erfolgt."

    Das mag ja alles stimmen, aber

    Wer schützt die Kinder ggf. vor ihren Eltern?

    Ab wann können Kinder eigenstädnig entscheiden?

    Dürfen Eltern bei Kinder Zwang anwenden?
    (Ich frage mich ob die hier vorgetragene Ideologie in der eigenen Kindererziehung beibehalten wird ;))

    Die vorgestellte These setzt vorraus, dass Kinder geistig in der Lage sind sich frei zu entscheiden. Genau das bezweifle ich. Kinder sind leicht Beeinfluss- und Manipulierbar. Erst ab einem gewissen Alter können sie Entscheidungen treffen.

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  10. @Anonym 21. März 2013 14:27
    "Wer schützt die Kinder ggf. vor ihren Eltern?"
    Niemand, da Niemand das Recht hat, sich zwischen Eltern und deren Kinder zu stellen.
    "Ab wann können Kinder eigenstädnig entscheiden?"
    Das kommt auf den Gegenstand der Entscheidung an. Bei der Frage: "Töpfchen oder Windel" z.B. schon mit 1,5 - 2 Jahren. Bei der Frage "Apfel oder Gummibärchen" vielleicht erst mit 10 oder 12.
    Wenn es aber um die Frage geht, wer als Vormund und Beschützer/Ernährer anerkannt wird: Sobald das Kind in der Lage und willens ist, auf eigenen Beinen zu stehen oder sich einem anderen anzuschließen.
    "Dürfen Eltern bei Kinder Zwang anwenden?"
    Selbstverständlich dürfen sie das.
    "Kinder sind leicht Beeinfluss- und Manipulierbar."
    Das ist keine Frage des Alters sondern des Charakters, der Intelligenz und der Bildung. Die meisten erwachsenen Menschen sind leichter manipulierbar als ordentlich erzogene Kinder von 10 Jahren.

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  11. "Niemand, da Niemand das Recht hat, sich zwischen Eltern und deren Kinder zu stellen. "
    Warum? Das ist ein Widerspruch zu der Forderung nach der Unversehrtheit des Menschen.

    "Selbstverständlich dürfen sie das."
    Warum? Wo ist die Forderung nach freiem Willen und freier Entscheidung? Wo ist der Übergang zwischen Kind und mündigem Menschen?

    "Das ist keine Frage des Alters sondern des Charakters, der Intelligenz und der Bildung."
    Jaein. Bestimmte Erfahrung und Bildung kann man erst ab einem bestimmten Alter haben. So können Kinder erst ab einem bestimmten Alter sich selbst als Person im Spiegel erkenne. D.h. sie können sich erst dann als Person wahrnehmen. Empathie kommt auch erst nach einigen Jahren hinzu.

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  12. ich bin entsetzt..Wie?-kinderarbeit ist okay?Seid ihr alle bescheuert?Schieben schön die scheiss ruhige Kugel, haben Schuhe an, die von einem Mädchen genäht, dass 2 Teller Haferschleim am Tag isst, weil die Eltern dafür kein Geld haben. Es braucht ne verdammte Reform, es kann nicht sein dass die meisten Eltern das gar nicht wollen, wenn sie Geld hätten. Nee ihr schiebt die Verantwortung schön ab..Mindestalter 14 für eine Arbeit. Ein Kind hat das Anrecht auf eine gelingende Sozialisation und das erreicht es bestimmt nicht mit Kinderarbeit,,und das mit früher...Jaja, früher war aber die Zukunft auch nicht besser und die Zeit geht vorwärts.Stellt euch mal vor ihr arbeitet 20 Stunden am tag in einer Feuerwerkfabrik in Indien. Will niemand, also contra kinderarbeit und dafür, dass die Politiker etwas unternehmen, und zwar jetzt

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