Dienstag, 3. Juli 2012

Aus der Geschichte lernen, heißt verlieren lernen

Wenn es an Substanz mangelt, muss Symbolik her!
Gastbeitrag von Henning Helmhusen
Wie kann man die Völker Europas am schnellsten aufeinanderhetzen? Das ist wohl die bange Frage, die sich alle Nationalisten des alten Kontinents aktuell stellen. Hat bereits die Rettung von Griechenland das gute Einvernehmen zwischen Deutschen und Griechen beseitigt, so bleibt immer noch viel zu tun. Ein wichtiger Baustein — darin sind sich die embeddeden Beobachter einig — muß es natürlich sein, bei den Deutschen ein Gefühl zu erzeugen: “In einem Meer von Feinden, allein gegen den Rest der Welt.” 

Wenig zielführend erscheint uns allerdings der Vorschlag, die Vereinigten Staaten von Europa zu bilden. Denn die Vereinigten Staaten von Amerika, die hier das Vorbild abgeben sollen, wurden ja als minimaler Zentralstaat begründet, der fast keine Kompetenzen hatte, die Bewohner der einzelnen Staaten gegeneinander in Wallung zu bringen. Geschlagene achtzig Jahre brauchte er, auch nur einen Bürgerkrieg ins Werk zu setzen. 

So lange haben wir einfach keine Zeit! 

Und überhaupt: Wir Europäer müssen nun wirklich nichts von burger-verschlingenden und internet-erfindenden Amerikanern lernen. Wir können etwas Besseres auf die Beine stellen: Eine kaiserliche und königliche Doppelmonarchie, in der sich die Nationalitäten bis aufs Blut bekämpfen und die der Ausgangspunkt eines zukünftigen Weltkriegs zu werden vermag. Die Devise indivisibiliter ac inseparabiliter („unteilbar und untrennbar“) könnten wir dabei vom Vorbild unverändert übernehmen. Sie sollte die Sorgen der Märkte beruhigen, daß es jemals zu einem Auseinanderbrechen des neuen Staates kommt. Schlechte Nachrichten allerdings für Fußballfans, die sich das Staatswappen mit Lippenstift auf die Backe zeichnen wollen. 

Besonders die Symbolik ist natürlich wie immer wichtig, wenn es an der Substanz mangelt. Um sowohl Franzosen als auch Deutschen auf dem Nerv zu bohren, schlagen wir von daher für die Verkündigung des kaiserlichen und königlichen Europas vor, daß François Hollande, verkleidet als Ludwig II. von Bayern, Angela Merkel in einem verspiegelten Eisenbahnwagen bei Compiègne die europäische Kaiserkrone anträgt. Im Versailler Vertrag wird dann Elsaß-Lothringen und das Gold der Banque de France wie 1871 an Deutschland abgetreten. Im Gegenzug besetzen französische Truppen das Saarland und das Ruhrgebiet, um die Mittel für den Wachstumspakt zu requirieren. Die Deutschen verraten natürlich nicht, daß ihnen das gar nicht unrecht ist, weil sich dort mittlerweile nichts mehr holen läßt.

Wenn wir wirklich wollen, dann können wir Europa wieder ganz weit vor die Hunde bringen. An die Arbeit!

1 Kommentar:

  1. Widersprüchliche Groß-Staaten sind besser als mono-kulturell organisierte Großstaaten. Aber besser ist Föderalismus. Und noch besser kleine, zu massivem Autoritarismus nicht fähige Staaten. (-> Kontinuum? Richtung Kommune und anarchistischem Dezentralismus).

    Österreich-Ungarn war nie ein effizient-autoritärer Staat, weil es so widersprüchlich und bunt-gescheckt war.

    Ein Vorbild für die Konstruktion "Europa" und einen (post-)nationalstaatlichen Staatenverbund (den es ja schon gibt)?:

    http://www.welt.de/politik/ausland/article108315630/Griechische-Insel-will-sich-Oesterreich-anschliessen.html

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