Freitag, 22. Juni 2012

Der dunkle Fleck unserer hellen Augen

Kopernikus widersprach mit seinem
heliozentrisches Weltbild dem von der
Kirche vertretenem geozentrischen
Weltbild des Ptolemäus
von Tommy Casagrande
Die Welt, in der wir heute leben, erinnert mich an das, was manche als die dunkle Zeit des Mittelalters bezeichnet haben. Laut Angaben von diversen Überlieferungen wurde in einem bestimmten Abschnitt des Mittelalters auf das Denkverbot gesetzt. Wer zu denken wagte, was er nicht denken durfte, dem drohten Strafen. 
Nach einer bestimmten Zeit dürfte die Selbstregulierung des freien Denkens zur Tradition geworden sein, dem nur Sturköpfe nichts abgewinnen konnten. Mit Sturköpfen meine ich jene Aufklärer, die vom Glauben abgefallen sind, weil sie wissen wollten. Diese Menschen haben sich die Welt nicht mittels den Behauptungen des Mysthizismus erklären wollen, sie suchten nach rationalen Ursachen, weshalb Dinge geschahen und entmysthifizierten somit die Welt und die Geschehnisse der Natur. 
Natürlich wurde es nicht wohlwollend aufgenommen, denn es gab damals die Kirche, die eine Machtposition besaß und Politik betrieben hat. Wenn ich von Politik schreibe, dann meine ich damit, dass die Gesetze, die von einer Organisation beschlossen werden - möge diese nun Staat oder Kirche heißen -, diese für allgemeinverbindlich erklärt und nicht auf freiwillige Übereinkunft mittels individuell abgeschlossener Verträge setzt, sprich, Vertragsfreiheit verweigert und Annahmezwang der von dieser Organisation ausgearbeiteten Verträge voraussetzt. 

Wer heute glaubt, er lebe in einer aufgeklärten Welt, nur weil es mittlerweile viele Berufsgruppen gibt, die sich mit naturwissenschaftlichen Vorgängen beschäftigen, der irrt gewaltig. Hinsichtlich der ökonomischen Lehren irrlichtert die Menschheit nämlich immer noch in einem dunklen Zeitalter umher, obwohl es dafür keinen zwingenden Grund mehr gäbe. Theoretiker wie Ludwig von Mises, die das Wesen des Geldes verstanden haben, haben auch verstanden, wie eine menschliche Gesellschaft friedlich gedeihen kann und was diesen Gedeih in den Verderb führt. Jedoch blieben die Erkenntnisse, die von Mises erworben hat, bis heute lediglich einer Minderheit vorbehalten. 
Der Grund ist wiederum leicht erklärbar. Genauso, wie damals die Kirche sich im Mittelalter vor der Aufklärung und dem Abfall der Menschen vom Glauben gefürchtet hat, so fürchten sich die Vertreter der offiziellen ökonomischen Lehren - Keynesianismus und Monetarismus - davor, als Irrtümer entlarvt zu werden. 
Der Grund, warum die Wahrheit nicht stark genug ist, die Irrlehren zu bekämpfen, liegt an der Standhaftigkeit der Macht. Macht geht einher mit Politik und der Politik spielt es sehr in die Hände, dass die falschen ökonomischen Lehren an den Universitäten gelehrt werden. Der Grund ist leicht zu erklären. Die eigentlich richtige ökonomische Theorie ist eine allumfassende Theorie vom menschlichen Handeln und stellt das Individuum in den Mittelpunkt des Denkens. Dieser Ansatz wird als methodologischer Individualismus bezeichnet und bedingt eine Ablehnung kollektivistischer Gesellschaftsmodelle. Wenn der Einzelne und sein Handeln im Kern der Theorie stehen, verbieten sich politische Lösungen, die auf alle aufgepfropft werden. Die Bedingung einer solchen Ökonomie ist das größtmögliche Maß an individueller Freiheit und das Resultat dieser Theorie ist das größtmögliche Maß an individuellem Wohlstand, gerade für die Ärmsten der Armen. 
Damit ist vermutlich klar, warum eine solche Theorie für die Verfechter des Staates als radikal und unsinnig bezeichnet wird, weil damit das Primat der Politik angeklagt und als schädlich für das Wohlergehen des Einzelnen entlarvt wird. Und die Vertreter der Politik werden gewiss nicht in die Politik gehen, wenn sie nicht ihrerseits überzeugt wären, dass kollektive Entscheidungen, wie auch Herrschaft von Menschen über Menschen, über der Freiheit des Einzelnen stünden. 
Nun gibt es gewiss Menschen, die versuchen aus dieser Unvereinbarkeit beider Theorien eine Mischtheorie zu machen, doch diese funktioniert nicht. Das Maß an kollektivem Zwang, welches existiert und auf die existierende Freiheit einwirkt, bewirkt Verwerfungen des individuellen Verhaltens und der Ergebnisse und Möglichkeiten des selben. Aufgrund der Gegebenheit eines Apparates, der die Möglichkeit besitzt, wiederum und wiederum eingreifen zu können, um Verhältnisse, die aus Sicht des Staates schlecht sind, zu verbessern, wird diese Möglichkeit wiederum und wiederum nutzen, wodurch er aber nicht die Probleme minimiert, sondern maximiert. 
Es folgt eine Interventionsspirale, die eine Flut an Regulierungen und Gesetzen zur Folge hat, die allesamt nichts anderes darstellen, als Befehle darüber, wie sich einzelne Menschen zu verhalten haben. Die Regeln betreffen das Verhalten der Menschen als Anbieter von Dingen, wie auch als Nachfrager nach Dingen. Das bedeutet, wenn zwei Menschen freiwillig eine Übereinkunft treffen, ohne einer dritten Person dabei zu schaden, dann kann dies dennoch illegal und kriminell sein, einfach weil der Staat das sagt. Da sollte jeder mal nachdenken, ob das Verhältnisse sind, unter denen Menschen gedeihen und sich entwickeln können. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies die individuelle Entwicklung massivst einschränkt. Dabei geht es noch nichtmal so sehr um den wirtschaftlichen Faktor. Es geht auch um die Möglichkeit aus dem Leben zu lernen, Möglichkeiten und Chancen zu haben, kreativ und unkonventionell seines Glückes Schmied zu werden. 

Analog zum dunklen Zeitalter, dass einst im Mittelalter vorherrschte, stelle ich das Zeitalter, in dem wir heute leben. Die der Macht nahestehenden Menschen sind nicht an Begriffen wie Aufklärung oder Wahrheit interessiert und werden sicherlich alles tun, um die Erkenntnismöglichkeiten zu verschleiern. Es wäre für diejenigen, die herrschen, sehr bedrohlich, wenn die Menschen aufhören würden daran zu glauben, dass Herrschaft, sowie Gewalt und Zwang, die optimalen Instrumente sind, um das Leben der Menschen, ausgehend vom Leben eines jeden Einzelnen, zu verbessern. 

Bedarf es heute erneut unerschrockener Denker, die sich für die Freiheit einsetzen? Damals ging es um die Freiheit der Wissenschaft. Doch ist Wissenschaft nur ein Teilbereich eines menschlichen Lebens, dass sich aus so vielen Interessensgebieten speist. In Wahrheit geht es um die Freiheit des Individuums. Darin ist die Freiheit der Wissenschaft genauso inkludiert, wie jedwede andere Freiheit auch.

Kommentare:

  1. Als Radikaler und Liberaler (aber nicht Radikalliberaler im heutigen Sinn) stellen sich mir auch immer wieder u.a. Fragen von Individualität, Gemeinschaft und Kollektiv und von Eigentum (positives Recht) und An-Archie (Ordnung mit Regeln, aber ohne Recht?).
    Zum Selbsteigentum und zum dazugehörigen Begriff Eigentum (ein Begriff für eine Theorie und für ein [nicht deckungsgleiches] praktisches Phänomen) ein kleiner Text meinerseits: http://sophilosophie.wordpress.com/2012/07/15/eigentum-und-nicht-eigentum/

    AntwortenLöschen
  2. Getretener Quark wird breit, nicht stark. Kopernikus war so katholisch, wie man als Kanonikus nur sein konnte. Die "katholische Kirche" hat keineswegs das ptolemäische Weltbild vertreten, sondern vielmehr von dem großmäuligen Herrn Galilei, daß er seine Theorie, wenn er sie denn unbedingt vertreten wolle, auch zu beweisen habe. Dies gelang Galileo Galilei - unbekannterweise - nicht. Kopernikus durfte seine Theorie durchaus als These verbreiten. Auch ihm fehlte übrigens der wissenschaftliche Beweis, seine Theorie führte zu falschen Ergebnissen. Erst Kepler gelang der Beweis. Der katholische Feldherr Wallenstein hatte übrigens wenige Bedenken, ihn zu seinem Leibastrologen zu machen. Die Verhältnisse also sind komplizierter, als daß sie von freidenkerischen Hirnen ergriffen werden könnten.

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *