Montag, 28. Mai 2012

So nicht, Frau Lagarde!

Gastbeitrag vom Eugen-Richter-Institut
Wenn ich mir helfe, dann helfe ich mir selbst und nicht jemand anders. Wenn wir uns helfen, dann helfen wir uns selbst, jeder sich oder der eine dem anderen. Doch wenn Frau Lagarde sagt, daß die Griechen sich selbst helfen sollen, dann meint sie keineswegs, daß der einzelne Grieche sich selbst oder die einen Griechen den anderen helfen sollen, dann meint sie, sollten die griechischen Bürger ihr sauer verdientes Geld dem griechischen Staat in den Rachen werfen. Schöne Selbsthilfe. Sowas fällt nur Leuten ein, die den Staat für dasselbe wie die Bürger halten.

Die Griechen helfen sich schon lange selbst, nämlich indem sie so viel von ihrem Geld vor dem griechischen Staat in Schutz bringen wie möglich und in Eigeninitiative die Steuern senken, die sowieso nur zur Alimentierung von Leuten wie Venizelos und dessen Vasallen dienen. Natürlich ist der eingeschnappt. Als wenn ihm französische Etatisten sagen müßten, daß seine Landsleute blechen sollen. Sein Pech, daß die Griechen schlaue Leute sind und nicht mitspielen. Unter anderen Bedingungen stecken sie ja auch gerne ihre Mühe in produktivere Tätigkeiten. So kennen wir die Griechen in Deutschland eigentlich nur als fleißige Kollegen und findige Geschäftsleute, die ihre Freunde — ihre guten Freunde! —mit Ouzo aus Faß 12 an sich binden.

An eine ehemalige Wirtschaftsministerin hätten wir auch noch eine Verständnisfrage: Was doch für die griechische Wirtschaft relevant ist, sind die effektiven Steuern, die wirklich gezahlt werden, nicht die, die auf dem Papier stehen. Wenn die Griechen nun anfangen würden, ihre staatlich angeordneten Steuern zu zahlen, dann käme das einer massiven Steuererhöhung gleich. Und nun die Frage: Warum denken Sie, daß das ein probates Mittel wäre, die griechische Wirtschaft aus ihrem schlimmen Zustand zu befreien? Selbst der hartgesottenste Keynesianer würde das für Unsinn halten.

Nein, die Lösung liegt woanders: die offiziellen Steuern müssen auf das Niveau der effektiven Steuern abgesenkt werden. Dann kann man sich einen Ausbau der Bürokratie sparen, um den griechischen Bürgern hinterherzuspionieren. Auch die alberne Amthilfe aus Deutschland wäre dann zum Nutzen der deutschen Steuerzahler überflüssig. Woran man gehen muß, sind das Eigentum, die Ausgaben und die Anmaßung des griechischen Staates: Abverkauf alles Staatsvermögens, Abrüstung der überdimensionierten Armee, Rückzug aus den vielen Bereichen, in die sich der Staat eingemischt hat, Gewerbefreiheit statt Lizensierungskorruption, Deregulierung des Arbeitsmarkets, usw.

Und den IWF könnte man dann auch gleich mitabschaffen.
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Ursprünglich im Eugen-Richter-Institut erschienen.

1 Kommentar:

  1. Ich fidne, dass Lagarde eine unmögliche Diskursweise ins Spiel gebracht hat. Es hat was von der "Alternativlos" Rhetorik der deutschen Politik.

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