Dienstag, 17. April 2012

Das Mehrheitsprinzip der Demokratie als Provokation des gesellschaftlichen Friedens

von Tommy Casagrande
Wie jeder konsequente Libertäre natürlich weiss, sind die Ergebnisse, die ein Staat zu Tage fördert, immer schlecht im Sinne, dass die Bedürfnisse des Individuums von niemandem besser aufgegriffen und befriedigt werden können, als vom betreffenden Individuum selbst. 
Insofern kann auch keine Demokratie mittels Mehrheitsentscheid die Befriedigung individueller Bedürfnisse besser allokieren, als das entsprechende Individuum, wenn es denn dank unterlassener Staatseingriffe auch die Möglichkeit dazu hat. Denn Mehrheitsentscheide sind Entscheide von Bedürfnissen einer Mehrheit gegenüber den Bedürfnissen einer Minderheit. Die Inkompatibilität alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen ist dem System immanent. Alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen ist nur dann am ehestmöglichen gewährleistet, wenn auch nur diejenigen, die Bedürfnisse haben, und das betrifft jedes Individuum, auch in der Lage sind selbst diese zu befriedigen, ohne dabei jemand anderen zwingen zu müssen, auf dessen Kosten die Erfüllung seiner Bedürfnisse zu erlangen. Zumal derjenige, der zur Befriedigung des Bedürfnisses eines anderen gezwungen wird, mittels Ressourcen dafür haftbar gemacht wird, die ihm für die Erfüllung eigener Bedürfnisse nicht mehr zur Verfügung stehen. 
Die Behauptung, dass Demokratie den gesellschaftlichen Frieden schützen könne, ist in Anbetracht der Tatsache, dass stets nur die Bedürfnisse der einen auf Kosten der Nicht-Befriedigung von Bedürfnissen der anderen befriedigt werden, ein Märchen, da auf diese Weise Konflikte innerhalb der Gesellschaft nicht vermieden, sondern provoziert werden.

Kommentare:

  1. Wer Ludwig von Mises, Wilhelm Röpke, Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Felix Somary oder auch Friedrich August von Hayek aufmerksam liest und versteht wird ohnehin eher einer aristokratischen Sozialordnung zuneigen. Die vulgäre Massendemokratie hat nichts übrig für das freie Individuum, das "Volk" ist sogar der grösste Feind der Freiheit. Wenn Blocher, den ich ansonsten sehr schätze, doch nur diese Lektion auch noch begreifen könnte!

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  2. Wir haben ja in neuen 'Zeiten' * immer noch bestimmte Institutionen der alten Zeiten mit im Paket. Grob skizziert:

    - Feudalismus: Direkte Adelsherrschaft mit großteils örtlich dezentral verteilten, aber intern zentralisierten Feudalherren (und -herrinen).
    - Absolutismus: Die Aristokratie wird zu einer verwaltungsstaatlichen Monarchie mit Merkantilismus etc. zentralisiert. Die Aristokratie besteht als Begriff weiter, erfüllt aber nun abgeleitete Aufgaben als Verwalter für den absoluten Monarchen.
    - Konstitutionelle und parlamentarische Monarchie: Die bisherige Erb-Aristokratie teilt sich die sozialen Spitzenpositionen und Repräsentation des Staates mit dem aufstrebenden Großbürgertum. Wirtschaft und Verwaltung werden mehr und mehr von Groß- und Kleinbürgertum organisiert. Der alte Adel verlegt sich auf Repräsentation und Pflege der Traditionen.
    - Moderner Verwaltungsstaat: Der moderne Staat mit repräsentativer Demokratie bildet eine politische Elite heraus, ein neuer Adel, der zwischen Parteinominierung und regelmäßiger Abstimmung durch das Wahlvolk legitimiert wird. Der alte Adel ist noch im Fernsehen bei (oberflächlich-)romantischen Inszenierungen präsent. Die alten Traditionen sind sozialstrukturell bedingt immer weiter von der Lebenswirklichkeit entfernt. Der neue Adel aus Verwaltungs- und Repräsentations-Elite ist etabliert und übernimmt die (der Zeit entsprechenden) aristokratischen Funktionen.
    - Die aufkommende Postmoderne?: Die 'Zeit' der letzten Jahre kann man u.a. als Spätmoderne bezeichnen. Nun sind wir (meiner Einschätzung nach) in einer Umbruchphase zu einer darauf folgenden Post-Moderne**. Die bisherige Rollen- und Repräsentationsverteilung der Strukturen ist durch die Veränderung der Grundstruktur in Frage gestellt und wird neu sortiert. Was die neuen Begriffe, Symbole, Moden, Ideologien und (Ersatz-)Religionen der neuen Zeit werden stellt sich mehr und mehr heraus. Wer die Posten und Rollen der „neuen“ (und doch grundsätzlich vor allem im Schumpeter'schen Sinne aus dem bisherigen re-kombinierten) Gesellschaft übernimmt ist noch offen. Derzeit haben offensive Vertreter und Lautsprecher gute Karten. Aber wenn die Umbruchphase in die Re-Strukturierungsphase übergehen wird, und sich die neuen Strukturen etablieren werden, wird sich der Staub des turbulenten Umbruchs legen. Dann wird sich die Gesellschaft wieder einpendeln, mit neuer Grundstruktur - aber wieder mit einer relativ stabilen Rollenverteilung, den dazu passenden Repräsentanten und allem was zu einer stabilen Phase einer (relativ) ausdifferenzierten, anonym-abstrakt organisierten Großgesellschaft dazugehört.

    Wer dann der neue Adel sein wird ist noch offen. Es darf spekuliert werden.

    ___
    * 'Zeiten' als Bezeichnung für die sich in langen Wellen verändernde Grundstruktur (sozial, wirtschaftlich, kulturell, etc.) der Gesellschaft.
    ** „Post-Moderne“ hier als inhaltlich noch vielfach unbestimmter Begriff für die Zeit nach (post) der bisherigen Zeit.

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