Dienstag, 20. März 2012

Freihandel vs. Protektionismus: Eine kurze statistische und logische Betrachtung

F. A. von Hayek und L. von Mises
von Tomasz M. Froelich
Die Verwendung von Statistiken zur Erklärung ökonomischer Phänomene ist grundsätzlich eher abzulehnen. Methodologisch betrachtet ist  mikrotheoretisches Vorgehen (,,methodologischer Individualismus'', vgl. Schumpeter 1908: 97) dem makrotheoretischen vorzuziehen, da ,,die Grobstruktur der Wirtschaft (makro, Anm.: T.M.F.) keine Regelmäßigkeiten zeigen kann, die nicht Ergebnisse der Feinstruktur (mikro, Anm.: T.M.F.) sind, und daß jene Aggregate oder Durchschnittswerte, die statistisch allein erfaßbar sind, uns über die Vorgänge in der Feinstruktur keine Informationen geben.'' (Hayek 1968: 121f.). Die Makrostruktur der Wirtschaft lässt sich folglich durch die Prozesse auf der wirtschaftlichen Mikroebene erklären, umgekehrt ist dies jedoch nicht möglich. Die Statistik als makrotheoretisches Instrument liefert uns daher lediglich ein undeutliches Abbild der Realität, das nur sehr allgemeine Aussagen zulässt, da die Komplexität und Diversität der zur Verfügung stehenden Daten meist sehr enorm ist. Dennoch liefert sie, wenn auch meist nur sehr grob, tendenziell eine Annäherung an die Wahrheit.
Jeffrey Sachs und Andrew Warner arbeiteten in ihrer vielzitierten Studie "Economic Reform and the Process of Global Integration" (vgl. Sachs; Warner 1995) mit Statistiken, um auf diese Weise sich der Wahrheit anzunähern. In der Studie ging es um den Vergleich zwischen Ländern, die in ihrer Geschichte stets tendenziell eher zum Freihandel tendierten, Ländern, die sich im Laufe ihrer Geschichte vom Protektionismus loslösten und fortan eher zum Freihandel tendierten und Ländern, die stets starken Protektionismus betrieben. Die Statistiken zu dieser Studie sprachen und sprechen eine klare Sprache: So betrug etwa das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner für die erstgenannte Ländergruppe im Jahre 2006 ca. 17520 US-Dollar, wohingegen der Wert für die Gruppe der stets protektionistischen Länder bei 2360 US-Dollar lag. Und auch die Wachstumsraten sprechen ganz klar für die weniger protektionistischen Länder (vgl. Bernstein 2008; Dollar 1992: 523-544). Man sieht also: Freihandel ist dem Protektionismus in jedem Fall vorzuziehen. Dies erkannte Ludwig von Mises bereits 1927, ohne groß auf Statistiken gesetzt zu haben; die Logik reichte hierfür aus. So schrieb er über den Protektionismus:
"Das Groteske ist [...], daß alle Staaten zwar die Einfuhr verringern, gleichzeitig aber die Ausfuhr steigern wollen. Das Ergebnis dieser Politik ist Unterbindung der internationalen Arbeitsteilung und damit allgemeine Verringerung der Produktivität der Arbeit, die nur darum nicht sinnfälliger zutage tritt, weil die Fortschritte der kapitalistischen Wirtschaft noch immer groß genug sind, um sie aufzuwiegen. Daß aber alle heute reicher wären, wenn nicht durch die Schutzzollpolitik die Produktion künstlich von den günstigeren örtlichen Produktionsbedingungen zu den weniger günstigen hingedrängt würde, ist klar." (Mises 1927: 115).
Dies betrifft nicht nur die ärmsten Staaten dieser Welt, die eine protektionistische, in die totale Armut führende Handelspolitik betreiben, sondern auch die scheinbar auf Freihandel setzenden Staaten des Westens und Nordens, die anderen, ärmeren Staaten Einfuhrbeschränkungen aufzwingen oder eigene Sektoren, die sich dort auf dem freien Markt nie lohnen würden, mit Subventionen am Leben erhalten, was im Endeffekt dazu führt, dass Staaten in der Dritten Welt, beispielsweise im Agrarsektor, trotz komparativer Kostenvorteile, auf dem internationalen Markt chancenlos bleiben und dadurch noch ärmer werden. Mises subsumiert:
"Schutzzölle vermögen immer nur eines zu erreichen: daß nämlich nicht dort produziert wird, wo die natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen dafür am günstigsten sind, sondern anderswo, d.h. also dort, wo die Bedingungen schlechter sind. Das Ergebnis der Schutzzollpolitik ist also immer Minderung des Ertrages der menschlichen Arbeit." (ibid.: 120)
Protektionismus führt also zwangsläufig immer zu einer lose-lose-Situation, seine Abschaffung hingegen würde mehr Reichtum für alle bedeuten.
____________________________
Literatur:

Bernstein, William (2008): A Splendid Exchange: How trade shaped the world. London: Atlantic Books.

Dollar, David (1992): Outward-oriented Developing Economics Really Do Grow More Rapidly: Evidence from 95 LDCs, 1976-1985. In: Economic Development and Cultural Change. Vol. 40, Nr. 3 (1992), S. 523-544.

Hayek, Friedrich August von (1968): Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. In: Internationales Institut ,,Österreichische Schule der Nationalökonomie'' (Hrsg.): Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Texte - Band II von Hayek bis White. Wien: Manz'sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, 119-137.

Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag


Schumpeter, Joseph (1908): Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie. Leipzig: Duncker & Humblot.

Kommentare:

  1. Hallo!

    Ein Punkt in Ihrer Argumentation ist für mich nicht schlüssig.

    Ich kann Ihnen folgen, dass freier Handel mehr Produktivität und somit mehr Ertrag der Arbeit bedeutet.

    Jedoch bedeutet freier Handel NICHT gerechte Verteilung der Güter, weshalb man nicht schließen kann, dass es zu "mehr Reichtum für alle" kommt.

    Im Gegenteil. Dazu möchte ich Ihr Beispiel von den afrikanischen Entwicklungsländern aufgreifen. Da dort die natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen zur Produktion von Exportgütern wie Kakao am günstigsten sind, wurden diverse Länder von der Weltbank etc. gezwungen, diese in monokulturen herzustellen und zu exportieren. Lebensmittel wurden importiert. Jedoch sind die Afrikaner abhängig von einer Kette aus Wirtschaftlichen Vorgängen, angefangen von der Ernte des Kakaos, des Exports um Weltmarkt (zu schwankenden und unvorhersebahren Preisen =>Spekulation) und umgekehrt wieder genauso von dem Weltmarktpreis der Lebensmittel die sie importieren.
    Im Freien Handel ist es erlaubt, derartige Abhängigkeiten auszunutzen und beispielsweise einen großen Tanker voll getreide einfach so lange am Meer stehen zu lassen, bis die Afrikaner so hungrig werden, dass sie das letzte Hemt für eine Schüssel Getreide hergeben. Das bringt dann für denjenigen maximalen persönlichen Gewinn, steigert auch in Summe den Ertrag der Menschlichen Arbeit, jedoch bringt es keinen Reichtum für Afrika.

    Freier Handel bedeutet meiner Meinung nach Unfreiheit für die schwächeren, da die Stärkeren bestimmen. Deshalb bin ich überzeugt dass es einen Staat braucht, der den freien Handel in Schranken weißt.

    LG

    AntwortenLöschen
  2. In einem freien Markt würde es aber keine Weltbank geben, die anderen vorschreibt, was sie anzubauen hat. Dies ist nämlich ein sozialistischer Eingriff in den Markt. Die Europär müssten selbst sehen sie an den Kakao kommen, und gerechte Preise an die Afrikaner zahlen

    AntwortenLöschen
  3. Tommy Casagrande24. Juli 2012 um 01:47

    "Jedoch bedeutet freier Handel NICHT gerechte Verteilung der Güter, weshalb man nicht schließen kann, dass es zu "mehr Reichtum für alle" kommt."


    Doch, freier Handel bedeutet gerechte Verteilung. Was bedeutet gerecht ? Oder wie kann man gerecht definieren ? Wenn man versucht es zu definieren, wird man ständig auf Widersprüche stoßen. Was für den einen gerecht erscheint, ist für den anderen ungerecht. Darum hat Gerechtigkeit nichts mit Verteilung von Gütern zu tun. Sobald die Frage nach der gerechten Verteilung aufgeworfen wird, begibt man sich auf einen willkürlichen Pfad der sich jeder Logik entzieht. Verteilungsgerechtigkeit kann es nicht geben. Sobald der Staat anfängt, etwas zu verteilen, geht dem vorraus, dass er jemandem etwas wegnimmt. Und dieses wegnehmen ist Enteignung und beruht auf Zwang. Zwang ist eine Form der Gewalt und somit unethisch und ungerecht. Darum besitzt die Absicht, Güter gerecht zu verteilen, keine innewohnende Gerechtigkeit sondern eine Ungerechtigkeit, die im Verlauf der Komplexität und Zunahme der Umverteilung zu einer Verarmung der breiten Schichten führt und zu einem allgemeinen Gefühl der ansteigenden Ungerechtigkeit. Ich glaube nicht, dass diese fatale Konsequenz in deinem Sinne ist, Anonym. Aber dies ist die Konsequenz deiner Befürwortung. Es wurde schon zig mal ausprobiert und jeder Staat legt in seiner Historie und Gegenwart Zeugnis darüber ab. Du brauchst hierfür nicht mich um dich eines besseren belehren zu lassen, es genügt ein Blick in die Handlungen und Konsequenzen von Staatseingriffen.
    Reichtum, also Wohlstand widerum ist kein unbedingt objektiv messbares Gewicht sondern eigentlich sehr subjektiv. Für den einen bedeutet mehr Wohlstand schlicht mehr Zeit. Für den anderen mehr Geld, für den nächsten mehr Butter im Kühlschrank und für den anderen widerum ein Gemälde in seiner Wohnung. Wohlstand ist ein subjektiv empfundenes Gefühl und hat mit wohl fühlen zu tun. Dieses wohl fühlen ist so subjektiv, dass es ausschließlich durch freiwillige Kooperation unter Individuen erlangt werden kann. Und in der Summe entsteht dann sogar, man nennt dieses Treiben den freien Markt, der größtmögliche Wohlstand, da Individuen stets versuchen, aus ihrer subjektiven Sicht heraus, durch eigenes Handeln einen besseren Zustand anzustreben.
    Wenn ein Staat sich dazwischen schaltet der die freie und freiwillige Kooperation von Menschen verhindert, dann verhindert er die Befriedigungsmöglichkeit von Millionen von Menschen, die teils konventionell, teils unkonventionell Ziele anstreben zu deren erlangen sie andere Menschen brauchen, mit denen sie kooperieren und handeln können. Hierbei gibt es kein stark und kein schwach sondern nur einzigartige, individuelle Menschen, mit verschieden ausgeprägten Talenten und Fähigkeiten. Niemand ist hierin stark oder schwach sondern lediglich anders und einzigartig.
    Freier Handel bedeutet als entgegen deiner Ansicht Wohlstand für die Ärmsten der Armen. Alles andere ist dummes Zeug und fußt auf philosophischem Analphabetismus.

    Und zum anderen Anonym: Europa würde keine gerechten Preise zahlen sondern freie Marktpreise. Nur das wäre akzeptabel.

    Gerechtigkeit gibt es nur eine, und das ist die Regelgerechtigkeit der Marktwirtschaft: Gleiche Spielregeln für alle.

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *