Donnerstag, 15. März 2012

Das Gewalt-Prinzip ist das Übel

von Tommy Casagrande
Etwas in Worte zu fassen und nieder zu schreiben erleichtert beizeiten den Geist. Das sich aufgestaute kann fallen gelassen werden und frei werden für den nächsten Strom derer Dinge, die herangespült werden. Zumeist, wenn man sich mit der Welt beschäftigt, wird man feststellen, dass es sich hierbei immer um die selben Dinge handelt, über die man sich den Kopf zermartert. Die ewig gleichen Fragen zirkulieren. Wieso ist diese Welt so wie sie ist? Warum ändert sie sich nicht ? Das problematische daran ist meist, dass vermutlich fast jeder so denkt und trotzdem ändert sich nichts. Es ist aber kein Wunder, dass sich die Welt nicht ändert, wenn man erst mal den Blick auf die Welt erlangt hat, wie ich ihn habe. Wohl gemerkt bin ich damit nicht der einzige, denn es gibt zu meinem Glück noch andere Menschen, die es genauso sehen und durch diese Sicht auch eine in sich konsistente Erklärung vorlegen können, mit allerhand Theorien die auch eine gewisse Vorhersagekraft der Ereignisse besitzen, weshalb sich auf der Welt nichts ändert. 
Mit einer Veränderung der Welt ist stets eine Verbesserung gemeint. Es geht hierbei um hehre Ideale wie Frieden, materieller Wohlstand, persönliches Glück, schonender Umgang mit der Natur. Diese Dinge sind nämlich keine Gegensätze, sondern bilden eine Einheit. Es gibt aber nur ein einziges (mir bekanntes) Weltbild, das diese Dinge in eine Einheit setzen kann. Dieses Weltbild ist jenes des Libertarismus. Manche bezeichnen es auch als Voluntarismus. An der Bezeichnung sollte man sich aber nicht aufhängen. 
Im Zentrum dieses Weltbildes steht das Nicht-Aggressions Prinzip. Politik, Macht, Herrscher, Regierung, Staat, das alles ist mit Gewalt verbunden. Denn wir setzen dabei immer jemanden ein, der dann die Verantwortung hat, wie wir funktionieren. Und wenn sich einer den Spielregeln nicht unterwirft, dann bekommt er es mit der Gewalt zu tun, die denjenigen stützt, der als Obrigkeit bezeichnet wird. Diese Gewalt steht im Mittelpunkt des Denkens vieler Menschen. Selbst erklärte Menschenrechtler, Menschen mit sozialem Gewissen, egal wer, alle glauben, es müsse jemanden geben, der herrschen muss. Und Herrschaft ohne Gewalt gibt es nicht. Das heißt, Gewalt wird moralisch legitimiert. Man möchte, dass möglichst "gute" Menschen (mit Gewalt) regieren/herrschen. Doch man stellt das Prinzip dieser Gewalt nicht in Frage. Es müssen Steuern bezahlt werden. Kaum ein Mensch stellt Steuern in Frage. Im Gegenteil. Wer sie hinterzieht und der Meinung ist, was er verdient ist auch sein Geld, der wird von seinen Mitmenschen attackiert, beschimpft und als Unmensch betrachtet, weil er das, was ihm gehört, nicht hergeben will. 
Staaten führen Kriege und die Mär, dass demokratische Staaten keine Kriege führen, ist längst widerlegt. Es geht nicht darum, ob ein Staat demokratisch oder diktatorisch ist. Beide Staatsformen sind Herrschaftsformen und beide können Kriege führen. Gerade wenn demokratische Staaten durch zu viele Staatseingriffe die Menschen in eine Wirtschaftskrise führen, wie es gegenwärtig passiert ist, bedienen sie sich oft dem Vorgehen, von den eigenen Problemen abzulenken, indem Krieg mit anderen Ländern geführt wird. Insofern ist es nicht ausgeschlossen, dass wir vielleicht wieder einen Krieg erleben, der das Prädikat "Weltkrieg - Teil 3" mit sich bringen kann. Es muss aber nicht dazu kommen. Vielleicht marodieren wir dahin, bis wir uns auf einem Niveau wiederfinden, mit dem heute noch keiner rechnet. 
Im Libertarismus steht das Nicht-Aggressions-Prinzip im Zentrum. Daraus folgt kooperatives Handeln, Tausch. In allen anderen Spielarten, die das politische Agieren modellieren, geht es lediglich darum, sich um die Ziele zu streiten, für derentwillen man Zwang und Gewalt einsetzt. Aber es geht nie darum, Zwang und Gewalt als grundsätzliches Übel zu entlarven. Wenn man das Nicht-Aggressions-Prinzip akzeptiert, kommt man unweigerlich zu einer Position der individuellen Freiheit, wie es sie heutzutage immer seltener gibt. Friede lässt sich dadurch aus der Logik des Handelns eher erhalten und bewahren, als wenn man auf Politik setzt. Materieller Wohlstand entstünde, weil freier Tausch in einer somit freien Marktwirtschaft jedem individuell einen Gewinn brächte; persönliches Glück resultiert daraus, dass jeder für sich selber definieren und wählen kann, ob es ihn glücklicher macht nach weltlichen Dingen zu streben oder mehr den immateriellen Werten zu folgen. In einer freien Gesellschaft kann es jeder für sich einrichten, wie er das möchte. Die Grundlage für persönliches Glück wäre gegeben. Es dann auf dieser Grundlage finden muss stets jeder selbst. Der schonende Umgang mit der Natur resultiert aus dem Gewinnprinzip von Unternehmen, resultiert aus unverzerrten Preisen, resultiert aus dem Haftungsprinzip. Umso größer ein Eingriff in die Natur, desto teurer ist er. Heutzutage können sich Staaten die Zerstörung der Natur mehr leisten als Unternehmen, denn der Steuerzahler finanziert es im Kollektiv. 
Diese kleine Schrift soll dazu führen, Gedanken anzuregen. Die Unvollständigkeit meiner Argumentation nehme ich daher in Kauf.

Kommentare:

  1. einer von wenigen18. März 2012 um 14:57

    Ein sehr schön geschriebener Text, mein Dank richtet sich an den Author.

    Wie aber schaffen wir es, diese Denkweise auch anderen zu übermitteln, möglichst schonend und schnell? Und hier beißt sich diese Frage rasch: Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit der Thematik, haben tausende Texte gelesen, Videos, haben uns Gedanken gemacht und sind schlussendlich, auch dank unserer Auffassungsgabe und Intelligenz, schnell zu dem Punkt gekommen, dass sich hier etwas verändern muss.

    Aber wie schaffen wir es, diese Inhalte an "Normal"denkende zu vermitteln?

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  2. Lieber Tommy Casagrande.

    Das der Text unvollständig das Problem angeht, mag ja meine Nachsicht finden.

    Dennoch: Die Fragen, die Du dir noch nicht gestellt und daher auch nicht beantwortest hast, sind meiner Meinung nach die grundlegenden:

    Was ist Gewalt in sich selbst?
    Welche Gestalt stellt ein Konflikt dar?
    Was ist Aggressivität - welchem Motiv folgt sie?

    Solange wir diese Fragen im Zusammenhang mit Ismen beantworten, befinden wir uns in einer intellektuellen Pubertät. Zu lösen sind sie dort jedoch nicht.
    Wir könnten sie aus dem Zusammenhang unserer Konditionierungen betrachten.

    Fast alle, die ich kennengelernt habe und die sich "tiefgreifend" mit dem Gewalt-Problem beschäftigen, haben nur an der Oberfläche gekratzt. Warum taten sie das? Weil sie in Unfehlbarkeit baden wollen. Sie wollen sich selbst bestätigt wissen.

    Das Gewalt-Problem ist nur der Schatten eines anderen Problems. Wir aber sehen nur sein Licht, lassen uns von ihm blenden und strecken unseren Zeigefinger aus. Und weil es alle tun und andere unserem Geist schmeicheln wollen, schauen wir weiter ins Licht.

    Wenn Dir die anderen nicht mehr zuhören wenn Du ihnen vom Gewalt-Problem erzählst, dann hast du's tatsächlich gefunden.

    Und das mit dem Frieden ist ebenso: Fast aller schauen dabei in die falsche Richtung.

    LG
    Nichtkampf

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  3. In der Kürze liegt die Würze: Dieser Text muss nicht länger sein, sehr gut geschrieben.
    @einer von wenigen
    Am besten ein YouTube Video machen und den Text mit Bilder/Fotos versehen, einen guten Vorleser braucht man noch...
    Schon als die Hälfte des Artikels gelesen hatte, dachte ich daran das dies auch der Text für Storyboard ist/sein könnte...

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  4. Mir ein Rätsel was daran denn so sehr gut sein soll.

    Aggressivität mit Gewalt gleichzusetzen zeugt von Unwissenheit über Gewalt.

    Es kann gar nie ein Nicht-Aggressions-Prinzip geben, noch sich durchsetzen.

    Aggressivität ist nicht der Motor von Gewalt!

    Weil aber alle so konditioniert sind, auf eben eine solche Äquivalenz, nicken auch alle so einen Unsinn ab.

    LG
    Nichtkampf

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  5. Interessanter Einwurf, Nichtkampf!

    Oft rührt Aggressivität von Unsicherheit und Angst her, diese wiederum von Unwissen und Unverstand. Letzteres läßt sich aber nicht einfach ausmerzen, zumal immer wieder neue Generationen von Unwissenden und Unverständigen heranwachsen (Niemand bringt kleinen Kindern das Beißen, Kratzen, Schlagen bei).

    Wer das weiß, der schützt sich wiederum im Zweifel gewaltdrohend, etwa mit einem Kettenhund auf seinem Grundstück.

    Die Frage könnte also auch lauten: Wie umgehen mit Gewalt? Ihre vorgebliche und sehr kostspielige Monopolisierung hat jedenfalls keinen Frieden gebracht.

    Politik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. So folgt es aus Clausewitz' umgekehrt formuliertem Spruch. Die Übel der Welt können nicht beseitigt werden. Bleibt nur zu lernen, sie zu umgehen oder sorgfältig mit ihnen umzugehen.

    Soviel für den Moment.

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  6. Nimmt man Gewalt als eigenständiges Tun aus seinem Wirkungsgefüge heraus, dann sieht man auch nur noch die Faust, den Panzer, das Blut u.s.w.

    Darin liegt ein Missverständnis. Und in diesem Missverständnis definieren viele das Thema. Weil viele das auch so verstehen, wird der Auffassung gehuldigt, das an der gewalt herumgedoktert werden muss, damit Gewalt unterbunden wird.

    So aber funktioniert Gewaltfreiheit oder eine gewaltlose Gesellschaft oder ein Nicht-Aggressions-Prinzip nicht.

    Fangen wir also von vorne an.

    Aggressivität ist ein motivationales Konzept aller Lebewesen. Ihm liegt ein *über-sich-Hinauswachsen* zu Grunde, das dem Anreichern und Stabilisieren von Lebensqualität dient. Dies verbindet die inneren Ressourcen mit der Aussenwelt und lässt Potenzial ausblühen.

    Gelingt dies nicht, weil die Gesellschaft oder die Umwelt dies nicht zulässt, dann erwächjst aus dem Aggressivitäts-Potenzial zerstörerisches Verhalten.

    Aber auch hier unterliegt der zerstörerischen Aggressivität dem Sichern von Lebensqualität. Dazu bedient es sich der Gewalt. Es verwaltet Machtfantasien über körperliche oder seelische Unterwerfung, nur um wiederum den Ort, also die äußere Ressource zu beanspruchen.

    Hierbei bilden sich neue Konflikte im Inneren des Aggressors, die die Kollaterale der auslösenden Konflikte bilden. Gründe hierfür liegen im Ur-Konflikt, der über Erziehung etc. eingelagert ist.

    Ausschlaggebend für alle Gewalt ist nicht die Aggressivität, sondern der Konflikt. Besser auch als Konfliktstandfestigkeit verstanden, die den Grad des *Konfliktkampf-Ungeistes ausmacht. Mit dem Ungeist sind negative *Haltungen* des Aggressors gemeint.

    Um Gewalt zu übertragen bedarf es eines Übermittlungsszenarios. Dieses Szenario ist der Kampf, zumeist der Zweikampf, der über Bagatellisierungen herbeigeführt wird und in Legitimationsstrategien mündet.

    Gewalt ist eine Scheinlösung zur Steigerung von Lebensqualität. In der Psychologie sprechen wir von *maladaptiven Coping-Strategien*. Sie werden angewendet, um den inneren Przess von *Flow*(Glückszustand) herbeizuführen.
    Solche Strategien haben noch einen Nachteil: Sie führen zu Suchtverhalten.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Es kann a priori keine Nichtaggressivität herbeigeführt werden. Ausnahme ist der Neuro-Chirurg :-)

    Das Gewalt-Prinzip ist von Übel, weil wir in einer Gesellschaft leben, die den Wettbewerb hoch hält, da sie an den Kampf um alles und jedes festhält.
    ------

    Wenn wir Gewalt besiegen wollen, dann wird dies nur gelingen, wenn wir die gesamte Kette des Ereignisses verstehen und an ihrer Statt ein Verhalten etablieren, dass den Kampf als Strategie zur Sicherung von Lebensqualität umgeht und gänzlich vermeidet.

    Weder ein libertäres noch ein voluntaristischer Ismus wird dies vollbringen können, weil nämlich Gewalt ein Desintegrations-Verhalten ist und über die Architektur unserer Gehirne selbstständig verwirklicht wird.

    Wichtig wäre es, einen Integrationsprozess für eine Konfliktlösungskultur zu etablieren, um Bewältigungskompetenz anzuhäufen. Dies bedeutet jedoch auch, sich gemäß der Optiuierung der inneren Ressourcen zu entwickeln (Erziehung u. Bildung) und seine Potenzialentfaltung in Gang zu bringen. Das aber werden bestimmte Mächte niemals zulassen.

    LG

    Nichtkampf

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  7. Kritikpunkt 1:

    "Gerade wenn demokratische Staaten durch zu viele Staatseingriffe die Menschen in eine Wirtschaftskrise führen, wie es gegenwärtig passiert ist, "

    ist schlicht und einfach falsch, weil nicht durch das eingreifen der Staaten die krise verusracht wurde sondern durch das nichteingreifen
    Der Freie Markt der sich selbst reguliert ist eine Lüge.
    Das zeigt auch die Geschichte, nach dem zweiten Weltkrieg wurden strenge Finanzgesetze eingeführt, das hat den Markt stabilisiert, die schrittweise aufhebung dieser führte schließlich zu unserer Situation



    Kritikpunkt 2:

    "Mit einer Veränderung der Welt ist stets eine Verbesserung gemeint. Es geht hierbei um hehre Ideale wie Frieden, materieller Wohlstand, persönliches Glück, schonender Umgang mit der Natur. Diese Dinge sind nämlich keine Gegensätze, sondern bilden eine Einheit. "

    materieller Wohlstand in unserem Ausmaß und gleichzeitig Frieden auf der ganzen welt sind nicht vereinbar, da die Welt für alle nicht unseren Wohlstand hergibt, da bräuchten wir mindestens zwei davon.
    Daher gibt es immer welche, die draufzahlen. was wir konsumieren kann nicht jeder mensch konsumieren, dafür gibt es zu wenig ressourcen


    Kritikpunkt 3:

    Wie oben bereits erwähnt gibt es zu wenig Ressoucen um materiellen Wohlstand und individuellen Gewinn für alle zu bringen. (Überhaupt - wo hört der Wohlstand auf, das lässt sich unbegrenzt steigern)
    Aus dem heraus ergibt sich ein Wettkampf um die oben genannten Ziele. Und dann gilt was Darvin sagte, nämlich das überleben des Stärkeren.

    Deshalb braucht es eine Gewalt, nämlich die Staatsgewalt, die in der Demokratie durch die Gewaltentrennung in Schranken gewiesen wird, um Spielregeln für alle vorzugeben und die Einhaltung dieser zu fordern.

    Dies gilt im Bereich des Handelns (Wirtschaftens) und im privaten Bereich.

    Wobei ich der Meinung bin, dass die Wirtschaft aus oben genannten gründen restriktivere Grenzen braucht (Fixe Wechselkurse, Gegensteuern des auseinanderdriftens der Einkommensschere durch Vermögensbesteuerung etc.)

    Im Privaten bereich bin ich ein absoluter Gegner von Überwachung und Konrolle, wie es in letzter zeit durch EU- Gesetze wie Vorratsdatenspeicherung forciert wird.

    Wo jedoch die Idee der Gewaltlosigkeit bestimmt funkioniert ist in kleinen Gemeindschaften.

    Sorry für die Groß- und kleinschreibung.
    LG

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