Mittwoch, 25. Januar 2012

Über die Sonderrechte

von Tommy Casagrande
Der schützenswerteste Teil, der schwächste Teil einer Gesellschaft ist stets das Individuum. Das “Ich”, egal ob männlich, weiblich, schwul, lesbisch, behindert, Kind, Erwachsener etc. ist als Mensch nur dann mit einem Menschenrecht gesegnet, wenn dieses Recht für alle Menschen gilt. 
Ein solches Recht kann es im heutigen Rechtspositivismus nicht geben. Was heute sich als Recht gebiert ist nichts anderes als politische Macht, die in Gesetze gegossen wird. Mit RECHT hat es nichts zu tun! Recht steht über der Willkür von Herrschaft, es steht über dem Prinzip, Mehrheiten entscheiden zu lassen, was Rechtens ist. Recht ist ein universell gültiges Phänomen, das daher nicht nach Belieben festgesetzt, sondern nur gefunden werden kann. 
Das Naturrecht bietet dem Menschen, ausgehend vom Standpunkt des Individuums, ein Recht an sich selbst und davon abgeleitet auch ein Recht an der Freiheit sein eigenes Leben leben zu dürfen. Sobald wir von dieser Rechtssauffassung abrücken und ein staatliches Rechtsmonopol gründen, führt dies dazu, dass man immer jemanden zwingen kann, ein bestimmtes Recht einer bestimmten Gruppe von Menschen zu liefern. Die Möglichkeit jedoch, jemanden zwingen zu können, gewisse Rechte zu liefern, die nur bestimmten Gruppen vorbehalten sind, führt zum einen zur Unfreiheit, sich nicht im vollen Umfang selbst besitzen zu dürfen und zweitens führt es zu einer Ungleichheit von Rechtsausstattungen, mit denen diverse Gruppen von Menschen per Gesetz ausgestattet werden. Wenn man immer jemanden zwingen kann, jemandem ein gewisses Recht zu liefern, dann kann man nicht behaupten, dass dies eine philosophische Grundlage der aktuellen Rechtsauffassung sei, in der das “Ich”, der schwächste Teil der Gesellschaft, geschützt wird. Und insofern werden natürlich die individuellen Rechte ALLER Menschen auf diese Weise gegeneinander ausgespielt und vernichtet, weil das ein politisches Spiel ist. 
Es geht nicht um Wahrheit, sondern um Macht. Es geht um Herrschaft über Menschen und dazu bedarf es der Unterstützung von einer gewissen Anzahl an Menschen. Aber es handelt sich nicht um Freiheit, es handelt sich nicht um tatsächliches Recht. Es handelt sich nur um Gesetze, die man festsetzt, die im Laufe der Zeit genauso inflationiert wurden wie das staatliche Zwangs-Papiergeld.

Kommentare:

  1. Wer versucht, durch massenweise Gesetzgebung Rechtssicherheit zu produzieren, produziert in Wahrheit Rechtsunsicherheit.

    Auf diese Weise wird der Einzelne (wieder) abhängig von Rechtsgelehrten sowie von beamteten Rechts-Auslegern und ist ständig bedroht von jenen, die die Gesetzlichkeit für ihre Zwecke zu nutzen wissen.

    Unsere Sprache, immer wieder ein Wissensspeicher, kennt die Gesetzesflut, eine Rechtsflut kennt sie nicht.

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  2. Ich habe mir vorgenommen, in Real-Life-Diskussionen zukünftig nicht mehr von Naturrecht zu sprechen, sondern nur noch von "Menschenrechten" und dass man daraus alles ableiten kann. Und erst am Schluss erzähle ich dann, dass es auch "Naturrecht" genannt wird.

    Immer wenn ich gleich zu Beginn von "Naturrecht" spreche, werde ich missverstanden... (Recht des Stärkeren und so)

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