Mittwoch, 4. Januar 2012

Ron Paul und die deutschen Medien


von Tomasz M. Froelich
Nur ungern wird im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Ron Paul berichtet. Die Tatsache, dass gerade in letzter Zeit über ihn berichtet wird, ist zwar erfreulich, resultiert aber wohl in erster Linie aus juristischen Zwängen. So steht in § 11 (1) im II. Abschnitt des Rundfunkstaatsvertrags über die Vorschriften für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter anderem folgendes:

,,[...] Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. [...]'' (§ 11 (1) RStV)

Da die Vorwahlen zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten, der womöglich bald die Supermacht U.S.A. regieren könnte, durchaus ein wichtiges und eventuell international bedeutendes Ereignis sind, bleibt dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk also nichts anderes übrig, als darüber zu berichten.

Als Libertärer fiebert man einer solchen Berichterstattung natürlich mit großer Spannung entgegen, zumal viele Libertäre mit Ron Paul sympathisieren. Dieser vertritt, wenn auch nicht zu 100%, viele libertäre Ansichten und dürfte vor allem unter libertären Minarchisten auf hohe Resonanz stoßen. Umso trauriger ist man dann über die Qualität der Berichterstattung über ihn.

Rüdiger Paulert etwa, vom WDR-Hörfunkstudio in Washington, verortet Ron Paul ,,am rechten Rand des republikanischen Wählerspektrums'', da Ron Paul die Aufgaben des Staates drastisch zurückfahren und den Amerikanern mehr Freiraum gewähren will, wobei er ,,vor unkonventionellen Schritten nicht zurück [schreckt]'', wie etwa der Prüfung und Kontrolle der Federal Reserve.
Marco Kanne dazu wie immer ganz passend: ,,Wer anhand dieser Aussage nicht mitbekommt, dass Worthülsen wie "links" und "rechts" eben nur leere Worthülsen sind, der bekommt ohnehin nichts mehr mit. "Rechts" bedeutet also, "den Staat drastisch" zurückzufahren und dem einzelnen Menschen "mehr Freiraum zu gewähren" [...] ? Eine solche "Rechte" hätte ich mir früher mal gewünscht!''

Für Sabrina Fritz vom SWR-Hörfunkstudio in Washington vertritt Ron Paul ,,sehr extreme Ansichten'':
,,Er will die USA gesundschrumpfen. Kompletter Rückzug aller Auslandseinsätze, Bedrohung durch den Iran? "Wir haben 12.000 Diplomaten, warum nutzen wir die nicht statt Bomben?", sagt er. Umweltbehörde, Zentralbank - alles schließen, so der alte Haudegen. Damit ließen sich dann eine Billion Dollar einsparen und das Schuldenproblem sei gelöst.''
Ron Pauls Ansichten kurz zusammengefasst:
Innenpolitisch: mehr Selbstbestimmung statt staatlicher Bevormundung.
Außenpolitisch: außenpolitische Enthaltsamkeit, diplomatischer Dialog und Selbstbestimmung der derzeit okkupierten Staaten statt militärischem Interventionismus, Bomben und Fremdbestimmung.
Wirtschaftspolitisch: Freier Handel, Selbsteigentum, freies Marktgeld und Entschuldung statt Sozialismus, grober Verletzung der Eigentumsrechte durch Steuerdiebstahl im großen Stil, FED und Verschuldung.
Traurig aber wahr: Wer heute noch vernünftig denken kann und gegen Krieg und für solide Finanzen ist, gilt als Extremist, wer hingegen Kriege führt und auf Bankrott zusteuert, gilt als wählbar.
Zudem wirft Sabrina Fritz Ron Paul vor, dass dieser ,,früher gegen Schwule, Juden und den Schwarzenführer Martin Luther King gehetzt haben" soll. Auch das ist Humbug! Ron Paul vertritt zwar konservative Werte, ist aber nur einer von wenigen Politikern, der seine eigenen Werte anderen Menschen  nicht aufzwingen wollen würde. Ron Paul hat nichts gegen Homosexuelle und ist der Ansicht, dass der Staat sich aus den Schlafzimmern seiner Bürger heraushalten sollte. Der Vorwurf, er sei ein Antisemit, resultiert daraus, dass er, als jemand, der außenpolitisch nur im Falle der Landesverteidigung intervenieren würde, gesagt hat, dass er keinen Krieg im Iran (der die U.S.A. ja bekanntlich nicht angegriffen hat) führen und finanzielle Auslandshilfe der U.S.A. (von der bislang auch Israel profitiert) streichen will. So etwas wird von einer hypersensiblen Israel-Lobby schnell als antisemitisch gewertet, auch wenn es nicht antisemitisch ist. Jedenfalls ist Ron Paul weder schwulenfeindlich, noch antisemitisch oder rassistisch, wie er hier nochmals klargestellt hat.

Viele Amerikaner, die sich etwas näher mit Ron Paul auseinandergesetzt haben, sind über seine Ansichten nicht so empört, wie deutsche Journalisten, die über ihn schreiben, ohne sich mit ihm auseinandergesetzt zu haben. So erzielte Ron Paul bei den gestrigen Vorwahlen zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in Iowa beachtliche 21% und lag damit an dritter Stelle knapp hinter Rick Santorum und Mitt Romney (jeweils 25%). Dies ist umso beachtlicher, da Ron Paul im Vergleich zu den anderen Kandidaten auch in amerikanischen Medien ziemlich marginalisiert wird und einen großen Teil seiner Anhänger (darunter viele junge Menschen) im Internet rekrutiert. Das Ergebnis in Iowa, wo Ron Paul lange Zeit in Führung lag, macht jedenfalls Mut für die kommenden Vorwahlen.

Rüdiger Paulert vom WDR zufolge dürfte Ron Paul mit diesem Ergebnis jedoch aus dem Rennen sein: ,,Da Iowa mit seinen drei Millionen Einwohnern eher zu den kleinen US-Staaten zählt, kommt dem Ergebnis zahlenmäßig nur eine geringe Bedeutung zu. Doch oft schon setzte Iowa den Trend. Kaum ein Kandidat wurde Präsident, ohne in Iowa vorn gelegen zu haben'', so Paulert. Der User ,,c.wilms'' hat hierzu ein wenig recherchiert und festgestellt: ,,Von den sieben Präsidenten seit Einführung der Caucus in Iowa haben gerade mal drei die Caucus klar gewonnen, Carter als potentiell vierter scheiterte gegen "uncommitted". Parteiintern sah es nicht viel anders aus: nur drei von sechs der Republikaner und fünf aus neun der Demokraten, die später die Kandidaten ihrer jeweiligen Partei wurden, haben die Caucus klar gewonnen. All dies sind Zahlen, die sich mit minimalen Rechercheaufwand finden lassen.''

Von einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der durch immens große Summen erbeuteter Steuergelder finanziert wird, sollte man jedenfalls einen qualitativ hochwertigeren Journalismus erwarten, denn der aktuelle gleicht dem Niveau einer Stadionzeitung eines Kreisligisten und verstößt gegen geltendes Recht, welches da besagt:

,,Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.'' (§ 11 (2) RStV)

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kommen diesem Auftrag kaum nach. Und schon gar nicht bei der Berichterstattung über Ron Paul. Von Objektivität und Unparteilichkeit kann jedenfalls keine Rede sein, viel eher wird ein Mann, der vernünftige Ansichten vertritt, ins Lächerliche gezogen.
Umso trauriger ist es, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk von den meisten Menschen als seriöses Qualitätsmedium wahrgenommen wird. Verwunderlich ist dies jedoch kaum, wenn man bedenkt, dass der Großteil der Menschen von klein auf und seit Generationen einem Bildungssystem unterworfen ist, welches sie durch Propaganda manipuliert und entmündigt. Dies tun ebenso die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Und warum passt das so gut zusammen? Weil beide den selben Auftraggeber haben: den Staat, den Menschen wie Ron Paul ja bekanntlich reduzieren wollen!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine 1-stündige objektive Sendung über Ron Paul machen würde, würden die Zuschauer, die die Botschaft verstanden haben, danach die Abschaffung der GEZ fordern. Deshalb stellt man ihn lieber in kurzen Beiträgen als rechten wirren Opa dar, der seine Anhänger ausschließlich aus Rassisten, Verschwörungstheoretikern, Anti-Semiten, Schwulenhassern und Regierungsgegnern rekrutiert.

FREITUM hat gesagt…

Dito!

Fabio Bossi hat gesagt…

Bravo und Danke! Cross-geposted!

Anonym hat gesagt…

Besonders interessant zum Vorwurf des Anti-Semitismus isst ja, dass sogar der israelische Ministerpräsident Netanjahu Paul zustimmt und fordert von den USA in Ruhe gelassen werden: http://www.youtube.com/watch?v=0gN5UrPB-xA

Anonym hat gesagt…

Der gepostete Link zur finanziellen Unterstützung von Ron Paul ist leider ziemlich nutzlos.

Man beachte die Spendenbedingungen:
"Federal law requires all online contributors to confirm that the following statements are true and accurate. If you cannot confirm each statement, you are not eligible to contribute to Ron Paul 2012 Presidential Committee.

...

2. I am a United States citizen or a lawfully-admitted permanent resident."

FREITUM hat gesagt…

Gibt ja auch noch einige deutschsprechende Amerikaner, die unsere Seite lesen, auch wenn es nicht so viele sind. ;)

Jamal hat gesagt…

Ich kann schon verstehen, warum die öffentlich rechtlichen so negativ über ron paul berichten, schließlich könnten sie sich unter seiner regierung nicht an staatlich eingetriebenen zwangsgebühren laben ;) schöner artikel!

UlrichW. hat gesagt…

Wenn Ron Paul an die Macht käme, dann würde sich sehr wahrscheinlich das ganze System zum positiven verändern. Ich kann es kaum glauben, dass soetwas möglich sein könnte, dass soetwas vom System zugelassen würde (denn das jetzige System würde sich ja selbst vernichten, wenn ein Mann wie Paul an die Macht käme). Glaubt Ihr wirklich, dass soetwas möglich ist??? Schon jetzt versucht man Paul in der Presse negativ darzustellen. Im Grunde ist das der Punkt, der mich seit längerer Zeit am meisten interessiert: Woher nehmt Ihr libertär denkenden Menschen denn die Hoffnung, dass Paul eine Chance hat (ohne vorher von der Presse vernichtet zu werden)? Wer kann mir da einige Hinweise geben, sodass ich auch etwas hoffen kann???

der deutsche wähler hat gesagt…

Bis es ist Deutschland soviel kapiert haben kann es noch sehr lange dauern, ein Wahlsieg Ron Pauls und eine dementsprechend erfolgreiche Präsidentschaft würden auch die libertäre Bewegung bei uns in Deutschland voranbringen.

Molot hat gesagt…

Auch ein Ron Paul muß scheitern. Der einzig denkbare Weg ist der, des John Galt.

Anonym hat gesagt…

Ron Paul hat übrigens schon mehrmals Ghandi, Marthin Luther King und noch einen Gründervater, der mir gerade nicht einfällt als seine Idole bezeichnet.

Total daneben, wie sehr die Deutshen Medien anscheindend von den Amerikanischen beeinflusst werdn.

Er wird entweder üerall nur mit schwammigen Worten 2 beschrieben oder gar nicht erst erwähnt.