
von Niklas Fröhlich
Dies ist Teil einer wöchentlichen - mittwöchlichen - Reihe über und mit Gedichten und Auszügen von John Henry Mackay.
Wenn man sich einen kurzen Überblick über einen Menschen und sein Werk verschaffen will, der sucht oft händeringend nach handlichen Begriffen. Ist er Demokrat, Liberaler, Kommunist, Anarchist? Ein Vertreter des Sturm und Drang oder des Realismus? Ein Theoretiker oder Praktiker? Solche Einteilungen geben dem Menschen einen festen Halt, geben ihm die Möglichkeit der direkten Zuordnung. Dies hat natürlich einen gewissen Nutzen, führt aber auch gefährlich irre. Zwar kann man damit gewissermaßen einordnen, man beginnt aber auch, alles an dieser Einordnung zu messen und mit dieser zu verbinden, sei es stimmig oder nicht. Umso schwieriger wird dies, je komplexer der eingeordnete Mensch ist. Bei manchen Menschen ist diese Einteilung tatsächlich nie wirklich gelungen – und Mackay war zweifelsohne einer von ihnen. Wie will man ihn nennen? Freiheitsfreund? Individualisten? Anarchisten? Romantiker, Realisten? Gewiss war er all das. Und doch ist es gerade Individualismus, der letztendlich eine feste Einordnung zunichte Macht – denn das Individuum ist stets so viel mehr als ein Begriff, das jeder feste Begriff ihm eine Fessel sein muss.





