Donnerstag, 29. September 2011

Eigentum ist revolutionär!

von Niklas Fröhlich
Ich bin gestern hier auf einen überaus interessanten Beitrag gestoßen: Seit einiger Zeit nun wird die New-Yorker Wall-Street, Symbol von Großkapital und Konzernherrschaft, von Protesten und Demonstrationen erfasst, erst vorige Woche hatte man versucht sie zu besetzen - was von der Polizei wie zu erwarten aufgelöst wurde. Dabei soll die NY-Police sich nicht gerade zimperlich verhalten haben, was gewiss auch nicht ungewöhnlich ist, wenn eine Versammlung gewaltsam zerstreut wird.
Weder die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Protesten und Besetzungen, Versammlungszerschlagungen und Polizeigewalt möchte ich hier unbedingt weiter behandeln.
Wirklich interessant ist aber das, was nun in jenem Beitrag von gestern aufgezeigt wird: Nachdem der Staat die Demonstranten gewaltsam zerschlagen und von öffentlichen Plätzen vertrieben hat, finden sie eine Unterkunft - in einem privaten Park (siehe Foto). Hier organisieren sie sich, lagern, bereiten weitere Aktionen vor. Hier gibt es einen - nicht völligen, aber doch relativen - Raum der Sicherheit vor staatlichem Zugriff.

Das ganze gewinnt deshalb eine gewisse Ironie, weil (so verschieden die Zusammensetzung der Demonstranten sein mag) tatsächlich eine Menge Sozialisten, oder schlichter: Staatsfetischisten dabei sind, die eben jenes private Eigentum ablehnen. Noch kürzlich hat der erzreaktionäre Turboetatist Michael Moore seine Sympathie mit den Demonstranten bekundet - und die beruht wohl durchaus auch auf Gegenseitigkeit.

Vielleicht regt die eigene Erfahrung hier den einen oder anderen Freund von staatlichem, sogenannten "öffentlichen" Eigentum zum Nachdenken an. Schließlich sehen sie hier eindeutig, was Privateigentum ist: Ein weitgehend unabhängiger, geschützter Raum der Selbstbestimmung, in dem man in Frieden und Ruhe gelassen wird. Gäbe es kein privates Eigentum, keinen privaten Zuccotti-Park, die Demonstranten hätten keinen Ort gehabt zu dem sie vor der Staatsgewalt hätten fliehen können. Vielleicht versteht der Eine oder Andere tatsächlich, dass weitgehendes Staatseigentum und weitgehender Staatseinfluss nichts anderes bedeutet, als dass der Einzelne der Obrigkeit, was heißt: den Schlagstöcken der Polizei, immer und überall ausgeliefert ist. Privateigentum bedeutet Rückzug, Schutz, mehr noch: Möglichkeit zu Widerspruch, Opposition, vielleicht sogar: Revolution.

Ich weiß nicht, wie sich die Lage im Park in den nächsten Tagen weiterentwickeln wird - und es ist gut denkbar, dass bei allzu ausschweifendem Hausen im Park der Eigentümer den Demonstranten den Aufenthalt versagt. Eins aber macht diese kleine begrünte Fläche in New York deutlich klar: Privateigentum bietet nicht nur Selbstbestimmung und Schutz - sondern mehr noch - es ist die Grundlage für Kritik, Widerspruch und Opposition, ergo für jede Vorstellung ziviler Freiheit. Eigentum ist Revolution.