Mittwoch, 7. Dezember 2011

IV. Freiheit, Fortschritt, Optimismus. Appell zwischen Ratio und Romantik

von Niklas Fröhlich
Dies ist Teil einer wöchentlichen - mittwöchlichen - Reihe über und mit Gedichten und Auszügen von John Henry Mackay.

Es ist nicht immer – und das ist bereits euphemistisch – leicht in heutigen Tagen überzeugter Freund der Freiheit zu sein und in ihrem Sinne den Blick optimistisch in die Zukunft zu richten. Mehr noch: Gerade dies, die Hoffnung, die Zuversicht, ist es, was wir kultivieren und pflegen sollten. Der drohende Untergang von Nation, Welt, Klima, all das ist stets die (mitunter gewaltsam) drohende Phrase der schwarzsehenden Freiheitsfeinde gewesen und wird es stets sein. Der Etatist muss sich gerade deshalb stets um Kontrolle bemühen, weil er froh- und freimütige Zuversicht nicht kennt, sondern allenfalls furchtsam-kriecherische Obrigkeitsgläubigkeit. Dies hat mit Freimut, dem Freitum, der freiheitlichen Zuversicht die wir zunehmend zu verlieren drohen, nichts zu tun. So sehr sich die Zustände auch gegen das Ideal zu wenden scheinen, darf der Freie doch hinterm Horizont der Tage den freien Wandel zu erhoffen, nein: zu erwarten! Mackay richtet in seinem „sozialen Gedicht“ „Arma parata fero“¹ den Finger auf diesen Horizont.

(Auszug)
Mit Rosen bekränzt durch der Zukunft Thor
Wird lächelnd und segnend er treten hervor,
Kein Stillstand in müssigem Glücke wird sein
Denn ewig ist, Menschheit ein Göttliches dein,
Die große Treiberin: äußere Noth,
Und mehr noch: ein zwingendes inn’res Gebot,
Das von Stufe zu Stufe dich höher hebt,
Zum Sieger weihend, wer höher strebt !
Es giebt nur ein Vorwärts, es gibt kein Zurück,
In der Zukunft liegt das befreiende Glück !

Wie immer lässt sich auch hier die typisch mackaysche Verbindung von schlichtem rationalem Pragmatismus² und ergriffener Romantik. Die Zukunft wird das Glück bringen, allem Widerstand zum Spott und ebenso wie auch die Zeit voranschreitet, wird auch das Menschengeschlecht – zumindest langfristig – den wahren Fortschritt erlangen.
Dann aber wieder der Wechsel in kalte, anthropologische Dimensionen: Der Mensch ist ein von Natur aus getriebenes Wesen, das stets strebt und streben muss. Stillstand kennt der Mensch nicht. Allen moralistischen Beschwichtigungen zum Trotz: Der Mensch will weiter, will mehr. Wann immer dieser Trieb – der übrigens keinesfalls ein rein materieller ist – zu hemmen versucht wird, muss dies radikal scheitern. Alles Übel wird, wenn nicht kurz-, dann doch zumindest langfristig, schon deshalb vergehen müssen, weil es eben ein Übel ist, etwas zurückhaltendes, und der strebenden Natur des Menschen als solches widerspricht. Langfristig, muss dabei zurückhaltend betont werden.
Und noch ein simples, klares Argument für den frohen Blick in die Zukunft: „Es gibt nur Vorwärts, kein zurück“. Was soll ich denn, ich als Individuum voll Selbstinteresse, das einzig wirkliche, das Seiende und Werdende mit Furcht und Verzweiflung verschwenden? Freiheit ist stes vor allem innere Freiheit. Hoffnung als Selbstpflege.

Hart entgegenzuhalten ist diese Hoffnung und auch das klare anthropologische Argument den Freiheitsfeinden, die mit Furcht und Verzweiflung beherrschen.
Entgegen den Kritikern des „kapitalistischen Wachstumswahnes“, die nie verstanden haben das „Wachstum“ und „Fortschritt“ unveränderliche menschliche Eigenschaften sind und das „Wachstum“ und materieller Konsumwahn zwei verschiedene Dinge sind. Wahres Wachstum schafft nicht nur Quantität, sondern vor Allem immer Qualität.
Entgegen denen, die meinen, wir sollten endlich einsehen dass wir genug haben und es uns gut geht, die sagen, wir sollen uns nicht beklagen. Gewiss haben wir relativ eine Menge, aber gewiss gibt es, solange es Menschen gibt auch Ziele, nach denen diese lohnend streben. Der Mensch kommt nackt, frierend, hungrig und ahnungslos auf die Welt, „äußere Noth“, wie Mackay schreibt. Alles was ihn aus dieser glücklosen Verlorenheit errettet, ist sein stets Streben nach „mehr!“. Wer dies verteufelt, der verteufelt den Menschen und wer dies in seiner Kritik nur schlicht materialistisch zu sehen vermag zeigt nur seine eigene geistige Beschränktheit.
Entgegen auch den Schwarzsehern des Menschengeschlechtes, die den Menschen für eine Bestie, eine dumme, verbrecherische, kränkliche Kreatur halten. Sie müssen ihr grausiges Selbstbild nicht auf andere projizieren! Wir glauben, dass der Mensch als Individuum vernünftig, kooperativ und fähig, seiner Not zu entfliehen ist.
Entgegen auch den trüben Geistern die glauben, der Mensch sei ein Virus auf dieser Welt, der „Mutter Natur“ nur schade. Alles was an ihren wundervollen Weiten so schön und schützenswert ist entsteht und beruht letztlich nicht in ihr, sondern im Auge des betrachtenden Genießers. Ohne den Mensch hat die Welt keinen Wert, weil es niemanden mehr gibt, der ihr einen zumisst. Jeder einzelne ist es, der ihr Wert gibt und sie als solche erhält oder verarbeitet. Das trauen wir uns, im Gegensatz zu diesen Misanthropen, voll freiem Selbstbewusstsein zu.

Freiheit ist Zuversicht. Vorwärts, Freiwärts!
_________________________
¹ John Henry Mackay, Arma parata fero!, Zürich 1887

²Die Rede ist hier natürlich vom wahren Pragmatismus, der geistigen deutlichen Klärung frei von emotionalen und ideologischen Verklärungen – nicht der heutige „Pragmatismus“ der fast synonym zu „Unverständigkeit“ oder „aktionistischer Konzeptlosigkeit“ gebraucht werden kann.

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