Mittwoch, 16. November 2011

I. Die Freiheitssuche


von Niklas Fröhlich
Dies ist der Beginn einer wöchentlichen - mittwöchlichen - Reihe über und mit Gedichten und Auszügen von John Henry Mackay.

Kaum ein Wort wurde so oft im Munde geführt, so oft gebraucht aber auch missbraucht, wie dieses vielleicht lieblichste aller Worte: „Freiheit“. Viel wurde darum gerungen und letztendlich steckt nicht nur der begriffliche Kampf um die „Freiheit“ zunehmend in einem Sumpf aus Unklarheiten, tatsächlich scheint der große Klang dieses Wortes zunehmend verhallt zu sein, eine Phrase, vielleicht nicht einmal wünschenswert. Ist „Freiheit“ ein zweitrangiges, vielleicht sogar altmodisches Konzept? Muss sie hinter Begriffen wie „Stabilität“, „Nachhaltigkeit“ oder „soziale Gerechtigkeit“ zurückstehen?
Auf Freitum.de findet sich eine Gruppe von Autoren, die zutiefst überzeugt ist, dass alle diese Ziele mit innerer Notwendigkeit nur aus der Freiheit selbst hervorgehen können. Freiheit, so meint jeder von uns, geht allem Anderen voraus und nur auf ihr lässt sich jemals irgendetwas Wertvolles, Stabiles oder Gerechtes aufbauen.

Wie schon bemerkt, ist der Begriff der Freiheit ein sehr schwieriger. Viel wurde darüber debattiert, was denn objektive, absolute oder relative Freiheit sei. All das möchte ich hier beiseiteschieben und ein wenig hinweg kommen von der fernen Theorie. Stattdessen möchte einen der größten deutschen Individualisten zu Wort kommen lassen:

„Nur der versteht die Freiheit, welcher sie liebt. Wer sie aber – und darin liegt alle Zukunft – liebt als die Notwendigkeit seines Lebens, der muss sie auch, durch alle Irrtümer hindurch, verstehen lernen ..." ¹

So schreibt John Henry Mackay 1893. Und er hat Recht: Freiheit, das ist – fern von jeder komplexen Theorie – ersteinmal ein Gefühl. Freiheit ist etwas, das man individuell für sich erkennen und lieben lernen muss. Freiheit, das hat der Individualist Mackay meisterlich verstanden, ist untrennbar mit der Liebe, mit der Individualität verbunden. Freiheit heißt zu leben, heißt zu suchen und zu verstehen. Freiheit ist ein Gefühl, das – genau wie die Liebe - zur Notwendigkeit wird, sobald es aufblüht.
Wie sich diese Freiheit nun ausgestaltet, wie sie verstanden werden kann, wie sie vielleicht verstanden werden sollte – dies hat Mackay oftmals zum Zentrum seines künstlerischen Schaffens gemacht. Und wieder die Frage: Ist denn die seltsame Freiheitsvorstellung einer Zeit, die nun über ein Jahrhundert zurückliegt, für uns noch relevant? Hat sich die Welt nicht seitdem verändert. Mackay selbst würde, vermute ich, milde, vielleicht etwas spöttisch lächelnd antworten: „Das hat sie. Der Mensch aber, der ist derselbe geblieben.“
Ganz in diesem Geiste möchte ich versuchen aufzuzeigen, wie lebendig der zeitlose Mackay ist. In festem Turnus – jeden Mittwoch – möchte ich ein kurzes Gedicht, oder einen Auszug, des Deutschen Dichters mit schottischem Namen vorstellen und im Zeichen der heutigen Zeit kommentieren und interpretieren. Dabei versuche ich in losem Kontext sowohl den Dichter selbst, als auch sein Werk, als letzlich auch dessen – meine – moderne Interpretation vorzustellen. Dieses Unternehmen ist schon wegen dieser Vielfalt nicht einfach und hat auch gewiss keinen literaturwissenschaftlichen Anspruch. Dennoch lässt sich aus der Kunst und den Ideen Mackays viel gewinnen.

Diese Reihe ist mir schon deshalb ein Anliegen, weil sich nur wenige der mannigfaltigen Werke Mackays bisher in den sonst so grenzenlosen Weiten des Internets finden lassen. Ich hoffe der Eine oder Andere findet in den nächsten Wochen Freude an den klingenden Worten Mackays und der weiten Freiheit, die seine Werke atmen.

PS: Gedankenanstöße – mehr will diese Reihe nicht sein – leben von ihrer Rezeption. Selbiges tut Poesie. Entsprechend bin ich dankbar für jeden Kommentar, jede Anregung, ja jeden mitgeteilten Gedanken und möchte alle Leser dringend dazu aufrufen. Auch jetzt schon.
___________________
¹ Vorwort zur Volksausgabe von „Die Anarchisten“, 1893;
Etwa: Mackay, John Henry: Die Anarchisten; Hrsgg. von Timm, Uwe und Knoblauch, Jochen; Berlin 2006. Digitalisiert hier.

Kommentare:

  1. Auf diese Reihe freue ich mich schon! Auch für mich ist Mackay einer derjenigen, die die Freiheit am, wie ich finde, romantischsten beschreibt.

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  2. Ich bin gerade durch Zufall hier gelandet und bin gespannt auf die Vorträge, die nun folgen werden.
    Denn inzwischen ist mir immer klarer geworden, in welchen Unterdrückungsstrukturen wir noch immer leben und lasse mich daher überraschen, was noch zu lernen gibt.
    LG Martin

    hier habe mich micht z.B. gefragt: https://faszinationmensch.wordpress.com/2011/02/25/wie-frei-bin-ich-eigentlich-als-deutscher/

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