Donnerstag, 3. November 2011

Der Mafiastaat: Von der Erleichterung einer Zustimmung


von Henning Lindhoff
27. Oktober 2011, 7:10 Uhr, ARD Morgenmagazin...
Unser lieber Markus Preiß berichtet live von der Euro-Rettungsfront in Brüssel und darf stolz verkünden, dass unsere allseits geliebte Kanzlerin den Euro gerettet und damit die europäische Idee vor dem Kollaps bewahrt hat.
Jedoch wäre Herr Preiß kein Qualitätsjournalist, wenn er nicht auch kompetent die Einzelheiten der Rettung erläutern könnte.

Euphemisierung einer Erpressung

Mit einem süffisanten Lächeln berichtet er:
"Man hat den Banken ein Angebot gemacht. Man hat gesagt, dass das das letzte sein würde. Und das wurde dann akzeptiert. So gesehen, gab's dann natürlich überhaupt gar keinen Druck. [...] Es droht im Zweifel ein Default, eine Pleite Griechenlands. [...] Und es gab noch weitere Überlegungen, wie man eventuell noch mehr Druck aufbauen könnte. [...] Eine Möglichkeit wäre, dass man die Bedingungen der Schulden quasi ändert. [...] Das sind die Dinge, mit denen dann gewunken wurde, um die Zustimmung etwas zu erleichtern."

Ich werde hellhörig. Solche Sätze kannte ich bislang nur aus den Werken Mario Puzos und den entsprechenden cineastischen Adaptionen: Don Vito legt seinem Capo den Arm auf die Schultern und spricht von einem vorteilhaften Angebot, das er einem Gegenspieler unterbreitet habe . Ähnliches scheint sich ebenso in den heiligen Hallen des höchsten Rates unserer treu sorgenden Union abgespielt zu haben – allerdings auf telefonischem Weg. Welche Worte Merkel und Sarkozy genau an die Bankenvorstände gerichtet haben, ist unbekannt. Jedoch scheint mir Don Vito hier einmal mehr Pate gestanden zu haben.

Don Cancelliere

Dass der Staat genau dieselben Methoden anwendet wie die Mafia , wird bei der genauen Betrachtung der Worte des Herrn Preiß überaus deutlich. Wenn eine Exekutive es für nötig hält, werden auch die wichtigsten Bündnispartner im Scheingeldsystem, die Großbanken, erpresst. Von der Erleichterung zur Zustimmung ist dann die Rede und davon, dass kein Ausüben von Druck notwendig sei, ebenso von einem letzten Angebot.

Dass von solchen Formulierungen nun sehr deutlich in der Öffentlichkeit berichtet wird, stellt ein neues Level der Propaganda dar. Unsere Politiker meinen nun zu wissen, dass ihre Untertanen ihr korruptes Spiel, ihr Programm in Richtung einer vollkommenen zentralistischen Machtübernahme nicht durchschauen. Viel mehr noch – sie meinen zu wissen, dass ihre Untertanen dieses Programm bejahen, befürworten, glücklich sein werden, wenn es endlich eine zentrale Behörde gibt, die endlich den freien Markt endlich in die Knie zwingt. Dieses totalitäre Reformprogramm wird uns mittlerweile akribisch in die Hirne gehämmert. Kein Tag vergeht, an dem nicht zumindest eine Umfrage der öffentlich rechtlichen Brainwasher "beweist", dass der deutsche Michel auf der Einkaufsmeile förmlich lechzt nach Zentralregierung, Regulierung und staatlichen Interventionen in die letzten Freiheiten des Marktes . Wenn diese dann ein wenig nach Mafia-Methoden riechen, ist es schon nicht so schlimm...

Kanalisierung der Angst

Dass kein Aufschrei der Empörung durch die Gesellschaft ging, nachdem die ARD die Wortmeldung von Markus Preiß veröffentlichte, gibt Anlass zur Sorge um die deutsche Bevölkerung.
Wenn nicht nach solchen propagandistischen Interventionen des Staatsfernsehens aufgeschrien wird, wann denn dann?
Wann wird das Volk den eigenen Freiheitswillen mit Wut im Bauch verkünden, wenn nicht am 27. Oktober 2011 um 7:11 Uhr?
Wann wird das Volk wieder direkte Demokratie einfordern, wenn nicht nach einer solchen euphemistischen Umschreibung einer kriminellen monopolgewalttätigen Ausübung von Macht?

Das Ausbleiben von Empörung ist weiteres Indiz für die nahezu erreichte Perfektion mafiöser Herrschaftsstrukturen in Deutschland und Europa. Auch der schutzgelderpresste Ladenbesitzer in Neapel arrangiert sich früher oder später mit seinen Erpressern, weil er seine Angst vor den Erpressern kanalisiert in einen Irrglauben. Er meint dann, vom System profitieren zu können, und glaubt, andere Systeme (freier Markt) seien ihm schädlich. Dann hört er auf zu rebellieren und zu widersprechen. Er ergibt sich den Gewalttätigen.

Hat der deutsche Michel diesen Punkt etwa schon erreicht?
Will er nicht mehr frei sein?
Will er nicht mehr selbst über sein Leben entscheiden?

Wie wurde ihm seine Zustimmung erleichtert?

Mich jedenfalls hat Frau Merkel noch nicht angerufen...
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1 http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/435054_morgenmagazin/8586844_was-ist-von-den-gipfel-beschl-ssen-zu-halten-?type=null

2 http://www.youtube.com/watch?v=SeldwfOwuL8&feature=related

3 Dass der Staat prinzipiell eine mafiöse Struktur ist, hat Oliver Heuler in zwei sehr gelungenen Videos dargelegt. Zu seinen Ausführungen ist nichts mehr hinzuzufügen: http://www.youtube.com/watch?v=W5WDeIr946g

4 Anzumerken scheint es mir an diesem Punkt wert, dass nichts demokratischer sein kann als der Markt, auf dem zwei Vertragspartner einzig auf Grundlage ihres freien Willens einen Vertrag aushandeln. Solche Verträge können nur win-win-Situationen sein. Sieht ein Vertragspartner keinen Vorteil in dem Vertrag für sich, schließt er ihn nicht ab.

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