Montag, 2. Mai 2011

Die Konjunkturtheorie der Austrian Economics – libertäre Standpunkte zum Geld-, Tausch- und Bankenwesen

von Tomasz M. Froelich
Als ich vor einiger Zeit im Rahmen zweier Lehrveranstaltungen an der Universität Wien Vorträge über libertäre Standpunkte in punkto Staatstheorie und Konjunkturtheorie hielt, fragte ich jeweils die Studierenden, wer von ihnen schon mal etwas über die Austrian Economics, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek gehört hat. Erstaunlicherweise waren die Austrian Economics keinem der Studierenden ein Begriff. Ludwig von Mises kannte gerade einmal einer von insgesamt ca. 60 Studenten, Hayek kannten ,,immerhin‘‘ derer sechs. Dies ist erstaunlich, zumal die Austrian Economics ihren Ursprung an der Universität Wien haben und bis heute wichtige Beiträge im Bereich der Philosophie und Wirtschaft liefern. Die Büste von Carl Menger, dem ersten Vertreter der Austrian Economics, steht immerhin im Hof des Hauptgebäudes der Universität Wien, Hayeks Portrait hängt an der Wand der Nobelpreisträger, die die Universität Wien hervorgebracht hat. Motivation genug, um sich mit dem Werk der Austrian Economics etwas genauer auseinanderzusetzen, zumal sie von den hier Lehrenden – ob bewusst oder unbewusst sei mal dahingestellt – marginalisiert werden.
Die folgende Arbeit nimmt es sich zum Ziel, libertäre Standpunkte in geld- und bankentheoretischen Fragen zu präsentieren.

Es wird zunächst der Nutzen des Tausches und des Geldes erklärt. Der Tausch wird dabei als Lebenselixier, als conditio sine qua non einer jeden Gesellschaft und Zivilisation beschrieben, das Geld hingegen als marktgängiges Tauschgut, welches jeglichen Handel erleichtert. Anschließend wird die eigentliche Funktion von Banken erläutert. War das Bankensystem ursprünglich so konzipiert wie jetzt, oder waren Banken nicht vielmehr als Geldlagerhäuser? Welche Rolle spielten die Gelddeckung und Edelmetallstandards, wie etwa der Goldstandard? Es bestehen jedenfalls große Unterschiede zwischen dem ursprünglichen und dem gegenwärtigen Bankensystem, auf dem das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt. Es soll erklärt werden, dass aus libertärer Perspektive Wirtschaftskrisen im derzeitigen Bankensystem immanent sind.
Anschließend wird kurz auf das Free Banking eingegangen. Dieser von Hayek konzipierte Ansatz hat neben dem Edelmetallstandard das Repertoire an libertären Alternativen zum gegenwärtigen Bankensystem erweitert.
Es wird außerdem ein Ausblick auf die Zukunft des Euro und der Europäischen Zentralbank gewagt. Wird die EZB und ,,ihr‘‘ Euro Europa vereinen, oder doch eher spalten? Haben EZB und Euro überhaupt eine Zukunft? Wie steht es um die Gefahren der Inflation und eines europäischen Zentralstaats? Wie reagiert die Politik darauf?

I. Über den Nutzen vom Tausch
Der Tausch ist die Grundlage einer jeden Wirtschaft und Gesellschaft. Ohne Tausch gäbe es praktisch keine Wirtschaft. Ohne Wirtschaft gäbe es praktisch keine Gesellschaft. Das Schöne am Tausch ist, dass die Tauschenden, aus ihrer jeweiligen Perspektive, beim Tauschgeschäft einen Gewinn machen. Es herrscht zwischen getauschten Dingen aus Sicht der Tauschenden keine Wertgleichheit, wie es etwa Aristoteles, Marx und viele andere irrtümlicherweise geglaubt haben. Vielmehr ist ein Tauschgeschäft eine win-win-Situation, ,,denn jeder bewertet das, was er im Tausch erhält, höher als das, was er weggibt'' (Rothbard 1963/2000: 15), denn sonst würde es ja für niemanden Sinn ergeben, etwas zu tauschen.
Der Tausch resultiert aus der Mannigfaltigkeit menschlicher Talente und Fähigkeiten und der Verschiedenartigkeit der erdlichen Regionen und Bodenschätze, kurzum: aus der Mannigfaltigkeit der Natur: ,,Jeder Mensch hat eine andere Kombination an Fähigkeiten und Fertigkeiten, und jeder Landstrich hat seine eigentümlichen Qualitäten, seine besonderen Vorkommen. Aus dieser äußerlichen Tatsache der Verschiedenartigkeit entstehen Tauschhandlungen'' (ibid.: 16).
Diese Verschiedenartigkeit generiert auf Seiten der Menschen Spezialisierungen, die dazu führen, dass der Mensch seine Fähigkeiten und Fertigkeiten so gut wie möglich entwickelt. In diesem Arbeitsteilungsprozess kommt es zu einer sinnvollen Teilung und Verbindung der einzelnen Arbeitsgänge (vgl. Smith 1776/2006: 15-25). Dies impliziert automatisch eine Produktivitätssteigerung, welche auf drei Faktoren zurückzuführen ist:
[1.] Größere Geschicklichkeit der einzelnen Arbeiter,
[2.] Zeitersparnis, die bei einem nicht arbeitsgeteilten Prozess z.B. beim Tätigkeitswechsel verloren geht und
[3.] Maschinenerfindungen, deren Konsequenzen allgemeine Arbeitserleichterungen, Arbeitszeitverkürzungen und Produktivitätsmaximierungen sind.
Jeder Mensch spezialisiert sich auf eine Tätigkeit und optimiert diese infolge von Erfahrung und Übung. Daraus resultiert eine allgemeine Optimierung der Arbeitsquantität und -qualität. Durch den Ausbau individueller menschlicher Talente und Fähigkeiten profitiert die Gesellschaft – durch den Arbeitsteilungsprozess entsteht ein Plus an Produkten.
Auch die einzelnen Regionen werden danach trachten, aus den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen das Optimum herauszuholen. Libyen, mit all seinen Erdölvorkommen, wird sich im großen Maße auf die Ölindustrie fokussieren, wohingegen Schweden, aufgrund seiner Stahlvorkommen, bedeutend für die Stahlindustrie ist. Aus der Verschiedenartigkeit der Natur entsteht letztlich eine Verschiedenartigkeit der Produkte, die die Menschen untereinander tauschen können. Da kaum ein Mensch in der Lage wäre, sich selbst ausreichend zu versorgen, wären die meisten von ihnen zum Hungertod verdammt. Wie soll ein Rechtsanwalt, der selbst kein Essen produziert, überleben? Er braucht den Bäcker, den Gemüsehändler und den Bauern, um überleben zu können und bietet deshalb ihnen seine juristischen Dienste zum Tausch an. Dieser Tauschmechanismus führt dazu, dass es den Menschen insgesamt besser geht und sie überleben können: ,,Der Tausch ist das Lebenselixier, nicht nur unserer Wirtschaft, sondern der Zivilisation selbst.'' (ibid.) Dem Tausch verdanken wir unsere Zivilisation. Ohne ihn würden wir in primitiver Isolierung womöglich unter dem Existenzminimum leben:
,,Der Tauschprozess ermöglicht [...] dem Menschen [...] eine enorme Vergrößerung seiner Möglichkeiten und der Märkte für seine Waren; er ermöglicht es ihm, in Maschinen und andere ,,Kapitalgüter höherer Ordnung'' zu investieren; er bildet eine Tauschordnung - den freien Markt - die ihn in die Lage versetzt, Kosten und Nutzen höchst komplexer Methoden und Produktionsaggregate ökonomisch zu kalkulieren.'' (Rothbard 1982/2000: 52)

Doch wie wird getauscht? In rudimentären Gesellschaften tauschte man noch direkt. Diese Tauschform nennt man Naturaltausch. Der Naturaltausch hat allerdings unüberbrückbare Schwächen. So sind viele der angebotenen Dienste und Güter unteilbar, entsprechen nicht den Wünschen der potentiellen Tauschpartner oder sind einfach nur schwer transportierbar. Diese drei potentiellen Probleme machen eine zivilisierte Wirtschaft und Gesellschaft unmöglich.

II. Über den Nutzen vom Geld
Die Schwächen des Naturaltauschs wurden von den Menschen schnell erkannt, sodass sie ein Tauschverfahren entwickelten, dass die Schwächen des Naturaltauschs schnell egalisieren sollte - den indirekten Tausch: ,,Beim indirekten Tausch verkauft man seine Ware nicht für ein Gut, das man direkt benötigt, sondern für ein anderes Gut, das man dann wiederum für das eigentlich gewünschte Gut verkauft.'' (Rothbard 1963/2000: 17). Juwelier Müller, der gerne Schmuck verkauft, erhält von seinem Kunden, dem Kuhhändler Schmidt, keine Kuh, die er nicht braucht, sondern Geld, welches er beliebig investieren kann. Das Geld ist ein durch den Markt ermitteltes, möglichst marktgängiges Tauschgut. Schon Adam Smith schrieb: ,,In allen Ländern scheinen [...] die Menschen schließlich bestimmt worden zu sein, durch unwiderstehliche Gründe zu diesem Zwecke (dem Tausch, Anm.: T.M.F.) den Metallen vor allen anderen Waren den Vorzug zu geben.'' (Smith 1776/2006: 37) Als besonders geeignete, marktgängige Tauschgüter wurden dabei die Edelmetalle Gold und Silber ermittelt: sie werden stark nachgefragt, sind leicht und ohne Wertverlust in kleinere Einheiten teilbar, über eine lange Zeit haltbar und relativ problemlos transportierbar (auch dank gedeckter Banknoten, dazu mehr unter III.). Dem Prozess der Ermittlung von Gold und Silber als marktgängige Tauschgüter obliegt im freien Markt der Wettbewerb, der im Ermittlungsverfahren eben jenen beiden Gütern die größte Marktgängigkeit zugesprochen hat. Der im freien Markt existierende Wettbewerb ist eine Methode zur Entdeckung von Tatsachen, ,,die ohne sein Bestehen entweder unbekannt bleiben oder doch zumindest nicht genutzt werden würden.'' (Hayek 1968: 119) Dank des Wettbewerbs als Ermittlungsverfahren ist bekannt, dass Gold und Silber marktgängige Tauschgüter sind. Zusammenfassend und abschließend lässt sich sagen:
,,[D]ie kumulative Herausbildung eines Tauschmediums auf dem freien Markt [...] ist der einzige Weg, auf dem Geld eingeführt werden kann. [...] [I]n der Geldnachfrage ist das Wissen um die Geldpreise der unmittelbaren Vergangenheit enthalten; im Gegensatz zu direkt verwendeten Konsum- oder Investitionsgütern müssen im Falle von Geld bereits Preise existieren, auf denen sich dann eine Geldnachfrage entfalten kann. Doch dazu kann es nur kommen, wenn die spätere Geldware zunächst als nützliche Ware im Naturaltausch auftritt und sich dann die Nachfrage für den Tauschmittelgebrauch zu der Nachfrage für den direkten Gebrauch [...] gesellt. Daher kann keine Regierung Geld für die Wirtschaft schaffen; Geld kann nur durch die Vorgänge auf dem freien Markt entwickelt werden.''(Rothbard 1963/2000: 19; vgl. Rothbard 1982/2000: 53; vgl. Menger 1871: 255ff.; vgl. Mises 1924: 73-102).

III. Über die eigentliche Rolle der Banken und Gelddeckung
Wir sprachen bereits über die Marktgängigkeit von Gold und Silber als Tauschmittel. Diese beiden Edelmetalle sind jedoch recht schwer. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass man sehr gerne Geld mit sich herumträgt, allerdings auch nur, wenn es nicht allzu schwer ist – Scheine sind komfortabler als Metallmünzen. Um diesem Problem bei einer Edelmetallwährung zu entgehen, bildeten sich auf dem freien Markt Edelmetalllagerhäuser, in denen ,,[w]ie bei allen Lagerhäusern […] das Recht des Besitzers auf die gelagerten Güter durch einen Empfangsschein bestätigt [wird], den er bei Einlagerung der Güter erhält.‘‘ (Rothbard 1963/2000: 42) Dieser Empfangsschein wird aus Komfortgründen anstelle des physischen Goldes als Zahlungsmittel weitergegeben: ,,So werden die Lagerhaus-Quittungen immer mehr die Funktion von Geldsubstituten übernehmen. Bei immer weniger Transaktionen wird noch das eigentliche Gold bewegt; in immer mehr Fällen werden statt dessen Papiere verwendet, die Eigentum an Gold verbriefen.‘‘ (ibid.: 43) Die von den Banken herausgegeben Banknoten – auch Einlagen/Schecks sind in diesem System möglich – sind nichts anderes als Besitzansprüche auf eingelagertes Gold, die ein komfortabler Ersatz für das physische Gold sind, in keinem Fall jedoch zusätzliches Geld, da ,,[d]as Gold im Tresor […] nicht mehr ein Teil des wirksamen Geldangebots [ist], sondern […] als Deckung für die Quittungen aufbewahrt [wird], um eingelöst zu werden, wann immer der Eigentümer dies wünscht.‘‘ (ibid.: 45)
Kritiker eines solchen Systems der 100%igen Deckung wenden ein, dass in ihm für Banken keine Möglichkeit bestünde, Geld zu verdienen. Weit gefehlt! Banken, also Geldlagerhäuser, würden auf die gleiche Weise Geld verdienen, wie andere Lagerhäuser auch, nämlich durch Dienstleistungsgebühren, die dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Lagerhäuser – auch Geldlagerhäuser – müssen all ihre Güter selbstverständlich zu 100% decken und für ihre Kunden bereithalten, alles andere wäre Betrug und Diebstahl (vgl. ibid.; vgl. Beutter 1965: 157, 173; vgl. Hülsmann 2010: 23; vgl. North 1986, insbesondere Kapitel 9; vgl. Woods 2005: 97). Man stelle sich hierbei nur die Unverschämtheit eines Lagerhauses vor, das den von seinen Klienten hinterlegten Schmuck verhökern würde. Dies wäre Diebstahl und Betrug und ähnlich verhält es sich bei Banken, die ohne Bewilligung des Besitzers sein Eigentum für riskante Geschäfte und Inflation – von der in erster Linie die Währungshüter profitieren (dazu mehr unter VI.) - missbrauchen.
Daher ist aus konsequent libertärer Perspektive ein teilgedecktes Bankwesen, wie wir es etwa aus den 1920er Jahren kennen (und wie es auch von einigen extrem liberalen Ökonomen wie Lawrence H. White gefordert wird (vgl. White 2010: 47-53), inakzeptabel. Dennoch neigten Banken in der Geschichte dazu, das gelagerte Geld ihrer Kunden gewinnbringend und für eigene Zwecke einzusetzen. So gaben Banken ungedeckte Lagerhaus-Quittungen für Gold heraus, welches nicht vorhanden war. Diese Quittungen wurden in der Folge gewinnbringend verliehen. Dies hatte zur Konsequenz, dass diese Pseudoscheine, neben den gedeckten Scheinen, auf dem Markt zirkulierten und so der Geldmenge hinzugefügt wurden – ein höchst inflationärer Akt. Inflation ist als ,,jeglicher Anstieg der Geldmenge in der Wirtschaft, der nicht in einem Anstieg des Metallgeld-Vorrats besteht‘‘ (Rothbard 1963/2000: 47), zu definieren. In einem teilgedeckten Bankenwesen werden Banken automatisch inflationär agieren, in einem auf vollständiger Deckung basierenden Bankenwesen wäre ein solches Agieren hingegen juristisch zu sanktionieren und daher für Banken kaum attraktiv.
Apologeten von Banken behaupten zwar, dass Banken, ähnlich wie andere Unternehmen, Risiken eingehen müssen, um Gewinne erzielen zu können, doch – wie bereits beschrieben - würden Banken auch als reine Geldlagerhäuser, auf dieselbe Art wie sonstige Lagerhäuser, Gewinne erzielen. Zudem existiert ein gravierender Unterschied zwischen Banken und anderen Unternehmen: Während andere Unternehmen mit ihrem eigenen oder geliehenem Kapital ein Risikogeschäft eingehen, tun Banken dies mit fremden, ihnen anvertrautem Kapital:
,,Die Bank schafft neues Geld aus der Luft und muß es nicht wie alle anderen durch Produktion und Verkauf ihrer Dienste erwerben. Kurzum ist die Bank bereits jetzt und zu jeder anderen Zeit bankrott. Doch diese Zahlungsunfähigkeit kommt nur zum Vorschein, wenn die Kunden Verdacht schöpfen und einen ,,Run‘‘ auf die Bank lostreten.'' (ibid.: 48)

Angenommen, nur 10% des Geldes sind gedeckt, dann würde es ausreichen, wenn Bankkunden, die 11% des gelagerten Geldes besitzen, einen Run auf die Bank starten würden, um die Zahlungsunfähigkeit der Bank zu beweisen. Auf dem freien Markt hätte ein solches Bankenwesen nicht die geringste Daseinsberechtigung.
Auf dem freien Markt, auf dem mehrere Banken untereinander konkurrieren würden und es kein Bankenmonopol, Zentralbanken und ähnliches geben würde, wäre Inflation ein Fremdwort:
Zunächst einmal wird die Expansion von Banken durch deren nötige Goldabgabe an andere Banken begrenzt, da Banken die Geldmenge nur innerhalb ihrer eigenen Klientel vergrößern könnten.
,,Je eingeschränkter der Kundenumfang einer Bank ist, um so größer muß daher ihr Anteil an Goldrücklagen sein, um der Bedrohung durch Konkurs von dieser Seite her aus dem Weg zu gehen, und um so weniger kann sie expandieren. Gibt es in einem Land nur eine einzige Bank, so besteht auch weit mehr Spielraum für eine Ausweitung, als wenn es für jeden zweiten Einwohner eine gäbe. Unter sonst gleichen Bedingungen wird das angebotene Geld daher um so ,,härter‘‘ – und besser – je mehr Banken es gibt und je kleiner diese sind.'' (ibid.: 50f.)

Doch was passiert, wenn beispielsweise die vielen existierenden Banken ein Kartell bilden und vereinbaren würden, jegliche Belege aller Banken auszuzahlen und nicht auf Einlösung eigener Belege zu bestehen? In einem solchen Fall wäre das Vertrauen der Bankkundschaft, die sich zunehmend Sorgen um das Deckungsverhältnis machen würde, zunehmend verspielt. Es würden sich Anti-Banken-Initiativen bilden, die die Massen zu einem Run auf die Banken mobilisieren würden, was mit gefährlichen Konsequenzen für die Banken einhergehen würde. Ohne Vertrauen auf Seiten ihrer Kunden können Banken nicht funktionieren. Daher wäre eine derartige Bankenkartellbildung ebenfalls unattraktiv und gleichbedeutend mit dem bankrott.
Auf dem freien Markt erscheint alles andere als eine 100%ige Gelddeckung, wie sie etwa im buchstäblichen goldenen Zeitalter des Goldstandards von 1815 bis 1914 existierte, als unwahrscheinlich. Es gab zu der Zeit weltweit nur ein einziges Zahlungsmittel, was erleichternd für die Handelsfreiheit, Investitionen und das Reisen war und somit auch positive Auswirkungen auf Arbeitsspezialisierung und –teilung hatte (vgl. ibid.: 90f.).
Das heutige Bankensystem funktioniert jedoch ganz anders. Von einer 100%igen oder wenigstens relativ stabilen Gelddeckung kann keine Rede sein. Vielmehr sind dem gegenwärtigen Bankensystem Inflationen und Wirtschaftskrisen immanent, was im Folgenden gezeigt werden soll.

IV. Einleitung zum Hauptteil: Libertäre Konjunkturtheorie
Der französische manchesterliberale Ökonom Frederic Bastiat beschrieb in seinem pointierten Werk ,,Was man sieht und was man nicht sieht’’, was einen guten von einem schlechten Ökonomen unterscheidet. Dabei stellte er fest:
,,Im Bereich der Ökonomie ruft eine Handlung, eine Gewohnheit, eine Einrichtung, ein Gesetz nicht nur eine einzige Wirkung hervor sondern eine Reihe von Wirkungen. Von diesen Wirkungen ist nur die erste direkt, sie zeigt sich gleichzeitig mit ihrer Ursache, man sieht sie. Die anderen entwickeln sich erst nach und nach, man sieht sie nicht; glücklich wenn man sie vorhersieht.'' (Bastiat 1850)

Ein guter Ökonom ist folglich einer, der sich nicht nur auf die direkte, sondern auch auf die indirekte Wirkung einer Handlung, also die, die man nicht sieht, konzentriert. Somit agiert er freilich nach dem Prinzip der Langfristigkeit. Das Beachten der indirekten Wirkung ist indes enorm wichtig, ,,denn es ist fast immer so, dass die unmittelbare Folge günstig ist und die letztendlichen Folgen unheilvoll und umgekehrt.’’ (ibid.) Daraus resultiert, dass der schlechte Ökonom kurzlebige Optimierung anstrebt, aus der sich langfristig ein großes Übel entwickelt. Der gute Ökonom hingegen agiert umgekehrt – er riskiert ein kleines gegenwärtiges Übel, um daraufhin eine langfristige Optimierung zu erstreben.
Um das Prädikat ,,guter Ökonom’’ kämpften und kämpfen diverse Ökonomen von differenzierten Überzeugungen und Denkschulen. Der Kampf um dieses Prädikat lässt sich auch in der Debatte bezüglich der auftauchenden Konjunkturzyklen beobachten. Dabei sind u.a. John Maynard Keynes und der nach ihm benannte Keynesianismus auf der einen und Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises und deren libertäre Konjunkturansätze auf der anderen Seite als Hauptkontrahenten und Protagonisten ihrer Denkschulen auszumachen.
Da der Keynesianismus derzeit in Zeiten der Wirtschaftskrise eine Renaissance durchlebt und vielen geläufig ist, richtet sich der Focus des folgenden Textes auf die libertäre Konjunkturtheorie der Austrian Economics, die andere Kausalitäten für die derzeitig rezessive Konjunkturphase diagnostiziert, als dies bei der keynesianischen Theorie der Fall ist und zudem andere Methoden zur Krisenlösung offeriert. Dabei soll ein Blick auf das Bankensystem geworfen werden.
Im Sinne der Vollständigkeit soll hier im Folgenden nichtsdestotrotz in kurzer, aber präziser Manier dem Leser ein lapidarer Einblick in die keynesianische Perspektive gegönnt sein:
Keynesianern zufolge resultieren temporäre Ungleichgewichte auf den Märkten aus Unterkonsumtion (unzureichende Nachfrage nach Konsumgütern) oder Fehlinvestitionen. Logische Konsequenz dieser Marktungleichgewichte und Strukturkrisen sind Rezessionen. Solche Konjunkturschwankungen kann der Staat mit antizyklischer Wirtschaftspolitik abmildern. Dabei wird fehlende private Nachfrage staatlich generiert. Diese staatlichen Interventionen sollen durch Rücklagen oder gar deficit spending finanziert werden.
Somit wird dem Staat eine zentrale Rolle und Kontrolle zugesprochen, welche durch die Privatwirtschaft nicht erfüllt werden kann:
,,Die wichtigsten Agenda des Staates betreffen nicht die Tätigkeiten, die bereits von Privatpersonen geleistet werden, sondern jene Funktionen, die über den Wirkungskreis des Individuums hinausgehen, jene Entscheidungen, die niemand trifft, wenn der Staat sie nicht trifft. […] Viele der größten wirtschaftlichen Übel unserer Zeit entstehen aus Risiko, Unsicherheit und Unwissenheit. Teils dadurch, daß manche durch Glück oder Naturanlagen besonders begünstigte Individuen in der Lage sind, aus der Unsicherheit und Unwissenheit der anderen Kapital zu schlagen, teils weil das Geschäft schon aus diesem Grunde häufig ein Lotteriespiel ist, entstehen die großen Ungleichheiten im Besitz; die gleichen Faktoren verschulden auch die Arbeitslosigkeit, die Enttäuschung gerechtfertigter gesellschaftlicher Erwartungen und den Niedergang von Arbeitskraft und Produktion. Das Heilmittel gegen diese Übel liegt aber außerhalb des individuellen Tätigkeitsbereichs […]. Ich glaube, daß das Heilmittel zum Teil in der wohlüberlegten Kontrolle der Währungs- und Kreditfragen durch eine zentrale Einrichtung […] liegt.'' (Keynes 1926/1985: 113f.)

Keynes spricht von einem ,,Ende des Laissez-Faire’’, wodurch er heute, in Zeiten, in denen der Ruf nach stärkerer Regulierung immer lauter wird, vielerorts vergöttert wird.
Völlig konträr zur keynesianischen Perspektive verhalten sich die Geld- und Konjunkturtheorien der österreichischen Schule der Nationalökonomie, verkörpert durch Ökonomen, wie etwa Ludwig von Mises oder Friedrich August von Hayek. Hierzu in vier Schritten eine systematische Erklärung der Konjunkturzyklen aus Perspektive der Austrian Economics:

IV.I Das Verhältnis zwischen dem Gleichgewichtszins und dem Geldzins
Für die permanenten Konjunkturzyklen sind Hayek zufolge Abweichungen des Geldzinses vom Gleichgewichtszins (auch: natürlicher Zins, Realzins) verantwortlich (vgl. Schlesinger 1914: 128). Der Gleichgewichtszins bildet sich auf natürliche Art: Angebot und Nachfrage stimmen überein. Im Bankwesen sind als Angebot die Ersparnisse der Bank und als Nachfrage die Kreditnachfrage der Bankklienten auszumachen. Beim Geldzins indes herrscht kein Gleichgewicht: Angebot und Nachfrage stimmen nicht überein. Folglich weicht der Geldzinssatz vom Gleichgewichtzinssatz ab.

IV.II Ein-Banken-System versus Mehr-Banken-System
Das, was einer Bank unmöglich ist, ist möglich, wenn es mehrere Banken gibt: Bestimmte Prozesse können durch eine Bank nicht realisiert werden, wohl aber bei Existenz mehrerer Banken. Das liegt am Multiplikatoreffekt und an der banktechnischen Routine (dazu mehr unter IV.III und IV.IV).

IV.III Multiplikatoreffekt
Anhand des Multiplikatoreffekts lassen sich Inflations- und Konjunkturschwankungsprozesse erklären. Dies soll im Folgenden geschehen:
Bank A erhält Neueinzahlungen in Höhe von z.B. 1€. Die Barreserve wird z.B. bei 10% angesetzt. Das heißt, dass 90% der Einlagen als Kredite weiter vergeben werden können. Diese Kredite gehen in der Regel an Privatpersonen oder Unternehmen, deren durch die Kredite ermöglichten Investitionen und Gelder auf anderen Konten anderer Banken landen, z.B. auf Konten von Bank B. Auf Bank B findet nun also ein Transfer der von Bank A erteilten Kreditsummen statt. Um es plakativ darzustellen, nehmen wir an, dass von dem einen Euro, der als Einlage bei Bank A eingezahlt wurde, 90%, also: 90 Cent als Kreditsumme auf Konten der Bank B eingezahlt werden. Auch die Mindestbarreserve von Bank B wird bei 10% angesetzt. Auch hier werden nun wieder nach demselben Mechanismus Kredite vergeben, die dann zum Beispiel auf Konten von Bank C landen.
,,Für die […] nächste Bank ist daher der durch eine Darlehensgewährung entstandene und bei ihr eingezahlte Betrag (der, wie wir uns erinnern, 90% der […] [vorherigen] Einlage entspricht) genau so ein ursprüngliches, auf einem Barzugang beruhendes Guthaben des Kommittenten und sie wird ihn daher mit gleichem Recht wie jede andere Neueinlage als Grundlage neuer Kreditgewährung ansehen. […] [D]er gleiche Prozeß [wird] sich, solange nur Überweisungen von Bank zu Bank und keine Barabhebungen erfolgen, immer weiter fortsetzen.''(Hayek 1976a: 89f.)

Es existiert quasi eine konvergierende Reihe, die wie folgt aussieht: 0,9 + 0,9² + 0,9³ +…= Grenzwert der konvergierenden Reihe, also Gesamtsumme der verteilten Kredite = 9:
,,Da die Summe dieser konvergenten unendlichen Reihe 9 beträgt, werden die Banken also äußersten Falles für einen ihnen von außen zufließenden Barbetrag das Neunfache an Depositen schaffen können’’ (ibid.: 90). Realistisch betrachtet wird dieser Anteil kleiner sein, hierbei geht es zunächst nur um die Theorie, doch
,,[s]olange aber überhaupt nur ein wesentlicher Teil (genau: mehr als die Hälfte) der von jeder Bank gewährten Kredite den Banken nicht in bar entzogen, sondern auf Kontokorrent belassen wird, solange werden auch als Folge jedes Bargeldzuwachses in kleinerem oder größerem Ausmaß zusätzliche Kredite geschaffen.'' (ibid.: 90f.)

Durch diesen Prozess wird Punkt II plausibel, nämlich ,,daß der Zuwachs der Depositen einer Bank nicht ihr selbst, sondern nur der Gesamtheit der Banken die Möglichkeit bietet, in einem größeren Umfang Kredite zu gewähren.'' (ibid.: 92). Diese Prozedur macht plausibel, wie es zu einer Erhöhung der Geldumlaufmenge kommt, in diesem Beispiel um den Faktor 9 (aus einem Euro werden folglich neun Euro).

IV.IV Banktechnische Routine:
Es sind also nicht nur die Zentralbanken, die die Geldumlaufmenge – scheinbar durch steigendes Handelsvolumen bedingt – durch Gelddruckerei erhöhen, es sind auch die Bankiers. Pointiert resumiert Hayek:
,,Jede Weiterverleihung eines bei einer Bank im Kontokorrent deponierten Betrages, der trotzdem weiterhin zu Zahlungen auch seitens des Depositars verwendet werden kann, stellt im Grunde schon eine Erzeugung zusätzlicher Kaufkraft dar und nichts anderes als dieser einfache und unleugbare Sachverhalt liegt der manchen so mystisch scheinenden Fähigkeit der Banken, Kaufkraft zu schaffen, zugrunde.'' (ibid.: 94)

Der Bankier macht sich über Phänomene wie z.B. den vorhin beschriebenen Multiplikatoreffekt kaum Gedanken. Von oberster Priorität sind für ihn seine eigenen Bankgeschäfte. Dies soll am folgenden Beispiel illustriert werden:
Ein Bankier der Bank A diagnostiziert für seine Bank keine neuen Ersparnisse. Eines Tages kommt es plötzlich zu einer steigenden Kreditnachfrage bei Bank A: ein kreativer Geist wirbt mit mehr oder weniger genialen Investitionsideen um einen hohen Kredit. Weshalb sich ausgerechnet bei Bank A diese steigende Kreditnachfrage ergibt ist schnell erklärt: Bei Bank A macht ,,sich die vermehrte Kreditnachfrage zuerst geltend […], weil sie jene Industrien zu Kunden hat, bei denen sich die günstigere Wirtschaftslage am frühesten erkennbar macht’’ (ibid.: 97). Es erfolgt quasi eine Initialzündung – Bank A ist zu einer Reaktion gezwungen. Der Bankier hat zwar keine neuen Ersparnisse, sieht in dem Geschäft jedoch eine Chance und möchte den Kredit erteilen. Nach marktwirtschaftlichen Prinzipien müsste Bank A aufgrund steigender Nachfrage den Geldzinssatz erhöhen, tut dies jedoch nicht, da sonst die Gefahr besteht, dass der potentielle Kreditnehmer zu einer anderen Bank, z.B. Bank B, wechselt. Somit erhöht Bank A aufgrund des Konkurrenzdrucks der anderen Banken den Geldzinssatz nicht, um den Klienten Klient sein zu lassen. Folglich bleibt der Geldzinssatz der Bank A konstant, was einen Verstoß gegen wirtschaftliche Grundprinzipien darstellt. Dazu Hayek:
,,Vor allem aber kann die Bank, bei der sich die stärkeren Kreditansprüche zuerst geltend machen, schon aus Konkurrenzgründen nicht mit einer Hinaufsetzung des Zinsfußes antworten, weil sie damit vielleicht gerade ihre besten Kunden an die anderen, noch nicht vermehrten Ansprüchen gegenüberstehenden Banken verlieren würde. Es ist also wohl nicht daran zu zweifeln, daß die erste Bank oder die ersten Banken, an die sich die neuen Kreditansprüche richten, sich genötigt sehen werden, diese auch auf Kosten einer Verminderung ihrer Liquidität zu befriedigen.'' (ibid.: 99)

Dieses scheinbar lukrative Geschäft ist für den Bankier also mit einem enormen Risiko verbunden, da er darauf hoffen muss, dass sich die Investitionen des Kreditnehmers rentieren, sodass dieser irgendwann seinen Kredit zurückzahlen kann. Bank A senkt für dieses riskante Geschäft ihr Liquiditätssaldo (Verhältnis von Kundeneinlagen zu Kundenkrediten).
Ein solches Geschäft weitet sich kettenreaktionsartig auf alle Banken aus (wie bereits oben erwähnt):
,,Hat […] eine Bank oder eine Gruppe von Banken einmal mit der Expansion begonnen, so erfahren alle anderen Banken in der schon geschilderten Weise einen Bargeldzufluß, der ihnen zuerst einmal die Möglichkeit gibt, ihrerseits die Kreditgewährung zu steigern, ohne dadurch ihre Liquidität herabzusetzen. […] Ist aber einmal der Ausdehnungsprozess ein allgemeiner geworden, so werden die Banken bald eine Beobachtung machen, die sie instand setzt, für eine Zeitlang ihre Liquiditätsprinzipien noch einmal nach unten zu revidieren. […] Eine Bank, die nicht Schritt hält, sondern hinter dem allgemeinen Expansionstempo zurückbleibt, wird so lange durch Bargeldzuflüsse zur Nachahmung des Beispieles der anderen angespornt werden, bis auch sie den neuen Liquiditätsstandard annimmt. Solange dieser Expansionsprozess vor sich geht, ist es für eine einzelne Bank so gut wie ausgeschlossen, für sich allein das einzige Mittel anzuwenden, durch das sie auf die Dauer mit Erfolg die Kreditansprüche einschränken könnte, nämlich eine Erhöhung ihrer Zinsforderungen.''(ibid.: 99f.)

Varianzen bezüglich der Liquidität von Banken und weitere Aspekte, die zu Konjunkturzyklen führen, sind in der derzeitigen Kreditorganisation systemimmanent.
Wird die Liquidität durch Prozesse wie das beispielhaft genannte immer geringer, droht für die Bank ein Liquiditätsrisiko. Kredite könnten platzen, Banken könnten nicht mehr reagieren, das Geschäft wird zum Fiasko.
Das Hauptproblem besteht darin, dass die Notenbanken in der Regel dazu tendieren, den Geldzins unter den natürlichen Zins herabzusenken (vgl. Mises 1949/1996: 570). Somit werden potentiellen Kreditnehmern günstige Kredite zur Disposition gestellt, um dadurch die Konjunktur zu stimulieren. Sind Kredite immer leichter zu haben und folglich die Kreditmenge hoch, führt dies zunächst zu einer ökonomischen Boomphase - Kredite animieren prinzipiell die Investitionstätigkeit. Es wird in der Folge mehr konsumiert, die Barreserven nehmen ab, die Kreditmenge wird folglich ausgeweitet, dabei sinkt die Liquidität rapide, da der Geldzins weiterhin aus bereits genannten Gründen unterhalb des Gleichgewichtszinses liegt – es entsteht ein Ungleichgewicht, das andauert, solange die Umlaufmittel weiterhin erhöht werden.
,,Durch [ihr] […] Vorgehen heben sie [die Bankiers, Anm.: T.M.F.] […] den automatischen Anpassungsmechanismus auf, der das Gleichgewicht der einzelnen Teile der Wirtschaft erhält, und machen disproportionale Entwicklungen möglich, die sich früher oder später rächen müssen.'' (Hayek 1976a: 102)

Auch Ludwig von Mises, einst Mentor von Hayek, sieht darin den Versuch einer künstlichen Konjunkturbelebung und die Gefahr, dass die neu geschaffenen Kredite in Branchen fließen, die eigentlich unrentabel sind. Früher oder später wird durch diesen Prozess das Wirtschaftssystem zusammenbrechen:
,,Das Ergebnis solcher Kreditexpansion entspricht nun wohl zunächst den Erwartungen; das Geschäft wird belebt, es kommt zum Aufschwung. Doch die von der Krediterweiterung ausgehende anregende Wirkung kann nicht ewig währen; die Konjunktur, die so geschaffen wurde, muß früher oder später zusammenbrechen.'' (Mises 1931: 12)

Durch die 1929 einsetzende ,,Great Depression’’ sah sich Mises in seinen Ansichten bestätigt – seine Prognose trat in der Tat ein.
Die permanenten Veränderungen der Geldmenge, die ,,immer eine ,,Fälschung’’ der Preisbildung und damit eine Fehlleitung der Produktion bedingen müssen’’ (Hayek 1976: 76), sind letztlich für die Konjunkturzyklen verantwortlich.
Logische Konsequenz ist eine Inflation als zeitverzögerte Reaktion der Realwirtschaft auf das Nicht-Herabsenken des Geldzinses durch die Bankiers. Diese Prozedur bricht jedoch irgendwann ab, da die Liquidität der Banken permanent abnimmt, bis sie einen Tiefpunkt erreicht, der die Bankiers dazu motiviert, die Ausweitung der Kredite einzustellen – der variable Geldzinssatz wird erhöht. Es erfolgt ein Dilemma: Unternehmen, die erst durch die Kreditausweitung entstanden, de facto aber unrentabel sind, werden zahlungsunfähig: sie können weder ihre alten Kredite zurückzahlen, noch aufgrund geringer Bonität neue Kredite aufnehmen. Sie gehen bankrott und verschwinden vom Markt. Es erfolgt eine Kettenreaktion, von der sowohl weitere Unternehmen, als auch weitere Banken betroffen sind. Bei strenger Befolgung wirtschaftlicher Grundprinzipien wäre es jedoch nie zu einem solchen Szenario, erfolgt durch expansive Kreditausgabe, gekommen. Doch der Multiplikatoreffekt, initiiert durch das Agieren der Bankiers - das Senken der Liquidität und das Ignorieren wirtschaftlicher Prinzipien (nur so viel Kredit zur Disposition zu stellen, wie in der Reserve vorhanden ist) – bewirkt das Gegenteil: ,,Der Schlüssel zu diesem Problem kann allein darin liegen, daß das von den Banken eingehaltene Verhältnis ihrer Bardeckung zu den Depositen keine konstante Größe darstellt, sondern […] veränderlich ist.’’ (ibid.: 97) Subsumierend bleibt also festzuhalten:
,,Die entscheidende Ursache der Konjunkturschwankungen ist […], daß infolge der Veränderlichkeit der Umlaufmittelmenge der Zins, den die Banken fordern, nicht notwendig immer gleich dem Gleichgewichtszins ist, sondern in der Bewegung über kurze Fristen tatsächlich von den Liquiditätserwägungen der Banken bestimmt wird'' (ibid.: 103).

Dies motiviert Mises zu einem Plädoyer gegen die Kreditschöpfungspolitik der Banken. Der Geldzins sollte durch den Marktmechanismus reguliert werden. Nur so lassen sich Krisen verhindern:
,,Das Auftreten der periodisch wiederkehrenden Wirtschaftskrisen ist die notwendige Folge der immer wieder erneuten Versuche, durch Mittel der Bankpolitik den natürlichen Zinsfuß des Marktes herabzudrücken. Sie werden nicht eher verschwinden, bis man nicht gelernt haben wird, auf alle derartige Ankurbelung zu verzichten, weil doch die künstlich angeregte Hausse unabwendbar zur Krise und zur Depression führen muß.'' (Mises 1931: 14)

Nun bleibt in Zeiten der Rezession das Geldvolumen im Vergleich zu der Zeit vor dem Boom erhöht, lediglich gezielte Eingriffe der Zentralbank könnten das Geldvolumen reduzieren, doch summa summarum bleibt das Geldvolumen höher als zuvor: Das Geldvolumen steigt prinzipiell durch expansive Kreditvergabe, geht dann in Zeiten der Rezession eventuell leicht zurück, um dann durch weitere expansive Kreditvergaben noch stärker zu steigen. Es handelt sich hierbei um ein Wechselspiel der banktechnischen Routine und des Multiplikatoreffekts. Dieses Wechselspiel ist systemimmanent und damit auch jegliche Konjunkturzyklen im bestehenden System.
Mit ihrer Konjunkturtheorie ist es den großen Denkern der Austrian Economics gelungen, bereits die Große Depression vorherzusagen. Umso verwunderlicher ist es, dass dieser Theorie im wissenschaftlichen Mainstream nicht ausreichend Beachtung geschenkt wird, zumal auch die gegenwärtigen Krisenerscheinungen in der EU – wie etwa in Griechenland –, aber auch die aktuelle Weltwirtschaftskrise von einigen Austrian Economics prognostiziert wurden.

V. Free Banking als libertäre Alternative zum Goldstandard
Das einzige Mittel gegen Konjunkturzyklen ist die Unveränderbarkeit der Bankkreditmenge (vgl. Hawtrey 1926: 121). Dieses Mittel erscheint Hayek jedoch utopisch:
,,Diese Forderung scheint uns jedoch eine reine Utopie, die nicht viel weniger als eine völlige Beseitigung der Banken zur Voraussetzung hätte, da zu ihrer Durchführung zumindest die bankmäßigen Zahlungsmittel, Banknote und Scheck, völlig verschwinden müßten und die Banken dadurch sozusagen auf die Tätigkeit eines Maklers beschränkt würden, der den börsenmäßigen Verkehr in Ersparnissen vermittelt.'' (Hayek 1976a: 112)

Hayek hält diese Forderungen nicht nur für utopisch, sondern auch für wenig wünschenswert. Kredite seien notwendig, da sie oft ein Garant für technologischen, wissenschaftlichen oder sonstigen Fortschritt sind. Innovative Investitionsideen sind essentiell. Um aber Horrorszenarien zu vermeiden, erscheint frühzeitige Abbremsung von Kreditexpansionen als adäquat. Damit würde man zwar keine Konjunkturschwankungen, die in der derzeitigen Kreditorganisation systemimmanent sind, abschaffen, sie aber zumindest deradikalisieren.
In seinen späteren Werken konstruierte Hayek ein revolutionäres Modell für ein freies Bankensystem. Demzufolge gilt es ein staatliches Sicherheitsnetz für Banken abzuschaffen, ebenso wie das staatliche Währungsmonopol. Banken sollten folglich in einem freien Wettbewerb agieren und konkurrieren und die Möglichkeit haben, eigene Währungen anzubieten. Konsequenz einer solchen Konstellation wäre ein vorsichtigeres Agieren der Banken, da ,,Vater Staat’’ im Notfall ,,seine Söhne’’ nicht mehr subventionieren würde. Der staatliche Rettungsschirm für Banken fällt also weg und soll die Banken zu verantwortungsvollem und langfristig ausgelegten Agieren animieren. Dazu Mises in Anlehung an Bastiat: ,,Das vernünftige handeln unterscheidet sich vom unvernünftigen handeln dadurch, daß es vorläufige Opfer bringt; diese vorläufigen Opfer sind nur Scheinopfer, da sie durch den Erfolg, der später eintritt, aufgewogen werden.’’ (Mises 2006: 8). Langfristig würden sich die besten Banken in einem freien Bankensystem etablieren. Ein solcher Wettbewerb der Banken würde nicht nur zeigen, ,,wie die Dinge besser gemacht werden können, sondern alle […] zwing[en], […] die Verbesserungen nachzuahmen.’’ (Hayek 1968: 131). Damit hätte der freie Markt und die Privatisierung der Banken positive Konsequenzen. Die Zentralbanken gilt es abzuschaffen, da es ihnen (aus politischen Gründen) nicht gelingen kann den Geldwert auf stabilem Niveau zu halten, um Krisen zu vermeiden (vgl. Hayek 1976b; 1976c). Hayeks‘ Free Banking-Ansatz liefert eine interessante Alternative zu dem von Rothbard und vielen anderen Austrian Economics geforderten und in III. präsentierten 100%igen Goldstandard und anderen Formen der Gelddeckung durch Edelmetalle.

VI. Die Zukunft von Euro und EZB
Ralf Dahrendorf, einer der führenden liberalen Vordenker des 20. Jahrhunderts, erkannte bereits früh die von der europäischen Währungsunion ausgehende Gefahr. So sagte er bereits 1995, also lange vor der Einführung des Euro: ,,Die Währungsunion ist ein großer Irrtum, ein abenteuerliches, waghalsiges und verfehltes Ziel, das Europa nicht eint, sondern spaltet.‘‘ (Dahrendorf 1995). Angesichts der Finanzkrise in Griechenland und weiteren Brandherden, wie etwa Irland, Spanien und Portugal, wird die gesamteuropäische Unzufriedenheit über die Währungsunion immer größer und die Rufe nach D-Mark, Schilling und Franc immer lauter – man beruft sich auf das Subsidiaritätsprinzip, dessen währungspolitische Umsetzung man fordert. Die Währungsunion hat die Finanzpolitiken einiger EU-Staaten nicht diszipliniert, vielmehr haben die Mitgliedsstaaten die Schwächen des Systems genutzt, bis sie, wie derzeit Griechenland, selbst an ihre Grenzen gestoßen sind/stoßen werden. Jörg Guido Hülsmann erklärt hierzu:
,,Der Euro ermöglicht neue Kredite, doch er diszipliniert nicht die Staaten. Er wird daher die Staatsverschuldung in Europa neuen Höhen entgegenführen, bis sie an ihre natürliche Grenze stößt […]. Spätestens dann, wenn der neue Zentralstaat keine weiteren Kredite mehr erhalten kann, wird es zu einer Rückkehr zur Inflationspolitik der 70er Jahre kommen. Alle Beteuerungen, die von den staatlich besoldeten Fürsprechern der europäischen Währungsunion gemacht wurden, können an dieser Tatsache nichts ändern. Der Euro führt in die Inflation. Er ersetzt lediglich die nationalen Kartelle der Inflationsprofiteure durch ein europäisches Kartell und erschwert es dadurch den Bürgern, sich vor dem Zugriff dieses großen Staates zu schützen.'' (Hülsmann 2005: 133f.)

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ,,ihr‘‘ Euro bringen also die nicht zu unterschätzende Gefahr der Inflation mit sich. Inflation treibt die Preise nach oben und nutzt vor allem den Erstempfängern des neuen Geldes, was auf Kosten der Letztempfänger geht, wodurch die gesellschaftlichen Disparitäten zunehmen. Die Erstempfänger des neuen Geldes sind jene, die das Geld in den Umlauf bringen. Bei uns tut dies die Europäische Union durch die EZB. Damit bezahlt der Staat, was immer er will, mit einem Geld, von dem noch niemand weiß, dass es die Geldmenge aufpumpt. Der Staat bekommt neue Ware zum alten Preis. Die Ausbreitung sieht wie eine Welle aus, die ein in den Teich geworfener Stein verursacht: Im Zentrum ist der Effekt am größten, hier ist die Differenz zwischen altem Preis und neuem Geld am weitesten. Den äußersten Ring bildet die große Menge der Menschen, die ein fixes Einkommen beziehen, wie etwa Rentner, Arbeitnehmer usw. Bis sie einen auch nur annähernden Ausgleich für das neue Geld bekommen haben, sind die Preise schon lange an die neue Situation angepasst. Außerdem zerstört die Inflation die Wirtschaftsrechnung. Wie wichtig aber die Wirtschaftsrechnung ist, hat Ludwig von Mises 1927 beschrieben:
,,Dadurch, daß auf dem Markte, auf dem alle Güter und Dienstleistungen zum Austausch gelangen, sich Austauschrelationen für jedes Gut feststellen lassen, die in Geld ausgedrückt werden, gibt es in der auf Privateigentum beruhenden Gesellschaftsordnung die Möglichkeit, durch Rechnung das Ergebnis alles wirtschaftlichen Tun und Lassen zu kontrollieren.''(Mises 1927: 66)

Die Inflation verzerrt oder zerstört gar jegliche Wirtschaftsrechnung, ,,[o]hne sie aber ist Rationalität, d.i. Rechenbarkeit der Wirtschaft, nicht denkbar.‘‘ (ibid.).
Auch Sparsamkeit wird bestraft, sodass im Extremfall Menschen ihr über Jahrzehnte hinweg gespartes Geld zu Zeiten einer Hyperinflation aufgrund seiner nun eintretenden Wertlosigkeit nur noch zum Heizen verwenden könnten, wie es in der Geschichte ja auch schon der Fall war. Diese großen Probleme sind jeder Inflation inhärent (vgl. Rothbard 1963/2000: 56-61; Rothbard 1963, vor allem Kapitel 1). Die hier präsentierten Erkenntnisse gehen bereits auf das Jahr 1358 zurück, als Nicolas von Oresme, seinerzeit wichtigster Geldtheoretiker, kirchlicher Würdenträger vom hohen Range, Mathematiker und Physiker, feststellte, dass künstliche Geldmengenausweitung in erster Linie durch die Währungshüter zu ihren eigene Gunsten, auf Kosten der restlichen Bevölkerung durchgeführt wurde, um sich so den Weg zur Spitze der Tyrannei zu ebnen (vgl. Oresme 1358/1999; Hülsmann 2010: 19f.).
Neben der Inflation ist die Zentralisierung der politischen Institutionen eine Folge der EZB und des Euro. Es entstehen neue finanzielle und politische Abhängigkeiten zwischen den Mitgliedsstaaten und dem europäischen Zentralstaat. Die Finanzkrise in Griechenland ist ein gutes Beispiel hierfür. Hülsmann befürchtet: ,,Der Brüsseler Staat wird nicht zögern, früher oder später die Verteilung der von ihm verbürgten Kredite in die eigenen Hände zu nehmen, um sich somit in den Augen aller europäischen Bürger unentbehrlich zu machen.‘‘ (Hülsmann 2005: 135). Daher subsumiert er:
,,Im Ergebnis bringen EZB und Euro somit zweierlei Tendenzen hervor: einerseits Entstehung und Entfaltung eines zentralen europäischen Wohlfahrtsstaates, andererseits die Anhäufung neuer Schulden im Namen dieses neuen Zentralstaates. Beide Tendenzen führen über kurz oder lang zum Zusammenbruch – entweder zum Zusammenbruch in der Hyperinflation oder zum Zusammenbruch des allmächtigen Zentralstaates unter seiner eigenen Ineffizienz. ''(ibid.: 136)

Da Griechenland und andere Krisenherde auch noch als Sündenböcke für innereuropäische Probleme gesehen werden und von anderen Staaten scheinbar durch Bail-outs gerettet werden ,,müssen‘‘, droht eine europäische Spaltung: Wer bezahlt schon gerne für die Fehler von anderen? Auf diese Weise werden womöglich nationalistische Ressentiments geschürt.
Nichtsdestotrotz werden die hier präsentierten Standpunkte nur von wenigen Politikern geteilt. Die scheinbar wirtschaftsliberale deutsche FDP stellte mit Frank Schäffler nur einen Bundestagsabgeordneten, der dem Bail-out für Griechenland und dem Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz nicht zustimmte (vgl. Schäffler 2010). In den U.S.A. ist der Einfluss libertär gesinnter Politiker etwas größer, wofür in erster Linie der den Republikanern angehörende Ron Paul verantwortlich ist, der sich mit seinem Buch ,,End the FED‘‘ dezidiert für die Abschaffung der amerikanischen Zentralbank – der Federal Reserve – einsetzt (vgl. Paul 2009).

VII. Fazit
Wir haben gesehen, dass die Austrian Economics interessante Ansätze zur Erklärung wirtschaftlicher Krisenszenarien, wie etwa der derzeit womöglich noch immer andauernden Weltwirtschaftskrise, liefern. Zwar wird Keynes bis heute für seine richtige Prognose der Großen Depression gefeiert, doch wird dabei oft außer Acht gelassen, dass Mises dies auch tat, nur hierfür andere Erklärungsansätze, nämlich die hier beschriebenen, lieferte. Welche Erklärungsansätze die richtigen sind, wird wohl ewig diskutiert werden.
Davon ausgehend, dass die Austrian Economics im Recht sind, wurden in Kürze Problemlösungsansätze präsentiert. Neben dem klassischen Goldstandard wurde auf das Free Banking hingewiesen. Eine teilgedeckte Währung ist hingegen mit dem libertären Verständnis des Privateigentums nicht vereinbar.
Libertäre Ökonomen und Kritiker der europäischen Währungsunion und des europäischen Zentralstaates sehen sich in den jüngsten finanzpolitischen Entwicklungen in Griechenland, aber auch in Spanien, Portugal und Irland bestätigt. Es droht die Spaltung Europas, obwohl seine Einigung das Ziel war.
Nicht abzusehen ist, inwieweit die libertären Ansätze realpolitisch umgesetzt werden, zumal derzeit nur eine kleine Schicht von Politikern diese rezipiert. Daher bleibt eine libertäre ,,Renaissance‘‘ derzeit noch ungewiss.
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Literatur
Bastiat, Frederic (1850): Was man sieht und was man nicht sieht. URL: http://bastiat.de/index2.html [Zugriff: 22/I/2010].

Beutter, Friedrich (1965): Zur sittlichen Beurteilung von Inflationen. Freiburg: Heder.

Dahrendorf, Ralf (1995/2010): In: Spiegel Online: Die Lüge von der stabilen Währung: Wie Politiker den Euro als D-Mark-Ersatz lobten.
URL: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-54834-15.html [Zugriff: 01.IV.2011].

Hawtrey, Ralph George (1926): Monetary Reconstruction. London, New York: Longmans, Green.

Hayek, Friedrich August von (1968): Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. In: Internationales Institut ,,Österreichische Schule der Nationalökonomie'' (Hrsg.): Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Texte - Band II von Hayek bis White. Wien: Manz'sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, 119-137.

Hayek, Friedrich August von (1976a): Geldtheorie und Konjunkturtheorie. Salzburg: Wolfgang Neugebauer.

Hayek, Friedrich August von (1976b): Choice in Currency. A Way to stop Inflation. London: The Institute of Economic Affairs.

Hayek, Friedrich August von (1976c): Denationalisation of Money. London: The Institute of Economic Affairs.

Hülsmann, Jörg Guido (2005): Schöne neue Zeichengeldwelt. In: Rothbard, Murray: Das Schein-Geld-System. Gräfelfing: Resch-Verlag.

Hülsmann, Jörg Guido (2010): Ethische Probleme der Währungspolitik. In: Altmiks, Peter (Hrsg.): Im Schatten der Finanzkrise. Muss das staatliche Zentralbankwesen abgeschafft werden? München: Olzog.

Keynes, John Maynard (1926/1985): Das Ende des Laissez-Faire. Ideen zur Verbindung von Privat- und Gemeinwirtschaft. In: Mattfeldt, Harald: Keynes. Kommentierte Werkauswahl. Hamburg: VSA-Verlag, S. 96-116.

Menger, Carl (1871): Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Wien: Braumüller.

Mises, Ludwig von (1931): Die Ursachen der Wirtschaftskrise. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck).

Mises, Ludwig von (1949/1996): Human Action. A Treatise On Economics. San Francisco: Fox & Wilkes.

Mises, Ludwig von (1924): Theorie des Geldes und der Umlaufmittel. München: Duncker & Humblot.

Mises, Ludwig von (1927/2006): Liberalismus. Sankt Augustin: Academia Verlag.

North, Gary (1986): Honest Money. Fort Worth: Dominion Press.

Oresme, Nicolas von (1358/1999): Traktat über Geldabwertungen. Berlin: Kadmos.

Paul, Ron (2009): End the FED. New York: Grand Central Publishing.

Rothbard, Murray (1963): America’s Great Depression. Princeton: D. van Nostrand Co.

Rothbard, Murray (1963/2000): Das Schein-Geld-System. Gräfelfing: Resch-Verlag.

Rothbard, Murray N. (1982/2000): Die Ethik der Freiheit. Sankt Augustin: Academia.

Schäffler, Frank (2010): Persönliche Erklärung: Warum ich dem Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz nicht zustimme. URL: http://www.frank-schaeffler.de/node/1266/ [Zugriff: 12.III.2011].

Schlesinger, Karl (1914): Theorie der Geld- und Kreditwirtschaft. München, Leipzig: Duncker & Humblot.

Smith, Adam (1776/2006): Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. München: FinanzBuch.

White, Lawrence H. (2010): Reform der globalen Geldordnung: ein Plädoyer für ein freies internationales Bankenwesen. In: Altmiks, Peter (Hrsg.): Im Schatten der Finanzkrise. Muss das staatliche Zentralbankwesen abgeschafft werden? München: Olzog.

Woods, Thomas (2005): The Church and the Market. Lanham: Lexington Books.

Kommentare:

  1. Nachdem du mir auf Facebook deinen Blog empfohlen hast, muss ich natürlich auch einen deiner Texte kommentieren:

    1. Zum System einer hundertprozentigen Golddeckung hast du (bzw. Hayek) bereits selbst den passenden Einwand geliefert.

    2. Am System des Free Banking ließe sich Folgendes kritisieren: Damit eine Währung einer Bank in einem solchen System erfolgreich ist, muss sie über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügen. Ein solcher Markt verfügt über hohe economies of scope. Daher ist davon auszugehen, dass wie in allen Märkten mit hohen economies of scope sich nur einige wenige Wettbewerber durchsetzen werden. Ein Scheitern jeder einzelnen dieser Banken hätte natürlich katastrophale Folgen für die Wirtschaft, so dass Regierungen sich letztendlich zu einem bail-out gezwungen sähen, auch wenn der staatliche Rettungsschirm pro-forma abgeschafft wäre. Und dann wäre man natürlich genau in der Situation, die man eigentlich verhindern wollte: Banken können expandieren, wie sie wollen (zumal jede Form von Regulierung in dieser Hinsicht abgeschafft sind) und wenn es schief geht, zahlt der Staat.

    (Meiner Ansicht nach ist das sowieso das größte Problem mit neoklassisch oder libertär gesonnenen Ökonomen: Sie machen sich um industrielle Logik absolut gar keine Gedanken.)

    (Um eventuellen Vorwürfen in diese Richtung gleich einmal vorzubeugen: Ich bin weder Marxist noch Keynesianer.)

    3. Dass zwischen 1815 und 1914 ein System der hundertprozentigen Golddeckung vorgelegen habe, wie von dir behauptet, ist schlicht falsch. Es steht im Übrigen auch im eklatanten Widerspruch zu einer Kernthese von dir: Wenn das gegenwärtige System hauptverantwortlich für Wirtschaftskrisen ist, und zwischen 1815 und 1914 ein System der hundertprozentigen Golddeckung vorlag, wie erklärst du dann die zahlreich Krisen des 19. Jahrhunderts?

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  2. Erstmal Lob für diesen ausführlichen und vor Gelehrsamkeit nur so strotzenden Artikel. Und auch für das Blog im Allgemeinen. Bin gerade erst darauf gestoßen.

    Mich würde Deine Position zu einem zentralen Einwand gegen die österreichische Konjunkturtheorie interessieren: Unternehmer sind ja keine Deppen. Und die meisten Kredite werden nicht an euphorische Jungunternehmer, sondern an etablierte Unternehmen vergeben. Diese haben aber guten Grund, die niedrigen Zinsen skeptisch zu sehen, und einen eventuellen Anstieg einzukalkulieren, oder? Hier hakt die Theorie in meinen Augen, denn sie unterstellt den Unternehmen, denen sonst allerhand zugetraut wird, Blindheit in Sachen Inflation und Wirtschaftspolitik.

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  3. Guten Abend,
    endlich habe ich mir mal diesen doch recht ausführlichen Aufsatz durchgelesen! Und für sehr gut befunden!

    Allerdings stimme ich in einer Sache nicht überein und das betrifft sehr viele, wenn nicht die meisten Libertären! Ich verstehe nicht so ganz, weshalb, und vielleicht lässt sich das auf diesen Weg klären.
    Es geht um die Teilreserve und das angebliche Unheil, das diese mit sich bringt. Ein älterer (und daher wohl auch nicht vollständige) Artikel von mir dazu findet sich hier: http://unbeschraenkt.blogspot.de/2011/09/geldschopfung-durch-teilreserve-ein.html

    Ich möchte trotzdem noch einmal hier die Kernargumentation zusammenfassen. Es sind im wesentlichen drei Gegenargumente:
    1. Teilreserve führt nicht zur Instabilität. Jedenfalls lässt sich sonst nicht erklären, weshalb z.B. der Versicherungssektor nicht permanent kollabiert. Denn den wesentlichen Nachteil der Teilreserve hat dieser mit ihr gemeinsam: Es werden unter Umständen größere Leistungsversprechen abgeben, als Mittel dafür vorhanden sind. Keine Versicherung hat ausreichend Mittel, um alle denkbaren Fälle abzudecken. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die kritische Situation einer Versicherung dadurch entsteht, dass viele Versicherungsfälle auf einmal eintreten und bei der Teilreserve dadurch, das viele Kunden gleichzeitig ihr Geld brauchen. Beides lässt sich statistisch modellieren und in beiden Fällen werden zu risikoreiche Geschäftspraktiken vom Markt verdrängt.
    2. Teilreserve würde sich im freien Markt durchsetzen. Deiner Behauptung "Auf dem freien Markt hätte ein solches Bankenwesen nicht die geringste Daseinsberechtigung." kann ich nicht zustimmen. Denn, angenommen Teilreserve würde mit minimalem Risiko funktionieren (alles andere würde der Markt eh verdrängen), warum? Ganz einfach deshalb, weil a) ein Teil des Geldes auf Girokonten de facto geparkt ist und lediglich aus Bequemlichkeit nicht fest angelegt wurde, etwa weil es sich für den zur Verfügung stehenden Zeitraum kaum lohnen würde, und b) weil jeder gerne eine Art "Reserve" hat, die die Bank natürlich auch braucht, die aber pro Kunde geringer ausfallen kann, weil sich die Zeiten der Knappheit und des Überflusses aller Kunden wohl teilweise kompensieren. Es lässt sich also erklären, weshalb Teilreserve langfristig funktionieren kann. Wenn die Banken das transparent vermitteln sehe ich keinen Grund, weshalb sich nicht Kunden finden sollten, die das minimale Restrisiko eingehen würden um dafür (in Form von Zinsen) finanziell zu profitieren. Selbstverständlich setzt das voraus, dass die Verträge transparent sind, Kunden über diese Praxis informiert werden und das (minimale) Risiko bewusst eingehen.
    3. Teilreserve würde zu keiner kontinuierlichen Geldmengenausweitung führen. Aus jedem Reservesatz (wie hoch dieser im freien Markt wäre, kann man nur mutmaßen) ergibt sich eine konvergierende Reihe. Und die ist dann eben auch konvergierend. Bei 10% Reserve kann die Buchgeldmenge genau einmal verneunfacht werden. Jede zur Verfügung stehende Geldmenge ist aber ausreichend. Ein Problem besteht nur dann, wenn im Zweifel tatsächlich Geld geschaffen wird, durch eine Zentralbank, denn nur dann kann der Reservesatz beliebig reduziert werden, ohne Konsequenzen zu befürchten.

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  4. Fazit: Ich halte die Teilreserve nicht nur für nicht gefährlich, sondern sogar für wünschenswert. Voraussetzung ist entweder die Abwesenheit einer geldschaffenden Institution oder die Anwesenheit eines echten Währungswettbewerbes. Teilreserve führt unterm Strich zu einem effizenteren Einsatz des Kapitals, ähnlich wie das die Versicherungsbranche erreicht, indem durch die Ausnutzung statistischer "Gesetze" weniger pro Kunde bezahlt werden muss, um das gleiche Maß an Absicherung zu erreichen. Ein Verbot der Teilreserve wäre hochgradig schädlich, denn es käme einem Gesetz gleich, das Versicherungen verpflichtet, Rücklagen für alle möglichen Fälle zu haben. Von libertärer Seite, die ja meistens nicht für ein Verbot wäre, finde ich das Argument irritierend, weil es einen möglichen Erfolg der Teilreserve im freien Markt auszuschließt.

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