Donnerstag, 17. Februar 2011

Über Demokratie und Demokratisierung

von Felix O. Mozart
Die folgende Arbeit behandelt das Themenfeld der Demokratisierung, welches im Diskurs der internationalen Entwicklungsstrategien eine führende Rolle einnimmt. Viele Entwicklungstheoretiker sehen in der Demokratie das Rezept, welches arme Staaten aus ihrer Misere führen soll.
Zunächst einmal wird dem Leser ein kurzer Einblick in die Theorie des ,,Demokratischen Friedens‘‘ gewährt. Hierbei soll aufgezeigt werden, dass sich als Kantianer ausgebende Apologeten einer externen Demokratisierung ihrem großen Idol IMMANUEL KANT widersprechen, da der ,,ewige Frieden‘‘, wie ihn Kant beschrieben hat, auf außenpolitischer Enthaltsamkeit basiert. Kants Theorie wird also im Grunde genommen – ob bewusst oder unbewusst sei mal dahingestellt – realpolitisch missbraucht.
Anschließend folgt eine Erklärung des Demokratiebegriffs. Die Demokratie wird dabei äußerst kritisch aus einem libertären Blickwinkel betrachtet. Vor allem die mit dem Mehrheitsprinzip in Relation stehenden Probleme sollen aufgezeigt werden.

Diese kritische Perspektive führt uns im Anschluss zu der Frage ,,Should the whole world become democratic?‘‘. Demokratie wird häufig als heiliges Gut gar nicht hinterfragt, so nicht in dieser Arbeit. Der Ansicht, wonach die Demokratie das non plus ultra unter den Herrschaftsformen sei, wird vehement widersprochen, weshalb dann die Frage ,,Can the whole world become democratic?'' obsolet erscheint. Dennoch widmet sich der folgende Text auch dieser Frage. Hierbei wird vor allem auf das ,,Instrument Bildung‘‘ und seinen perfiden Missbrauch aufmerksam gemacht. Abgerundet wird die Arbeit mit einem Fazit.

I. Zum ,,Demokratischen Frieden‘‘
Im Zuge der Massendemonstrationen in vielen islamischen Staaten, etwa Tunesien, Algerien und Ägypten, wird der Schrei nach Demokratie immer lauter. Die autoritären Regime der jeweiligen Länder sollen durch ein demokratisches System abgelöst werden. Das erhoffen sich viele der Demonstranten vor Ort, aber auch der absolute Mainstream im demokratischen Westen. Demokratie wird als Mittel zur Lösung vieler Probleme gesehen. Häufig wird dabei auf den Demokratischen Frieden hingewiesen, der besagt, dass zwischen demokratischen Staaten keine Kriegshandlungen stattfinden. Dabei berufen sich die Apologeten und Anhänger der Demokratie auf den bekannten Philosophen aus Königsberg – Immanuel Kant –, der einst in seiner berühmten Schrift ,,Zum ewigen Frieden‘‘ schrieb, dass es im Interesse politischer Machthaber, nicht aber im Interesse der Staatsbürger sei, Kriege zu führen. Politischen Machthabern winkt im Krieg ein Sieg, der ihnen womöglich weiteren Reichtum und ähnliches bescheren könnte, Staatsbürger hingegen riskieren in einem solchen Krieg ihr Leben. Ein Krieg ist also für die Staatsbürger eine wesentlich kostspieligere, weil womöglich tödliche, Angelegenheit, als für politische Machthaber. In einer Demokratie hätte dies zur Konsequenz, dass Staaten, deren außenpolitische Beschlüsse auf dem Willen der Mehrheit zu basieren haben, tendenziell eine friedlichere und weniger aggressive Außenpolitik betreiben würden. Und so ist es scheinbar kaum verwunderlich, dass Befürworter der Demokratie auf Kants Theorie zurückgreifen und sie häufig als Legitimitätsgrundlage für ihren außenpolitischen Interventionismus, der häufig mit der Implementierung der Demokratie in einem undemokratischen Land verbunden ist, nehmen. Es sind eben diese Menschen, die die Frage ,,Can the whole world become democratic?‘‘ am liebsten mit ,,Ja‘‘ beantworten würden. Und ihr außenpolitisches Credo ist dabei die Demokratisierung der nicht demokratischen Staaten durch demokratische Staaten von außen; in einem Wort: externe Demokratieförderung.
Wenn man so mutig ist und sich auf Kant beruft, wäre es jedoch angebracht, ihn komplett zu lesen und sich nicht nur die Thesen für das eigene Agieren herauszupicken, die einem gerade passen. So plädiert Kant schon in den Anfangsseiten seines ,,ewigen Friedens‘‘ für – Achtung, liebe Außenpolitiker! – außenpolitische Enthaltsamkeit. Ein Staat hat laut Kant nicht die Legitimation, in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten zu intervenieren. Verfassung und Regierung anderer Staaten sind unantastbar, es gilt jede staatliche Souveränität zu respektieren. Selbst wenn die Situation in anderen Staaten bedenklich sein sollte, bringt eine Intervention von außen nur eine noch herbere Verschlechterung der Situation mit sich. Zudem besteht immer die Möglichkeit, dass sich die inneren Probleme eines Staates selbst regulieren. Eine Intervention in die Angelegenheiten anderer Staaten würde also ,,selbst […] ein gegebenes Skandal sein und die Autonomie aller Staaten unsicher machen.’’ (Kant 1795/1984: 7). Es ist also widersprüchlich, einerseits den demokratischen Friedensapostel kantischer Prägung zu spielen und andererseits auf dieser Basis externe Demokratisierung zu fordern und zu fördern.
Dass nicht demokratische Staaten häufig in Kriege involviert sind, ist indes häufig Schuld der demokratischen Staaten. Man denke nur an die kriegerischen Interventionen der U.S.A. im Irak, die ja angeblich dem hohen Ziel der Demokratisierung des Irak gewidmet waren.
Die Theorie des ,,Demokratischen Friedens‘‘ wird von Demokratieförderern häufig für eigene Interessen missbraucht. Dieser Missbrauch zeigt sich in der theoretischen Inkonsistenz des praktischen Agierens der Akteure der externen Demokratisierung. Man beruft sich einerseits auf Kant, um ihm andererseits realpolitisch diametral zu widersprechen. Demokratischer Frieden – wenn es so etwas überhaupt gibt – basiert auf außenpolitischer Enthaltsamkeit und nicht auf externer Demokratisierung.

II. Was konkret ist Demokratie?
Der Begriff ,,Demokratie'' leitet sich aus dem griechischen ab: δῆμος [dēmos] steht für das „Volk“, und κρατία [kratía] für die „Herrschaft“. In der Summe ergibt das die Herrschaft durch das Volk. Die Herrschaft durch das Volk wird oft als politisches Ideal hochstilisiert, so auch jetzt zur Zeit der revolutionären Bewegungen in den arabischen Ländern. Dieses Ideal bekommt man bei uns bereits in den Schulen eingetrichtert: Der Klassensprecher wird demokratisch gewählt, der Schulsprecher ebenso. Demokratie wird bereits in jungen Jahren gelebt, Alternativen hingegen werden nicht präsentiert, weil sie wahrscheinlich unerwünscht sind (dazu weiter unten mehr!). Alles muss heutzutage demokratisch sein. Und wenn einige Staaten nicht demokratisch sind, dann ist das für andere, demokratische Staaten, Grund genug, außenpolitisch zu intervenieren. In einem Wort: Wer nicht demokratisch ist, muss mit Sanktionen rechnen. Auf internationaler, interstaatlicher Ebene kann das sogar zu Kriegen führen. Von den ach so friedlichen demokratischen Staaten geht ein enormer Druck und ein massives Gewaltpotential aus.
Das Volk ist jedoch keine homogene Masse. Vielmehr besteht es aus diversen und sich differenzierenden Individuen, die diverse und sich differenzierende Interessen und Intentionen verfolgen. Diese Interessen und Intentionen in einem auf Herrschaft beruhenden System zu befriedigen, ist faktisch unmöglich.
Daher orientiert sich die Demokratie an dem Prinzip der größten Zahl: Die Mehrheit entscheidet. ANTHONY DE JASAY schrieb:

,,In der Demokratie trifft man kollektive Entscheidungen, indem man die Summe der Stimmen, denen allen gleiches Gewicht zukommt, addiert. […] Da eine Stimme für den Status quo in der algebraischen Summe das gleiche Gewicht hat wie eine Gegenstimme, ist das kleinste Stimmenset, das noch maßgeblich ist, die Hälfte aller abgegebenen Stimmen plus einer. Mit anderen Worten: in der Demokratie herrscht diejenige Verfassung, unter der die bloße Mehrheit über einen unbegrenzten Bereich regiert.'' (Jasay 2005: 16)

Schon THOMAS HOBBES, Verfechter des Mehrheitsprinzips, war der Ansicht, dass die Zustimmung durch die Mehrheit eine ausreichende Legitimation für politische Entscheidungen in einem Staat liefert. Dies offenbart jedoch so einige Probleme. Der kluge CICERO sagte einst: ,,Errare humanum est.’’ - ,,Irren ist menschlich.’’ Dieses Irren schließt die Mehrheit nicht aus. Spricht sich die Mehrheit etwa für die Legitimität des Diebstahls oder Mordens aus, so ändert dies nichts am verbrecherischen Wesen beider Handlungen. Hobbes jedoch schrieb, dass die Meinung der Mehrheit jegliche Handlungen legitimiert, sodass für jeden Menschen gilt ,,dem zu gehorchen, den die größere Anzahl gewählt hat; und er muß von der Zeit an dessen Handlungen als seine eigenen ansehen.'' (Hobbes 1651/2007: 156).
Dies ist – MURRAY N. ROTHBARD zufolge - offensichtlich absurd, denn ,,[s]onst müssten wir zum Beispiel sagen, dass Juden, die von der demokratisch gewählten Nazi-Regierung ermordet wurden, nicht ermordet wurden, sondern nur ,,freiwillig Selbstmord begingen’’ – eine sicherlich lächerliche, aber logische Folge der Lehre von der ,,Demokratie als Zeichen für Freiwilligkeit’’.’’ (Rothbard 2000: 170) Man sieht also, wie problematisch es ist, die Mehrheit oder gar das demokratische System, auf dem viele Staaten basieren, als Legitimitätsgrundlage für politische Entscheidungen zu akzeptieren. Nüchtern betrachtet bedeutet dies also, dass der Wille der Mehrheit der Minderheit oktroyiert wird, was eine Form der Diktatur darstellt: Die Diktatur der Minderheit durch die herrschende Mehrheit. Demokratie in der Form, in der wir sie kennen, ist folglich auch nicht die Herrschaft des Volkes, sondern bestenfalls die Herrschaft der Mehrheit des Volkes über die Minderheit. Eine solche Herrschaftsform ist im Grunde genommen nichts anderes als ein Verstoß gegen die individuellen Freiheitsrechte des Menschen, denn wenn man erst einmal ein nicht auf Einstimmigkeit setzendes Entscheidungsverfahren ein für alle Male akzeptiert hat, dann ist dem Kollektivismus Tür und Tor geöffnet, so dass in allen möglichen Fragen alles Mögliche gegen Individuen (und Minderheiten) und deren Freiheit durchgedrückt werden kann. Bevor man also fragt ,,Can the whole world become democratic?‘‘, sollte man zuerst einmal fragen ,,Should the whole world become democratic?‘‘.

III. Should the whole world become democratic?
Das bisher geschriebene suggeriert bereits, dass der Autor dieses Textes (siehe Photo!) gegen die Demokratisierung der ganzen Welt ist. Die Probleme, die mit dem Mehrheitsprinzip in Verbindung stehen, wurden bereits angesprochen: Es ist ein moralischer Skandal, ein System zuzulassen, in dem rein theoretisch zwei Wölfe und ein Schaf darüber entscheiden, was es zum Mittagessen geben soll, oder in dem die Mehrheit der Nichthabenden sich gefräßig auf Kosten der Habenden am Reichtum eben jener bereichern kann.
Das Mehrheitsprinzip generiert also problematische Folgen in demokratischen Systemen. So sieht Demokratiekritiker HANS-HERMANN HOPPE in demokratischen Systemen die Gefahr der politischen Kurzsichtigkeit (z.B. aufgrund kurzer Legislaturperioden), der Kapitalverschwendung (auch z.B. aufgrund kurzer Legislaturperioden), der Unverantwortlichkeit, der ständigen Rechtsunsicherheit (permanente Gesetzesreformen), des moralischen Relativismus, des Demagogentums, des Egalitarismus, der Klientelpolitik und der Vetternwirtschaft, welche mittels der Umverteilung vollzogen werden kann (vgl. Hoppe 2003: 10). Besonders die Umverteilung ist Hoppe ein Dorn im Auge. So schreibt er:

,,Das Wesen der Demokratie ist die Umverteilung, die sich entsprechend der Verteilung der politischen Macht vollzieht. Das heißt, diejenigen, die an der Macht sind, verteilen zugunsten der eigenen Klientel und auf Kosten der Klientel der anderen Partei um. Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun, und Grundrechte wie das auf Eigentum sind im Zweifelsfall schnell perdu. Verschärfend kommt hinzu, daß die Partei, die gerade herrscht, dazu nur vier Jahre Zeit hat - bis wieder gewählt wird. Umso schneller und verantwortungsloser vollzieht sich diese Umverteilung.'' (Hoppe 2005)

Umverteilung bedeutet im Prinzip nichts anderes, als ein Geben an ursprüngliche Nichteigentümer und Nichtproduzenten auf Kosten eines Nehmens von ursprünglichen Eigentümern und/oder Produzenten, was letztlich nur dazu führt, dass die Motivation, ein ursprünglicher Eigentümer und Produzent zu sein, abnimmt, wohingegen die Motivation, ursprünglicher Nichteigentümer und Nichtproduzent zu sein, zunimmt, da man als eben solcher der große Gewinner der der Demokratie inhärenten Umverteilungspolitik ist. Armut wird also subventioniert und die logische Konsequenz dessen ist eine Reduzierung der Motivation zur Produktion und somit mehr Armut. Man bekommt letztlich immer mehr von dem, was subventioniert wird. Subventioniert man Armut, führt das zu noch mehr Armut. Jede Subvention führt dazu, dass das, was subventioniert wird, zunimmt. Immer! (Hoppe 2003: 206; vgl. Mises 1981 (v.a. Kapitel 34); Murray 1984; Rothbard 1973 (v.a. Kapitel 8); Rothbard 1977: 169ff.). Umso tragischer ist es, dass die in der Demokratie mittels der ihr inhärenten Umverteilung durchgeführten Subventionen in Problembereiche gehen. Logische Konsequenz: Noch mehr Probleme. Daher prognostiziert Hoppe für die Demokratien dieser Welt einen Zusammenbruch, ähnlich, wie ihn die realsozialistischen Staaten des Warschauer Pakts erlebt haben, sodass alle Demokratisierungsgelüste obsolet werden würden:

,,Nach weniger als einhundert Jahren Demokratie und Umverteilung sind die vorhersehbaren Ergebnisse da. […] Mehrere Jahrzehnte lang (seit den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren) hat der reale Lebensstandard im Westen stagniert oder ist sogar gefallen [vgl. Batemarco 1987; Anm.: T.M.F.]. Die ,,öffentlichen‘‘ Schulden und die Kosten der existierenden Sozialversicherungs- und Gesundheitsversorgungssysteme haben die Aussicht auf eine unmittelbar bevorstehende ökonomische Kernschmelze entstehen lassen [vgl. Curzon Price 1995: 15-19; Anm.: T.M.F.]. Gleichzeitig hat fast jede Form unerwünschten Verhaltens wie Arbeitslosigkeit, Wohlfahrtsabhängigkeit, Vernachlässigung, Rücksichtslosigkeit, Unhöflichkeit, Psychopathie, Hedonismus und Kriminalität zugenommen und die sozialen Konflikte und Zusammenbrüche sind auf gefährliche Niveaus angestiegen [in den U.S.A. kam es zwischen 1960 und 1990 zu einer Verdoppelung der Mordrate, Vervierfachung der Vergewaltigungsrate und einer Verfünffachung der Raubrate, (vgl.: Itzkoff 1994) sodass man nicht zu Unrecht von einem Verfall der Sitten sprechen kann; Anm.: T.M.F.]. Wenn sich die gegenwärtigen Trends fortsetzen, kann man sicher davon ausgehen, daß das westliche Wohlfahrtssystem (soziale Demokratie) genauso zusammenbrechen wird wie der östliche (sowjetische) Sozialismus in den späten 1980er Jahren.'' (Hoppe 2003: 212f.)

Betrachtet man die zunehmende Gefahr, die vom internationalen Terrorismus ausgeht, den drohenden Kollaps des aktuellen Wirtschaftssystems, steigende Kriminalitätsraten etc., so wird man zugeben müssen, dass unsere politischen Systeme einem zunehmend stärker werdenden explosiven Potential ausgesetzt sind. Die Gefahren, die Hoppe in der Demokratie sieht, kommen nicht von ungefähr. Es gab nur wenige prominente Denker aus dem Bereich der politischen Theorie, die der Demokratie irgendwelche Sympathien abgewinnen konnten: ,,Fast alle großen Denker hatten nichts als Verachtung für die Demokratie übrig. Selbst die Gründerväter der USA, des Landes, welches heute als vorbildliches Demokratiemodell betrachtet wird, waren strikt dagegen‘‘ (ibid.: 214), so auch etwa JOHN ADAMS, der in einem Brief an JOHN TAYLOR kundgab, dass er, ähnlich wie PLATON und ARISTOTELES lange Zeit vor ihm, der Überzeugung ist, dass sich Demokratie in letzter Konsequenz zum Despotismus verwandeln werde.

IV. Can the whole world become democratic?
Die bislang hier dargelegte Demokratiekritik legt nahe, dass man die Welt nicht demokratisieren sollte, sodass es verständlich sein sollte, dass die Methoden zur Implementierung eines demokratischen Systems in dieser Arbeit vernachlässigt werden. Bevor man etwas tut, sollte man darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist. Der Autor dieses Textes hält Demokratie nicht für erstrebenswert. Lehnt man Demokratie ab, werden Gedanken über Demokratisierung obsolet. Dennoch wird im Folgenden aufgezeigt, mit welchen Methoden man Demokratie einführen kann. Es sind jene Methoden, die auch im Demokratisierungsprozess der westlichen Welt angewendet wurden:
Demokratisierungsprozesse verlaufen äußerst unterschiedlich. So schreibt Buckley-Zistel über durch die UN unterstützte Demokratisierungsprozesse in Nachkriegsgesellschaften folgendes:

,,In den achtzehn Nachkriegsgesellschaften, in denen die Vereinten Nationen zwischen 1988 und 2002 Demokratisierungsprozesse unterstützten, haben allein dreizehn trotz vielfach unbestreitbarer Verbesserungen nicht den Sprung in eine demokratische Staats- und Gesellschaftsform geschafft.'' (Buckley-Zistel 2008)

Demokratie als Herrschaftsform in einem System in der Form, in der wir sie kennen, basiert auf dem Willen der Mehrheit des wahlberechtigten Volkes. Demokratische Beschlüsse setzen also eine hohe, von einem Großteil des Volkes getragene Akzeptanz voraus. Um Demokratie als Herrschaftsform in einer Gesellschaft zu implementieren, ist es also unabdingbar, dass Demokratie als Herrschaftsform von einer stabilen Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert wird. Die Implementierung der Demokratie als Herrschaftsform ist in jeder Gesellschaft, auf der ganzen Welt, möglich, sofern man die beschriebene Akzeptanz generiert. Das kann klappen, indem der Staat, der mithilfe externer Demokratieförderer die Demokratie als Herrschaftsform zu implementieren gedenkt, das Instrument des Bildungs- und Erziehungsmonopols besitzt. Mithilfe des Bildungs- und Erziehungsmonopols ist es einem Staat sehr leicht möglich, dem Volk seine Normen aufzuoktroyieren und es nach Belieben zu manipulieren. Dies gelingt einem solchen Staat dann, wenn er es schafft, die meinungsbildenden Ideologen und Intellektuellen, die klassischerweise im Bildungssektor beschäftigt sind und die vom Staat einen gesicherten ,,Markt’’ zur Disposition gestellt bekommen, auf seine Seite zu bringen. Auf diese Weise gelingt es dem Staat, das Denken – zumindest der Mehrheit - ,,seiner’’ Bürger zu formen. Die Intellektuellen und Ideologen werden in der Regel im Sinne der Doktrin des jeweiligen Staates handeln, da es eben jener Staat ist, der ihnen einen Markt bietet. Auf dem freien Markt, ganz ohne Staat, würde man die Dienste dieser Intellektuellen und Ideologen womöglich gar nicht erst nachfragen – sie wären womöglich arbeitslos. Der Staat profitiert also von den Intellektuellen und Ideologen, und eben jene profitieren vom Staat.
Der Staat, der gedenkt, seine Herrschaftsform zu demokratisieren, braucht also gewisse Strukturen, insbesondere das Bildungs- und Erziehungsmonopol, mit dem er seine Bevölkerung von der demokratischen Idee zu begeistern vermag. Dieser Prozess basiert auf massiver Manipulation. Um diese Strukturen und den ihnen inhärenten, oben beschriebenen Prozess zu ermöglichen, ist ihre Finanzierung unabdingbar. Ein staatliches Bildungs- und Erziehungssystem kostet nun einmal Geld. Der Staat braucht Geld, um sich sein Bildungs- und Erziehungssystem finanzieren zu können. Wie gelangt der Staat an Geld? Durch Steuern! Steuern hingegen werden vom Staat durch Zwang erhoben: Der Staat droht seinen Bürgern Sanktionen an, sofern diese sein Einkommen nicht auszahlen: ,,Besteuerung ist Diebstahl, schlicht und einfach […]. Sie ist Zwangspfändung des Eigentums der Staatseinwohner bzw. seiner Untertanen.'' (Rothbard 2000: 168f.) Staatsapologeten behaupten zwar, dass die Besteuerung ein auf Freiwilligkeit basierender Prozess sei, doch

,,[e]ine einfache und doch lehrreiche Widerlegung dieser Behauptung besteht darin, sich zu überlegen, was geschehen würde, wenn die Regierung die Besteuerung abschaffen und sich auf die bloße Bitte um freiwillige Beiträge beschränken würde. Glaubt irgendjemand wirklich daran, daß dem Staat irgendein Einkommen zufließen würde, das seinem jetzigen, riesigen Einkommen vergleichbar wäre?'' (ibid.: 169)

Die abschließende Frage ist als rhetorisch zu werten, woraus resultiert, dass die Besteuerung – als die Basis der Existenz eines Staates und all seiner Institutionen, also auch seines Bildungs- und Erziehungsmonopols - ein auf Zwang und nicht auf Freiwilligkeit basierender Prozess ist.
Ist die meinungsbildende Kraft der Akteure, die Demokratisierung anstreben, groß genug, um ein weitverbreitetes demokratisches Bewusstsein in der Zielgruppe zu schaffen, so ist Demokratie auf der ganzen Welt installierbar. OTFRIED HÖFFE schreibt: ,,[D]ie Demokratisierung [gelingt] nur, wenn sich außer den staatlichen Institutionen eine facettenreiche Bürgerschaft ausbildet.‘‘ (Höffe 2004: 10). Diese facettenreiche Bürgerschaft muss dabei jedoch von dem Akteur, der die Demokratie implementieren will, ausgebildet werden. Die Methoden dieser Ausbildung erscheinen einem aber durchaus fragwürdig.

V. Fazit
Die folgende Arbeit hat auf unkonventionelle Art und Weise versucht, ein kritisches Verhältnis zur vielgelobten Demokratie aufzubauen. Es wurde auf ideologische Widersprüche hingewiesen, so etwa bei den kantischen Anhängern des ,,Demokratischen Friedens‘‘, die sich gleichsam für externe Demokratisierung aussprechen, was einen herben Verstoß zur Theorie von Kant darstellt. Ferner wurde auf die von der Demokratie ausgehenden Gefahren hingewiesen. Dabei ist auffällig, dass viele der Gefahren, welche als solche bewertet wurden, für die meisten Menschen recht unscheinbar sind, wie etwa die Umverteilung und die damit einhergehende Subventionierung von Problemfällen. Diese Kritik an der Demokratie führte zur gewagten These, dass der demokratische Westen in seiner aktuellen Form dem Zerfall nicht fern ist, was letztlich bedeuten würde, dass die Demokratie gescheitert ist, was wiederum bedeuten würde, dass die Demokratie ein System ist, welches nicht wert ist, verbreitet zu werden. Nichtsdestotrotz ist es möglich, die ganze Welt zu demokratisieren. Hierfür ist vor allem ein starkes Bildungs- und Erziehungsmonopol der sich nach Demokratie sehnenden Macht verantwortlich. Ein solcher Prozess wäre hingegen nur mit Methoden des Zwangs (etwa durch Steuerzwang) zu finanzieren und daher abzulehnen
Es darf also festgehalten werden, dass die Demokratisierung der ganzen Welt möglich, aber nicht wünschenswert ist, da eine vollständig demokratisierte Welt langfristig zum Scheitern verurteilt wäre.
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Literatur

Batemarco, Robert (1987): GNP, PPR, and the Standard of Living. In: Review of Austrian Economics, No. 1.

Buckley-Zistel, Susanne (2008): Demokratisierung. 10/III/2008. URL: http://www.bpb.de/themen/RMQI3R,0,0,Demokratisierung.html [Zugriff: 22/I/2011].

Curzon Price, Victoria (1995): The Mature Welfare State: Can It Be Reformed? In: Karlson, Nils (Hrsg.): Can The Present Problems of Mature Welfare State Such as Sweden Be Solved? Stockholm: City University Press,

Hobbes, Thomas (1651/2007): Leviathan. Stuttgart: Reclam.

Hoppe, Hans-Hermann (2003): Demokratie. Der Gott, der keiner ist. Leipzig: Manuscriptum

Hoppe, Hans-Hermann (2005): Freiheit statt Demokratie. 24/VI/2005. URL: http://www.jf-archiv.de/archiv05/200526062409.htm [Zugriff: 22/I/2011].

Höffe, Otfried (2004): Wirtschaftsbürger, Staatsbürger, Weltbürger. Politische Ethik im Zeitalter der Globalisierung. München: C.H. Beck

Itzkoff, Seymour W. (1994): The Decline of Intelligence in America. Westport: Praeger.

Jasay, Anthony de (2005): Zur Möglichkeit begrenzter Staatsgewalt. URL: http://www.libertaere.ch/pdflib/begrenzte_staatsgewalt.pdf [Zugriff: 12.II.2011].

Kant, Immanuel (1795/1984): Zum ewigen Frieden. Stuttgart: Reclam.

Mises, Ludwig von (1981): Socialism: An Economic and Sociological Analysis. Indianapolis: Liberty Fund.

Murray, Charles (1984): Losing Ground. New York: Basic Books.

Rothbard, Murray N. (1973): For A New Liberty: The Libertarian Manifesto. New York: Collier Macmillan.

Rothbard, Murray N. (1977): Power and Market: Government and the Economy. Kansas City: Sheed Andrews and McMeel.

Rothbard, Murray N. (2000): Die Ethik der Freiheit. Sankt Augustin: Academia.

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