Montag, 21. Februar 2011

Gutes zu erzwingen ist nicht gut

von Tommy Casagrande
I
m Zuge einer Diskussion, in der es um Regulierungen in der Lebensmittelindustrie ging, machte eine Diskussionsteilnehmerin darauf aufmerksam, wie schlimm Nahrung aus der Massenzucht sei und dass man eben jene, unter anderem auch aus gesundheitlichen Gründen, verbieten sollte. Diesen Humbuk entkräftete TOMMY CASAGRANDE in vier excellent dargebotenen Punkten:

1. Jeder darf für sich selbst entscheiden, wie gesund er leben will. Dabei ist wichtig, dass niemand für die Kosten von jemand anderen aufkommt. Daher gehört das Gesundheitssystem privatisiert. Es nicht zu privatisieren bedeutet insofern Unrecht, als dass Menschen für jene Kosten aufkommen, die andere verursachen. Zudem kommt hinzu, dass aus diesem Umstand heraus, der Gedanke einer Harmonisierung des Gesundheitszustandes einer Gesellschaft erwächst. Das ist nichts anderes als Gleichmacherei und mündet im Totalitarismus. Was dabei nicht bedacht wird oder bewusst übersehen wird ist die Tatsache, dass Körper ungleich auf die Zunahme von Lebensmittel reagieren. Würden wir allen Menschen das gleiche essen vorgeben und ihnen zudem die Dosis vorschreiben, würden sich die Menschen gesundheitlich, sowie auch im Hinblick auf ihr Gewicht, individuell entwickeln, da ein jeder Mensch das Aufgenommene anders verarbeitet oder anlegt. Was wirklich helfen könnte die Menschen gleich zu machen, wäre nicht die sozialistische Idee gleicher Umwelten sondern die Vernichtung der menschlichen Individualität durch die Ersetzung der Menschen durch Klone. Langfristig wäre wohl nur die Entwicklung zur Cyborggesellschaft, die keiner Nahrungsaufnahme bedarf, sinnvoll, wenngar nicht das beste sowieso eine Welt von Robotern wäre, die jegliche menschliche Individualität auslöscht. Allerdings, wozu Roboter noch existieren lassen, wenn es keine Menschen gibt ? Fatalistisch aber immerhin effizient wäre dann doch der kollektive Suizid der Menschheit die sich in einem See ertränkt. Danach gibt es keine Probleme mehr. Die Tiere könnten in Frieden sich gegenseitig fressen und die Erde könnte seelenruhig ohne menschliche Eingriffe zuwarten bis sie in ein paar Milliarden Jahren von der Sonne ausgelöscht wird. Und ich denke schon, dass man, wenn man eine Position vertritt, konsequent sein sollte. Um es in Fleischessersprache auszudrücken: Das Steak sollte durch sein.

2. Gesundheit an sich ist kein Wert. Gesundheit ist ein Gut wie jedes andere auch. Und der Wert dieses Gutes lässt sich objektiv nicht bemessen. Ein jeder Mensch kann lediglich individuell feststellen wie wichtig ihm seine Gesundheit ist. Der Wert ist also stets nur und ausschließlich subjektiv zu erfahren. Siehe die subjektive Wertlehre. Jedoch, in unserer heutigen Gesellschaft leben wir in einer Marktwirtschaft, die vom Staat korrumpiert ist. Der Lebensstandard wird durch staatliche Eingriffe gesenkt und ist weitaus niedriger als er in einer freien Marktwirtschaft sein könnte. Erst in einer solchen wären auch für die ärmsten Menschen die finanziellen Ressourcen mehr gegeben als Heute, um tatsächlich ihren Präferenzen eventuell auch mehr Wert auf von ihnen empfundene gesunde Nahrungsmittel zu legen.

3. Mit Gesundheit zu argumentieren ist das gleiche, als würde man mit Sicherheit zu argumentieren suchen. Die Möglichkeiten, Sicherheit und Gesundheit zu schaffen sind möglicherweise unendlich. Aber die Ressourcen dazu nicht. Wenn man nach Effizienz geht, so bleibt der Staat stets den Nachweis schuldig, Ressourcen effizient einzusetzen. Eine solche wichtige Ressource ist das Geld. Wenn der Staat sich in die Nahrungsmittelindustrie einmischt, dann führt das zu einer Verzerrung auf diesem Gebiet. Er möchte vielleicht manche Güter in ihren Preisen senken, doch das führt zu mehr Kosten anderer Güter. Der Staat löst eine Interventionsspirale aus, bei der dieser durch seinen Eingriff ein Problem lösen will, dass er für sich als eines sieht und schafft mit deren Lösung ein neues Problem. Das Problem dieser punktuellen Lösung ist, dass Marktwirtschaft ein organisches, dynamisches Gebilde ist, und KEIN statisches, starres Konstrukt. Man täte den Menschen keineswegs etwas gutes sondern man bereitet ihnen Kosten und Nöte. Des weiteren führt das Prinzip der Prävention dazu, dass man alles verbieten könnte und konsequent gedacht sogar müsste. Denn wieso soll es lediglich sinnvoll sein, den Menschen vorzuschreiben was sie zu essen haben ? Ist der Geist nicht viel wichtiger ? Bedeutet uns der Geist, das Denken, gar nichts ? So müssen wir doch dafür einstehen, dass wir auch bestimmte Bücher zu lesen, Filme zu schauen, Informationen zu verbreiten, verhindern müssen, denn das ist doch viel wichtiger, da das Überleben einer guten Gesellschaft davon abhinge, nicht wahr ? Man stelle sich vor, was passiert, wenn jeder frei denkt und redet. Da könnten Dinge verbreitet werden, die den Fortbestand der Gesellschaft in Frage stellen. Unbedingt brauchen wir ein Verbot der Meinungsfreiheit. Medien müssen beschnitten werden. Da sieht man, dass man sich nicht nur für die Ernährung einsetzen kann, mit "guten" Intentionen, sondern letztlich für alles. Aus Vorsicht vor unerwünschten Nebenwirkungen bliebe uns nur eine Wahl, die Diktatur.

4. Wie in Punkt 1 angeschnitten ist keine Ernährung an sich schädlich. Die Dosis macht das Gift. Aber nichts desto trotz verarbeitet ein jeder Körper eine jede Dosis anders. Man mag Durchschnittswerte bestimmen können, doch sind Statistiken nicht sehr nah am tatsächlichen Menschen der stets nur ein Einzelfall sein kann und etwas besonderes ist. Hingegen der Mensch eines Durchschnittswertes ist kein besonderer Fall, er ist nur der Durchschnitt einer Auswertung. Ich bin kein Freund von Statistiken, denn das Leben ist dynamisch und nicht statisch. Das Leben findet im Einzelfall statt, nicht im herausgemessenem Durchschnittsaggregat - einer Größe, ohne Gesicht.

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