Dienstag, 4. Januar 2011

Ein homophober Freiheitsfreund – kein Widerspruch!

von Tomasz M. Froelich
Angeregt durch TOMMY CASAGRANDE las ich gestern ,,Die Irrtümer des Hans-Hermann Hoppe‘‘ von BIJAN NOWROUSIAN und OLIVER MARC HARTWICH, welche auf der Website der Achse des Guten publiziert wurden. HANS-HERMANN HOPPE (siehe Photo!) als radikaler Anarchokapitalist mit einer Vorliebe für konservativen Lebensstil und Werte gilt in der libertären Szene als nicht ganz unumstritten. Verantwortlich hierfür sind z.B. Hoppes kontroverse Aussagen über Homosexuelle. Inwieweit Hoppes Aussagen reine Provokation sind, oder nicht, bleibt dahingestellt. Fakt ist, dass es Menschen gibt, die sich den durch die Apologeten der politischen Korrektheit sehr eng gesetzten Grenzen des Diskurses widersetzen möchten und dabei oft Sachen sagen, die sie gar nicht vertreten und dabei einfach nur Intention haben, die engen Grenzen des durch die politische Korrektheit dominierten Diskurses auszuweiten oder gar ganz zu sprengen. Manche Menschen verspüren den Drang zu polarisieren und zu provozieren. Auch ich gehöre dazu. Und Hoppe womöglich auch, doch das bleibt Spekulation.
Nowrousian und Hartwich wagen die Spekulation und attestieren Hoppe, durch das Abdrucken libertärer Aufsätze in Magazinen von Holocaust-Leugnern, eine zumindest strategische Nähe zu und Kooperation mit rechtsextremen, neonazistischen, homophoben und intoleranten Kreisen, woraus sie unter anderem schliessen ,,dass Hoppes Libertarismus genau das Gegenteil des Liberalismus ist und eine Gefahr für die Freiheit darstellt‘‘ (Nowrousian; Hartwich 2005).
Eine schlichte, aber gleichsam geniale Widerlegung der Vorwürfe, wonach Hoppe eine Gefahr für die Freiheit darstellt, findet sich bei THORSTEN BOIGER in seinem Text ,,Von scheinbaren Irrtümern und sogenannten "Liberalen"‘‘:
,,Nehmen wir […] für einen Moment mal an, Hoppe sei ein intoleranter, homophober Rassist, und er habe deshalb nichts gegen Holocaustleugner, weil ja auch die – auch dies können wir wieder ungeprüft übernehmen, weil es irrelevant ist – Antisemiten und damit Rassisten sind. Wir stehen also nun vor der Frage, ob jemand, der keine Schwulen, keine Juden, keine Demokraten, Kommunisten, meinetwegen auch keine Frauen, Kinder, Christen, Neger und Behinderte mag, ob also eine solche Person zwingend antiliberal im Sinne von gegen die Freiheit sein müsse. Warum sollten sie?
Wenn ich meinen Nachbarn hasse, wird er dadurch in seiner Freiheit oder seinem Eigentum verletzt? Nein, keineswegs. Wenn Hoppe Schwule nicht mag – schmälert das die Freiheit der Schwulen? Nein, wie denn auch. Wenn jemand den Holocaust leugnet und Juden hasst – schadet das den Juden? Die Antwort kennen wir bereits. Erst, wenn ich hergehe, und meinen Nachbarn mit dem Baseballschläger eins überbrate – erst dann verletze ich seine Freiheit, das heißt, sein Selbsteigentum. Meine Meinung und ihre Äußerung tangiert ihn überhaupt nicht.‘‘ (Boiger 2005)

Daraus resultiert: Selbst wenn Hoppe radikal-homophob sein sollte, stellt er deshalb nicht gleich eine Gefahr für die Freiheit dar. Und: Selbst wenn Hoppe radikal-homophob sein sollte, so ist die von ihm propagierte, anarchokapitalistische Gesellschaft, in der das Selbsteigentum geschützt wird, ein freiheitliches Paradies auf Erden:

,,Hier könnte tatsächlich jeder so leben, wie es ihm gefällt. Rassisten könnten sich ihre arisch-befreite Zone auf ihrem Eigentum errichten und morgens mit Hitlergruß das Hissen der Reichskriegsflagge begleiten. Schwulenfeinde könnten ein großes Schild an ihre Tür hängen: „Kein Zutritt für Schwuchteln!“ Und die Juden und die Homosexuellen und all die anderen könnten das gleiche mit Nazis oder sonst wem machen, solange keiner Leben, Freiheit und Eigentum des anderen verletzt.‘‘ (ibid.)

Kein Paradies auf Erden ist hingegen die von aufrechten, selbst ernannten ,,Liberalen‘‘ und Demokraten propagierte Welt, die scheinbar auch von Nowrousian und Hartwich als Ideal erachtet wird. Boiger fragt sich:

,,Wie sieht es dagegen mit dem aufrechten Demokraten aus, wie ihn die Autoren […] als Gegenbild darstellen, […]? Er ist ein Feind der Freiheit, jeder Freiheit, denn Demokratie ist Herrschaft, illegitime Herrschaft von Menschen über Menschen, die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. Alleine dadurch, dass er sich anmaßt, in irgendeiner Form jemand anderem durch Wahl oder sonstige Entscheidung vorzuschreiben, wie dieser zu leben habe – und sei es nur, ihn zu zwingen, kein Rassist zu sein – ist er nichts anderes als ein Sklavenhalter.‘‘ (ibid.)

Es mag für viele paradox klingen, aber ein den libertären Anarchokapitalismus predigender Homophober ist ein Freiheitsfreund (sofern er die Freiheit seiner ,,Hassobjekte‘‘ nicht angreift), ein selbst ernannter liberaler Demokrat hingegen eine Bedrohung für die Freiheit.

L I T E R A T U R

Boiger, Thorsten (2005): Von scheinbaren Irrtümer und sogenannten "Liberalen". URL: http://www.libertaria.de/art_hoppeboiger.htm [Zugriff: 03.I.2011].

Hartwich, Oliver Marc; Nowrousian, Bijan (2005): Die Irrtümer des Hans-Hermann Hoppe. URL:http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1361 [Zugriff: 03.I.2011]

Kommentare:

  1. Den Freiheitsfreund erkennt man daran dass er die Nase aus anderer Leute Leben, und die Finger aus anderer Leute Taschen lässt, selbst wenn er die Möglichkeit dazu hätte.
    Dass er alles undifferenziert mögen muss ist völliger Kappes.

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  2. Zwei Fragen: 1) Warum werden Juden und Schwule bei derlei Debatten häufig in einem Atemzug genannt? Ist Judentum denn auch so etwas wie eine krankhafte sexuelle Betätigung? 2) Warum muss ein "Holocaust-Leugner" zwangsläufig ein Rassist, Antisemit oder Judenhasser sein? Wie kommt man auf derlei ideologische Automatismen?

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  3. Ad 1) Juden und Schwule wurden als Beispiele genannt, weil es sich um große Menschengruppen handelt, die seit Jahrtausenden von vielen diskriminiert werden. Darum geht's in dem Text gar nicht. Es geht um jede Gruppe, die auf eine gewisse Art und Weise diskriminiert wird. Diese Intention wird man aus dem Text schon herauslesen können. Die Nennung von Homosexuellen und Juden ,,in einem Atemzug'' hat jedenfalls nicht die von Ihnen vermutete Intention. Ihre hieraus geleitete Frage, ob das Judentum eine krankhafte sexuelle Betätigung ist, nur weil Juden und Homosexuelle in einem Satz erwähnt werden, ist an den Haaren herbeigezogen, denn 1.) hat der Autor nirgendwo geschrieben, dass Judentum und Homosexualität miteinander einhergehen und 2.) impliziert die Nennung zweier Gruppen in einem Satz nicht unbedingt irgendeine Zugehörigkeit beider Gruppen zueinander. Wie kommen Sie denn darauf, dass Homosexualität eine krankhaft sexuelle Betätigung ist? Das können Sie ja so sehen, wenn sie wollen, der Autor wird hier hingegen anderer Meinung sein.

    2.) Ein Holocaust-Leugner muss natürlich nicht zwangsläufig ein Rassist, Antisemit oder Judenhasser sein, auch wenn dies häufig der Fall ist. Aber wo hat denn der Autor behauptet, dass ein Holocaust-Leugner zwangsläufig ein Rassist, Antisemit oder Judenhasser ist? Der Autor hat mit keinen ideologischen Automatismen gearbeitet, sondern einfach nur mit Beispielen, um die Intention des Textes verständlicher zu machen.

    Gruß

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