Donnerstag, 11. März 2010

Ludwig von Mises - Demokratie

Erteilt Ludwig von Mises in seinem liberalen Programm dem Anarchismus eine Absage, so trifft dies auf die Demokratie nicht zu. Allerdings hat Mises ein anderes Demokratieverständnis als all die pseudodemokratischen Naivlinge, deren Demokratieideal einer Verfassung entspricht, ,,in der das ganze Volk regiert und verwaltet. Das hat es freilich nie gegeben, kann es nie geben und wird es nie geben.'' (Mises 1927: 35). Über diese offensichtliche Illusion bestens informiert, wollen es die pseudodemokratischen Herrschaften dennoch nicht akzeptieren, dass es bestimmte Herrschaftsverhältnisse gibt. So erachten sie es als unwürdig, dass z.B. Herr Meier über Herrn Schmidt regiert. Dabei wird häufig verkannt, dass es ,,durchaus nicht eines Mannes unwürdig [ist], sich von anderen regieren zu lassen. Auch die Regierung und Verwaltung, die Handhabung der Polizeivorschriften und ähnlicher Verfügungen erfordern Spezialisten: Berufsbeamte und Berufspolitiker.'' (ibid.: 36) Den Berufsstand des Berufspolitikers und Berufsbeamten gilt es keineswegs zu bekämpfen, sofern die Institutionen des Staates per se demokratisch konstituiert sind.
,,Demokratie aber ist ganz etwas anderes als das, was sich die Romantiker der unmittelbaren Demokratie vorstellen.
Die Handhabung der Regierung durch eine Handvoll von Leuten [...] ist darauf aufgebaut, daß die Regierten mit der Art und Weise, wie die Regierung gehandhabt wird, einverstanden sind. [...] Auf die Dauer kann sich keine Regierung halten, wenn sie nicht die öffentliche Meinung für sich hat'' (ibid.).

Montag, 8. März 2010

Ludwig von Mises - Der Staat und die Regierung

Das Verhängen von Strafen gegen Individuen ist nur dann sinnvoll, wenn eine Tat ,,die moralischen Regeln für menschliches Zusammenleben verletzt''. (Mises 1927: 31) Einen Trinker oder Drogenkonsumenten für sein Verhalten zu bestrafen, das außer ihm selbst niemandem schadet, ist sinnfrei.
Wie wir wissen ist es im Interesse der Gesellschaft, ein kurzfristiges Opfer zu bringen, um langfristig zu profitieren. Diese Handlungsmaxime ist für eine funktionierende Gesellschaft unabdingbar. Handelt ein Unsozialer dem zuwider, gehört er bestraft.
,,Ohne Zwang- und Gewaltanwendung gegen die Gesellschaftsfeinde müßte gesellschaftliches Zusammenleben unmöglich werden.'' (ibid.: 32) Diese Zwangs- und Gewaltanwendungen haben vom Staat, die Regeln, nach denen vorgegangen wird, vom Recht und die Organe, die die Handhabung des Zwangsapparates besorgen, von der Regierung auszugehen. (vgl. ibid.)
Somit erteilt Mises und der Liberalismus jeglichem Anarchismus eine Absage, da es in unserer Gesellschaft immer Unholde geben wird, die die moralischen Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens brechen. Die einzige Aufgabe des Staates beschränkt sich somit auf den Schutz des Eigentums, der Freiheit und des Friedens.

Samstag, 6. März 2010

Ludwig von Mises - Das Sondereigentum und die Ethik

Von gesellschaftlicher Notwendigkeit ist das Sondereigentum. Der Berechtigung zum Sondereigentum obliegt eine moralische Rücksichtnahme auf die Gesellschaft. Der Sondereigentümer darf bei all seinem Tun und Handeln nicht nur auf seinen unmittelbaren Nutzen Rücksicht nehmen, sondern muss auch ,,in jeder Handlung die Gesellschaft als solche bejahen. Denn das Leben des einzelnen in der Gesellschaft ist nur durch die Gesellschaft möglich, und jeder einzelne würde auf das schwerste geschädigt werden, wenn die gesellschaftliche Organisation des Lebens und der Produktion in die Brüche gehen würde.'' (Mises 1927: 30) Langfristig kann jeder Mensch also nur dann profitieren, wenn sein Handeln für die Gesellschaft unschädlich ist, da ein Nutzen für jeden einzelnen langfristig nur in einer stabilen, wohl strukturierten Gesellschaft möglich ist. ,,Der Fortbestand der Gesellschaft als Vereinigung der Menschen zur gemeinsamen Arbeit und Lebensführung liegt im Interesse jedes einzelnen; wer einen augeblicklichen Vorteil aufopfert, um den Fortbestand der Gesellschaft nicht zu gefährden, der opfert einen kleineren Vorteil einem größeren.'' (ibid.)
Als eine Handlungsmaxime definiert der Liberalismus somit die Befolgung des Sittengesetzes: Handele sittlich, indem du durch dein Handeln der Aufrechterhaltung der Gesellschaftsordnung dienst.
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Freitag, 5. März 2010

Ludwig von Mises - Die Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverhältnisse

Oft hört man im politischen Diskurs, in der Bundesrepublik Deutschland vor allem aus den Reihen der Freidemokraten, Sätze wie: ,,wer arbeitet muss mehr verdienen als jemand, der nicht arbeitet'' und ,,Leistung muss sich lohnen''. Dies ist durchaus korrekt!
Eine gleichmäßige Verteilung der Güter, wie sie von so manchem Sozialisten propagiert wird, ist Nonsens:
,,Gegen diesen Vorschlag ist zunächst die Einwendung zu machen, daß dadurch nicht viel geholfen wäre, weil die Zahl der Minderbemittelten im Vergleich zu der der Reichen ungeheuer groß sei, so daß jeder einzelne von einer solchen Verteilung nur einen recht unbedeutenden Zuwachs an Wohlfahrt zu erwarten habe.'' (Mises 1927: 27)
Die Ungleichheit der Eigentumsverhältnisse ist von fundamentaler Bedeutung für eine optimale Wirtschaftsentwicklung, da sie ,,jeden anspornt, soviel als möglich und mit dem geringsten Aufwand an Kosten zu erzeugen'' (ibid.: 28). Daraus resultiert der Reichtum, den die Menschheit nun verzehren kann. ,,Würde man diesen Antrieb beseitigen, so würde man die Ergiebigkeit der Produktion so sehr herabdrücken, daß die Kopfquote des Einkommens bei gleichmäßiger Verteilung tief unter das fallen würde, was selbst der Ärmste heute erhält.'' (ibid.) Ungleichheiten in den Eigentumsverhältnissen generieren Motivation zu einer effizienten Produktion, welche wiederum gesellschaftlichen Reichtum generiert.

Donnerstag, 4. März 2010

Ludwig von Mises - Gleichheit

Der Begriff der Gleichheit wird heute aus verschiedenen Perspektiven verschieden betrachtet und angewandt. Der Naivling ist der Ansicht, dass alle Menschen qua natura gleich, d.h. in etwa mit gleichen körperlichen und geistigen Talenten ausgestattet seien. Die Unterschiede, die sich dann im Laufe der Zeit ergeben, seien ein soziales Konstrukt. Das ist natürlich Humbug!
,,Die Menschen sind durchaus ungleich. Selbst zwischen Geschwistern bestehen die größten Verschiedenheiten der körperlichen und geistigen Eigenschaften. Die Natur wiederholt sich nicht in ihren Schöpfungen, sie erzeugt keine Dutzendware, sie hat keine Typenfabrikation. Der Mensch, der aus ihrer Werkstatt hervorgeht, trägt den Stempel des Individuellen, des Einzigartigen, des Nichtwiederkehrenden an sich.'' (Mises 1927: 25)
Auch wenn es offensichtlich natürlich bedingte Verschiedenheiten zwischen den Menschen gibt, so sollten diese Verschiedenheiten vor Iustitia irrelevant sein. Vor Iustitia gilt das Prinzip der Gleichheit, es gilt die gleiche Behandlung aller Menschen durch das Gesetz.
Hierfür sprechen zwei verschiedene Gesichtspunkte.

Mittwoch, 3. März 2010

Ludwig von Mises - Frieden

Für den Liberalen ist Frieden der Garant für menschlichen Fortschritt. Frieden ist gesellschaftliche Kooperation, die sich z.B. in gemeinsamer Arbeit äußert. ,,Die Arbeit allein ist es, die aufbaut, reich macht und damit die äußeren Grundlagen für inneres Gedeihen des Menschen legt.'' (Mises 1927: 21) Krieg hingegen zerstört all dies nur. Krieg kann nie aufbauen.
Daher ist der Liberale der Überzeugung, ,,daß der siegreiche Krieg auch für den Sieger ein Übel ist, daß Frieden immer noch besser ist als Sieg.'' (ibid.)
Dies wird klar, wenn man den Nutzen der Arbeitsteilung erkannt hat. Bürgerkriege oder aber auch international ausgetragene Kriege stören den Prozess der Arbeitsteilung. Die Arbeitsteilung kann sich nur in einem Zustand des ewigen friedlichen Zusammenlebens entfalten. Da sich sowohl die nationalen, als auch die internationalen Strukturen der Arbeitsteilung ständig fortentwickeln und komplexer werden, da heute Staaten und Völker aus allen Teilen der Erde stärker interagieren als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit, ist es von entscheidender Bedeutung, den Frieden zu schaffen und zu sichern. Diese ,,Dichte der weltwirtschaftlichen, internationalen Beziehungen ist ein Produkt des Liberalismus und Kapitalismus des 19. Jahrhunderts. Durch sie erst wurde die weitgehende Spezialisierung der modernen Produktion und damit die Vervollkommnung der Technik ermöglicht. [...] Diese Entwicklung war nur möglich und denkbar, weil man die Vorstellung, es könnte je wieder zu großen Kriegen kommen, seit dem Sieg der liberalen Ideen nicht mehr ernst nahm.'' (ibid.: 24)

Dienstag, 2. März 2010

Ludwig von Mises - Freiheit

Freiheit gilt heute allgemein als unverzichtbares Gut. Das ist ein Erfolg des Liberalismus, der auch nicht durch Störenfriede, wie beispielsweise Lenin, geschmälert wurde.
Dies war nicht immer so. Blickt man zurück auf die Zeit der Leibeigenschaft, so dachten viele, sowohl die Herren, als auch ihre Knechte, dass es von Natur aus Menschen und Völker gebe, ,,die zur Freiheit, und solche, die zur Unfreiheit bestimmt seien.'' (Mises 1927: 18) Es mag verwundern, dass auch die Knechte sich dieser Hierarchisierungen fügten, doch auch sie fanden in ihr Gutes: ,,der Sklave sei der Sorge um den Erwerb des täglichen Brotes enthoben, da der Herr genötigt ist, für seine notwendigsten Bedürfnisse aufzukommen.'' (ibid.) Dies wird im heutigen Diskurs über die Leibeigenschaft häufig ignoriert. Leibeigenschaft wird mit brutaler Misshandlung der Knechte assoziiert. In Wirklichkeit war dies jedoch die absolute Ausnahme. Menschliche und milde Behandlung der Knechte waren die Regel. Alles andere wäre auch dem Interesse des Herren nicht förderlich.
Dennoch gilt es Leibeigenschaft in jedem Fall zu bekämpfen. Hierfür reicht ein Argument, dass nämlich freie Arbeit weitaus ergiebiger ist als die von einem Unfreien verrichtete Arbeit:
,,Der unfreie Arbeiter hat kein Interesse daran, seine Kräfte ernstlich anzuspannen. Er arbeitet so viel und so eifrig, als erforderlich ist, um jenen Strafen zu entgehen, die auf Nichteinhaltung eines Mindestmaßes von Arbeit gesetzt sind. Der freie Arbeiter aber weiß, daß er um so besser entlohnt wird, je mehr seine Arbeit leistet.'' (ibid.: 19)

Montag, 1. März 2010

Ludwig von Mises - Eigentum

Die Vereinigung der Menschen zu gemeinsamem Handeln nach dem Prinzip der Arbeitsteilung im Sinne höherer Ergiebigkeit bezeichnet Mises als menschliche Gesellschaft. ,,Auf dieser höheren Ergiebigkeit der arbeitsteilig verrichteten Arbeit beruht die ganze menschliche Gesittung. Durch die Arbeitsteilung unterscheidet sich der Mensch von den Tieren.'' (Mises 1927: 16) Die Arbeitsteilung ist der Schlüßel zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation auf allen Ebenen.
Um das Funktionieren einer arbeitsteiligen Gesellschaft zu gewährleisten ist das Sondereigentum an den Produktionsmitteln die einzig durchführbare Ordnung. Nur so kann die Ergiebigkeit der Arbeit auf höchstem Niveau gehalten werden. Nur so verspürt der arbeitende Mensch Motivation.
Das Programm des Liberalismus lässt sich letztlich auf das Sondereigentum an den Produktionsmitteln zusammenfassen. ,,Alle anderen Forderungen des Liberalismus ergeben sich aus dieser Grundforderung.'' (ibid.: 17)
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.