Erteilt Ludwig von Mises in seinem liberalen Programm dem Anarchismus eine Absage, so trifft dies auf die Demokratie nicht zu. Allerdings hat Mises ein anderes Demokratieverständnis als all die pseudodemokratischen Naivlinge, deren Demokratieideal einer Verfassung entspricht, ,,in der das ganze Volk regiert und verwaltet. Das hat es freilich nie gegeben, kann es nie geben und wird es nie geben.'' (Mises 1927: 35). Über diese offensichtliche Illusion bestens informiert, wollen es die pseudodemokratischen Herrschaften dennoch nicht akzeptieren, dass es bestimmte Herrschaftsverhältnisse gibt. So erachten sie es als unwürdig, dass z.B. Herr Meier über Herrn Schmidt regiert. Dabei wird häufig verkannt, dass es ,,durchaus nicht eines Mannes unwürdig [ist], sich von anderen regieren zu lassen. Auch die Regierung und Verwaltung, die Handhabung der Polizeivorschriften und ähnlicher Verfügungen erfordern Spezialisten: Berufsbeamte und Berufspolitiker.'' (ibid.: 36) Den Berufsstand des Berufspolitikers und Berufsbeamten gilt es keineswegs zu bekämpfen, sofern die Institutionen des Staates per se demokratisch konstituiert sind.,,Demokratie aber ist ganz etwas anderes als das, was sich die Romantiker der unmittelbaren Demokratie vorstellen.
Die Handhabung der Regierung durch eine Handvoll von Leuten [...] ist darauf aufgebaut, daß die Regierten mit der Art und Weise, wie die Regierung gehandhabt wird, einverstanden sind. [...] Auf die Dauer kann sich keine Regierung halten, wenn sie nicht die öffentliche Meinung für sich hat'' (ibid.).






