Sonntag, 28. Februar 2010

Ludwig von Mises - Die psychischen Wurzeln des Antiliberalismus

Der Widerstand gegen den Liberalismus geht nicht von rationalen Prinzipien, sondern von krankhafter seelischer Einstellung aus. Ressentiments und Neurasthenie sind bei den Gegnern des Liberalismus, etwa bei den Sozialisten, immanent.
Die Ressentiments der Sozialisten beschreibt von Mises äußerst prägnant mit folgenden Worten:
,,Ressentiment ist im Spiele, wenn man jemand ob seiner günstigeren Verhältnisse so sehr haßt, daß man bereit ist, selbst schwere Nachteile auf sich zu nehmen, wenn nur auch der Verhaßte dabei zu Schaden kommt.'' (Mises 1927: 12)
Wir wissen allzu gut, dass für die Sozialisten der Kapitalist die verhasste Person ist. Dieser Hass geht so weit, dass die Sozialisten, die den Kapitalismus zu bekämpfen gedenken, trotz der Kenntnis, dass ihre Situation ,,unter jedem anderen Wirtschaftssystem weniger günstig sein wird [...] für eine Reform, z.B. den Sozialismus ein[treten], weil sie hoffen, daß auch der von ihnen beneidete Reiche darunter leiden wird.'' (ibid.) Nicht selten verkünden Sozialisten, dass gesamtgesellschaftliches Elend in einem sozialistischen System leichter zu ertragen sei, da man sich dessen bewusst sein kann, dass es niemand besser habe.

Samstag, 27. Februar 2010

Ludwig von Mises - Liberalismus und Kapitalismus

Der Fortschritt der Zivilisation in ihren ökonomischen Aspekten wird von Demagogen im Großen und Ganzen negiert. Demagogen behaupten, ,,daß alle Fortschritte der Produktionstechnik ausschließlich einer schmalen Schichte zugute kommen, wohingegen die Massen immer mehr und mehr verelenden.'' (Mises 1927: 9) Dies sind natürlich antiliberale Hirngespinste, was dem kritischen Beobachter klar wird, wenn er unschwer erkennt, dass sich all der Fortschritt auf die Optimierung der Bedürfnisbefriedigung der Massen auswirkt.
Es ist der Konzeption der kapitalistischen Gesellschaftsordnung systemimmanent, ,,daß für den Unternehmer und Kapitalisten der Weg zum Reichtum ausschließlich über die bessere Versorgung seiner Mitmenschen mit dem, was sie selbst benötigen glauben, führt.'' (ibid.: 10) Der Kapitalist muss im Sinne seines Eigeninteresses auch die Interessen der Gesellschaft und seiner Arbeitnehmer respektieren und sich an ihnen orientieren, sonst gelangt er auf den Weg des Scheiterns.
Gelegentlich deckt sich das Sonderinteresse einiger Kapitalisten mit dem Programm des Liberalismus, ,,aber immer stehen die Sonderinteressen anderer Unternehmer oder Kapitalisten dagegen.'' (ibid.: 11) Neutralisierung erfolgt!
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Freitag, 26. Februar 2010

Ludwig von Mises - Das Ziel des Liberalismus

Demagogische Stimmen werfen dem Liberalismus vor, dass sein Programm nur für einen bestimmten Teil der Gesellschaft konzipiert sei - die Kapitalisten, die Reichen und das Unternehmertum. Dieser Vorwurf ist naturgemäß unhaltbar, vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Historisch betrachtet war die politische Strömung des Liberalismus die erste, die das Wohl aller anvisierte.
Dieses wird vom Demagogen bewusst ignoriert. Dieser diffamiert den Liberalen als volksfeindlich und hartherzig. Er empfiehlt ,,ohne Rücksicht auf die späteren schädlichen Folgen das [...], was im Augenblick zu nützen scheint.'' (Mises 1927: 8) Er sieht nicht das, was der rational handelnde Liberale sieht: Er sieht nicht, dass seine auf dem Prinzip der Kurzfristigkeit basierende Fehlentscheidung drastischere und dramatische Konsequenzen für die Zukunft haben wird. Der Demagoge handelt unvernünftig. Das unterscheidet ihn vom Liberalen:
,,Das vernünftige Handeln unterscheidet sich vom unvernünftigen Handeln dadurch, daß es vorläufige Opfer bringt; diese vorläufigen Opfer sind nur Scheinopfer, da sie durch den Erfolg, der später eintritt, aufgewogen werden.'' (ibid.) Dass Regierungen somit tendenziell eher demagogisch agieren ist traurige Tatsache. Sie betreiben eine antiliberale Kapitalaufzehrungspolitik, die ,,empfiehlt, die Gegenwart auf Kosten der Zukunft reichlicher zu versorgen.'' (ibid.)

Donnerstag, 25. Februar 2010

Ludwig von Mises - Der Rationalismus

Dem Liberalismus wird nicht selten seine rationalistische Methode vorgeworfen. Und ja, es ist unbestritten: der Liberalismus ist rationalistisch. Doch was ist schlecht daran?
Der Liberalismus geht nicht davon aus, dass Menschen immer klug handeln; der Liberalismus plädiert vielmehr dafür, dass sie es im Sinne des eigenen Interesses tun sollten. ,,[D]as Wesen des Liberalismus ist [...], daß er die Vernunft in der Politik zu der Geltung bringen will, die man ihr unbestritten auf allen anderen Gebieten menschlichen Handelns einräumt.'' (Mises 1927: 5) Um ein Ziel zu erreichen sollte man danach trachten, es vernünftig zu tun. Nun stellt sich die Frage, warum das ausgerechnet auf dem Gebiet der Politik anders sein sollte. Wieso soll sich die Politik nicht an der Vernunft, sondern an Gefühlen, Impulsen und Emotionen orientieren? Man kann hierfür lange nach einer Antwort suchen, doch wird man keine plausible finden können. ,,Wie in allen übrigen Dingen unseres Handelns, so ist auch in Dingen der Politik Mystik nur von Übel.'' (ibid.: 6) Um vernünftig zu handeln entwickelt der Mensch bestimmte Techniken, die es anzuwenden gilt. So wird jemand, der ,,Eisenbahngeleise übersetzen will, [...] dafür nicht gerade den Augenblick wählen, da ein Zug über die Übergangsstelle fährt.'' (ibid.: 5) An dieser rationalen Logik und Technik sollte sich auch die Politik orientieren. Vernünftige Überlegung und Erforschung der gegebenen Bedingungen sind die Grundpfeiler erfolgreichen politischen Handelns.
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Ludwig von Mises - Die materielle Wohlfahrt

Der Liberalismus ist eine Lehre, die sich ausschließlich auf das materielle Element fokussiert. Dies klingt für so manchen Gutmenschen höchst unmoralisch (so mancher spricht abfällig vom Raubtierkapitalismus), was aber daran liegt, dass die Logik des Denkens beim Gutmenschen dort aufhört, wo sie bei einem klugen Kopf noch nicht einmal angefangen hat.
Der Liberalismus kümmert sich nicht direkt um die inneren, seelischen und metaphysischen Bedürfnisse der Menschen. Er verspricht nicht Glück und Zufriedenheit für jeden. Er verspricht ,,nichts anderes als möglichst reichliche Befriedigung aller jener Wünsche, die durch Bereitstellung von Dingen der Außenwelt befriedigt werden können.'' (Mises 1927: 3) Dieser liberale Fokus auf das Materielle ist simpel zu erklären: Mit den Mitteln menschlicher Politik kann man Menschen reich oder arm, jedoch nicht glücklich oder traurig machen. ,,Alles, was die Politik machen kann, ist, die äußeren Ursachen von Schmerz und Leid beheben; sie kann ein System fördern, das die Hungernden sättigt, die Nackten kleidet und die Obdachlosen behaust.'' (ibid.: 4)
Über Glück und Zufriedenheit eines Menschen entscheiden jedoch primär innere Bedürfnisse, deshalb richtet der Liberalismus ,,[n]icht aus Geringschätzung der seelischen Güter [...] sein Augenmerk ausschließlich auf das Materielle, sondern weil er der Überzeugung ist, daß das Höchste und Tiefste im Menschen durch äußere Regelung nicht berührt werden [kann].'' (ibid.)
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Dienstag, 23. Februar 2010

Ludwig von Mises - Der Liberalismus

Der große Denker Ludwig von Mises stellt fest, dass es den puren Liberalismus bis jetzt nicht gab. Kleinere liberale Ansätze, v. a. in den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Vereinigten Königreiche, täuschen nicht über die Tatsache hinweg, dass der Liberalismus seine volle Wirkung bislang nie entfalten konnte, was im wissenschaftlichen Mainstream bewusst ignoriert oder gar bestritten wird, um bei Krisenerscheinungen die Schuld auf den Liberalismus zu projizieren, was naturgemäß gänzlich daneben ist.
Dennoch haben die wenigen liberalen Ansätze viel bewirkt, konkret: eine großartige ökonomische Entwicklung:
,,Der Wohlstand, den der Liberalismus geschaffen hatte, hat die Kindersterblichkeit [...] beträchtlich herabgesetzt und durch Verbesserung der Lebensbedingungen die durchschnittliche Lebensdauer verlängert. Dieser Wohlstand floß nicht nur einer engen Schichte von Auserwählten zu. Am Vorabend des Weltkrieges lebte der Arbeiter [...] besser und schöner als noch vor nicht allzulanger Zeit der Edelmann. Er konnte nicht nur nach Wunsch essen und trinken, er konnte seinen Kindern eine bessere Erziehung geben, er konnte, wenn er wollte, am geistigen Leben seines Volkes teilnehmen, er konnte, wenn er Begabung und Kraft besaß, ohne Schwierigkeiten in die höheren Schichten aufsteigen.'' (Mises 1927: 1f.)