Dienstag, 26. Oktober 2010

Johan Norberg - Ein Plädoyer für den Kapitalimus: Wie die Globalisierung weltweit Wohlstand schafft und Armut verringert

von Tomasz M. Froelich
JOHAN NORBERG, Mitglied der Mont Pelerin Society, sieht im Kapitalismus das einzige Mittel für eine erfolgreiche weltweite Armutsbekämpfung. In seiner Argumentation blickt er weit zurück:

,,Stellen Sie sich ein Land vor, das ärmer als der Kongo ist, in dem die Lebenserwartung 20 Jahre niedriger und die Kindersterblichkeit doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt der Entwicklungsländer. Wo die Menschen ihr Brot aus Rinde, Flechten und Stroh backen, um zu überleben. Wo Gräten und Knochen zu Mehl gemahlen werden, aus dem ein Brei zubereitet wird.
Ich spreche weder über Sambia noch über Äthiopien. Ich spreche über mein eigenes Land, Schweden, vor nicht mehr als 130 Jahren. Ein nicht totzukriegendes Argument in der Globalisierungsdebatte ist die falsche Vorstellung, daß Armut ein neues Phänomen sei und daß sich die Dinge zusehends verschlechtern. Aber dies passiert nicht. Vor 100 Jahren war jedes Land ein Entwicklungsland. Wohlstand, nicht Armut, ist in der modernen Welt das Neue. Der Umstand, daß einige Länder die Armut hinter sich lassen konnten.'' (Norberg 2003: 1)
Die in der Globalisierungsdebatte populäre These, wonach Armut aus der Globalisierung und dem Kapitalismus resultiert, wird also vehement widersprochen. Staaten, die heute als entwickelt gelten, hatten im 19. Jahrhundert einen wesentlich geringeren Entwicklungsgrad, als die heute als unterentwickelt geltenden Staaten, die nichtsdestotrotz in den letzten Jahrzehnten nicht ärmer geworden sind. Früher, beispielsweise um 1850 herum, waren nach heutigen Maßstäben alle Länder unterentwickelt. Norberg erklärt anhand des schwedischen Beispiels, weshalb sie es heute nicht mehr sind:

,,Schwedens Rettung war die Liberalisierung. Der Einsatz von einigen wenigen dem klassischen Liberalismus verpflichteten Politikern brachte Schweden Religions- und Meinungsfreiheit, sowie wirtschaftliche Freiheit. Diese Freiheiten ermöglichten es den Menschen, Unternehmen zu gründen und ohne Einschränkungen am Markt zu kaufen und verkaufen. Dank Freihandel konnte sich Schweden auf das spezialisieren, wo es am besten war, wie z.B. die Holz- und Eisenindustrie, und diese Produkte gegen Waren tauschen, die in Schweden weniger effizient hergestellt werden konnten, wie z.B. Lebensmittel und Maschinen. Der freie Markt zwang die Menschen und Unternehmen, sich neue und bessere Ideen einfallen zu lassen und ihre Effizienz zu erhöhen, da die Konsumenten sich andernfalls einen anderen Anbieter suchten. Höhere Produktion ermöglichte es den Schweden, sich selbst zu ernähren.'' (ibid.)

Vollständige Liberalisierung aller Lebensbereiche, Produktionsspezialisierung und somit -optimierung, Anregung von Kreativität und zu Effizienz, bedingt auch durch Konkurrenz - in einem Wort: Freier Handel war der Grundpfeiler des schwedischen Wirtschaftswunders. Heute oft zitierte und in den Entwicklungsländern omnipräsente Probleme, wie etwa Kindersterblichkeit und allzu geringe Lebenserwartungen waren einst auch in Europa weit verbreitet. Von dieser Armut konnten sich die meisten europäischen Länder befreien. Dies liegt jedoch weniger daran, dass der Europäer klüger oder fleissiger ist, als beispielsweise der Afrikaner, als vielmehr daran,
,,daß wir zufälligerweise die Freiheit haben, unsere Intelligenz so einzusetzen, wie wir es für bestmöglich halten und daß wir die Freiheit haben, zu unserem eigenen Nutzen zu arbeiten - eine Freiheit, die im Süden in viel geringerem Ausmaße vorzufinden ist. Im 18. Jahrhundert befanden sich alle Kontinente auf fast demselben Armutsniveau. Ziemlich unsicheren Schätzungen zufolge war Europa nur 20wohlhabender als der Rest der Welt. Weil uns der Kapitalismus die Freiheit gab, konnten wir aus der Armut ausbrechen. Ohne Kapitalismus wären wir noch immer auf dem selben Niveau - und arm.'' (ibid.: 2)
LUDWIG VON MISES schrieb bereits 1927, dass der Kapitalismus dazu geführt hat, dass
,,[e]in europäischer Arbeiter [...] heute unter günstigeren und angenehmeren äußeren Verhältnissen als einst der Pharao von Ägypten, trotzdem dieser über Tausende von Sklaven gebot und jener nichts anderes hat, um seine Wohlfahrt zu fördern, als die Kraft und die Geschicklichkeit seiner Hände. [...] Das ist die Frucht der freien Arbeit, daß sie allen mehr Reichtum zu schaffen vermag als die unfreie Arbeit einst den Herren geboten hat.'' (Mises 1927: 20)
Nichtsdestotrotz sind die Freiheiten, die die Menschen von heute in den europäischen Staaten geniessen, viel zu gering, auch wenn sie in den Staaten des Südens noch einmal exorbitant geringer sind. Die liberalen Ansätze führten indes immer zu einer Optimierung.
Globalisierungsgegner führen die weltweit vorherrschenden Disparitäten auf die kapitalistischen Elemente des Weltsystems zurück. Oft heisst es, dass die Wohlhabenden vom Globalisierungsprozess auf Kosten der Armen profitieren würden. Die Globalisierungsgegner wollen die vorherrschenden Disparitäten bekämpfen. Hierfür gibt es nur zwei Methoden. Norberg schreibt: ,,Die Ungleichheit kann auf zwei Arten bekämpft werden; indem wir die Reichen in die Armut stürzen oder indem wir den Armen zu mehr Wohlstand verhelfen.'' (Norberg 2003: 2)
Die Globalisierungsgegner bevorzugen die erste Variante, die Freihandels- und Globalisierungsfreunde hingegen letztere! ,,Globalisierung verbreitet Märkte, Technologien und Ideen in Teile der Welt, wo es sie zuvor nicht gab.'' (ibid.) Sie hat zu einer signifikanten Verbesserung des Lebensstandards in allen Teilen der Welt geführt. Globalisierungsgegner setzen hingegen auf zwanghaft durchzuführende Umverteilung, um Ungleichheit zu bekämpfen. Hierfür müssen Steuern erhoben werden. Dabei werden die Wohlhabenden in den Stand der Armen degradiert. So etwas nennt man Themenverfehlung. Ziel muss es sein, die Armen reich zu machen. Das geht nur mit Wirtschaftswachstum und nicht mit Steuererhebungen und Umverteilung.
Die Globalisierung führt durch internationale Arbeitsteilung und -vernetzung dazu, dass armutsrelevante Indikatoren in globalisierungsintegrierten Staaten zu Armutsbekämpfung führt. Die unterentwickelten Länder sind heute weiterentwickelt, als die reichen Staaten des 19. Jahrhunderts. Wer den durch die Globalisierung generierten Fortschritt nicht erkennt, ist blind. Und ,,[w]enn manche Leute der Globalisierung die Schuld geben, wenn sie Probleme sehen, dann machen sie den selben Fehler wie manche russische Bauern im 19. Jahrhundert. Diese sahen, daß Dörfer mit Pocken mehr Besuche von Ärzten bekamen - also glaubten sie, daß die Ärzte die Pocken erzeugt hätten. Sie erschossen die Ärzte. Sie haben schlicht nicht erkannt, daß die Ärzte da waren, um Probleme zu lösen.'' (ibid.: 3)
Und ebenso wie die Ärzte dazu da sind, um Probleme zu lösen, so ist auch die Globalisierung hierfür bestimmt. Niemand profitiert von der Globalisierung derart, wie die Armen, welche ,,nämlich Kapital, Ideen, Technologien und Produkte nutzen [können], für deren Entwicklung wir Generationen und eine große Menge an Ressourcen brauchten.'' (ibid.) Freier Handel nützt allen, am meisten jedoch den weniger entwickelten Ländern.
Länder, die sich für freien Handel, ein starkes Unternehmertum, Privateigentum und Produktionsspezialisierung entschieden, haben im Vergleich zu Ländern, welche den Weg des Kollektivismus, staatlicher Monopole und der Selbstversorgungswirtschaft einschlugen, stark profitiert. Am besten deutlich wird dies beim Vergleich zwischen Taiwan und Kenia, zweier Länder, die vor ca. 50 Jahren ebenso arm waren, mit dem Unterschied, dass Kenia natürliche Ressourcen hatte. Trotz dieser natürlichen Ressourcen ist es Taiwan, welches heute prosperiert, weil es sich für freien Handel, Unternehmertum, Privateigentum und Produktionsspezialisierung entschied. Kenia hingegen stand eine etatistische Wirtschaftspolitik im Weg und so ist Kenia bis zum heutigen Tage ein bitterarmes Land. ,,Taiwan war vor 50 Jahren genauso arm wie Kenia. Heute ist Taiwan 20 mal reicher als Kenia.'' (ibid.: 4) Mittlerweile liberalisieren auch China und Indien, welche zwar spät, aber nicht minder erfolgreich auf den Globalisierungszug gesprungen sind. Diese und weitere globalisierungsfreundliche Länder prosperieren prächtig, wohingegen globalisierungsfeindliche Länder, wie etwa Burma oder Nordkorea weiterhin ihre triste Existenz in der Armut leben.

Armut resultiert nicht unbedingt aus mangelnder Intelligenz oder Arbeitsbereitschaft der Bevölkerung, sondern aus einer überregulierten, etatistischen Wirtschaftspolitik der jeweiligen Länder, die den Menschen jegliche Motivation und Kreativität nimmt. Gute Rahmenbedingungen generieren indes Motivation und Kreativität, andernfalls wäre der Aufstieg der Tigerstaaten nicht zu erklären.

Es wäre jedoch fatal, einzig die internen Rahmenbedingungen für die Misere in der Dritten Welt verantwortlich zu machen. Ein externer Faktor, der Armut generiert und in erster Linie von den reichen Staaten dieser Erde ausgeht, ist der Protektionismus. Gigantische, von den Industrienationen ausgehende Zölle und Quoten schließen viele unterentwickelte Länder mit Exportambitionen aus. Norberg:
,,Das ist vollkommen heuchlerisch. Einst wurden wir aufgrund von Märkten und Handel reich. Jetzt, da wir reich sind, unterschlagen wir den heutigen Armen die selben Freiheiten. Das bizarrste am Protektionismus ist natürlich, daß wir uns selbst mit diesem Protektionismus schaden, der nur kleinen Sonderinteressen nutzt, den Konsumenten Wettbewerb und Wahlfreiheit vorenthält und die Steuerzahler Milliarden kostet.'' (ibid.: 5)
Stattdessen subventionieren und protektieren Industriestaaten eigene Branchen, die an sich woanders, beispielsweise in den unterentwickelten Ländern besser aufgehoben wären, anstatt sich in anderen, effizienten Branchen zu spezialisieren und zu verbessern. Protektionismus hat noch nie etwas gebracht. Er intensiviert nur die Spannungen, hat zu Kriegen geführt und ist ökonomisch ineffizient. Dazu ein paar Sätze von Ludwig von Mises:

,,Das Groteske ist [...], daß alle Staaten zwar die Einfuhr verringern, gleichzeitig aber die Ausfuhr steigern wollen. Das Ergebnis dieser Politik ist die Unterbindung der internationalen Arbeitsteilung und damit allgemeine Verringerung der Produktivität der Arbeit [...].
Schutzzölle vermögen immer nur eines zu erreichen: daß nämlich nicht dort produziert wird, wo die natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen dafür am günstigsten sind, sondern anderswo, d.h. also dort, wo die Bedingungen schlechter sind. Das Ergebnis der Schutzzollpolitik ist also immer Minderung des Ertrages der menschlichen Arbeit.'' (Mises 1927: 115-120)
Die enormen weltweiten Disparitäten sind keine Produkte des Kapitalismus. Sie resultieren aus der Tatsache, dass dieser Kapitalismus ungleich verteilt ist. Wer Kapitalismus hat, wird reich, wer nicht, bleibt arm.
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L I T E R A T U R

Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Norberg, Johan (2003): Ein Plädoyer für den Kapitalimus: Wie die Globalisierung weltweit Wohlstand schafft und Armut verringert. URL: http://not.priv.at/~raf/norberg.pdf [Zugriff: 27.X.2010].

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