Freitag, 21. Mai 2010

Kapitalismus = Freiheit; Imperialismus = Zwang und Sklaverei; Kapitalismus ≠ Imperialismus, Zwang und Sklaverei

Im Rahmen meines Studiums bin ich leider allzu oft dazu gezwungen, ''antikapitalistischen'', an Blödheit unüberbietbaren Quatsch zu lesen. So auch in dieser Woche, als ich einen Text des Historikers Frederick Cooper zu lesen hatte. Glücklicherweise sollte ich dazu einen kurzen Textkommentar schreiben, was mir einige Freiheiten gestattete. Diese permanente, absurde Kapitalismuskritik ist einfach unerträglich, weshalb man dagegen zu argumentieren hat.

Frederick Cooper schreibt in dem Kapitel ,,Globalization’’ seines Buches ,,Colonialism in Question: Theory, Knowledge, History’’ folgendes:

,,The development of capitalism is at the core of their (C.L.R. James and Eric Williams, Anm.: T.M.F.) argument: capital formation via the African-European-American slave trade, the interconnectedness of labor supply, production, and consumption, and the invention of forms of work discipline in both field and factory.'' (Cooper 2005: 100)

Cooper geht davon aus, dass der Sklavenhandel auf dem Handelsdreieck Afrika-Europa-Amerika und die Verknüpfung ökonomischer Faktoren auf internationaler Ebene zum Aufstieg des Kapitalismus beigetragen haben. Kurzum – neben und mit der zunehmenden Internationalität sei die Sklaverei ein Motor des Kapitalismus gewesen (vgl. ibid.: 98).
Dass internationale Kooperation im Rahmen wirtschaftlicher Betätigung im Rahmen der ricardianischen komparativen Kostenvorteile (vgl. Ricardo 1960) und der möglichst effizienten smithschen Arbeitsteilung (vgl. Smith 1978) ein Grundpfeiler kapitalistischer Wirtschaftstheorie ist, braucht nicht weiter erörtert zu werden. Es geht darum, mit möglichst wenig Input möglichst viel Output zu erzielen. Hierfür benötigt man eine Verflechtung internationaler Ökonomien: ,,Der Kapitalismus erschließt der Kultur neue Länder, die der Produktion günstigere Bedingungen gewähren als große Teile der altbewohnten.’’ (Mises 1927: 108)
Problematisch hingegen ist es, den Kapitalismus mit dem Sklavenhandel in Relation zu bringen. Die dem Kapitalismus zugrunde liegende Philosophie ist der Liberalismus, der die Freiheit des Individuums als oberste Maxime postuliert. Der auf Zwang basierende Sklavenhandel und der Kapitalismus sind also Widersprüche per se. Vernachlässigt man sträflicherweise diese unmittelbare Relation zwischen dem Kapitalismus und dem ihm inhärenten Liberalismus und reduziert den Kapitalismus auf das ohne jegliche Rücksicht nehmende Streben nach Profitmaximierung, so lässt sich auch in einem solchen Szenario der Sklavenhandel nicht mit dem Kapitalismus – dem freien Streben nach Effizienz - in einen Zusammenhang setzen, denn freie Arbeit ist wesentlich effizienter als unfreie Arbeit:
Der unfreie Arbeiter hat kein Interesse daran, seine Kräfte ernstlich anzuspannen. Er arbeitet so viel und so eifrig, als erforderlich ist, um jenen Strafen zu entgehen, die auf Nichteinhaltung eines Mindestmaßes von Arbeit gesetzt sind. Der freie Arbeiter aber weiß, daß er um so besser entlohnt wird, je mehr seine Arbeit leistet. (ibid.: 19)
Auf die Frage, wie denn die Realisierung all der Sklavenhältergesellschaften möglich gewesen sei, liefert Cooper folgende Antwort: ,,Only with powerful commercial and navigational systems to connect parts of this Atlantic system. Only with an institutional apparatus – the colonial state […].’’ (Cooper 2005: 102) Neben den bereits erwähnten Gründen kann man den Kapitalismus auch nicht für einen institutionellen Apparat wie etwa den Kolonialstaat verantwortlich machen, wird doch im realen Kapitalismus die Rolle des Staates auf einige wenige bis gar keine Kompetenzen limitiert.
Die Attribute, die fälschlicherweise dem auf Freiheit basierenden Kapitalismus zugeschrieben werden, sind in Wirklichkeit Attribute des ökonomischen und auf Zwang basierenden ökonomischen Imperialismus. Aus all dem ergibt sich, dass man zwischen Kapitalismus und ökonomischen Imperialismus scharf differenzieren sollte.
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L I T E R A T U R

Cooper, Frederick (2005): Colonialism in Question: Theory, Knowledge, History. University of California Press.

Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Ricardo, David (1960): The Principles of Political Economy and Taxation. London: Everyman’s Library.

Smith, Adam (1978): Der Wohlstand der Nationen. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Kommentare:

  1. Zum Thema Freiheit:
    Freiheit ist an sich blos ein Abstraktes Konzept, das ohne Bezug auf ein Objekt gar keinen konkreten Inhalt hat und daher schwer bewertet werden kann.
    Freiheit von Leid - Nützlich, Freiheit von Luft - Eher nicht nützlich.
    Freiheit (von...) - leeres Ideal
    Somit ist die Behauptung der Kapitalismus würde auf Freiheit basieren schlicht falsch, genauso wie die Behauptung der Kommunismus würde auf Freiheit basieren.

    Zum Thema Sklaverei:
    Ja, es ist sicher zu einfach zu behaupten die Sklaverei wäre DER Motor des Kapitalismus gewesen, aber dennoch spielte er eine wichtige Rolle.

    Im 16. Jhd. als die europäischen Großmächte (angefangen mit Spanien) begannen ihre ersten Kolonien aufzubauen, konnten sie sich nur gegen Ethnien durchsetzen, die militärisch schwächer waren als sie, nicht jedoch gegen Großmächte wie China oder Indien. Dies wurde erst möglich nachdem sie durch Sklaverei -aber vor allem auch durch Plünderung von Kolonien- genug Ökonomische Stärke gewonnen hatten, was Ihnen den entscheidenden Vorsprung gegenüber den anderen Großmächten sicherte und die Industrielle Entwicklung entscheidend vorantrieb. Berücksichtigt werden müssten natürlich noch die Nationalstaatsbildungen, Zentralisierung von Macht über die Bevölkerung und entscheidendes Mittel zur Durchsetzung der kapitalistischen Ordnung.

    Zum Thema Effizienz:
    Es ist sicher wahr, dass Sklaverei eine weitaus ineffizientere Art der Ausbeutung darstellt, weil ein Mensch nicht in der Sklaverei mitversorgt werden muss und blos Gewalt seitens des Ausbeuters zu fürchten hat. Im Kapitalismus steht der Arbeiter ohne Eigentum von Produktionsmitteln schließlich vor der Wahl sich ausbeuten zu lassen (seine Arbeitskraft unter Wert zu verkaufen) oder zu verrecken. Das haben die Handelskapitalisten (später die Nationalstaaten) jedoch bald gemerkt und -Schwupps- waren die Bauern enteignet und mussten Tag und Nacht in Fabriken unter grausamen Lebensbedingungen ihre Arbeitskraft verkaufen.

    Das so eine grausame Art von Ausbeutung bald zu einem Umsturz führen würde,was zum Teil auch geschah, wurde zum Grund, dass es heute ein Soziales Netz gibt (Soziale Marktwirtschaft), welches den Leuten vorgauckelt, dass hier alles Top läuft und keiner sich zu beschweren brauch.

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    1. Nur der negative Freiheitsbegriff macht Sinn, da der positive Freiheitsbegriff die Anwendung von Zwang impliziert, um die durch ihn formulierte Freiheit zu erlangen

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  2. Zusatz zum Thema Sklaverei:
    Cooper sagt nämlich auch, dass "die Pionierarbeit für die organisatorischen Erneuerungen der kapitalistischen Produktion auf den karibischen Zuckeranwesen ebenso sehr geleistet wurde wie in englischen Betrieben: Arbeiter, die zusammengeballt in Gruppen unter Überwachung arbeiten; genau vorgegebene Zeitdisziplin bei landwirtschaftlichem Anbau und Produktverarbeitung; ganzjährige Aufgabenplanung; Kontrolle über den Wohnraum und über den Arbeitbereich." (Cooper 2001: 28) Hier wurde das kapiatlistische Fabrikwesen sozusagen geschmiedet.

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