Montag, 19. April 2010

Paul Feyerabend - Wider den Methodenzwang

Texte zur Wissenschaftsmethodologie sind in der Regel langweilig: Ein Geplapper vor dem Herrn - unerträglich! Umso erfreuter war ich nach der Lektüre von Paul Feyerabends Text ,,Wider den Methodenzwang'. Feyerabend propagiert - gut begründet - Anarchismus als methodologische Maxime der Wissenschaft. Zudem deckt er obskure, irrationale Strategien wissenschaftlicher ,,Eliten'' auf, die auf ihren ,,Erkenntnissen'' um jeden Preis und mit Hilfe staatlicher Subventionen beharren. So wird einem auch schnell klar, wie sich die in der Wissenschaft etablierte Meinung zur globalen Erwärmung trotz offensichtlich fehlender Evidenz (nach einem fast halbjährigen Winter) weiterhin behaupten kann.

Paul Feyerabend wendet sich in libertärer Manier rigoros gegen jeglichen Methodenzwang in der Wissenschaft. Er kritisiert, dass die heutige wissenschaftliche Praxis extrem standardisiert ist. Von wissenschaftlichen ,,Eliten'' aufoktroyierte Methoden seien gegen das eigentliche Forschungsinteresse: ,,die Welt, die wir erforschen möchten, ist etwas weitgehend Unbekanntes. Daher müssen wir uns offen halten, dürfen uns nicht im voraus beschränken.’’ (Feyerabend 1995: 17) Dies ist aktuell leider nicht der Fall. Die herrschenden Wissenschaftseliten beanspruchen für sich und ihre Methoden ,,das Alleinvertretungsrecht auf dem Gebiet der Erkenntnis’’ (ibid.). Dadurch wird Forschern jegliche Individualität, Kreativität und jegliches Profil genommen.
Dass feste Ordnungen und Gesetze im Bezug auf wissenschaftliche Methodologie störend seien, zeigt auch die Wissenschaftsgeschichte. So ist anzunehmen,
,,dass Ereignisse und Entwicklungen wie etwa […] die Kopernikanische Revolution […] nur deshalb stattfanden, weil einige Denker sich entweder entschlossen, nicht an gewisse ,,selbstverständliche’’ methodologische Regeln gebunden zu sein, oder weil sie solche Regeln unbewusst verletzten.'' (ibid.: 21)
Eine liberale Forschungspraxis in der Wissenschaft ist folglich vernünftig und notwendig. Das starre Methodologieprogramm von den etablierten ,,Rationalisten’’ ist hingegen höchst irrational. Die etablierten Wissenschaftler versuchen ihre falsifizierten Erkenntnisse mit aller Macht zu verteidigen und gleiten so ins Irrationale. Dennoch bleibt ihre Meinung oft die gültige. Feyerabend stellt fest, ,,[d]aß Interessen, Macht, Propaganda und Gehirnwäschemethoden in der Entwicklung der Erkenntnis und der Wissenschaft eine viel größere Rolle spielen, als allgemein angenommen wird’’ (ibid.: 24).
Der Erfolg der Wissenschaft basiert in Wahrheit auf den Werken leidenschaftlicher Querdenker, die die herrschende Lehrmeinung durch ihre Erkenntnisse falsifizieren. Eine Methode, um die Wissenschaft voran zu bringen, ist - Feyerabend zufolge – kontrainduktives Vorgehen. Dabei werden Hypothesen aufgestellt, die etablierten Theorien widersprechen. So entsteht ein gewisser Pluralismus an Theorien und Alternativen. Dadurch wird eine größere Konkurrenz zwischen den existierenden Theorien aufgebaut, die jede einzelne Theorie zu weiterer Entfaltung zwingt. ,,Theorienvielfalt ist für die Wissenschaft fruchtbar, Einförmigkeit dagegen lähmt ihre kritische Kraft.’’ (ibid.: 39) Die Konsistenzbedingung, die den ,,bewährten’’ Status Quo der wissenschaftlichen Erkenntnis krank- und zwanghaft am Leben zu halten versucht, widerspricht dem Prinzip der Wissenschaftlichkeit. Eine wissenschaftliche Theorie sollte nicht zur Ideologie werden.
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L I T E R A T U R

Feyerabend, Paul (1995): Wider den Methodenzwang. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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