Montag, 26. April 2010

Paul Feyerabend - Probleme des Empirismus

Nach kurzer Zeit mal wieder ein in sich schlüßiger Text von Paul Feyerabend zur wissenschaftlichen Methodologie. Diesmal handelt es sich um eine Kritik am (radikalen) Empirismus, den man z.B. den Klimaforschern vorwerfen könnte, die gegen den Sinn des wissenschaftlichen Fortschritts ein monistisches Dogma konstruiert haben, dass die dummen Massen fürchten lässt.

Paul Feyerabend zufolge ist der Empirismus in der heutigen Wissenschaft zum methodologischen Dogma geworden. Er wird als die Hoffnung des wissenschaftlichen Fortschritts glorifiziert.
Dieser Glaube an den Empirismus als methodologisches Dogma ist jedoch Feyerabend zufolge verkehrt, was er durch die historische Evidenz bestätigt sieht, da große Forscher im Prozess ihrer Erkenntnisgewinnung verschiedene Methoden anwandten und so die wissenschaftlichen Erkenntnisse förderten. Von einer Einheit der Methode konnte dabei fürwahr nicht die Rede sein, vielmehr waren die Methoden ,,frei und ungebunden’’.
Dennoch scheint der empiristische Zugang heutzutage in den Wissenschaften in gewisser Hinsicht dominant zu sein. Dies war für Feyerabend Anlass genug, um die Argumente für die Vorgehensweise der Empiristen zu analysieren:
Wenden wir uns den Argumenten für einen empiristischen Standpunkt zu, so bemerken wir erstens, daß die grundlegendste Annahme, nämlich die Überlegenheit von Beobachtungen beispielsweise gegenüber Träumen, nur selten von zwingenden Gründen gestützt wird. Zweitens bemerken wir, daß die damit verbundene Frage, was grundlegender sei – Empfindung oder Denken, Beobachtung oder Theorie -, im allgemeinen als unabhängig von der wissenschaftlichen Forschung angesehen ist. (Feyerabend 2002: 10)

Die Argumente des empiristischen Standpunkts sind also offensichtlich unbefriedigend, weshalb der Empirismus wohl weitgehend weniger aufgrund seiner Vorzüge, als vielmehr aufgrund der Tatsache, dass er eine Modeerscheinung ist, akzeptiert wird, wie es Bertrand Russell einst feststellte.
Analysiert man die unterschiedlichen Formen des Empirismus bis auf ihre Wurzeln, so wird man feststellen, dass sie ,,ursprünglich Bestandteile umfassender Theorien waren und deshalb durch die Prinzipien dieser Theorien gestützt werden.’’ (ibid.: 11) Der Empirismus steht also nicht auf eigenem Fundament.
Für die Wissenschaft ist der radikale Empirismus die gefährlichste empiristische Form. Der radikale Empirismus ist eine monistische Doktrin, die nur eine bestimmte Klasse von Theorien akzeptiert. Theoretischer Pluralismus ist der monistischen Doktrin des radikalen Empirismus zufolge tabu, worin für die Wissenschaft große Gefahr lauert, zumal ein ,,dogmatisches metaphysisches System’’ (ibid.: 13) in der Wissenschaft etabliert zu werden droht. Von einem solchen dogmatischen System ist abzuraten, zumal der Fortschritt der Wissenschaften auf Nachsicht und theoretischem Pluralismus basiert. Stattdessen sind viele Wissenschaftler ständig bemüht, ,,den Fortschritt aufzuhalten, und eine Doktrin einzuführen.’’ (ibid.) Der radikale Empirismus hat folglich einem theoretischen Pluralismus zu weichen. Feyerabend rezipiert seine Ansichten u.a. aus Karl Poppers kritischem Rationalismus. (vgl. ibid.: 22)
Der Empirismus ist per se eine verschwommene, dehnbare Lehre, die ihren Erfolg eben aufgrund ihrer Dehnbarkeit erlangt. Die empiristische Lehre ,,zeigt die großartige Fähigkeit der Empiristen, vorzutäuschen, eine bestimmte Sache zu tun, während sie tatsächlich etwas davon völlig Verschiedenes machen.’’ (ibid.:32)
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L I T E R A T U R

Feyerabend, Paul (2002): Probleme des Empirismus I. Ditzingen: Reclam.

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