Sonntag, 25. April 2010

Ludwig Erhard - Versorgungsstaat - der moderne Wahn

Ludwig Erhard, ,,Vater'' des deutschen Wirtschaftswunders, setzte sich zu seiner aktiven Zeit als Politiker dezidiert für ,,small government'' ein. Dies zeigte sich auch in den Texten seines Buches ,,Wohlstand für Alle''.

Das Fundament der sozialen Marktwirtschaft, so Erhard, ist eine spezifische geistige Haltung: ,,die Bereitschaft, für das eigene Schicksal Verantwortung zu tragen, und aus dem Streben nach Leistungssteigerung an einem ehrlichen freien Wettbewerb teilzunehmen'' (Erhard 1964: 245). Ein solcher Wettbewerb ist nur in einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung denkbar. Diese wiederum kann nur dann funktionieren, ,,solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freiheit, an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist.'' (ibid.: 246)
Der Elan, den ein Mensch auf dem freien Markt zwangsläufig entwickelt, ist schnell perdu, wenn der Staat seinen Menschen von Geburt an Sicherheiten und Sozialleistungen en masse garantiert, da der Staat die Menschen so nicht mehr dazu motivieren kann Leistung, Initiative und andere schöne Gaben und Werte zu entwickeln und zu erbringen. Der Elan des Menschen auf dem freien Markt erblasst, sobald der Staat die Rolle des Fürsorgers der Massen einnimmt. Das Erblassen dieses Elans ist für jede Volkswirtschaft tödlich.
Kommt dieser Elan dank mangelnder staatlicher Interventionen jedoch nicht zum Erblassen, so steht einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik nichts im Wege. Und ist eine Wirtschaftspolitik erfolgreich, so ,,sind um so weniger sozialpolitische Eingriffe und Hilfsmaßnahmen notwendig'' (ibid.).
Werden dennoch sozialpolitische Interventionen notwendig, so ,,gilt der Obersatz, daß jede wirksame soziale Hilfe nur auf der Grundlage eines ausreichenden und wachsenden Sozialproduktes, und das bedeutet eben einer leistungsfähigen Wirtschaft, zu ermöglichen ist.'' (ibid.) Sozialpolitik ist also eng mit Wirtschaftspolitik verknüpft und sie darf den Prinzipien der marktwirtschaftlichen Ordnung nicht widerstreben, da sie andernfalls die volkswirtschaftliche Produktivität negativ beeinträchtigt und es ist ja bekanntlich die volkswirtschaftliche Produktivität einer leistungsfähigen Wirtschaft, die im Notfall soziale Dienste ermöglichen kann. Eine leistungsschwache Wirtschaft hingegen ist dazu nicht in der Lage.
Eine leistungsfähige Wirtschafts basiert auf den Prinzipien der Selbstverantwortung. Das Bedürfnis nach kollektiver Sicherheit, dem per se eine stärkere Staatsintervention obliegt, widerspricht den Prinzipien der Selbstverantwortung und macht deshalb auch eine leistungsfähige Wirtschaft zur Illusion.
Empört nahm Ludwig Erhard den dennoch immer lauter werdenden Ruf nach kollektiver Sicherheit zur Kenntnis: ,,Wo aber sollen wir hinkommen und wie wollen wir den Fortschritt aufrechterhalten, wenn wir uns immer mehr in eine Form des Zusammenlebens von Menschen begeben, in der niemand mehr die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bereit ist und jedermann Sicherheit im Kollektiv gewinnen möchte. [...] Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit, mit der wir dem Versorgungs- und Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann nur zu unserem Unheil ausschlagen. Dieser Drang und Hang ist mehr als alles andere geeignet, die echten menschlichen Tugenden: Verantwortungsfreudigkeit, Nächsten und Menschenliebe, das Verlangen nach Bewährung, die Bereitschaft zur Selbstvorsorge und noch vieles Gute mehr allmählich aber sicher absterben zu lassen – und am Ende steht vielleicht nicht die klassenlose, wohl aber die seelenlos mechanisierte Gesellschaft.'' (ibid.: 248f.)
Das System kollektiver Sicherheit ist somit mit wirtschaftlichem Fortschritt und einem leistungsmäßig fundierten Wohlstand nicht vereinbar.
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L I T E R A T U R

Erhard, Ludwig (1964): Wohlstand für Alle. Düsseldorf: Econ.

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