Montag, 26. April 2010

Paul Feyerabend - Probleme des Empirismus

Nach kurzer Zeit mal wieder ein in sich schlüßiger Text von Paul Feyerabend zur wissenschaftlichen Methodologie. Diesmal handelt es sich um eine Kritik am (radikalen) Empirismus, den man z.B. den Klimaforschern vorwerfen könnte, die gegen den Sinn des wissenschaftlichen Fortschritts ein monistisches Dogma konstruiert haben, dass die dummen Massen fürchten lässt.

Paul Feyerabend zufolge ist der Empirismus in der heutigen Wissenschaft zum methodologischen Dogma geworden. Er wird als die Hoffnung des wissenschaftlichen Fortschritts glorifiziert.
Dieser Glaube an den Empirismus als methodologisches Dogma ist jedoch Feyerabend zufolge verkehrt, was er durch die historische Evidenz bestätigt sieht, da große Forscher im Prozess ihrer Erkenntnisgewinnung verschiedene Methoden anwandten und so die wissenschaftlichen Erkenntnisse förderten. Von einer Einheit der Methode konnte dabei fürwahr nicht die Rede sein, vielmehr waren die Methoden ,,frei und ungebunden’’.
Dennoch scheint der empiristische Zugang heutzutage in den Wissenschaften in gewisser Hinsicht dominant zu sein. Dies war für Feyerabend Anlass genug, um die Argumente für die Vorgehensweise der Empiristen zu analysieren:
Wenden wir uns den Argumenten für einen empiristischen Standpunkt zu, so bemerken wir erstens, daß die grundlegendste Annahme, nämlich die Überlegenheit von Beobachtungen beispielsweise gegenüber Träumen, nur selten von zwingenden Gründen gestützt wird. Zweitens bemerken wir, daß die damit verbundene Frage, was grundlegender sei – Empfindung oder Denken, Beobachtung oder Theorie -, im allgemeinen als unabhängig von der wissenschaftlichen Forschung angesehen ist. (Feyerabend 2002: 10)

Samstag, 24. April 2010

Immanuel Kant - Zum ewigen Frieden

Letztens las ich mit Interesse ,,Zum ewigen Frieden'' von Immanuel Kant. Ich stimme Kant zwar nicht gänzlich zu, aber seine Präliminar- und Definitivartikel, auf denen seine Friedenstheorie basiert, sind auf jeden Fall lesenswert und hatten eine großen Einfluss auf die neuzeitliche Bedeutung des Friedensbegriffs.

These I:
Es gibt drei Präliminarartikel, deren sofortige Ausübung unabdingbar für die zukünftige Garantie des ewigen Friedens ist.

Der erste dieser Präliminarartikel, die von sofortiger Geltung sind, besagt: ,,Es soll kein Friedensschluß für einen solchen (Staat, Anm.: T.M.F.) gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.’’ (Kant 1984: 3) Bloßer Waffenstillstand führe zu keinem langfristigen, echten Frieden, sondern verzögere nur kriegerische Auseinandersetzungen. Friedenverträge und Waffenstillstandsabkommen werden zumeist nur dann beschlossen, wenn die in die kriegerischen Handlungen involvierten Parteien erschöpft sind. Schöpft eine dieser Parteien neue Energie und erkennt die erste günstige Gelegenheit zu einem erneuten kriegerischen Angriff, so wird sie diese Gelegenheit nutzen, zumal sie dadurch einen Vorteil für sich erwartet.

Montag, 19. April 2010

Paul Feyerabend - Wider den Methodenzwang

Texte zur Wissenschaftsmethodologie sind in der Regel langweilig: Ein Geplapper vor dem Herrn - unerträglich! Umso erfreuter war ich nach der Lektüre von Paul Feyerabends Text ,,Wider den Methodenzwang'. Feyerabend propagiert - gut begründet - Anarchismus als methodologische Maxime der Wissenschaft. Zudem deckt er obskure, irrationale Strategien wissenschaftlicher ,,Eliten'' auf, die auf ihren ,,Erkenntnissen'' um jeden Preis und mit Hilfe staatlicher Subventionen beharren. So wird einem auch schnell klar, wie sich die in der Wissenschaft etablierte Meinung zur globalen Erwärmung trotz offensichtlich fehlender Evidenz (nach einem fast halbjährigen Winter) weiterhin behaupten kann.

Paul Feyerabend wendet sich in libertärer Manier rigoros gegen jeglichen Methodenzwang in der Wissenschaft. Er kritisiert, dass die heutige wissenschaftliche Praxis extrem standardisiert ist. Von wissenschaftlichen ,,Eliten'' aufoktroyierte Methoden seien gegen das eigentliche Forschungsinteresse: ,,die Welt, die wir erforschen möchten, ist etwas weitgehend Unbekanntes. Daher müssen wir uns offen halten, dürfen uns nicht im voraus beschränken.’’ (Feyerabend 1995: 17) Dies ist aktuell leider nicht der Fall. Die herrschenden Wissenschaftseliten beanspruchen für sich und ihre Methoden ,,das Alleinvertretungsrecht auf dem Gebiet der Erkenntnis’’ (ibid.). Dadurch wird Forschern jegliche Individualität, Kreativität und jegliches Profil genommen.
Dass feste Ordnungen und Gesetze im Bezug auf wissenschaftliche Methodologie störend seien, zeigt auch die Wissenschaftsgeschichte. So ist anzunehmen,