Donnerstag, 4. März 2010

Ludwig von Mises - Gleichheit

Der Begriff der Gleichheit wird heute aus verschiedenen Perspektiven verschieden betrachtet und angewandt. Der Naivling ist der Ansicht, dass alle Menschen qua natura gleich, d.h. in etwa mit gleichen körperlichen und geistigen Talenten ausgestattet seien. Die Unterschiede, die sich dann im Laufe der Zeit ergeben, seien ein soziales Konstrukt. Das ist natürlich Humbug!
,,Die Menschen sind durchaus ungleich. Selbst zwischen Geschwistern bestehen die größten Verschiedenheiten der körperlichen und geistigen Eigenschaften. Die Natur wiederholt sich nicht in ihren Schöpfungen, sie erzeugt keine Dutzendware, sie hat keine Typenfabrikation. Der Mensch, der aus ihrer Werkstatt hervorgeht, trägt den Stempel des Individuellen, des Einzigartigen, des Nichtwiederkehrenden an sich.'' (Mises 1927: 25)
Auch wenn es offensichtlich natürlich bedingte Verschiedenheiten zwischen den Menschen gibt, so sollten diese Verschiedenheiten vor Iustitia irrelevant sein. Vor Iustitia gilt das Prinzip der Gleichheit, es gilt die gleiche Behandlung aller Menschen durch das Gesetz.
Hierfür sprechen zwei verschiedene Gesichtspunkte.
Der eine Punkt ergibt sich aus den Vorzügen der persönlichen Freiheit der Menschen, denn nur einer freien Gesellschaft kann die höchste Ergiebigkeit der menschlichen Arbeit erzielt werden. In persönlicher Unfreiheit wird sich der Arbeiter nicht dergestalt anstrengen.
Der andere Punkt ist der des Erhalts des gesellschaftlichen Friedens, wofür die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz essentiell ist. Die logische Konsequenz der Ungleichheit vor dem Gesetze wären Tumulte, Kämpfe oder gar Kriege, ausgelöst durch den unterprivilegierten Teil der Gesellschaft.
Deshalb strebt der Liberalismus die Gleichheit vor dem Gesetze an. Eine andere Gleichheit will er nicht und kann er nicht wollen. Man kann einen Schwarzen nicht weiß machen, man kann ihm aber dieselben Rechte verleihen wie dem Weißen. (vgl. ibid.: 26)
Die Sozialisten indes geben sich mit der Gleichheit vor dem Gesetze nicht zufrieden. Sie sind der Ansicht, dass auch die Einkommen gleich verteilt werden müssen. Jegliches Sondereigentum der Eigentümer soll nach dem sozialistischen Programm abgeschafft werden.
Das kann der Liberalismus nicht akzeptieren. ,,Er will nicht das Sondereigentum darum erhalten, weil er es nicht ohne Verletzung der Rechte der Eigentümer aufheben könnte. Würde er die Beseitigung des Sondereigentums für nützlich im Interesse der Allgemeinheit halten, dann würde er für seine Aufhebung eintreten ohne Rücksicht darauf, ob er dadurch die Eigentümer schädigt. Die Beibehaltung des Sondereigentums aber liegt im Interesse aller Schichten der Gesellschaft.'' (ibid.: 27)
Der nichtsbesitzende Arme lebt in unserer Gesellschaftsordnung besser, als wenn er in einer Gesellschaft leben würde, die nur einen Bruchteil dessen erzeugt, was in unserer Gesellschaft erzeugt wird. Dies ist ein Verdienst der Existenz des Sondereigentums.
____________________________________________________________
L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *