Dienstag, 2. März 2010

Ludwig von Mises - Freiheit

Freiheit gilt heute allgemein als unverzichtbares Gut. Das ist ein Erfolg des Liberalismus, der auch nicht durch Störenfriede, wie beispielsweise Lenin, geschmälert wurde.
Dies war nicht immer so. Blickt man zurück auf die Zeit der Leibeigenschaft, so dachten viele, sowohl die Herren, als auch ihre Knechte, dass es von Natur aus Menschen und Völker gebe, ,,die zur Freiheit, und solche, die zur Unfreiheit bestimmt seien.'' (Mises 1927: 18) Es mag verwundern, dass auch die Knechte sich dieser Hierarchisierungen fügten, doch auch sie fanden in ihr Gutes: ,,der Sklave sei der Sorge um den Erwerb des täglichen Brotes enthoben, da der Herr genötigt ist, für seine notwendigsten Bedürfnisse aufzukommen.'' (ibid.) Dies wird im heutigen Diskurs über die Leibeigenschaft häufig ignoriert. Leibeigenschaft wird mit brutaler Misshandlung der Knechte assoziiert. In Wirklichkeit war dies jedoch die absolute Ausnahme. Menschliche und milde Behandlung der Knechte waren die Regel. Alles andere wäre auch dem Interesse des Herren nicht förderlich.
Dennoch gilt es Leibeigenschaft in jedem Fall zu bekämpfen. Hierfür reicht ein Argument, dass nämlich freie Arbeit weitaus ergiebiger ist als die von einem Unfreien verrichtete Arbeit:
,,Der unfreie Arbeiter hat kein Interesse daran, seine Kräfte ernstlich anzuspannen. Er arbeitet so viel und so eifrig, als erforderlich ist, um jenen Strafen zu entgehen, die auf Nichteinhaltung eines Mindestmaßes von Arbeit gesetzt sind. Der freie Arbeiter aber weiß, daß er um so besser entlohnt wird, je mehr seine Arbeit leistet.'' (ibid.: 19)
Die Motivation eines freien Arbeiters ist folglich eine ganz andere als die eines unfreien Knechts. Verspürt der freie Arbeiter die Motivation, so viel wie möglich zu arbeiten, da er dadurch stärker entlohnt wird, so besteht die Motivation des unfreien Knechts lediglich darin, das vordefinierte Minimum an Arbeit abzuleisten. Unfreie Arbeit widerspricht somit dem liberalen Prinzip der größtmöglichen Ergiebigkeit der menschlichen Arbeit, die nur durch die Freiheit aller Arbeiter gewährleistet werden kann, was wiederum im Interesse aller Bewohner der Erde ist.
Glücklicherweise haben liberale Ansätze dazu geführt, dass sich das Arbeitssystem zunehmend von der Knechtschaft distanziert hat. Dadurch lebt ,,[e]in europäischer Arbeiter [...] heute unter günstigeren und angenehmeren äußeren Verhältnissen als einst der Pharao von Ägypten, trotzdem dieser über Tausende von Sklaven gebot und jener nichts anderes hat, um seine Wohlfahrt zu fördern, als die Kraft und die Geschicklichkeit seiner Hände. [...] Das ist die Frucht der freien Arbeit, daß sie allen mehr Reichtum zu schaffen vermag als die unfreie Arbeit einst den Herren geboten hat.'' (ibid.: 20)
Parallelen zwischen Liberalismus und Sklaverei, die heute oft von antiliberalen Kräften gezogen werden, sind ein unlogisches Produkt diametralen Widerspruchs.
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

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