Donnerstag, 25. Februar 2010

Ludwig von Mises - Der Rationalismus

Dem Liberalismus wird nicht selten seine rationalistische Methode vorgeworfen. Und ja, es ist unbestritten: der Liberalismus ist rationalistisch. Doch was ist schlecht daran?
Der Liberalismus geht nicht davon aus, dass Menschen immer klug handeln; der Liberalismus plädiert vielmehr dafür, dass sie es im Sinne des eigenen Interesses tun sollten. ,,[D]as Wesen des Liberalismus ist [...], daß er die Vernunft in der Politik zu der Geltung bringen will, die man ihr unbestritten auf allen anderen Gebieten menschlichen Handelns einräumt.'' (Mises 1927: 5) Um ein Ziel zu erreichen sollte man danach trachten, es vernünftig zu tun. Nun stellt sich die Frage, warum das ausgerechnet auf dem Gebiet der Politik anders sein sollte. Wieso soll sich die Politik nicht an der Vernunft, sondern an Gefühlen, Impulsen und Emotionen orientieren? Man kann hierfür lange nach einer Antwort suchen, doch wird man keine plausible finden können. ,,Wie in allen übrigen Dingen unseres Handelns, so ist auch in Dingen der Politik Mystik nur von Übel.'' (ibid.: 6) Um vernünftig zu handeln entwickelt der Mensch bestimmte Techniken, die es anzuwenden gilt. So wird jemand, der ,,Eisenbahngeleise übersetzen will, [...] dafür nicht gerade den Augenblick wählen, da ein Zug über die Übergangsstelle fährt.'' (ibid.: 5) An dieser rationalen Logik und Technik sollte sich auch die Politik orientieren. Vernünftige Überlegung und Erforschung der gegebenen Bedingungen sind die Grundpfeiler erfolgreichen politischen Handelns.
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Kommentare:

  1. Du stellst die Frage auf, warum man in der Politik nicht auch nach rationalistischen Gesichtspunkten handeln sollte.
    Sicherlich wäre dies ein löblicher Fortschritt, aber rationale Entscheidungen sind meist unpopulär. Die Rationalität weicht zugunsten des gesellschaftlichen Konsens. Es geht um Wählerstimmen und Prestige-Umfragen. Man versucht die Emotionen und Impulse der Masse zu erkennen, um sich somit seine eigene Macht zu erhalten. Wer aber sagt, dass diese partiell machiavellistische Methodik falsch ist? Entspricht es nicht letztlich auch der liberalen Theorie, denn man handelt klug im eigenen Sinne? Ein Beispiel: Die Rettung Opels war kompletter Unsinn, dennoch haben sich wenige Politiker getraut dies öffentlich zu konstatieren, weil sie wussten, dass dies die Emotionen einer bestimmten Wählerschaft gegen sie aufbringt. Das Beste für jene Politiker war also den Mund zu halten.
    Als zweites kann man einwenden, dass das Deutschland vielleicht wesentlich besser wäre, wenn -Laissez-faire-Liberalismus herrsche oder die Rationalität Einzug in die Politik erhielte, aber: Funktioniert der Status Quo nicht auch? Gut oder schlecht sind moralische Einheiten, aber das System der Bundesrepublik funktioniert. Reicht das nicht?

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  2. Du hast mit Deinem Kommentar bereits Fragen gestellt, die in der nächsten Textpräsentation beantwortet werden. Sehr gut!
    Die von Dir beschriebene partiell machiavellistische Methodik ist aus Sicht des Politikers, der sie anwendet, vielleicht effizient, doch widerspricht moralischen Grundsätzen des Liberalismus, indem z.B. das eigene Wohl auf Kosten des Wohls anderer erzwungen wird. Ziel des Liberalismus und seiner einzig wahren Wirtschaftsform, also des Kapitalismus, ist das maximale Wohl für alle, ohne dabei einzelne Individuen auszuschließen.
    Der Status Quo scheint zwar noch zu funktionieren, allerdings befürchte ich, dass er nicht mehr lange funktionieren wird. Und selbst wenn: er könnte besser funktionieren.
    Naja, noch bisschen mehr Aufklärung hierzu wird es in den nächsten Texten geben.

    Gruß

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