Freitag, 26. Februar 2010

Ludwig von Mises - Das Ziel des Liberalismus

Demagogische Stimmen werfen dem Liberalismus vor, dass sein Programm nur für einen bestimmten Teil der Gesellschaft konzipiert sei - die Kapitalisten, die Reichen und das Unternehmertum. Dieser Vorwurf ist naturgemäß unhaltbar, vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Historisch betrachtet war die politische Strömung des Liberalismus die erste, die das Wohl aller anvisierte.
Dieses wird vom Demagogen bewusst ignoriert. Dieser diffamiert den Liberalen als volksfeindlich und hartherzig. Er empfiehlt ,,ohne Rücksicht auf die späteren schädlichen Folgen das [...], was im Augenblick zu nützen scheint.'' (Mises 1927: 8) Er sieht nicht das, was der rational handelnde Liberale sieht: Er sieht nicht, dass seine auf dem Prinzip der Kurzfristigkeit basierende Fehlentscheidung drastischere und dramatische Konsequenzen für die Zukunft haben wird. Der Demagoge handelt unvernünftig. Das unterscheidet ihn vom Liberalen:
,,Das vernünftige Handeln unterscheidet sich vom unvernünftigen Handeln dadurch, daß es vorläufige Opfer bringt; diese vorläufigen Opfer sind nur Scheinopfer, da sie durch den Erfolg, der später eintritt, aufgewogen werden.'' (ibid.) Dass Regierungen somit tendenziell eher demagogisch agieren ist traurige Tatsache. Sie betreiben eine antiliberale Kapitalaufzehrungspolitik, die ,,empfiehlt, die Gegenwart auf Kosten der Zukunft reichlicher zu versorgen.'' (ibid.)
Wer dies also genau analysiert wird feststellen müssen, dass die Attribute, die der Demagoge dem Liberalen auf perfide Art und Weise zuschreibt, die wahren Attribute des Demagogen sind.
Wäre der Liberalismus so hartherzig, wie es seine Gegner ihm vorzuwerfen pflegen, wäre der Entwicklungsstand der Gegenwart ungefähr auf jenem des Mittelalters. Dass es nicht so ist, verdanken wir dem Liberalismus und seiner kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die zumindest in Teilen, wenn auch bei weitem nicht zu genüge, realisiert werden konnte.
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

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