Donnerstag, 23. Dezember 2010

Der Energiesparlampenirrsinn

von Tomasz M. Froelich
Die Glühlampe war zweifelsfrei eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit. Sie löste die Öllampe ab, welche über Jahrtausende hinweg eine wichtige Lichtquelle war. THOMAS ALVA EDISON (siehe Photo) verbesserte in den späten 1870er Jahren die Glühlampe und machte sie praktisch nutzbar, sodass sie schon bald den Markt erobern sollte.
Bis vor kurzem waren Glühlampen nicht mehr wegzudenken. Sie waren praktisch und lieferten angenehmes Licht. Dennoch hatte die EUdSSR etwas dagegen: auf Basis der Ökodesign-Richtlinie gab sie Ende 2008 bekannt, stufenweise Herstellungs- und Vertriebsverbote für eine Vielzahl von Glühlampenarten festzulegen, da sie nicht umweltfreundlich genug zu sein schienen.
Als Alternative blieb also nur die Energiesparlampe, in der die Umweltsmoralapostel ein großes Heil sahen, auch wenn das durch sie ausgestrahlte Licht doch recht unangenehm ist. Nun hat sich jedoch folgendes herausgestellt:

,,Das Umweltbundesamt (sic!) hat einen neuen Beleg für Gesundheitsgefahren durch entweichendes Quecksilber bei zerbrochenen Energiesparlampen veröffentlicht. Geht eine Lampe zu Bruch, kann das giftige Schwermetall in die Raumluft gelangen - und die Belastung um das 20-fache über dem Richtwert (sic!) liegen.'' (AFP/dpa 2010)

Energiesparlampen bestehen also aus giftigen Substanzen. Wer annimmt, dass sie ausschließlich im Sondermüll und nicht etwa im Hausmüll entsorgt werden, ist naiv. Energiesparlampen haben sich nicht als sinnvolle, sondern als giftige Alternative zur klassischen Glühlampe erwiesen.
Das nun vorherrschende Problem beweist wieder einmal, wie fatal und sinnlos staatliche Interventionen in die Wirtschaft sind. Weitere Optimierungen in der Glühlampenentwicklung werden durch die EUdSSR unterbunden, all ihre Möglichkeiten bleiben ungenutzt.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Gewerkschaften im Visier - eine kritische Analyse des Gewerkschaftswesens

von Tomasz M. Froelich
I. Einleitung
1848, am Vorabend der bürgerlichen Revolution in Deutschland, forderten KARL MARX und sein Glaubensgenosse FRIEDRICH ENGELS (siehe Bild) in ihrem ,,Manifest der Kommunistischen Partei'' großbuchstäblich:
,,PROLETARIER ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!'' (Marx; Engels 1848/2009: 56)
Diese Forderung resultierte seinerzeit aus den miserablen Arbeits- und Lebensverhältnissen der Proletarier aus den Hochburgen der Industrie, wie etwa der englischen Stadt Manchester. Das ,,Manifest der Kommunistischen Partei'' fand im Proletariat große Beachtung, sodass auch der oben genannte Aufruf von Marx und Engels nicht unberücksichtigt blieb. Schon bald bildeten sich proletarische Interessensverbände, wie etwa Parteien oder auch Gewerkschaften, die bis in die Gegenwart fortbestehen. Das ,,Manifest der Kommunistischen Partei'' wurde zur ,,Bibel'' der Arbeiterbewegung. Klassische Forderungen der Gewerkschaften waren schon damals – scheinbar im Interesse der Arbeiter - höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Mitbestimmungsrechte am Arbeitsplatz und Arbeitszeitverkürzungen, also Forderungen, die den Interessen der Arbeitgeber diametral widersprachen. Auch zuvor erkannte ein weiterer prominenter Denker, der freilich aus einem anderen Milieu als Marx und Engels stammt, einen Interessenskonflikt auf dem Arbeitsmarkt. Im 18. Jahrhundert schrieb ADAM SMITH:
,,Die Arbeiter wollen soviel als möglich erhalten, die Meister sowenig als möglich geben‘‘ (Smith 1776/2006: 88).

Samstag, 20. November 2010

Es lebe die Korruption!

von Tomasz M. Froelich 
Oft liest und hört man, dass in einigen Staaten die Korruption zunimmt. Große Besorgnis macht sich breit. Es findet quasi ein richtiger Korruptionswettbewerb statt, auch wenn keine Medaillen vergeben werden. Als Maßstab für diesen Wettbewerb wird der ,,Internationale Korruptionsindex'' von Transparency International - einer NGO - herangezogen. Es gewinnen natürlich die Staaten, mit dem niedrigsten Korruptionsgrad.
Doch was konkret ist Korruption? Aus juristischer Perspektive betrachtet bezeichnet Korruption den Missbrauch oder die Missachtung einer Vertrauensstellung in der Verwaltung, Justiz, Politik, Wirtschaft etc. pp., aus der ein materieller oder immaterieller Vorteil gezogen wird, auf den rechtlich gesehen gar kein Anspruch besteht. Korruption ist also ein Verstoß gegen das Gesetz.
Doch wer definiert das Gesetz? Der Staat. Was ist der Staat? RANDY E. BARNETT antwortet: ,,Der Staat, als Staat betrachtet, ist [...] ein rechtswidriges System’’ (Barnett 1976: 7), man denke nur an den kriminellen und auf Zwang basierenden Steuerraub, der dem Staat seine Existenzgrundlage gibt oder weitere Freiheitseinschränkungen und Repressionen, die vom Staat ausgehen.
Ist es dann noch falsch, sich einem an sich rechtswidrigen System zu widersetzen, sprich: korrupt zu sein? Nein, denn dann müsste man auch Notwehr verbieten, was kein halbwegs ernstzunehmender Mensch fordern kann. MURRAY N. ROTHBARD schreibt:
,,Ein ,,korrupter Staat'' ist daher nicht unbedingt etwas schlechtes. Verglichen mit einem ,,unbestechlichen Staat'', dessen Beamte die Gesetze mit großer Strenge durchsetzen, erlaubt ,,Korruption'' zumindest ein teilweises Blühen freiwilliger Geschäfte und Betätigungen. In beiden Fällen sind natürlich weder die Reglementierungen und Verbote noch die Vollstrechungsbeamten selbst gerechtfertigt, da es überhaupt keine Beamten oder staatliche Forderungen geben sollte.'' (Rothbard 2000: 190)
Systeme, wie die Sowjetunion konnten sich nur deshalb halbwegs lange halten, da es eine Schattenwirtschaft gab, die durch Bestechung der Staatsdiener durch das in der Schattenwirtschaft tätige Privatunternehmertum ermöglicht wurde. (vgl.: Miller 1963; 23-30) Andernfalls wäre der wirtschaftliche Kollaps der realsozialistischen Staaten viel eher eingetreten. Und ein korrupter Nazi, der gelegentlich jemanden entkommen liess, war sicherlich ein besserer Mensch, als der unbestechliche, rechtstreue Nazi, der alle ihm erteilten Befehle exekutierte. Es ist nunmal wie folgt:
Good people break bad laws!
Deshalb sind die auf Willkür basierenden Berechnungsparameter des ,,Internationalen Korruptionsindex'', eben jener an sich und die auf Willkür basierenden, von den Staaten definierten Gesetze nicht ernst zu nehmen; vielmehr ist das Gegenteil der Fall.
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L I T E R A T U R

Barnett, Randy E. (1976): Fuller, Law, and Anarchism. In. The Libertarian Forum, Februar 1976.

Miller, Margaret (1963): Markets in Russia. In: Miller, M.; Piotrowicz, T.; Sirc, L.; Smith, H. (Hrsg.): Communist Economy Under Change. London: Institute for Economic Affairs, S. 23-30.

Rothbard, Murray N. (2000): Die Ethik der Freiheit. Sankt Augustin: Academia.

Mittwoch, 17. November 2010

Films, critics and you

von Leon Graf
When my young love-life reached the point of aimlessness and more serious unanswered questions about life had arised, one answer was already there and definite: I never wanted to be a film critic!

Everytime when I scrolled through a newspaper or magazine and a critique appeared, I thought to myself: Why would anybody want to read this? The most common answer by relatives and friends was: "People read this because they want to know whether they should go see the movie or not."

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Freitum, eine Einleitung

ein Gastbeitrag von Tommy Casagranda
M
ein werter Grazer Kollege TOMMY CASAGRANDE, Gründer der frisch eröffneten Facebook-Gruppe ,,Freitum'', schrieb für eben jene einen durchaus bemerkenswerten Einleitungstext, welchen ich auf diesem Blog vorzustellen vermag. Tommy Casagrande schreibt über die Freiheit folgendes:

Freiheit ist das, aus dem alles entsteht. Die Natur ist frei in ihrer Entwicklung, ihrem Werden und Vergehen. In ihrem kreativen und unendlich scheinendem Schöpfungsakt schafft sie voller Fantasie Elemente, Stoffe, Bausteine, Organismen, Existenz in allen möglichen Farben und Verhaltensweisen. Die einzige Begrenzung die ihr zugrunde liegt, sind die Gesetze, innerhalb derer sie wirkt. Freiheit ist das, was in Fabeln, Romanen, Geschichtsbüchern, Gedichten und gegenwärtigen Existenzen die Sehnsucht der Eingesperrten beflügelt.

Wir Menschen begrenzen unsere Freiheit in unnötigerweise. Einerseits sind auch wir den Gesetzen, welche die Natur uns vorgibt, unterworfen. Ebenso jedoch sind wir den Gesetzen der Ökonomie unterworfen, die uns, ob wir es akzeptieren oder nicht, dazu zwingt, unser menschliches Handeln subjektiv auf jene Art und Weise einzusetzen, wie es ein jeder, subjektiv, für sich als am gewinnbringendsten erachtet. Da unser Leben, sowie auch alle weltlichen Güter nach denen wir streben, letztlich endlich und sohin als knapp bezeichnet werden kann, sind wir dazu des Schicksals verhaftet, nicht alles haben zu können was wir haben wollen und müssen uns stets, in jeder Minute des Lebens entscheiden.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Johan Norberg - Ein Plädoyer für den Kapitalimus: Wie die Globalisierung weltweit Wohlstand schafft und Armut verringert

von Tomasz M. Froelich
JOHAN NORBERG, Mitglied der Mont Pelerin Society, sieht im Kapitalismus das einzige Mittel für eine erfolgreiche weltweite Armutsbekämpfung. In seiner Argumentation blickt er weit zurück:

,,Stellen Sie sich ein Land vor, das ärmer als der Kongo ist, in dem die Lebenserwartung 20 Jahre niedriger und die Kindersterblichkeit doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt der Entwicklungsländer. Wo die Menschen ihr Brot aus Rinde, Flechten und Stroh backen, um zu überleben. Wo Gräten und Knochen zu Mehl gemahlen werden, aus dem ein Brei zubereitet wird.
Ich spreche weder über Sambia noch über Äthiopien. Ich spreche über mein eigenes Land, Schweden, vor nicht mehr als 130 Jahren. Ein nicht totzukriegendes Argument in der Globalisierungsdebatte ist die falsche Vorstellung, daß Armut ein neues Phänomen sei und daß sich die Dinge zusehends verschlechtern. Aber dies passiert nicht. Vor 100 Jahren war jedes Land ein Entwicklungsland. Wohlstand, nicht Armut, ist in der modernen Welt das Neue. Der Umstand, daß einige Länder die Armut hinter sich lassen konnten.'' (Norberg 2003: 1)
Die in der Globalisierungsdebatte populäre These, wonach Armut aus der Globalisierung und dem Kapitalismus resultiert, wird also vehement widersprochen. Staaten, die heute als entwickelt gelten, hatten im 19. Jahrhundert einen wesentlich geringeren Entwicklungsgrad, als die heute als unterentwickelt geltenden Staaten, die nichtsdestotrotz in den letzten Jahrzehnten nicht ärmer geworden sind. Früher, beispielsweise um 1850 herum, waren nach heutigen Maßstäben alle Länder unterentwickelt. Norberg erklärt anhand des schwedischen Beispiels, weshalb sie es heute nicht mehr sind:

Donnerstag, 23. September 2010

1975 warnte uns die ,,Elite der Klimaforschung'' vor einer neuen Eiszeit...

von Tomasz M. Froelich
Gefühlte 50% der 3-Tages-Wetterprognosen für Wien sind falsch, dennoch wagen es viele Klimatologen gleich das Klima für die nächsten 50 Jahre vorherzusagen. Das hat Tradition. Bereits 1975 warnte die Elite der Klimaforschung vor einem bevorstehenden Klimawandel: eine neue Eiszeit stand bevor. Doch seit WILHELM BUSCH wissen wir: ,,Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.''
In seinem Buch ,,Blauer Planet in grünen Fesseln'' weist VACLAV KLAUS - Präsident der tschechischen Republik - auf die Unmöglichkeit erfolgreicher klimatologischer Jahrzehnteplanung hin und vergleicht jene mit der Unmöglichkeit einer erfolgreichen Planwirtschaft. Außerdem macht er darin auf die perfiden Machenschaften hinter der Klima-Lobby aufmerksam, die versucht, den Menschen ihre Moral aufzuzwingen und somit eine Gefährdung für die Freiheit des Individuums darstellt.
Der polnische Libertäre JANUSZ KORWIN-MIKKE stöberte ein wenig in seinem Archiv herum und fand eine Newsweek-Ausgabe aus dem Jahre 1975, in der die damals führenden Klimatologen im Beitrag ,,The Cooling World'' anhand ebenso beeindruckender, wie unverständlicher Modelle, Graphiken und Berechnungen ein apokalyptisches Eiszeitalter prognostizierten. Gewisse Paralellen zum heutigen Klimadiskurs sind unübersehbar.

Buchtipp: Vaclav Klaus - Blauer Planet in grünen Fesseln
Link: Friends of science
Youtube: HARDtalk with Vaclav Klaus (english/polish subtitles)

Montag, 20. September 2010

Aggressor Staat - eine libertäre Perspektive


I. Einleitung
Das folgende Essay wagt eine libertäre und durchaus kontroverse und unkonventionelle Kritik an Hobbes' Gesellschaftsvertragstheorie. Es soll gezeigt werden, dass Staaten im internationalen System vielmehr die Rolle der Aggressoren, als die der Stabilisatoren einnehmen. Dies zeigt sich schon in ihrer Entstehung: Staaten basieren nicht auf Gesellschaftsverträgen, sondern auf überlegener Schlauheit und wilden Manieren einer vorherrschenden und expandierenden Räubergruppierung. Dass Staaten im internationalen System die Rolle der Aggressoren einnehmen, soll anhand protektionistischer Wirtschaftspolitik – welche dezidiert der Freihandelstheorie widerspricht – gezeigt werden: Nicht selten führte und führt von Staaten ausgehender Protektionismus zu internationalen Konflikten. Außerdem neigen Staaten zu Korruption und zu manischem Machtstreben. Als Alternativen werden neben dem Freihandel u.a. das individuelle Sezessions- und Selbstbestimmungsrecht präsentiert.

II. Das Entscheidungsmonopol des ,,Leviathan’’
In den Gesellschaftswissenschaften erfreuen sich Gesellschaftsvertragstheorien großer Beliebtheit. Sie stammen ja immerhin aus den feinen Federn solch prominenter Denker wie JOHN LOCKE, JEAN-JACQUES ROUSSEAU und IMMANUEL KANT. Ein weiterer prominenter Vertragstheoretiker war THOMAS HOBBES. In seinem monumentalen Werk ,,Leviathan'' beschreibt Hobbes, dass im bloßen Naturzustand ,,ohne eine einschränkende Macht der Zustand der Menschen […] ein Krieg aller gegen alle'' (Hobbes 1651/2007: 115) sei. Diese einschränkende Macht ist für Hobbes der Staat, der scheinbar befugt zu sein scheint, naturrechtsverletzende Eskapaden ,,seiner'' Bürger nach eigenem Gutdünken zu sanktionieren. Sanktioniert wird in den Gerichtshöfen, deren Existenz Hobbes nur bei gleichzeitiger Existenz von Staaten gewährleistet sieht. Gerichtshöfe im Naturzustand sind für Hobbes hingegen ein Widerspruch per se. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb Hobbes zufolge Staaten entstanden sind:
Die Absicht und Ursache, warum die Menschen bei all ihrem natürlichen Hang zur Freiheit und Herrschaft sich dennoch entschließen konnten, sich gewissen Anordnungen, welche die bürgerliche Gesellschaft trifft, zu unterwerfen, lag in dem Verlangen, sich selbst zu erhalten und ein bequemeres Leben zu führen; oder mit anderen Worten, aus dem elenden Zustande eines Krieges aller gegen alle gerettet zu werden. Dieser Zustand ist aber notwendig wegen der menschlichen Leidenschaften mit der natürlichen Freiheit so lange verbunden, als keine Gewalt da ist, welche die Leidenschaften durch Furcht vor Strafe gehörig einschränken kann und auf die Haltung der natürlichen Gesetze und der Verträge dringt. (ibid.: 151)

Freitag, 6. August 2010

Über den Streit um das Kreuz vor dem polnischen Präsidentenpalast - Wie die Vernunft den Emotionen geopfert wird

Kurz nach der Flugzeugkatastrophe bei Smolensk, bei der 96 Menschen ums Leben kamen - darunter Präsident Lech Kaczynski mit seiner Frau Maria, zahlreiche Regierungsmitglieder, Parlamentsabgeordnete, hochrangige Offiziere, Kirchenvertreter, führende Vertreter der Zentralbehörden und der Verbände der Opferangehörigen des Massakers von Katyn - stellte eine Gruppe von Pfadfindern ein hölzernes Kreuz vor den Präsidentenpalast, um auf diese Weise den Opfern der Flugzeugkatastrophe zu gedenken. Seit Wochen dominiert dieser Vorfall die polnische Medien- und Politiklandschaft. Obwohl sich die Pfadfinder, die Regierung und das Präsidentenkabinett bereits auf eine Umsiedlung des Kreuzes einigten, steht es immer noch vor dem Präsidentenpalast.

Der designierte Neu-Präsident Bronislaw Komorowski, der sich bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen gegen Jaroslaw Kaczynski - dem Bruder des verstorbenen Lech Kaczynski - äußerst knapp erst im zweiten Wahlgang per Stichwahl durchsetzen konnte, verlangte zunächst die sofortige Umsiedlung des Kreuzes in die wenige hundert Meter vom Präsidentenpalast entfernte Sankt Annen-Kathedrale. Er berief sich dabei auf die Trennung von Kirche und Staat. Dies war zu dem damaligen Zeitpunkt jedoch in keiner Weise sein Recht, da er erst heute offiziell zum Präsidenten ernannt wurde. Zuvor hatte einzig der kommissarische Staatspräsident Grzegorz Schetyna das Recht, eine solche Forderung zu stellen.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Mythos Che Guevara - Massenmörder, Unterdrücker, Rassist, Terrorist und Modeikone


von Tomasz Froelich
Gisele Bündchen im Bikini - für fast jeden Mann, aber auch für so manche Frau, ein wahrer Augenschmaus. Doch für reichlich Verwirrung sorgte einer ihrer Auftritte, bei dem sie höchst dubiose Bademode trug, die von diversen Che Guevara-Konterfeien beschmutzt war. Dabei bildet Gisele Bündchens' Bikiniauswahl keine Ausnahme: Che Guevara ist in den letzten Jahren im Westen zu einem Modesymbol avanciert, das seines gleichen sucht. Wenn er das nur zu Lebzeiten mitbekommen hätte - er wäre sicherlich ein stolzer Mann. Che Guevara - die Modeikone ihm nachahmender (zumeist immer noch pubertierender) Revolutionäre.

Hollywood - und nicht Kuba - hat maßgeblich zu der derzeit stattfindenden Renaissance des Ernesto Che Guevara beigetragen. So wird der gute Che in so manchem Hollywood-Streifen als fürsorglicher Revolutionär präsentiert, der die Vision hatte, die Kubaner mit Bildung und Nahrung en masse zu versorgen. Diese Vision wurde zum Versprechen. Realisieren sollte sie Fidel Castro. Man könnte also denken: Commandante Ernesto Che Guevara - ein Name, der für Friede und Freude und für Glanz und Gloria stand. In Wirklichkeit klafften jedoch Anspruch und Realität weit auseinander.
Das interessanteste am Che Guevara-Kult ist, dass sich dieser aufgrund mangelnder Geschichtskenntnis fortentwickelt. Man nehme eine Friedensdemonstration: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird man dort Fahnen mit dem Konterfei des Che Guevara erblicken, ebenso wie etwa bei Fussballspielen des FC St. Pauli, dessen Fans sich überwiegend als Pazifisten bezeichnen. Offensichtlich wird Che Guevara als der Meisterpazifist des 20. Jahrhunderts glorifiziert. War er das wirklich? Weit gefehlt!

Samstag, 19. Juni 2010

Jörg Guido Hülsmann - Brauchen wir staatliche Armenhilfe?


von Tomasz M. Froelich
Umverteilung der Einkommen qua Steuerzwang wird in heutigen Zeiten als ein Hauptzweck moderner Staaten gesehen, um zwei Funktionen zu erfüllen: ,,Die erste von ihnen ist egalitärer Natur: Jeder Untertan der Regierung soll – unabhängig von allen anderen Erwägungen wie Leistung, Verdienst usw. – möglichst das gleiche Einkommen beziehen und die gleichen Lebensumstände genießen. Die zweite Zielsetzung ist sehr viel bescheidener: Nur diejenigen sollen in den Genuß staatlicher Umverteilung kommen, die sich nicht aus eigener Kraft helfen können. Es geht mit anderen Worten um Hilfe für die Armen und Schwachen der Gesellschaft, für jene, "die durch das soziale Netz gefallen sind". (Hülsmann 1998)


Menschen sind qua Natur unterschiedlich, ungleich. Diese Ungleichheit spiegelt sich zwangsweise in den Lebensumständen nieder. Verfolgt man nun eine Politik egalitäter Gleichheit, so macht dies einen totalen Staat, der in die Privatheit gesellschaftlicher Individuen interveniert, unabdingbar. Gewährt man dem Staat diese Intervention, so geht damit ein exorbitanter Machtzuwachs des Staates einher: ,,Je gleicher die Individuen durch eine egalitäre Politik gemacht werden, desto deutlicher treten auch noch die kleinsten Ungleichheiten hervor und desto umfassender muß die Macht des Staates sein, um diese immer kleiner werdenden Unterschiede zu planieren.'' (ibid.)
Ferner bleibt kritisch zu hinterfragen, ob egalitäre Gleichheit überhaupt als Ideal anzusehen ist. Die großen Diktatoren vergangener und dieser Zeiten haben egalitäre Gleichheit als Ideal bejaht. Die Konsequenzen dieser diktatorischen Politik egalitärer Gleichheit sind uns allen hinlänglich bekannt.

Sonntag, 30. Mai 2010

Murray N. Rothbard; Thomas Paine - Antwort auf die Frage, wie Staaten entstanden sind

Der Mensch wird durch seine Geburt mehr oder weniger durch Zwang Mitglied einer Nation, die üblicherweise in einem Staat zusammengefasst wird. Dabei ist jeder Mensch individuell. So individuell, dass es abstrus erscheint, ihn als Mitglied eines Millionen- oder gar Milliardenkollektivs betrachten zu können. Dies ist dennoch zur globalen Routine geworden und führt nicht selten zu gesellschaftlichen Turbulenzen. Dennoch haben die Staaten dieser Erde die Kompetenz dazu, dies zu tun. Staaten besitzen bestimmte Monopole, sind also gegenüber den Individuen oder anderen Institutionen privilegiert.
Woher kommt diese omnipotente Position des Staates? Oft ist von einem Gesellschaftsvertrag die Rede. Ist der Staat das Resultat eines ,,Gesellschaftsvertrags'', so scheint es nur drei Möglichkeiten zu geben, wie ein Staat entstanden sein könnte:1. Es gab und gibt keinen Gesellschaftsvertrag bzw. er wurde nie unterschrieben, womit der Staat also auf Unfreiwilligkeit/Unterdrückung beruht.2. Jedes Individuum hat ihn freiwillig unterschrieben, was tatsächlich rechtens wäre. Das ist gewiss nicht der Fall.3. Der Gesellschaftsvertrag beruht auf einer stillschweigenden Einwilligung, was äußerst utopisch erscheint.

Freitag, 21. Mai 2010

Kapitalismus = Freiheit; Imperialismus = Zwang und Sklaverei; Kapitalismus ≠ Imperialismus, Zwang und Sklaverei

Im Rahmen meines Studiums bin ich leider allzu oft dazu gezwungen, ''antikapitalistischen'', an Blödheit unüberbietbaren Quatsch zu lesen. So auch in dieser Woche, als ich einen Text des Historikers Frederick Cooper zu lesen hatte. Glücklicherweise sollte ich dazu einen kurzen Textkommentar schreiben, was mir einige Freiheiten gestattete. Diese permanente, absurde Kapitalismuskritik ist einfach unerträglich, weshalb man dagegen zu argumentieren hat.

Frederick Cooper schreibt in dem Kapitel ,,Globalization’’ seines Buches ,,Colonialism in Question: Theory, Knowledge, History’’ folgendes:

,,The development of capitalism is at the core of their (C.L.R. James and Eric Williams, Anm.: T.M.F.) argument: capital formation via the African-European-American slave trade, the interconnectedness of labor supply, production, and consumption, and the invention of forms of work discipline in both field and factory.'' (Cooper 2005: 100)

Montag, 26. April 2010

Paul Feyerabend - Probleme des Empirismus

Nach kurzer Zeit mal wieder ein in sich schlüßiger Text von Paul Feyerabend zur wissenschaftlichen Methodologie. Diesmal handelt es sich um eine Kritik am (radikalen) Empirismus, den man z.B. den Klimaforschern vorwerfen könnte, die gegen den Sinn des wissenschaftlichen Fortschritts ein monistisches Dogma konstruiert haben, dass die dummen Massen fürchten lässt.

Paul Feyerabend zufolge ist der Empirismus in der heutigen Wissenschaft zum methodologischen Dogma geworden. Er wird als die Hoffnung des wissenschaftlichen Fortschritts glorifiziert.
Dieser Glaube an den Empirismus als methodologisches Dogma ist jedoch Feyerabend zufolge verkehrt, was er durch die historische Evidenz bestätigt sieht, da große Forscher im Prozess ihrer Erkenntnisgewinnung verschiedene Methoden anwandten und so die wissenschaftlichen Erkenntnisse förderten. Von einer Einheit der Methode konnte dabei fürwahr nicht die Rede sein, vielmehr waren die Methoden ,,frei und ungebunden’’.
Dennoch scheint der empiristische Zugang heutzutage in den Wissenschaften in gewisser Hinsicht dominant zu sein. Dies war für Feyerabend Anlass genug, um die Argumente für die Vorgehensweise der Empiristen zu analysieren:
Wenden wir uns den Argumenten für einen empiristischen Standpunkt zu, so bemerken wir erstens, daß die grundlegendste Annahme, nämlich die Überlegenheit von Beobachtungen beispielsweise gegenüber Träumen, nur selten von zwingenden Gründen gestützt wird. Zweitens bemerken wir, daß die damit verbundene Frage, was grundlegender sei – Empfindung oder Denken, Beobachtung oder Theorie -, im allgemeinen als unabhängig von der wissenschaftlichen Forschung angesehen ist. (Feyerabend 2002: 10)

Sonntag, 25. April 2010

Ludwig Erhard - Versorgungsstaat - der moderne Wahn

Ludwig Erhard, ,,Vater'' des deutschen Wirtschaftswunders, setzte sich zu seiner aktiven Zeit als Politiker dezidiert für ,,small government'' ein. Dies zeigte sich auch in den Texten seines Buches ,,Wohlstand für Alle''.

Das Fundament der sozialen Marktwirtschaft, so Erhard, ist eine spezifische geistige Haltung: ,,die Bereitschaft, für das eigene Schicksal Verantwortung zu tragen, und aus dem Streben nach Leistungssteigerung an einem ehrlichen freien Wettbewerb teilzunehmen'' (Erhard 1964: 245). Ein solcher Wettbewerb ist nur in einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung denkbar. Diese wiederum kann nur dann funktionieren, ,,solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freiheit, an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist.'' (ibid.: 246)
Der Elan, den ein Mensch auf dem freien Markt zwangsläufig entwickelt, ist schnell perdu, wenn der Staat seinen Menschen von Geburt an Sicherheiten und Sozialleistungen en masse garantiert, da der Staat die Menschen so nicht mehr dazu motivieren kann Leistung, Initiative und andere schöne Gaben und Werte zu entwickeln und zu erbringen. Der Elan des Menschen auf dem freien Markt erblasst, sobald der Staat die Rolle des Fürsorgers der Massen einnimmt. Das Erblassen dieses Elans ist für jede Volkswirtschaft tödlich.

Samstag, 24. April 2010

Immanuel Kant - Zum ewigen Frieden

Letztens las ich mit Interesse ,,Zum ewigen Frieden'' von Immanuel Kant. Ich stimme Kant zwar nicht gänzlich zu, aber seine Präliminar- und Definitivartikel, auf denen seine Friedenstheorie basiert, sind auf jeden Fall lesenswert und hatten eine großen Einfluss auf die neuzeitliche Bedeutung des Friedensbegriffs.

These I:
Es gibt drei Präliminarartikel, deren sofortige Ausübung unabdingbar für die zukünftige Garantie des ewigen Friedens ist.

Der erste dieser Präliminarartikel, die von sofortiger Geltung sind, besagt: ,,Es soll kein Friedensschluß für einen solchen (Staat, Anm.: T.M.F.) gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.’’ (Kant 1984: 3) Bloßer Waffenstillstand führe zu keinem langfristigen, echten Frieden, sondern verzögere nur kriegerische Auseinandersetzungen. Friedenverträge und Waffenstillstandsabkommen werden zumeist nur dann beschlossen, wenn die in die kriegerischen Handlungen involvierten Parteien erschöpft sind. Schöpft eine dieser Parteien neue Energie und erkennt die erste günstige Gelegenheit zu einem erneuten kriegerischen Angriff, so wird sie diese Gelegenheit nutzen, zumal sie dadurch einen Vorteil für sich erwartet.

Montag, 19. April 2010

Paul Feyerabend - Wider den Methodenzwang

Texte zur Wissenschaftsmethodologie sind in der Regel langweilig: Ein Geplapper vor dem Herrn - unerträglich! Umso erfreuter war ich nach der Lektüre von Paul Feyerabends Text ,,Wider den Methodenzwang'. Feyerabend propagiert - gut begründet - Anarchismus als methodologische Maxime der Wissenschaft. Zudem deckt er obskure, irrationale Strategien wissenschaftlicher ,,Eliten'' auf, die auf ihren ,,Erkenntnissen'' um jeden Preis und mit Hilfe staatlicher Subventionen beharren. So wird einem auch schnell klar, wie sich die in der Wissenschaft etablierte Meinung zur globalen Erwärmung trotz offensichtlich fehlender Evidenz (nach einem fast halbjährigen Winter) weiterhin behaupten kann.

Paul Feyerabend wendet sich in libertärer Manier rigoros gegen jeglichen Methodenzwang in der Wissenschaft. Er kritisiert, dass die heutige wissenschaftliche Praxis extrem standardisiert ist. Von wissenschaftlichen ,,Eliten'' aufoktroyierte Methoden seien gegen das eigentliche Forschungsinteresse: ,,die Welt, die wir erforschen möchten, ist etwas weitgehend Unbekanntes. Daher müssen wir uns offen halten, dürfen uns nicht im voraus beschränken.’’ (Feyerabend 1995: 17) Dies ist aktuell leider nicht der Fall. Die herrschenden Wissenschaftseliten beanspruchen für sich und ihre Methoden ,,das Alleinvertretungsrecht auf dem Gebiet der Erkenntnis’’ (ibid.). Dadurch wird Forschern jegliche Individualität, Kreativität und jegliches Profil genommen.
Dass feste Ordnungen und Gesetze im Bezug auf wissenschaftliche Methodologie störend seien, zeigt auch die Wissenschaftsgeschichte. So ist anzunehmen,

Donnerstag, 11. März 2010

Ludwig von Mises - Demokratie

Erteilt Ludwig von Mises in seinem liberalen Programm dem Anarchismus eine Absage, so trifft dies auf die Demokratie nicht zu. Allerdings hat Mises ein anderes Demokratieverständnis als all die pseudodemokratischen Naivlinge, deren Demokratieideal einer Verfassung entspricht, ,,in der das ganze Volk regiert und verwaltet. Das hat es freilich nie gegeben, kann es nie geben und wird es nie geben.'' (Mises 1927: 35). Über diese offensichtliche Illusion bestens informiert, wollen es die pseudodemokratischen Herrschaften dennoch nicht akzeptieren, dass es bestimmte Herrschaftsverhältnisse gibt. So erachten sie es als unwürdig, dass z.B. Herr Meier über Herrn Schmidt regiert. Dabei wird häufig verkannt, dass es ,,durchaus nicht eines Mannes unwürdig [ist], sich von anderen regieren zu lassen. Auch die Regierung und Verwaltung, die Handhabung der Polizeivorschriften und ähnlicher Verfügungen erfordern Spezialisten: Berufsbeamte und Berufspolitiker.'' (ibid.: 36) Den Berufsstand des Berufspolitikers und Berufsbeamten gilt es keineswegs zu bekämpfen, sofern die Institutionen des Staates per se demokratisch konstituiert sind.
,,Demokratie aber ist ganz etwas anderes als das, was sich die Romantiker der unmittelbaren Demokratie vorstellen.
Die Handhabung der Regierung durch eine Handvoll von Leuten [...] ist darauf aufgebaut, daß die Regierten mit der Art und Weise, wie die Regierung gehandhabt wird, einverstanden sind. [...] Auf die Dauer kann sich keine Regierung halten, wenn sie nicht die öffentliche Meinung für sich hat'' (ibid.).

Montag, 8. März 2010

Ludwig von Mises - Der Staat und die Regierung

Das Verhängen von Strafen gegen Individuen ist nur dann sinnvoll, wenn eine Tat ,,die moralischen Regeln für menschliches Zusammenleben verletzt''. (Mises 1927: 31) Einen Trinker oder Drogenkonsumenten für sein Verhalten zu bestrafen, das außer ihm selbst niemandem schadet, ist sinnfrei.
Wie wir wissen ist es im Interesse der Gesellschaft, ein kurzfristiges Opfer zu bringen, um langfristig zu profitieren. Diese Handlungsmaxime ist für eine funktionierende Gesellschaft unabdingbar. Handelt ein Unsozialer dem zuwider, gehört er bestraft.
,,Ohne Zwang- und Gewaltanwendung gegen die Gesellschaftsfeinde müßte gesellschaftliches Zusammenleben unmöglich werden.'' (ibid.: 32) Diese Zwangs- und Gewaltanwendungen haben vom Staat, die Regeln, nach denen vorgegangen wird, vom Recht und die Organe, die die Handhabung des Zwangsapparates besorgen, von der Regierung auszugehen. (vgl. ibid.)
Somit erteilt Mises und der Liberalismus jeglichem Anarchismus eine Absage, da es in unserer Gesellschaft immer Unholde geben wird, die die moralischen Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens brechen. Die einzige Aufgabe des Staates beschränkt sich somit auf den Schutz des Eigentums, der Freiheit und des Friedens.

Samstag, 6. März 2010

Ludwig von Mises - Das Sondereigentum und die Ethik

Von gesellschaftlicher Notwendigkeit ist das Sondereigentum. Der Berechtigung zum Sondereigentum obliegt eine moralische Rücksichtnahme auf die Gesellschaft. Der Sondereigentümer darf bei all seinem Tun und Handeln nicht nur auf seinen unmittelbaren Nutzen Rücksicht nehmen, sondern muss auch ,,in jeder Handlung die Gesellschaft als solche bejahen. Denn das Leben des einzelnen in der Gesellschaft ist nur durch die Gesellschaft möglich, und jeder einzelne würde auf das schwerste geschädigt werden, wenn die gesellschaftliche Organisation des Lebens und der Produktion in die Brüche gehen würde.'' (Mises 1927: 30) Langfristig kann jeder Mensch also nur dann profitieren, wenn sein Handeln für die Gesellschaft unschädlich ist, da ein Nutzen für jeden einzelnen langfristig nur in einer stabilen, wohl strukturierten Gesellschaft möglich ist. ,,Der Fortbestand der Gesellschaft als Vereinigung der Menschen zur gemeinsamen Arbeit und Lebensführung liegt im Interesse jedes einzelnen; wer einen augeblicklichen Vorteil aufopfert, um den Fortbestand der Gesellschaft nicht zu gefährden, der opfert einen kleineren Vorteil einem größeren.'' (ibid.)
Als eine Handlungsmaxime definiert der Liberalismus somit die Befolgung des Sittengesetzes: Handele sittlich, indem du durch dein Handeln der Aufrechterhaltung der Gesellschaftsordnung dienst.
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Freitag, 5. März 2010

Ludwig von Mises - Die Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverhältnisse

Oft hört man im politischen Diskurs, in der Bundesrepublik Deutschland vor allem aus den Reihen der Freidemokraten, Sätze wie: ,,wer arbeitet muss mehr verdienen als jemand, der nicht arbeitet'' und ,,Leistung muss sich lohnen''. Dies ist durchaus korrekt!
Eine gleichmäßige Verteilung der Güter, wie sie von so manchem Sozialisten propagiert wird, ist Nonsens:
,,Gegen diesen Vorschlag ist zunächst die Einwendung zu machen, daß dadurch nicht viel geholfen wäre, weil die Zahl der Minderbemittelten im Vergleich zu der der Reichen ungeheuer groß sei, so daß jeder einzelne von einer solchen Verteilung nur einen recht unbedeutenden Zuwachs an Wohlfahrt zu erwarten habe.'' (Mises 1927: 27)
Die Ungleichheit der Eigentumsverhältnisse ist von fundamentaler Bedeutung für eine optimale Wirtschaftsentwicklung, da sie ,,jeden anspornt, soviel als möglich und mit dem geringsten Aufwand an Kosten zu erzeugen'' (ibid.: 28). Daraus resultiert der Reichtum, den die Menschheit nun verzehren kann. ,,Würde man diesen Antrieb beseitigen, so würde man die Ergiebigkeit der Produktion so sehr herabdrücken, daß die Kopfquote des Einkommens bei gleichmäßiger Verteilung tief unter das fallen würde, was selbst der Ärmste heute erhält.'' (ibid.) Ungleichheiten in den Eigentumsverhältnissen generieren Motivation zu einer effizienten Produktion, welche wiederum gesellschaftlichen Reichtum generiert.

Donnerstag, 4. März 2010

Ludwig von Mises - Gleichheit

Der Begriff der Gleichheit wird heute aus verschiedenen Perspektiven verschieden betrachtet und angewandt. Der Naivling ist der Ansicht, dass alle Menschen qua natura gleich, d.h. in etwa mit gleichen körperlichen und geistigen Talenten ausgestattet seien. Die Unterschiede, die sich dann im Laufe der Zeit ergeben, seien ein soziales Konstrukt. Das ist natürlich Humbug!
,,Die Menschen sind durchaus ungleich. Selbst zwischen Geschwistern bestehen die größten Verschiedenheiten der körperlichen und geistigen Eigenschaften. Die Natur wiederholt sich nicht in ihren Schöpfungen, sie erzeugt keine Dutzendware, sie hat keine Typenfabrikation. Der Mensch, der aus ihrer Werkstatt hervorgeht, trägt den Stempel des Individuellen, des Einzigartigen, des Nichtwiederkehrenden an sich.'' (Mises 1927: 25)
Auch wenn es offensichtlich natürlich bedingte Verschiedenheiten zwischen den Menschen gibt, so sollten diese Verschiedenheiten vor Iustitia irrelevant sein. Vor Iustitia gilt das Prinzip der Gleichheit, es gilt die gleiche Behandlung aller Menschen durch das Gesetz.
Hierfür sprechen zwei verschiedene Gesichtspunkte.

Mittwoch, 3. März 2010

Ludwig von Mises - Frieden

Für den Liberalen ist Frieden der Garant für menschlichen Fortschritt. Frieden ist gesellschaftliche Kooperation, die sich z.B. in gemeinsamer Arbeit äußert. ,,Die Arbeit allein ist es, die aufbaut, reich macht und damit die äußeren Grundlagen für inneres Gedeihen des Menschen legt.'' (Mises 1927: 21) Krieg hingegen zerstört all dies nur. Krieg kann nie aufbauen.
Daher ist der Liberale der Überzeugung, ,,daß der siegreiche Krieg auch für den Sieger ein Übel ist, daß Frieden immer noch besser ist als Sieg.'' (ibid.)
Dies wird klar, wenn man den Nutzen der Arbeitsteilung erkannt hat. Bürgerkriege oder aber auch international ausgetragene Kriege stören den Prozess der Arbeitsteilung. Die Arbeitsteilung kann sich nur in einem Zustand des ewigen friedlichen Zusammenlebens entfalten. Da sich sowohl die nationalen, als auch die internationalen Strukturen der Arbeitsteilung ständig fortentwickeln und komplexer werden, da heute Staaten und Völker aus allen Teilen der Erde stärker interagieren als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit, ist es von entscheidender Bedeutung, den Frieden zu schaffen und zu sichern. Diese ,,Dichte der weltwirtschaftlichen, internationalen Beziehungen ist ein Produkt des Liberalismus und Kapitalismus des 19. Jahrhunderts. Durch sie erst wurde die weitgehende Spezialisierung der modernen Produktion und damit die Vervollkommnung der Technik ermöglicht. [...] Diese Entwicklung war nur möglich und denkbar, weil man die Vorstellung, es könnte je wieder zu großen Kriegen kommen, seit dem Sieg der liberalen Ideen nicht mehr ernst nahm.'' (ibid.: 24)

Dienstag, 2. März 2010

Ludwig von Mises - Freiheit

Freiheit gilt heute allgemein als unverzichtbares Gut. Das ist ein Erfolg des Liberalismus, der auch nicht durch Störenfriede, wie beispielsweise Lenin, geschmälert wurde.
Dies war nicht immer so. Blickt man zurück auf die Zeit der Leibeigenschaft, so dachten viele, sowohl die Herren, als auch ihre Knechte, dass es von Natur aus Menschen und Völker gebe, ,,die zur Freiheit, und solche, die zur Unfreiheit bestimmt seien.'' (Mises 1927: 18) Es mag verwundern, dass auch die Knechte sich dieser Hierarchisierungen fügten, doch auch sie fanden in ihr Gutes: ,,der Sklave sei der Sorge um den Erwerb des täglichen Brotes enthoben, da der Herr genötigt ist, für seine notwendigsten Bedürfnisse aufzukommen.'' (ibid.) Dies wird im heutigen Diskurs über die Leibeigenschaft häufig ignoriert. Leibeigenschaft wird mit brutaler Misshandlung der Knechte assoziiert. In Wirklichkeit war dies jedoch die absolute Ausnahme. Menschliche und milde Behandlung der Knechte waren die Regel. Alles andere wäre auch dem Interesse des Herren nicht förderlich.
Dennoch gilt es Leibeigenschaft in jedem Fall zu bekämpfen. Hierfür reicht ein Argument, dass nämlich freie Arbeit weitaus ergiebiger ist als die von einem Unfreien verrichtete Arbeit:
,,Der unfreie Arbeiter hat kein Interesse daran, seine Kräfte ernstlich anzuspannen. Er arbeitet so viel und so eifrig, als erforderlich ist, um jenen Strafen zu entgehen, die auf Nichteinhaltung eines Mindestmaßes von Arbeit gesetzt sind. Der freie Arbeiter aber weiß, daß er um so besser entlohnt wird, je mehr seine Arbeit leistet.'' (ibid.: 19)

Montag, 1. März 2010

Ludwig von Mises - Eigentum

Die Vereinigung der Menschen zu gemeinsamem Handeln nach dem Prinzip der Arbeitsteilung im Sinne höherer Ergiebigkeit bezeichnet Mises als menschliche Gesellschaft. ,,Auf dieser höheren Ergiebigkeit der arbeitsteilig verrichteten Arbeit beruht die ganze menschliche Gesittung. Durch die Arbeitsteilung unterscheidet sich der Mensch von den Tieren.'' (Mises 1927: 16) Die Arbeitsteilung ist der Schlüßel zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation auf allen Ebenen.
Um das Funktionieren einer arbeitsteiligen Gesellschaft zu gewährleisten ist das Sondereigentum an den Produktionsmitteln die einzig durchführbare Ordnung. Nur so kann die Ergiebigkeit der Arbeit auf höchstem Niveau gehalten werden. Nur so verspürt der arbeitende Mensch Motivation.
Das Programm des Liberalismus lässt sich letztlich auf das Sondereigentum an den Produktionsmitteln zusammenfassen. ,,Alle anderen Forderungen des Liberalismus ergeben sich aus dieser Grundforderung.'' (ibid.: 17)
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Sonntag, 28. Februar 2010

Ludwig von Mises - Die psychischen Wurzeln des Antiliberalismus

Der Widerstand gegen den Liberalismus geht nicht von rationalen Prinzipien, sondern von krankhafter seelischer Einstellung aus. Ressentiments und Neurasthenie sind bei den Gegnern des Liberalismus, etwa bei den Sozialisten, immanent.
Die Ressentiments der Sozialisten beschreibt von Mises äußerst prägnant mit folgenden Worten:
,,Ressentiment ist im Spiele, wenn man jemand ob seiner günstigeren Verhältnisse so sehr haßt, daß man bereit ist, selbst schwere Nachteile auf sich zu nehmen, wenn nur auch der Verhaßte dabei zu Schaden kommt.'' (Mises 1927: 12)
Wir wissen allzu gut, dass für die Sozialisten der Kapitalist die verhasste Person ist. Dieser Hass geht so weit, dass die Sozialisten, die den Kapitalismus zu bekämpfen gedenken, trotz der Kenntnis, dass ihre Situation ,,unter jedem anderen Wirtschaftssystem weniger günstig sein wird [...] für eine Reform, z.B. den Sozialismus ein[treten], weil sie hoffen, daß auch der von ihnen beneidete Reiche darunter leiden wird.'' (ibid.) Nicht selten verkünden Sozialisten, dass gesamtgesellschaftliches Elend in einem sozialistischen System leichter zu ertragen sei, da man sich dessen bewusst sein kann, dass es niemand besser habe.

Samstag, 27. Februar 2010

Ludwig von Mises - Liberalismus und Kapitalismus

Der Fortschritt der Zivilisation in ihren ökonomischen Aspekten wird von Demagogen im Großen und Ganzen negiert. Demagogen behaupten, ,,daß alle Fortschritte der Produktionstechnik ausschließlich einer schmalen Schichte zugute kommen, wohingegen die Massen immer mehr und mehr verelenden.'' (Mises 1927: 9) Dies sind natürlich antiliberale Hirngespinste, was dem kritischen Beobachter klar wird, wenn er unschwer erkennt, dass sich all der Fortschritt auf die Optimierung der Bedürfnisbefriedigung der Massen auswirkt.
Es ist der Konzeption der kapitalistischen Gesellschaftsordnung systemimmanent, ,,daß für den Unternehmer und Kapitalisten der Weg zum Reichtum ausschließlich über die bessere Versorgung seiner Mitmenschen mit dem, was sie selbst benötigen glauben, führt.'' (ibid.: 10) Der Kapitalist muss im Sinne seines Eigeninteresses auch die Interessen der Gesellschaft und seiner Arbeitnehmer respektieren und sich an ihnen orientieren, sonst gelangt er auf den Weg des Scheiterns.
Gelegentlich deckt sich das Sonderinteresse einiger Kapitalisten mit dem Programm des Liberalismus, ,,aber immer stehen die Sonderinteressen anderer Unternehmer oder Kapitalisten dagegen.'' (ibid.: 11) Neutralisierung erfolgt!
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Freitag, 26. Februar 2010

Ludwig von Mises - Das Ziel des Liberalismus

Demagogische Stimmen werfen dem Liberalismus vor, dass sein Programm nur für einen bestimmten Teil der Gesellschaft konzipiert sei - die Kapitalisten, die Reichen und das Unternehmertum. Dieser Vorwurf ist naturgemäß unhaltbar, vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Historisch betrachtet war die politische Strömung des Liberalismus die erste, die das Wohl aller anvisierte.
Dieses wird vom Demagogen bewusst ignoriert. Dieser diffamiert den Liberalen als volksfeindlich und hartherzig. Er empfiehlt ,,ohne Rücksicht auf die späteren schädlichen Folgen das [...], was im Augenblick zu nützen scheint.'' (Mises 1927: 8) Er sieht nicht das, was der rational handelnde Liberale sieht: Er sieht nicht, dass seine auf dem Prinzip der Kurzfristigkeit basierende Fehlentscheidung drastischere und dramatische Konsequenzen für die Zukunft haben wird. Der Demagoge handelt unvernünftig. Das unterscheidet ihn vom Liberalen:
,,Das vernünftige Handeln unterscheidet sich vom unvernünftigen Handeln dadurch, daß es vorläufige Opfer bringt; diese vorläufigen Opfer sind nur Scheinopfer, da sie durch den Erfolg, der später eintritt, aufgewogen werden.'' (ibid.) Dass Regierungen somit tendenziell eher demagogisch agieren ist traurige Tatsache. Sie betreiben eine antiliberale Kapitalaufzehrungspolitik, die ,,empfiehlt, die Gegenwart auf Kosten der Zukunft reichlicher zu versorgen.'' (ibid.)

Donnerstag, 25. Februar 2010

Ludwig von Mises - Der Rationalismus

Dem Liberalismus wird nicht selten seine rationalistische Methode vorgeworfen. Und ja, es ist unbestritten: der Liberalismus ist rationalistisch. Doch was ist schlecht daran?
Der Liberalismus geht nicht davon aus, dass Menschen immer klug handeln; der Liberalismus plädiert vielmehr dafür, dass sie es im Sinne des eigenen Interesses tun sollten. ,,[D]as Wesen des Liberalismus ist [...], daß er die Vernunft in der Politik zu der Geltung bringen will, die man ihr unbestritten auf allen anderen Gebieten menschlichen Handelns einräumt.'' (Mises 1927: 5) Um ein Ziel zu erreichen sollte man danach trachten, es vernünftig zu tun. Nun stellt sich die Frage, warum das ausgerechnet auf dem Gebiet der Politik anders sein sollte. Wieso soll sich die Politik nicht an der Vernunft, sondern an Gefühlen, Impulsen und Emotionen orientieren? Man kann hierfür lange nach einer Antwort suchen, doch wird man keine plausible finden können. ,,Wie in allen übrigen Dingen unseres Handelns, so ist auch in Dingen der Politik Mystik nur von Übel.'' (ibid.: 6) Um vernünftig zu handeln entwickelt der Mensch bestimmte Techniken, die es anzuwenden gilt. So wird jemand, der ,,Eisenbahngeleise übersetzen will, [...] dafür nicht gerade den Augenblick wählen, da ein Zug über die Übergangsstelle fährt.'' (ibid.: 5) An dieser rationalen Logik und Technik sollte sich auch die Politik orientieren. Vernünftige Überlegung und Erforschung der gegebenen Bedingungen sind die Grundpfeiler erfolgreichen politischen Handelns.
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Ludwig von Mises - Die materielle Wohlfahrt

Der Liberalismus ist eine Lehre, die sich ausschließlich auf das materielle Element fokussiert. Dies klingt für so manchen Gutmenschen höchst unmoralisch (so mancher spricht abfällig vom Raubtierkapitalismus), was aber daran liegt, dass die Logik des Denkens beim Gutmenschen dort aufhört, wo sie bei einem klugen Kopf noch nicht einmal angefangen hat.
Der Liberalismus kümmert sich nicht direkt um die inneren, seelischen und metaphysischen Bedürfnisse der Menschen. Er verspricht nicht Glück und Zufriedenheit für jeden. Er verspricht ,,nichts anderes als möglichst reichliche Befriedigung aller jener Wünsche, die durch Bereitstellung von Dingen der Außenwelt befriedigt werden können.'' (Mises 1927: 3) Dieser liberale Fokus auf das Materielle ist simpel zu erklären: Mit den Mitteln menschlicher Politik kann man Menschen reich oder arm, jedoch nicht glücklich oder traurig machen. ,,Alles, was die Politik machen kann, ist, die äußeren Ursachen von Schmerz und Leid beheben; sie kann ein System fördern, das die Hungernden sättigt, die Nackten kleidet und die Obdachlosen behaust.'' (ibid.: 4)
Über Glück und Zufriedenheit eines Menschen entscheiden jedoch primär innere Bedürfnisse, deshalb richtet der Liberalismus ,,[n]icht aus Geringschätzung der seelischen Güter [...] sein Augenmerk ausschließlich auf das Materielle, sondern weil er der Überzeugung ist, daß das Höchste und Tiefste im Menschen durch äußere Regelung nicht berührt werden [kann].'' (ibid.)
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L I T E R A T U R :
Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Dienstag, 23. Februar 2010

Ludwig von Mises - Der Liberalismus

Der große Denker Ludwig von Mises stellt fest, dass es den puren Liberalismus bis jetzt nicht gab. Kleinere liberale Ansätze, v. a. in den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Vereinigten Königreiche, täuschen nicht über die Tatsache hinweg, dass der Liberalismus seine volle Wirkung bislang nie entfalten konnte, was im wissenschaftlichen Mainstream bewusst ignoriert oder gar bestritten wird, um bei Krisenerscheinungen die Schuld auf den Liberalismus zu projizieren, was naturgemäß gänzlich daneben ist.
Dennoch haben die wenigen liberalen Ansätze viel bewirkt, konkret: eine großartige ökonomische Entwicklung:
,,Der Wohlstand, den der Liberalismus geschaffen hatte, hat die Kindersterblichkeit [...] beträchtlich herabgesetzt und durch Verbesserung der Lebensbedingungen die durchschnittliche Lebensdauer verlängert. Dieser Wohlstand floß nicht nur einer engen Schichte von Auserwählten zu. Am Vorabend des Weltkrieges lebte der Arbeiter [...] besser und schöner als noch vor nicht allzulanger Zeit der Edelmann. Er konnte nicht nur nach Wunsch essen und trinken, er konnte seinen Kindern eine bessere Erziehung geben, er konnte, wenn er wollte, am geistigen Leben seines Volkes teilnehmen, er konnte, wenn er Begabung und Kraft besaß, ohne Schwierigkeiten in die höheren Schichten aufsteigen.'' (Mises 1927: 1f.)

Dienstag, 26. Januar 2010

Libertäre Konjunkturtheorie in Anlehnung an Mises und Hayek - die Rolle der Banken

Der französische liberale Ökonom FREDERIC BASTIAT beschrieb in seinem pointierten Werk ,,Was man sieht und was man nicht sieht’’, was einen guten von einem schlechten Ökonomen unterscheidet. Dabei stellte er fest:
,,Im Bereich der Ökonomie ruft eine Handlung, eine Gewohnheit, eine Einrichtung, ein Gesetz nicht nur eine einzige Wirkung hervor sondern eine Reihe von Wirkungen. Von diesen Wirkungen ist nur die erste direkt, sie zeigt sich gleichzeitig mit ihrer Ursache, man sieht sie. Die anderen entwickeln sich erst nach und nach, man sieht sie nicht; glücklich wenn man sie vorhersieht.'' (Bastiat 1850)
Ein guter Ökonom ist folglich einer, der sich nicht nur auf die direkte, sondern auch auf die indirekte Wirkung, also die, die man nicht sieht, konzentriert. Somit agiert er freilich nach dem Prinzip der Langfristigkeit. Das Beachten der indirekten Wirkung ist indes enorm wichtig, ,,denn es ist fast immer so, dass die unmittelbare Folge günstig ist und die letztendlichen Folgen unheilvoll und umgekehrt.’’ (ibid.) Daraus resultiert, dass der schlechte Ökonom kurzlebige Optimierung anstrebt, aus der sich langfristig ein großes Übel entwickelt. Der gute Ökonom hingegen agiert umgekehrt – er riskiert ein kleines gegenwärtiges Übel, um daraufhin eine langfristige Optimierung zu erstreben.
Um das Prädikat ,,guter Ökonom’’ kämpften und kämpfen diverse Ökonomen von differenzierten Überzeugungen und Denkschulen. Der Kampf um dieses Prädikat lässt sich auch in der Debatte bezüglich der auftauchenden Konjunkturzyklen beobachten. Dabei sind u.a. JOHN MAYNARD KEYNES und FRIEDRICH AUGUST VON HAYEK bzw. dessen jahrelanger Mentor LUDWIG VON MISES als Hauptkontrahenten und Protagonisten ihrer Denkschulen auszumachen.
Da der nach seinem Protagonisten benannte Keynesianismus derzeit in Zeiten der Wirtschaftskrise eine Renaissance durchlebt und vielen geläufig ist, richtet sich der Focus des folgenden Textes auf die libertäre Konjunkturtheorie der Austrian Economics , die andere Kausalitäten für die derzeitig rezessive Konjunkturphase diagnostiziert, als dies bei der keynesianischen Theorie der Fall ist und zudem andere Methoden zur Krisenlösung offeriert. Dabei soll ein Blick auf das Bankensystem geworfen werden.
Im Sinne der Vollständigkeit soll hier im Folgenden nichtsdestotrotz in kurzer, aber präziser Manier dem Leser ein lapidarer Einblick in die keynesianische Perspektive gegönnt sein:
Keynesianern zufolge resultieren temporäre Ungleichgewichte auf den Märkten aus Unterkonsumtion (unzureichende Nachfrage nach Konsumgütern) oder Fehlinvestitionen. Logische Konsequenz dieser Marktungleichgewichte und Strukturkrisen sind Rezessionen. Solche Konjunkturschwankungen kann der Staat mit antizyklischer Wirtschaftspolitik abmildern. Dabei wird fehlende private Nachfrage staatlich generiert. Diese staatlichen Interventionen sollen durch Rücklagen oder gar deficit spending finanziert werden.
Somit wird dem Staat eine zentrale Rolle und Kontrolle zugesprochen, welche durch die Privatwirtschaft nicht erfüllt werden kann:
,,Die wichtigsten Agenda des Staates betreffen nicht die Tätigkeiten, die bereits von Privatpersonen geleistet werden, sondern jene Funktionen, die über den Wirkungskreis des Individuums hinausgehen, jene Entscheidungen, die niemand trifft, wenn der Staat sie nicht trifft. […] Viele der größten wirtschaftlichen Übel unserer Zeit entstehen aus Risiko, Unsicherheit und Unwissenheit. Teils dadurch, daß manche durch Glück oder Naturanlagen besonders begünstigte Individuen in der Lage sind, aus der Unsicherheit und Unwissenheit der anderen Kapital zu schlagen, teils weil das Geschäft schon aus diesem Grunde häufig ein Lotteriespiel ist, entstehen die großen Ungleichheiten im Besitz; die gleichen Faktoren verschulden auch die Arbeitslosigkeit, die Enttäuschung gerechtfertigter gesellschaftlicher Erwartungen und den Niedergang von Arbeitskraft und Produktion. Das Heilmittel gegen diese Übel liegt aber außerhalb des individuellen Tätigkeitsbereichs […]. Ich glaube, daß das Heilmittel zum Teil in der wohlüberlegten Kontrolle der Währungs- und Kreditfragen durch eine zentrale Einrichtung […] liegt.'' (Keynes 1985: 113f.)
Diese Kontrolle geht vom Staat und ihm nahestehenden Institutionen, wie etwa der Zentralbank, aus.
Keynes spricht von einem ,,Ende des Laissez-Faire’’, wodurch er heute, in Zeiten, in denen die Kritik an der ,,Deregulierung’’ lauter wird, vielerorts vergöttert wird.

Völlig konträr zur keynesianischen Perspektive verhalten sich die Geld- und Konjunkturtheorien der österreichischen Schule der Nationalökonomie, verkörpert durch Ökonomen wie etwa Ludwig von Mises oder Friedrich August von Hayek. Hierzu in vier Schritten eine systematische Erklärung der Konjunkturzyklen aus hayek’scher Perspektive:

I. Das Verhältnis zwischen dem Gleichgewichtszins und dem Geldzins:
Für die permanenten Konjunkturzyklen sind Hayek zufolge Abweichungen des Geldzinses vom
Gleichgewichtszins (auch: natürlicher Zins, Realzins) verantwortlich (vgl. Schlesinger 1914: 128). Der Gleichgewichtszins bildet sich auf natürliche Art: Angebot und Nachfrage stimmen überein. Im Bankwesen sind als Angebot die Ersparnisse der Bank und als Nachfrage die Kreditnachfrage der Bankklienten auszumachen. Beim Geldzins indes herrscht kein Gleichgewicht: Angebot und Nachfrage stimmen nicht überein, folglich weicht der Geldzinssatz vom Gleichgewichtzinssatz ab.

II. Das, was einer Bank unmöglich ist, ist möglich, wenn es mehrere Banken gibt:
Bestimmte Prozesse können durch eine Bank nicht realisiert werden, wohl aber bei Existenz mehrerer Banken (dazu mehr unter 3.).

III. Multiplikatoreffekt:
Anhand des Multiplikatoreffekts lassen sich Inflations- und Konjunkturschwankungsprozesse erklären. Dies soll im Folgenden geschehen:
Bank A erhält Neueinzahlungen in Höhe von z.B. 1€. Die Barreserve wird z.B. bei 10% angesetzt. Das heisst, dass 90% der Einlagen als Kredite weiter vergeben werden können. Diese Kredite gehen i.d.R. an Privatpersonen oder Unternehmen, die Konten bei anderen Banken haben, auf denen sie Gelder einzahlen, z.B. bei Bank B. Auf Bank B findet nun ein Transfer der von Bank A erteilten Kreditsummen statt. Um es plakativ darzustellen, nehmen wir an, dass von dem einen Euro, der als Einlage bei Bank A eingezahlt wurde, 90%, also: 90 Cent als Kreditsumme auf Konten der Bank B eingezahlt werden. Auch die Mindestbarreserve von Bank B wird bei 10% angesetzt. Auch hier werden nun wieder Kredite vergeben, die dann zum Beispiel auf Konten von Bank C landen.

,,Für die […] nächste] Bank ist daher der durch eine Darlehensgewährung entstandene und bei ihr eingezahlte Betrag (der, wie wir uns erinnern, 90% der […] [vorherigen] Einlage entspricht) genau so ein ursprüngliches, auf einem Barzugang beruhendes Guthaben des Kommittenten und sie wird ihn daher mit gleichem Recht wie jede andere Neueinlage als Grundlage neuer Kreditgewährung ansehen. […] [D]er gleiche Prozeß [wird] sich, solange nur Überweisungen von Bank zu Bank und keine Barabhebungen erfolgen, immer weiter fortsetzen.'' (Hayek 1976a: 89f.)
Es existiert quasi eine konvergierende Reihe, die wie folgt aussieht: 0,9 + 0,9² + 0,9³ +…= Grenzwert der konvergierenden Reihe, also Gesamtsumme der verteilten Kredite = 9:
,,Da die Summe dieser konvergenten unendlichen Reihe 9 beträgt, werden die Banken also äußersten Falles für einen ihnen von außen zufließenden Barbetrag das Neunfache an Depositen schaffen können’’ (ibid.: 90). Realistisch betrachtet wird dieser Anteil kleiner sein, hierbei geht es zunächst nur um die Theorie, doch
,,[s]olange aber überhaupt nur ein wesentlicher Teil (genau: mehr als die Hälfte) der von jeder Bank gewährten Kredite den Banken nicht in bar entzogen, sondern auf Kontokorrent belassen wird, solange werden auch als Folge jedes Bargeldzuwachses in kleinerem oder größerem Ausmaß zusätzliche Kredite geschaffen.'' (ibid.: 90f.)
Durch diesen Prozess wird Punkt II plausibel, nämlich ,,daß der Zuwachs der Depositen einer Bank nicht ihr selbst, sondern nur der Gesamtheit der Banken die Möglichkeit bietet, in einem größeren Umfang Kredite zu gewähren.'' (ibid.: 92) Diese Prozedur macht plausibel, wie es zu einer Erhöhung der Geldumlaufmenge kommt, in diesem Beispiel um den Faktor 9 (aus einem Euro werden folglich neun Euro).

IV. Banktechnische Routine:
Es sind nicht nur die Zentralbanken, die die Geldumlaufmenge – scheinbar durch steigendes Handelsvolumen bedingt – durch Gelddruckerei erhöhen, es sind auch die Bankiers. Pointiert resumiert Hayek:
,,Jede Weiterverleihung eines bei einer Bank im Kontokorrent deponierten Betrages, der trotzdem weiterhin zu Zahlungen auch seitens des Depositars verwendet werden kann, stellt im Grunde schon eine Erzeugung zusätzlicher Kaufkraft dar und nichts anderes als dieser einfache und unleugbare Sachverhalt liegt der manchen so mystisch scheinenden Fähigkeit der Banken, Kaufkraft zu schaffen, zugrunde.'' (ibid.: 94)
Der Bankier macht sich über Phänomene wie z.B. den vorhin beschriebenen Multiplikatoreffekt kaum Gedanken. Von primärer Priorität sind für ihn seine eigenen Bankgeschäfte. Dies soll am folgenden Beispiel illustriert werden:
Ein Bankier der Bank A diagnostiziert für seine Bank keine neuen Ersparnisse. Eines Tages kommt es plötzlich zu einer steigenden Kreditnachfrage bei Bank A: ein kreativer Geist wirbt mit mehr oder weniger genialen Investitionsideen um einen hohen Kredit. Weshalb sich ausgerechnet bei Bank A diese steigende Kreditnachfrage ergibt ist schnell erklärt: Bei Bank A macht ,,sich die vermehrte Kreditnachfrage zuerst geltend […], weil sie jene Industrien zu Kunden hat, bei denen sich die günstigere Wirtschaftslage am frühesten erkennbar macht[…].’’ (ibid.: 97) Es erfolgt quasi eine Initialzündung – Bank A ist zu einer Reaktion gezwungen. Der Bankier hat zwar keine neuen Ersparnisse, sieht in dem Geschäft jedoch eine Chance und möchte den Kredit erteilen. Nach marktwirtschaftlichen Prinzipien müsste Bank A aufgrund steigender Nachfrage den Geldzinssatz erhöhen, tut dies jedoch nicht, da sonst die Gefahr besteht, dass der potentielle Kreditnehmer zu einer anderen Bank, z.B. Bank B, wechselt. Somit erhöht Bank A aufgrund des Konkurrenzdrucks der anderen Banken den Geldzinssatz nicht, um den Klienten Klient sein zu lassen. Folglich bleibt der Geldzinssatz der Bank A konstant, was einen Verstoß gegen wirtschaftliche Grundprinzipien darstellt. Dazu Hayek:
,,Vor allem aber kann die Bank, bei der sich die stärkeren Kreditansprüche zuerst geltend machen, schon aus Konkurrenzgründen nicht mit einer Hinaufsetzung des Zinsfußes antworten, weil sie damit vielleicht gerade ihre besten Kunden an die anderen, noch nicht vermehrten Ansprüchen gegenüberstehenden Banken verlieren würde. Es ist also wohl nicht daran zu zweifeln, daß die erste Bank oder die ersten Banken, an die sich die neuen Kreditansprüche richten, sich genötigt sehen werden, diese auch auf Kosten einer Verminderung ihrer Liquidität zu befriedigen.'' (ibid.: 99)
Dieses scheinbar lukrative Geschäft ist für den Bankier also mit einem enormen Risiko verbunden, da er darauf hoffen muss, dass sich die Investitionen des Kreditnehmers rentieren, sodass dieser irgendwann seinen Kredit zurückzahlen kann. Bank A senkt für dieses riskante Geschäft ihr Liquiditätssaldo (Verhältnis von Kundeneinlagen zu Kundenkrediten).
Ein solches Geschäft weitet sich kettenreaktionsartig auf alle Banken aus (wie bereits oben erwähnt):
,,Hat […] eine Bank oder eine Gruppe von Banken einmal mit der Expansion begonnen, so erfahren alle anderen Banken in der schon geschilderten Weise einen Bargeldzufluß, der ihnen zuerst einmal die Möglichkeit gibt, ihrerseits die Kreditgewährung zu steigern, ohne dadurch ihre Liquidität herabzusetzen. […] Ist aber einmal der Ausdehnungsprozess ein allgemeiner geworden, so werden die Banken bald eine Beobachtung machen, die sie instand setzt, für eine Zeitlang ihre Liquiditätsprinzipien noch einmal nach unten zu revidieren. […] Eine Bank, die nicht Schritt hält, sondern hinter dem allgemeinen Expansionstempo zurückbleibt, wird so lange durch Bargeldzuflüsse zur Nachahmung des Beispieles der anderen angespornt werden, bis auch sie den neuen Liquiditätsstandard annimmt. Solange dieser Expansionsprozess vor sich geht, ist es für eine einzelne Bank so gut wie ausgeschlossen, für sich allein das einzige Mittel anzuwenden, durch das sie auf die Dauer mit Erfolg die Kreditansprüche einschränken könnte, nämlich eine Erhöhung ihrer Zinsforderungen.'' (ibid.: 99f.)
Varianzen bezüglich der Liquidität von Banken und weitere Aspekte, die zu Konjunkturzyklen führen sind in der derzeitigen Kreditorganisation systemimmanent.
Wird die Liquidität durch Prozesse wie das beispielhaft genannte immer geringer, droht für die Bank ein Liquiditätsrisiko. Kredite könnten platzen, Banken könnten nicht mehr reagieren, das Geschäft wird zum Fiasko.
Das Hauptproblem besteht darin, dass die Notenbanken in der Regel dazu tendieren, den Geldzins unter den natürlichen Zins herabzusenken. (vgl. Mises 1996: 570) Somit werden potentiellen Kreditnehmern günstige Kredite zur Disposition gestellt, um dadurch die Konjunktur zu stimulieren. Sind Kredite immer leichter zu haben und folglich die Kreditmenge hoch, führt dies zunächst zu einer ökonomischen Boomphase - Kredite animieren prinzipiell die Investitionstätigkeit. Es wird in der Folge mehr konsumiert, die Barreserven nehmen ab, die Kreditmenge wird folglich ausgeweitet, dabei sinkt die Liquidität rapide, da der Geldzins weiterhin aus bereits genannten Gründen unterhalb des Gleichgewichtszinses liegt – es entsteht ein Ungleichgewicht, das andauert, solange die Umlaufmittel weiterhin erhöht werden.
,,Durch [ihr] […] Vorgehen heben sie [die Bankiers, Anm.: T.M.F.] […] den automatischen Anpassungsmechanismus auf, der das Gleichgewicht der einzelnen Teile der Wirtschaft erhält, und machen disproportionale Entwicklungen möglich, die sich früher oder später rächen müssen.'' (Hayek 1976a: 102)
Auch Ludwig von Mises, einst Mentor von Hayek, sieht darin den Versuch einer künstlichen Konjunkturbelebung und die Gefahr, dass die neu geschaffenen Kredite in Branchen fließen, die eigentlich unrentabel sind. Früher oder später wird durch diesen Prozess das Wirtschaftssystem zusammenbrechen:
,,Das Ergebnis solcher Kreditexpansion entspricht nun wohl zunächst den Erwartungen; das Geschäft wird belebt, es kommt zum Aufschwung. Doch die von der Krediterweiterung ausgehende anregende Wirkung kann nicht ewig währen; die Konjunktur, die so geschaffen wurde, muß früher oder später zusammenbrechen.''(Mises 1931: 12)
Durch die 1929 einsetzende ,,Great Depression’’ sah sich Mises in seinen Ansichten bestätigt – seine Prognose trat in der Tat ein.
Die permanenten Veränderungen der Geldmenge, die ,,immer eine ,,Fälschung’’ der Preisbildung und damit eine Fehlleitung der Produktion bedingen müssen’’ (Hayek 1976: 76), sind letztlich für die Konjunkturzyklen verantwortlich.
Logische Konsequenz ist eine Inflation als zeitverzögerte Reaktion der Realwirtschaft auf das Nicht-Herabsenken des Geldzinses durch die Bankiers. Diese Prozedur bricht jedoch irgendwann ab, da die Liquidität der Banken permanent abnimmt, bis sie einen Tiefpunkt erreicht, der die Bankiers dazu motiviert, die Ausweitung der Kredite einzustellen – der variable Geldzinssatz wird erhöht. Es erfolgt ein Dilemma: Unternehmen, die erst durch die Kreditausweitung entstanden, de facto aber unrentabel sind, werden zahlungsunfähig: sie können weder ihre alten Kredite zurückzahlen, noch aufgrund geringer Bonität neue Kredite aufnehmen. Sie gehen Pleite und verschwinden vom Markt. Es erfolgt eine Kettenreaktion, von der sowohl weitere Unternehmen, als auch weitere Banken betroffen sind. Bei strenger Befolgung wirtschaftlicher Prinzipien wäre es jedoch nie zu einem solchen Szenario, erfolgt durch expansive Kreditausgabe, gekommen. Doch der Multiplikatoreffekt, initiiert durch das Agieren der Bankiers - das Senken der Liquidität und das Ignorieren wirtschaftlicher Prinzipien (nur so viel Kredit zur Disposition zu stellen, wie in der Reserve vorhanden ist) – bewirkt das Gegenteil: ,,Der Schlüssel zu diesem Problem kann allein darin liegen, daß das von den Banken eingehaltene Verhältnis ihrer Bardeckung zu den Depositen keine konstante Größe darstellt, sondern […] veränderlich ist.’’
(ibid.: 97) Subsumierend bleibt also festzuhalten:
,,Die entscheidende Ursache der Konjunkturschwankungen ist […], daß infolge der Veränderlichkeit der Umlaufmittelmenge der Zins, den die Banken fordern, nicht notwendig immer gleich dem Gleichgewichtszins ist, sondern in der Bewegung über kurze Fristen tatsächlich von den Liquiditätserwägungen der Banken bestimmt wird'' (ibid.: 103).
Dies motiviert Mises zu einem Plädoyer gegen die Kreditschöpfungspolitik der Banken. Der Geldzins sollte durch den Marktmechanismus reguliert werden. Nur so lassen sich Krisen verhindern:
,,Das Auftreten der periodisch wiederkehrenden Wirtschaftskrisen ist die notwendige Folge der immer wieder erneuten Versuche, durch Mittel der Bankpolitik den natürlichen Zinsfuß des Marktes herabzudrücken. Sie werden nicht eher verschwinden, bis man nicht gelernt haben wird, auf alle derartige Ankurbelung zu verzichten, weil doch die künstlich angeregte Hausse unabwendbar zur Krise und zur Depression führen muß.'' (Mises 1931: 14)
Nun bleibt in Zeiten der Rezession das Geldvolumen im Vergleich zu der Zeit vor dem Boom erhöht, lediglich gezielte Eingriffe der Zentralbank könnten das Geldvolumen reduzieren, doch summa summarum bleibt das Geldvolumen höher als zuvor: Das Geldvolumen steigt prinzipiell durch expansive Kreditvergabe, geht dann in Zeiten der Rezession eventuell leicht zurück, um dann durch weitere expansive Kreditvergaben noch stärker zu steigen. Es handelt sich hierbei um ein Wechselspiel der banktechnischen Routine und des Multiplikatoreffekts. Dieses Wechselspiel ist systemimmanent und damit auch jegliche Konjunkturzyklen.

Das einzige Mittel gegen Konjunkturzyklen ist die Unveränderbarkeit der Bankkreditmenge. (vgl. Hawtrey 1926: 121) Dieses Mittel erscheint Hayek jedoch utopisch:
,,Diese Forderung scheint uns jedoch eine reine Utopie, die nicht viel weniger als eine völlige Beseitigung der Banken zur Voraussetzung hätte, da zu ihrer Durchführung zumindest die bankmäßigen Zahlungsmittel, Banknote und Scheck, völlig verschwinden müßten und die Banken dadurch sozusagen auf die Tätigkeit eines Maklers beschränkt würden, der den börsenmäßigen Verkehr in Ersparnissen vermittelt.'' (Hayek 1976a: 112)
Hayek hält diese Forderungen nicht nur für utopisch, sondern auch für wenig wünschenswert. Kredite seien notwendig, da sie oft ein Garant für technologischen, wissenschaftlichen oder sonstigen Fortschritt sind. Innovative Investitionsideen sind essentiell! Um aber Horrorszenarien zu vermeiden erscheint frühzeitige Abbremsung von Kreditexpansionen als adäquat. Damit würde man zwar keine Konjunkturschwankungen, die in der derzeitigen Kreditorganisation systemimmanent sind, abschaffen, aber zumindest deradikalisieren.
In seinen späteren Werken konstruierte Hayek ein revolutionäres Modell für ein freies Bankensystem. Demzufolge gilt es ein staatliches Sicherheitsnetz für Banken abzuschaffen, ebenso wie das staatliche Währungsmonopol. Banken sollten folglich in einem freien Wettbewerb agieren und konkurrieren und die Möglichkeit haben, eigene Währungen anzubieten. Konsequenz einer solchen Konstellation wäre ein vorsichtigeres Agieren der Banken, da ,,Vater Staat’’ im Notfall ,,seine Söhne’’ nicht mehr subventionieren würde, da Subventionen unsinnig sind. Dazu Mises in Anlehung an Bastiat: ,,Das vernünftige handeln unterscheidet sich vom unvernünftigen handeln dadurch, daß es vorläufige Opfer bringt; diese vorläufigen Opfer sind nur Scheinopfer, da sie durch den Erfolg, der später eintritt, aufgewogen werden.’’ (Mises 2006: 8) Damit wird aus Sicht der Austrian Economics Konjunkturpaketen grundsätzlich eine Absage erteilt, da sie Mises’ Definition zufolge einen Akt der Unvernunft darstellen. Langfristig würden sich die besten Banken in einem freien Bankensystem etablieren. Ein solcher Wettbewerb der Banken würde nicht nur zeigen, ,,wie die Dinge besser gemacht werden können, sondern alle […] zwing[en], […] die Verbesserungen nachzuahmen.’’ (Hayek 1968: 131) Damit hätte der freie Markt und die Privatisierung der Banken produktive Konsequenzen. Die Zentralbanken gilt es abzuschaffen, da es ihnen (aus politischen Gründen) nicht gelingen kann den Geldwert auf stabilem Niveau zu halten, um Krisen zu vermeiden. (vgl. Hayek 1976b; 1976c)
Rezipiert wurden und werden diese Ansätze im anarchokapitalistischen und libertären Milieu. (vgl.Rothbard 2000; Paul 2009)
Bedenkt man, dass die Austrian Economics mit ihren Konjunkturtheorien bereits die Große Depression voraussagen konnten, erscheint ihr konjunkturtheoretischer Ansatz auch in der heutigen Zeit plausibel. Die oft propagierten und noch öfter durchgeführten Konjunkturprogramme könnten langfristig eine ungeahnt negative Entwicklung auf die Wirtschaft mit sich ziehen.
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L I T E R A T U R

Bastiat, Frederic (1850): Was man sieht und was man nicht sieht. URL: http://bastiat.de/index2.html [Zugriff: 22/I/2010].

Hawtrey, Ralph George (1926): Monetary Reconstruction. London, New York: Longmans, Green.

Hayek, Friedrich August von (1968): Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. In: Internationales Institut ,,Österreichische Schule der Nationalökonomie'' (Hrsg.): Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Texte - Band II von Hayek bis White. Wien: Manz'sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, 119-137.

Hayek, Friedrich August von (1976a): Geldtheorie und Konjunkturtheorie. Salzburg: Wolfgang Neugebauer.

Hayek, Friedrich August von (1976b): Choice in Currency. A Way to stop Inflation. London: The Institute of Economic Affairs.

Hayek, Friedrich August von (1976c): Denationalisation of Money. London: The Institute of Economic Affairs.

Keynes, John Maynard (1985): Das Ende des Laissez-Faire. Ideen zur Verbindung von Privat- und Gemeinwirtschaft. In: Mattfeldt, Harald: Keynes. Kommentierte Werkauswahl. Hamburg: VSA-Verlag, S. 96-116.

Mises, Ludwig von (1931): Die Ursachen der Wirtschaftskrise. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck).

Mises, Ludwig von (1996): Human Action. A Treatise On Economics. San Francisco: Fox & Wilkes.

Mises, Ludwig von (2006): Liberalismus. Sankt Augustin: Academia Verlag.

Paul, Ron (2009): End the Fed. New York: Grand Central Publishing.

Rothbard, Murray (2000): Das Schein-Geld-System. Gräfelfing: Resch-Verlag.

Schlesinger, Karl (1914): Theorie der Geld- und Kreditwirtschaft. München, Leipzig: Duncker & Humblot.

Sonntag, 10. Januar 2010

Die Dichotomie der kommunistischen Theorie und Praxis kurz und präzise aufgezeigt

So in etwa lässt sich der praktische Kommunismus beschreiben:
Ein Mann hat einen Papagei. Der ruft immerzu: "Ich bin Kommunist." Eines Tages beschließt der Mann, in den Urlaub zu fahren, kann aber den Papagei nicht mitnehmen. Er steckt ihn kurzerhand in den Eisschrank. Nach drei Wochen kommt er von seinem Urlaub zurück und taut den Papagei wieder auf. Dieser sagt aber kein Wort. So sagt der Mann ihm vor: "Ich bin ein Kommunist." Der Papagei: "Ich nicht mehr. Drei Wochen Sibirien waren genug."
Die Historie lehrt uns, dass beim Kommunismus Theorie und Praxis weit auseinanderklaffen. Diese Dichotomie gipfelte in den Verbrechen Stalins, aber auch in jenen von Mao Tsetung, Pol Pot und vielen anderen Kommunisten. Daher sollte man vor allem bei degenerierten Studenten auftauchende Sympathien für den Kommunismus kritisch sehen.

Freitag, 8. Januar 2010

Friedrich August von Hayek - Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren

I. Wettbewerb
Friedrich August von Hayek beschreibt und erklärt in seinem Werk ,,Der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren'' die Vorzüge des Wettbewerbs.
von Hayek definiert den Wettbewerb als Methode zur Entdeckung von Tatsachen, ,,die ohne sein Bestehen entweder unbekannt bleiben oder doch zumindest nicht genutzt werden würden.'' (von Hayek 1968: 119) Der Wettbewerb ermöglicht es Umstände und die Handlungsweisen der ökonomisch agierenden Akteure zu bestimmen, die man nicht kennt, ähnlich wie z.B. bei einem Sportwettbewerb: erst die direkte Konfrontation der Akteure liefert Erkenntnisse über das letztliche Resultat. Dennoch obliegen dem wirtschaftlichen Wettbewerb die Erkenntnisse, die jener liefert, oft variierenden Umständen, wohingegen die Erkenntnisse z.B. von erfolgreichen naturwissenschaftlichen Verfahren konstante, allgemeine Tatsachen liefern. Daraus resultiert, dass die Leistungen des wirtschaftlichen Wettbewerbs de facto empirisch nicht messbar sind. Das Wissen, dass der Wettbewerb liefert, ,,besteht [...] in hohem Maße in der Fähigkeit, besondere Umstände aufzufinden, eine Fähigkeit, die die einzelnen nur wirksam nutzen können, wenn ihnen der Markt sagt, welche Art von Gegenständen und Leistungen verlangt werden und wie dringlich.'' (ibid.: 124)

II. Mikrotheorie versus Makrotheorie
Methodologisch kritisch ist gegenwärtig die Tendenz zu beobachten, wonach sich Ökonomen zunehmend von der Mikrotheorie ab- und zur Makrotheorie zuwenden, obwohl die Mikrotheorie wesentlich wissenschaftlicher ist, da

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