Donnerstag, 24. Dezember 2009

Frederic Bastiat: Was man sieht und was man nicht sieht: II. Die Entlassung

Sicherheit ist für jede Nation ein wertvolles Gut. Jedes Volk sehnt sich nach Sicherheit. Nehmen wir mal an, dass unser Volk eine Hunderttausend-Mann-Armee brauchen würde, um national gesichert zu sein. Eine solche Equipe würde freilich nicht für umsonst arbeiten. Die Bürger müssten im Sinne ihrer nationalen Sicherheit ein Opfer bringen und die Equipe durch Steuern subventionieren. Nehmen wir diesbezüglich mal an, dass der Erhalt dieser hunderttausend Mann hundert Millionen kosten würde, also pro Kopf eintausend.
Das Volk ist bereit, dieses Opfer für die nationale Sicherheit zu bringen.
Nun fordert ein Parlamentarier: ,,Lasset’ uns die hunderttausend Mann entlassen, so sparen wir dem Steuerzahler hundert Millionen per anno!’’
Sofort protestiert ein anderer Abgeordneter:
,,Hunderttausend Mann entlassen! Wo denken Sie hin? Was wird aus ihnen werden? Wovon werden sie leben? Etwa von Arbeit? Aber wissen Sie nicht, dass an Arbeit überall Mangel ist? Dass alle Berufe überfüllt sind? Wollen Sie die Männer auf den Markt werfen, um die Konkurrenz zu vermehren und auf die Löhne drücken? […] [I]st es […] nicht ein glücklicher Umstand, wenn der Staat hunderttausend Personen Brot gibt? Ziehen Sie außerdem in Betracht, dass die Armee Wein, Kleider, Waffen konsumiert, dass sie so die Aktivität in den Fabriken, in den Garnisonsstädten verbreitet und dass sie zu guter Letzt die Vorsehung für ihre unzählbaren Lieferanten darstellt. Zittern Sie nicht bei der Idee, diese mächtige industrielle Bewegung aufzulösen?’’ (Bastiat 1850)

Freitag, 18. Dezember 2009

Polens politische Situation und Entwicklung, Pilsudskis Sanacja-Regime und Dmowskis Endecja-Bewegung in der Zwischenkriegszeit

I. Das unterdrückte Polen
Polen war zwischen 1795 und 1919 über 123 Jahre praktisch ein nicht existenter Staat. Erst infolge des Endes des 1. Weltkriegs und der Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde Polen zu einer international anerkannten, autonomen Republik. Zuvor lebten die Polen ,,als Untertanen des russischen Zaren, des deutschen Kaisers und des Kaisers und Königs von Österreich-Ungarn’’. (Davies 2001: 100) Die Wiedergeburt des autonomen Polens resultiert aus den Prozessen im und um den 1. Weltkrieg, der die drei großen Reiche quasi gegeneinander aufmarschieren ließ und so ihre Zerstörung provozierte. Im Laufe des 1. Weltkriegs wurde Polen ,,als eine der alliierten Mächte anerkannt, und die Unabhängigkeit Polens wurde als eines der Kriegsziele der Alliierten beschlossen.’’ (ibid.: 101)

II. Unabhängigkeitsprozesse in Polen
Diese Aussicht auf Autonomie löste bei den Polen rege politische Aktivität aus. Zwei Pioniere polnischer Autonomiebestrebungen waren Józef Pilsudski, der, zeitweise im Gefängnis weilend, mit seiner Polnischen Nationalorganisation (PON) mit direkteren, auch militärischen Mitteln für eine polnische Unabhängigkeit kämpfte, und Roman Dmowski, der mit seinem Polnischen Nationalkomitee (KNP) darum bemüht war, das Ziel der Unabhängigkeit Polens mit diplomatischen Mitteln und Kooperation mit den Alliierten zu erreichen. All dies geschah in einer Atmosphäre der Zerstörung – polnisches Territorium war ein zentraler Schauplatz der Aggression des 1. Weltkriegs.
Einen entscheidenden Beitrag zu Polens Unabhängigkeit leisteten indes die Deutschen:

Sonntag, 6. Dezember 2009

Otto Graf Lambsdorff tot! Ihm gilt Dank!

Gestern, am 05/XII/2009 verstarb der ehemalige, langjährige Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland Otto Graf Lambsdorf (FDP; *1926, †2009) im Alter von 82 Jahren.
Graf Lambsdorff war von 1972 bis 1998 Bundestagsabgeordneter der FDP, deren wirtschaftspolitischer Sprecher er von 1972 bis 1977 und 1985 bis 1997 war. Von 1977 bis 1984 war er Wirtschaftsminister und von 1988 bis 1993 Bundesvorsitzender der FDP.
Er war durch sein legendäres Lambsdorff-Papier einer der Hauptprotagonisten des Bruches der sozialliberalen Koalition. Seiner Meinung nach liess sich wirtschaftlicher Aufschwung nicht mit den Prinzipien der Sozialdemokratie vereinbaren. Lambsdorff selbst war ein Verfechter marktwirtschaftlicher Prinzipien. Sein Papier ebnete den Weg zu einer Koalition mit den Christdemokraten unter Führung von Bundeskanzler Helmut Kohl.
Der gelernte Jurist und Staatswissenschaftler trug mehr als die meisten, auch liberaleren Parlamentarier zu Liberalisierungen in der deutschen Wirtschaft bei. Mit dem einher ging ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Ihm gilt Dank!

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Frederic Bastiat: Was man sieht und was man nicht sieht: I. Die zerbrochene Scheibe

Ein braver Bürger gerät in Rage, nachdem ihm sein missratener Sohn eine Scheibe zerbricht. Sofort versuchen die Mitmenschen des braven Bürgers ihm Trost zu spenden und wenden dabei interessante, zum Dogma der Ökonomie gewordene, aber grundsätzlich falsche ökonomietheoretischen Floskeln an:
,,Unglück ist zu etwas nutze. Solche Unfälle geben der Industrie ihr Auskommen. Alle Welt muss leben. Was würde aus dem Glaser, wenn man niemals Scheiben zerschlüge?’’ (Bastiat 1850)
Nun ja, berücksichtigt man nur die direkte Wirkung, also die, die man sieht, so ist diese Floskel sicherlich nicht zu negieren: Der brave Bürger entrichtet einen Betrag an den Glaser, jener freut sich über die Reparaturarbeit und noch viel mehr über das Geld.
,,Aber wenn man so ableitet […] , dass es gut ist, Scheiben zu zerschlagen, dass das Geld in Umlauf bringt, dass dadurch die Industrie im allgemeinen gefördert wird, sehe ich mich gezwungen aufzuschreien: Haltet ein! Ihre Theorie bleibt bei dem stehen, was man sieht, sie berücksichtigt nicht, was man nicht sieht.’’ (ibid.)
Was sieht man nicht? Man sieht nicht, dass der brave Bürger, der die Kosten für die Reparatur seiner Scheibe zu entrichten hat, dieses Geld nicht mehr für etwas anderes ausgeben kann. Er hätte sich Schuhe, Bücher oder sonst was holen können. ,,Kurz, er hätte mit […] [dem Geld, Anm.: T.M.F.] irgendetwas gemacht, was er nun nicht macht.’’ (ibid.) Die Industrie im Ganzen profitiert somit auch nicht vom Scheibenbruch. Zwar wird die Glasindustrie gestärkt, einer anderen Industrie hingegen werden diese Einnahmen verweigert.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Milton Friedman - ,,Kapitalismus und Freiheit'' (kurzes Abstract)

Für Friedman ist wirtschaftliche Freiheit sowohl eine Komponente als auch eine conditio sine qua non für politische und persönliche Freiheit. Die Wirtschaftsorganisationsform, die wirtschaftliche und zugleich politische Freiheit ermöglicht, ist der Wettbewerbskapitalismus, der auf den Prinzipien des freiwilligen Handel(n)s und der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung basiert und der ,,die wirtschaftliche Macht von der politischen Macht trennt und es dabei beiden Mächten ermöglicht, sich gegenseitig zu neutralisieren.’’ (Friedman 2007: 32)
Historische Evidenz für diese These liefern politökonomische Prozesse des 19. und 20. Jahrhunderts: Zu dieser Zeit etablierten sich kapitalistische Institutionen und der freie Markt und mit ihnen die politische Freiheit. Zuvor beherrschten ,,stets Tyrannei, Knechtschaft und Elend’’ (ibid.) die Geschichte der Menschheit. ,,Jede Art einer Regierungsintervention beschränkt direkt das Feld der individuellen Freiheit’’ (ibid.: 56), deshalb gilt es sie soweit wie möglich zu eliminieren, zumal ,,die Funktion des Marktes darin [besteht], dass er Übereinstimmung ohne Konformität zulässt’’ (ibid.: 46).
Dennoch ist die Existenz einer Regierung unabdingbar. Sie definiert die ,,Spielregeln’’ für die im freien Markt (inter-)agierenden Akteure und kontrolliert deren Einhaltung. Dabei hört die Freiheit der Akteure dort auf, wo sie die Freiheit anderer gefährdet. Ein gewisses Maß an Paternalismus gegenüber nicht verantwortungsvollen Akteuren (Irre, Kinder) ist stets notwendig. (vgl. ibid.: 57f.)
Politische und wirtschaftliche Machtkonzentration sollen vermieden werden, da Machtmonopolstellungen zu potentieller Zwangsausübung führen können. Dies widerspricht der liberalen Maxime des freien Willens.
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Literatur:
Friedman, Milton (2007): Kapitalismus und Freiheit. München: Piper.