Libertäres Internet-TV

Dienstag, 9. Juni 2009

Deepak Lal: Die Absurdität des dirigistischen Dogmas und staatlicher Interventionen in die Ökonomie


Der Ökonom Deepak Lal (* 1940) ist dezidierter Gegner des dirigistischen Dogmas.

Das dirigistische Dogma etablierte sich in vielen Nationalökonomien der Dritten Welt nach dem Zusammenbruch des Welthandels post bellum anno 1945 und dem daraus resultierenden Exportpessimismus. Die These, ,,dass Außenhandel und ausländisches Kapital in der Dritten Welt als Wachstumsmotor fungieren könnten, indem sie den Markt für Produkte aus der Dritten Welt ausweiten und Finanzmittel für deren Produktion bereitstellen’’ (Lal 2008: 213) wurde negiert. Stattdessen wurden, auch durch die nun unabhängigen Ex-Kolonien, nationalistische und merkantilistische Wirtschaftspolitiken propagiert, die vor allem auf staatlicher Kontrolle und Regulation der Ökonomie basierten. Diese staatsinterventionistischen und –regulierenden Wirtschaftspolitiken implizierten eine ,,Erhöhung der Inlandsnachfrage’’, eine ,,Erhöhung inländischer Ersparnisse’’, sowie eine ,,Kompensierung der vermeintlichen Defizite einheimischen Unternehmertums’’, sodass ,,der Weg […] für eine dirigistische Politik, die den Entwicklungshindernissen durch eine staatlich gelenkte importsubstituierende Industrialisierung beizukommen suchte [bereitet war]’’ (ibid.: 214). Einfluss übte dabei die Doktrin der Devisenknappheit aus: Devisenknappheit, die sich nicht durch die nationalen Ersparnisse kompensieren ließ und die gleichzeitige Notwendigkeit der für die inländischen Produktionen notwendigen, aber fehlenden Importe, stellten eine gravierende Wachstumsbeschränkung dar. Zur Problemlösung wurden
,,Import- und Devisenkontrollen […], Industriepatente, Preiskontrollen und Staatsbetriebe[, die Güter bereitstellen sollten, die der Privatsektor nicht hätte produzieren können]( Diese Betriebe kristallisierten sich jedoch als ,,enttäuschende Performance’’ heraus. Anm. T.M.F.) eingesetzt. […] Mit diesem geplanten gleichgewichtigen Wachstum (balanced growth) der Güterproduktion glaubte man, die Devisenknappheit sowie die Beschränkungen der Binnenmärkte überwinden zu können’’ (ibid.: 216f.)

Andere Theoretiker wiederum sprachen sich für die Strategie des unbalanced growth aus: Durch einen staatlich subventionierten big push sollte der Industrialisierungsprozess gefördert werden. Finanziert werden sollte der big push durch eine Kombination aus höherer Besteuerung, ,,Geldaufnahme im Ausland […] [und] einer die Inflation anheizenden Ausgabensteuerung im Inland’’(ibid.: 217).

Deepak Lal stellt fest, dass positive Effekte einer solchen Wirtschaftspolitik weder effizient waren, noch sein konnten, da die Binnenmärkte der einzelnen Staaten ,,zu klein waren, um eine staatlich geplante, autarke, gleichgewichtige Wachstumsstrategie zu verfolgen’’; zudem führe ein solches System zu enormer Korruption (ibid.: 218 et 226). Die pragmatische Entscheidung der Tigerstaaten, auf eine exportorientierte Industrialisierung zu setzen und die daraus resultierende florierende Wirtschaftsentwicklung falsifiziere den Exportpessimismus und das dirigistische Dogma. Neben dem dirigistischen Dogma seien auch moderne Handels- und Wohlfahrtstheorien zu negieren. Diese propagieren zwar zurecht den Freihandel, plädieren aber gegen laissez faire. So legitimiert sie, durch steuerliche Begünstigungen Verzerrungen am Binnenmarkt zu begegnen. Dies führe jedoch, genauso wie Zölle oder Einfuhrkontingente, zur Produktion von rent seekers. Der Staat solle aus allen Ressorts, die außerhalb seiner Kompetenz liegen, verdrängt werden. Summa summarum bleibt festzuhalten, dass Freihandel und laissez faire die einzigen nachhaltig funktionierenden Rezepte für Wirtschaftswachstum seien.
______________________
L I T E R A T U R

Lal, Deepak (2008): Vom Plan zum Markt: Die Debatte über wirtschaftliche Transformation und Entwicklung nach 1945. In.: Fischer, Karin; Hödl, Gerald; Sievers, Wiebke (Hrsg.): Klassiker der Entwicklungstheorie. Von Modernisierung bis Post-Development. Wien: Mandelbaum Verlag, 213-229.

Sonntag, 7. Juni 2009

Ein kurzer Gedanke, inspiriert durch Hans-Hermann Hoppe: Ist die Demokratie wirklich so heilig?


Mein werter St. Petersburger Kollege Karol Alexander Nosow verwies in einer Diskussion um die Ineffizienz der Demokratie und die eventuell effizientere Monarchie auf ein interessantes Zitat des anarchokapitalistischen Vertreters der Österreichischen Schule und konservativen Libertären Hans-Hermann Hoppe (schöne Alliteration), dessen Werk ,,Demokratie. Der Gott, der keiner ist'' sehr lesenswert ist. Eines seiner Mottos: ,,Freiheit statt Demokratie''.
,,Das Wesen der Demokratie ist die Umverteilung, die sich entsprechend der Verteilung der politischen Macht vollzieht. Das heißt, diejenigen, die an der Macht sind, verteilen zugunsten der eigenen Klientel und auf Kosten der Klientel der anderen Partei um. Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun, und Grundrechte wie das auf Eigentum sind im Zweifelsfall schnell perdu. Verschärfend kommt hinzu, daß die Partei, die gerade herrscht, dazu nur vier Jahre Zeit hat - bis wieder gewählt wird. Um so schneller und verantwortungsloser vollzieht sich diese Umverteilung.
In der Monarchie dagegen, als deren "glückliche" Überwindung die Demokratie zu Unrecht gilt, war der Staat potentiell für immer in den Händen ein und derselben Dynastie. Dementsprechend schonend geht ein Monarch mit seinem "Besitz" um. In der Demokratie gehört der Staat dagegen keinem, dementsprechend hemmungslos saugt ihn die gerade herrschende Partei aus."



__________________________
L I T E R A T U R

Hans-Hermann Hoppe (2003): Demokratie. Der Gott, der keiner ist. Leipzig: Manuscriptum