Dienstag, 27. Oktober 2009

Adam Smith: Arbeitsteilung und der natürliche Preis

Einer Ware obliegt bis zum Zeitpunkt ihres Verkaufs ein effizienter und zuweilen hochkomplexer Prozess, welcher auf die Arbeitsteilung zurückzuführen ist. Im Arbeitsteilungsprozess kommt es zu ,,einer sinnvollen Teilung und Verknüpfung der einzelnen Arbeitsgänge’’.(Smith 1978: 10) Dies impliziert automatisch eine Produktivitätssteigerung, welche auf drei Faktoren zurückzuführen ist:
[1.] Größere Geschicklichkeit der einzelnen Arbeiter,
[2.] Zeitersparnis, die bei einem nicht arbeitsgeteilten Prozess z.B. beim Tätigkeitswechsel verloren geht und
[3.] Maschinenerfindungen, deren Konsequenzen allgemeine Arbeitserleichterungen, Arbeitszeitverkürzungen und Produktivitätsmaximierungen sind.
Jeder Arbeiter spezialisiert sich auf eine Tätigkeit und optimiert diese infolge von Erfahrung und Übung. Daraus resultiert eine allgemeine Optimierung der Arbeitsquantität und -qualität. Durch den Ausbau individueller menschlicher Talente und Fähigkeiten profitiert die Gesellschaft – durch den Arbeitsteilungsprozess entsteht ein Plus an Produkten.
Die einzelnen Individuen, die am Arbeitsteilungs- und Produktionsprozess partizipieren gehören für ihre nützlichen Dienste entlohnt. Diese Entlohnung orientiert sich an einem bestimmten Satz, welcher
auf ganz natürliche Weise […] teils von dem allgemeinen Zustand des Gemeinwesens ab[hängt], seinem Wohlstand oder seiner Armut und seiner fortschreitenden, stockenden oder rückläufigen Entwicklung, teils von der besonderen Art, wie Arbeit und Kapital verwendet werden. (ibid. 48)

Lapidar gesagt existieren prinzipiell natürliche Sätze für Lohn, Gewinn und Rente.
Die Sätze sind von äußerster Relevanz für die Preise der produzierten und gehandelten Waren. Dabei wird der natürliche Preis dann erreicht, ,,wenn der Preis genau dem Betrag entspricht, der ausreicht, um nach den natürlichen Sätzen die Grundrente, den Arbeitslohn und den Kapitalgewinn zu bezahlen, welche anfallen, wenn das Produkt erzeugt, verarbeitet und zum Markt gebracht wird.’’ (ibid. 49) Dabei ist es für den Arbeitgeber und Investor unabdingbar eine übliche Gewinnspanne im Preis der Waren einzukalkulieren, denn dieser einkalkulierte Gewinn, den er sich aus dem Verkauf der Waren erhofft, ist die Grundlage seiner Existenz und der Existenz seiner Arbeiter. Nur durch den (einkalkulierten) Gewinn schafft es der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern ihren Lohn und somit ihren Lebensunterhalt im Voraus zu bezahlen, ehe die Waren endproduziert sind.
Der natürliche Preis ist nicht identisch mit dem tatsächlichen Verkaufspreis einer Ware – dem Marktpreis. Letzterer variiert je nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage.
Übersteigt die effektive Nachfrage die angebotene Menge einer Ware, so steigt der Marktpreis über den natürlichen Preis. Dies ist bedingt durch die Konkurrenz unter den wirklichen Nachfragern, die die Preise nach oben treibt.
Übersteigt jedoch die auf dem Markt angebotene Menge die effektive Nachfrage, so muss ein Teil des Sortiments an Waren an Nachfrager verkauft werden, die einen niedrigeren Preis offerieren. In einem solchen Szenario sinkt summa summarum der Marktpreis unter den natürlichen Preis.
Der natürliche Preis und der Marktpreis sind identisch, wenn die effektive Nachfrage exakt dem Angebot entspricht.
Der natürliche Preis setzt sich also aus den Produktionskosten und dem einkalkulierten Gewinn zusammen, wohingegen der Marktpreis zusätzlich aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage novelliert wird.
Dieses Verständnis vom natürlichen Preis deckt sich mit anderen Definitionen. So definiert Piekenbrock den natürlichen Preis folgendermaßen:
[I]m Gegensatz zum Marktpreis ein ausschließlich durch die Größe der Aufwendungen bei der Produktion von Gütern bestimmter Preis. Der natürliche Preis wurde von den Vertretern der objektiven Preistheorie, v.a. von den Klassikern, als endgültig bestimmend für den Marktpreis angesehen, bei dem im Einzelfall das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ausschlaggebend wirkt. (Piekenbrock 1997)

Dabei sind Arbeit, Kapital und Boden die Produktionsfaktoren, wohingegen Lohn, Profit und Grundrente als Produktionskosten zu definieren sind. Sie bilden den natürlichen Preis eines Gutes, der auf dem Markt durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage eventuell variiert, wobei diese Variation bei freier Konkurrenz zum natürlichen Preis tendiert. (vgl. Geigant; Sobotka; Westphal 1975: 36 et Wolff 1999: 648f.)
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L I T E R A T U R


Geigant, Friedrich; Sobotka, Dieter; Westphal, Horst M. (1975): Lexikon der Volkswirtschaft. München: Verlag Moderne Industrie.

Piekenbrock, Dirk (1997): Natürlicher Preis. In: Hadeler, Thorsten (Hrsg.): Gabler Volkswirtschaftslexikon. Wiesbaden: Gabler Verlag.

Smith, Adam (1978): Der Wohlstand der Nationen. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Wolff, Richard D. (1999): labor theory of value. In: O’Hara, Phillip Anthony (Hrsg.): Encyclopedia of Political Economy. London: Routledge, 648-651.

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