Mittwoch, 29. Juli 2015

Der Fall Martin Dulski: Wenn Schulschwänzer in der Klapse landen

Schule als Haft? Bild: Zeitenwende
von Tomasz M. Froelich
Als Ende März diesen Jahres einige Staatsdiener an der Haustür der Familie Dulski aus Braunschweig anklopften, um den erst 17-jährigen Sohn, Libertären und Gymnasiasten Martin abzuführen, handelte es sich nicht um einen vorgezogenen Aprilscherz, sondern um bitteren Ernst: Martin sollte in die Klapse eingewiesen werden.

Was war geschehen? War Martin ein gemeingefährlicher Psychopath, vor dem die Gesellschaft dringend in Schutz genommen werden musste, um großes Unheil zu verhindern? War er ein Triebtäter, der sich nicht unter Kontrolle hat und anderen Menschen Schaden zufügt? Nein, weit gefehlt, der Bengel ist noch schlimmer: Er schwänzt die Schule. Was für ein Psycho!

Fragt man den nominalpsychischkranken Dulski nach den Gründen seiner schulischen Abstinenz, so entwickelt man irgendwie Verständnis für seinen Schulboykott. Martin langweilt sich in der Schule. Nach eigener Aussage bezeichnet er die Schule als ,,psychische Folter''. Wegen seiner Figur wurde er von seinen psychisch scheinbar als gesund erachteten Klassenkameraden gemobbt, später schossen sie ihn mit Softairpistolen ab. Als sich Martin beim Lehrpersonal beschwerte, unternahm dieses praktisch nichts. Es wurde zwar kurz auf das Waffenverbot hingewiesen, das war's dann aber auch. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um sich tagein tagaus wie ein Schneekönig auf den Schulbesuch zu freuen.

Dienstag, 28. Juli 2015

Was ist die Natur?

Gehört der Mensch zur Natur? Und spielt es eine Rolle?
von Jorge Arprin
An Begründungen für staatliche Verbote herrscht kein Mangel. Der Gesellschaftsvertrag, religiöse Sitten oder die Angst vor totalem Chaos müssen immer wieder herhalten, um den Raub an Freiheit zu legitimieren. Ein Argument, das immer wieder hervorgekramt wird, ist das Argument der “Natürlichkeit”. Besonders beliebt ist es bei zwei politischen Gruppierungen, den Grünen und den Konservativen. Die Grünen meinen, man müsse “unnatürliche” Methoden wie Gentechnik komplett verbieten. Die Konservativen sind der Meinung, man müsse “unnatürliche” Familien wie z. B. gleichgeschlechtliche Paare mit einem Kind verbieten. Obwohl beide Gruppierungen keine Freunde sind, sind sich beide darüber einig: Die Natur muss, notfalls mit Freiheitseinschränkungen, geschützt werden.

Sonntag, 26. Juli 2015

Rezension: "Wahre Kultur gedeiht nicht, sei es denn auf dem Boden der Muße"

Das Buch kann hier bestellt werden
Hubert Milz rezensiert
Josef Pieper: Muße und Kult, 144 Seiten, 14,95 Euro, Kösel
Der Volksmund kennt das Sprichwort: "Müßiggang ist aller Laster Anfang." Der gleiche sprichwörtliche Volksmund sagt jedoch auch: "In der Ruhe liegt die Kraft." Dass jenes erstgenannte Sprichwort nicht die Muße meinen kann, sondern nur die Faulheit, dies fächerte der Philosoph Josef Pieper in diesem zwar schmalen, aber ungeheuer tiefschürfenden Büchlein in eindrucksvoller Weise auf.

Josef Pieper legt dar, dass eines der Fundamente der abendländischen Kultur die Muße ist - und dabei geht es nicht um das Faulenzen, sondern um alte Weisheiten, denn "sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber am siebenten Tage, da sollst du keine Arbeit tun."

Muße ist eben nicht bloßes Nichtstun, sondern es geht darum, ob und wie der Mensch mit sich selbst etwas anfangen kann, dass der Mensch in sich Ruhe findet - "Muße ist ein Zustand der Seele!". Muße heißt auf lateinisch "schola" und auf alt-griechisch "scholḗ" - unser deutsches Wort Schule leitet sich von "schola'' bzw. ''scholḗ" ab; Schule steht also ursprünglich für "die freie Zeit, für die Ruhe", in welcher der "spielende Mensch" seine schöpferische Kraft entwickelt.

Samstag, 25. Juli 2015

Manipulation bei Gold bewirkt Kapitulation bei Minenaktien

Foto: finanzen.net
Marktkommentar von Claus Vogt
Ein typischer „Bear Raid“ – Bewahren Sie Ruhe 

Wer manipuliert den Goldmarkt? Dieser Frage sind Roland Leuschel und ich in der aktuellen Ausgabe unseres Börsenbriefs Krisensicher Investieren nachgegangen, die am 14. Juli erschienen ist. Der Aufhänger dieser Analyse war der Kursrückgang vom 7. Juli 2015, der eindeutige Zeichen von Marktmanipulationen trug und als typischer „Bear Raid“ bezeichnet werden kann. 


Aufsichtsbehörden greifen nicht ein 

Ein „Bear Raid“ ist die illegale Praxis, durch konzertierte Verkäufe einen Kursrückgang auszulösen. Die Art und Weise, wie am 7. Juli eine riesige Verkaufsorder an den Terminmärkten zu einer besonders heiklen Zeit an den Markt gegeben wurde, lässt für mich keinen Zweifel daran, dass es sich um einen „Bear Raid“ gehandelt hat. Wer genau dahinter steckt, wissen wir nicht. Das herauszufinden ist eigentlich die Aufgabe der US-Aufsichtsbehörden, die das auch problemlos leisten könnten. Bisher machen sie allerdings keinerlei Anstalten, das zu tun. Ob das aus Faulheit, Desinteresse oder ganz anderen Gründen passiert, will ich hier nicht mutmaßen.

Freitag, 24. Juli 2015

Privilegien der Kirchen: Wie lange soll der Staat noch für kirchliche Bauten zahlen?

Kirchen sind schön, aber soll der Steuerzahler ihren
Erhalt finanzieren? Foto: kirchenundkapellen.de
Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
der Staat und die Kirchen waren in Deutschland jahrhundertelang eng miteinander verbunden. Aus jenen vordemokratischen Zeiten stammen mancherlei kirchliche Privilegien, die wir Heutigen kaum noch nachvollziehen können. Während die Kirchen in den letzten Jahren einen Großteil ihrer Glaubensinhalte über Bord geworfen und sich ganz dem Zeitgeist geöffnet haben, sind sie in finanziellen Dingen sehr konservativ und verteidigen ihre Privilegien mit großer Zähigkeit.

Die Kirchen lassen sich nicht nur die Gehälter ihrer Bischöfe und Pfarrer vom Staat bezahlen. Unter Berufung auf uralte Rechtstitel verlangen sie auch, dass der Staat in großem Umfang die Kosten des Unterhalts und der Renovierung von Kirchen, Pfarrhäusern und sonstigen kirchlichen Gebäuden trägt. Die Rechtsgrundlagen für diese sogenannte Baulast des Staates sind von Bundesland zu Bundesland verschieden und zum Teil nur schwer feststellbar.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Social Media: Warum Trolle immer gewinnen

von Jorge Arprin
Am 5. Juli postete Dieter Nuhr bei Facebook einen kleinen Kommentar zur Griechenlandkrise, indem er das “Nein” der Griechen im Referendum satirisch kritisierte. Er verglich es mit einer Familie, die demokratisch darüber abstimmt, den Hauskredit nicht zurückzuzahlen. Es folgte ein Shitstorm. Mit dabei war u.a. Jan Böhmermann, der seine Meinung zum Thema in einem Video klar dargelegt hat: Jeder, der gegen die Griechenlandhilfen ist, ist für ihn ein Arschloch. In dem Video werden polemische deutsche Schlagzeilen von Böhmermann und seinem Partner Klaas wütend vorgelesen, diffus an “Europa” appelliert und behauptet, es gäbe “guten Grund, Griechenland zu helfen” – welcher guten Grund das ist, und für welche Form von “Hilfe”, bleibt jedoch unerwähnt.



Mittwoch, 22. Juli 2015

Zentrale Planung oder freier Markt?: Die Unmöglichkeit des Sozialismus

Schwer zu widerlegen: Mises.
von Hubert Milz
Im Winter 1919 hielt Ludwig von Mises vor der "Wiener Nationalökonomischen Gesellschaft" einen Vortrag mit dem Titel «Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen». Dieser Vortrag wurde 1920 im "Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik" veröffentlicht und bildete die Keimzelle für das Buch "Die Gemeinwirtschaft" von 1922, ein Buch, welches damals - 1922 - viele junge Nachwuchsökonomen stark beeinflusste, prägte und vom Sozialismus hin zur Marktwirtschaft führte. Diese Nachwuchsökonomen (z. B. Friedrich August von Hayek, Fritz Machlup, Gottfried von Haberler, Steffy Browne, Wilhelm Röpke, Lionel Robbins oder Bertil Ohlin) standen dann in der "Sozialismus-Debatte" jener Jahre auf Seiten von Mises.

Was war bis dahin geschehen? Wegen der Vorgaben von Marx und Engels entzogen sich damals die sozialistischen Theoretiker einer Diskussion darüber, ob in einem sozialistischen Gesellschaftsmodell tatsächlich zwingend ein Mehr an Freiheit und an persönlicher bzw. allgemeiner Wohlfahrt zu realisieren sei. Kritikpunkte, wie z. B. die Frage nach der Motivation der arbeitenden Menschen, wurden abgewürgt, denn im und durch den Sozialismus würde ein neuer Menschentypus entstehen – dies waren zwar alles nur Behauptungen, eine Diskussion kam jedoch durch diese Haltung der sozialistischen Theoretiker nicht zustande.

Dienstag, 21. Juli 2015

Lifestyle Design: Ruhestand mit 25 (oder wann immer Du willst)!


von Christoph Heuermann, der gerne staatenlos ist
Hast Du dir schon einmal Gedanken gemacht, was Du machst, nachdem Du in den Ruhestand gegangen bist? Für viele beinhaltet dies Reisen, Zeit mit der Familie zu verbringen, freiwillig anderen Menschen helfen und sich alten und neuen Hobbies zu widmen. Bloß – vielleicht hast Du es auch noch vor Dir – musst Du bis dahin noch vierzig bis fünfzig Jahre arbeiten. Selbst wenn es weniger sind, klingt dies nicht sonderlich verlockend, oder? Schließlich wirst du nicht jünger. Krankheit, gar Tod kann dir in die Quere kommen ehe Du Deinen Ruhestand genießen kannst. Alles Geld der Welt nützt Dir nichts, wenn Du Deinen Ruhestand auf dem Krankenbett verbringst und vor Langeweile Deinen Lebenswillen verlierst.

Montag, 20. Juli 2015

Wer manipuliert den Goldpreis?

Goldpreis pro Unze in $, 1997 bis 2015. Die Stimmung der Marktteilnehmer
ist heute noch schlechter als während der Bodenbildung der Jahre 1999 bis
2001. Wer damals kaufte, hatte 10 Jahre lang Grund zu großer Freude.
Quelle: StockCharts.com.
Marktkommentar von Claus Vogt
Auffällige Verkaufsorders drücken den Kurs 
Liebe Leser,
wenn Sie wie ich den Goldkurs täglich verfolgen, haben Sie hier bestimmt auch schon ungewöhnliche Kursentwicklungen beobachtet. So war es auch am Dienstag, den 7. Juli 2015. An diesem Tag kam der Goldpreis um die Mittagszeit in Deutschland unter Druck, also noch vor Markteröffnung in den USA, und fiel bis zu der bei rund 1.150 $ verlaufenden Trendlinie zurück. Wie so oft ging der Verkaufsdruck auch dieses Mal vom US-Terminmarkt aus. Hier wurden innerhalb weniger Stunden mehr als 120.000 Gold-Kontrakte gehandelt, was rund 375 Tonnen Gold entspricht.

Sonntag, 19. Juli 2015

Stühlerücken in Ministerien verursacht immer wieder enorme Kosten

Von Umressortierungen
besonders häufig betroffen: Das
Gesundheitsministerium. Foto: dpa.
Gotthilf Steuerzahler fragt sich: Was machen eigentlich ... meine Steuergroschen?
Liebe Leserinnen und Leser,
nach Wahlen geht die Regierungsbildung im Bund und in den Ländern häufig mit einem Neuzuschnitt der Ministerien einher. Nach rein politischen Gesichtspunkten werden Zuständigkeiten verändert, werden Ministerien vergrößert, verkleinert oder gelegentlich auch neu geschaffen, je nachdem, welche Themen gerade Konjunktur haben. Dass ein solcher Neuzuschnitt von Ministerien erhebliche Kosten verursacht, spielt dabei für die Politik so gut wie keine Rolle.

Formal trifft der Regierungschef/die Regierungschefin die Entscheidung über die Zuständigkeiten der einzelnen Ministerien. Aber regelmäßig wird der Zuschnitt der Geschäftsbereiche heutzutage im Rahmen von Koalitionsverhandlungen festgelegt. Dann werden ganze Abteilungen oder auch nur einzelne Referate aus ihrem bisherigen Ministerium herausgelöst und einem anderen Geschäftsbereich zugeordnet. Die von dem Neuzuschnitt betroffenen Mitarbeiter müssen diesen Wechsel mit vollziehen.